Mr 2L8.
Marburg, Freitag, den 23. October.
1874L
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in Aafsel und Hannover; Th. Dietrich in Framfurt a. M ; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cölnrc.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
Oberhtjsischt Jeitung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie btt Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. th Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Echüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Deutsches Sieich.
S
•• Berlin, 21.zOct. Die „Prov.-Corresp." bringt heute die Nachricht, daß di« Einberufung deS Reichstages auf den 29. d. M. festgesetzt worden ist und daß die Eröffnungsfeier durch Se. Majestät den Kaiser abgehalten «erden soll. — Die „Prov.-Corresp." giebt der Hoffnung Ausdruck, daß die verzögerte Einberufung trotz der vorliegenden umfaffenden Aufgaben die rechtzeitige Erledigung der Arbeiten nicht hindern werde, damit der Preußische Landtag ohne Collission mit dem Reichstag seine Arbeit zu beginnen im Stande sei, und ein längere« Neben- einandertagen von Reichs- und Landtag vermieden werden könne. Auch dem Weltpostcongreß widmet das halbamtliche Organ eine Besprechung, welcher zu entnehmen ist, daß dem positiven Erfolg mancherlei Schwierigkeiten entgegengestanden haben. Die Haltung Frankreichs sowohl wie Englands berechtigte anfangs nicht zu sicheren Erwartun- gen, und man wird dem staatsmännischen Talent des Herrn Stephan die gerechte Anerkennung, geschickt operirt zu haben, nicht versagen können, Angesichts der glücklich überwundenen Zurückhaltung wichtiger Theilnehmer. Es liegt in der Natur der Verhältnisse, daß das schließliche Eingehen der beiden großen Westmächte auch die Bedenken und Vorbehalte kleinerer Staaten überwunden hat, sobald dieselben den stärkerm Rückhalt sich entzogen sahen. Morgen «:tb die Eröffnung des sechsten Deutschen Handels- tagö in Berlin staltfinden, welcher auch der Handelsminister Achenbach beiwohnen wird. Der Ausschuß deS HandelStageS hat zu der Tagesordnung bereits seine Reso- luNonen in Vorschlag gebracht, unter denen in der Bankfrage der Anttag auf Errichtung einer RcichSbank nach den bezüglichen Brschlüffen des BundeSrathS wohl keine Aussicht auf Erfüllung und seine Bedeutung verloren hat.
— 21. Oct. Dem Vernehmen nach wird der Reichskanzler Fürst Bismarck gegen den 25. oder 26. October zu kurzem Aufenthalte hier erwartet. Derselbe nimmt sodann noch einen Herbst-Aufenthalt in Friedrichsruhe. — Neber die Affaire deS Grasen Arnim werden mancherlei Angaben verbreitet, welche durchaus haltlos sind; die Angelegenheit wird von einzelnen Correspondenten bereits zur Ausfüllung der chronischen Lücken ihrer Briefe benutzt. Dahin gehött u. A. die Nachricht, die Familie Arnim odegar der Mecklenburgische Feudal-Adel wolle sich mit einem Begnadigungsgesuch an den Kaiser wenden; nach einer Version wäre ein Gnadengesuch bereits an den Kaiser ge gangen und abschlägig beschirden worden. Wir erfahren zuverlässig, daß daran von keiner Seite bisher gedacht worden und gedacht werden konnte, da kein Machtspruch dem Gange deS gerichtlichen Verfahrens vorgreisen kann und Niemand, der dem Grafen Harry Arnim nahe steht
oder eS gut mit ihm meint, ihm die Blöße geben wird, vor gefälltem Richterspruch die kaiserliche Gnade anzurufen. So viel Tact und Verstand ist doch wohl dem Mecklenburgischen Feudal-Adel zuzutrauen, daß er sich über den Zeitpunkt klar ist, in welchem Gnadengesuche überhaupt äUzubringen sind.
— Für dm von Ihrer Majestät der Deutschen Rai serin und Königin von Preußen aus Anlaß der Wiener Weltausstellung gestifteten Preis „für das beste Handbuch der kriegschirurgischen Technik" waren 5 Concurrenzschristen, 4 deutsche und 1 belgische, eingegangen. Die zu Preis ■ richtern ernannten Herren Billroth in Wien, B. v. Langen deck in Berlin und Svein in Basel haben diese Arbeiten einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und sind sodann in gemeinsamer mündlicher Berathung zu dcmBeschluß gelangt, daß dreien derselben, und zwar den mit den Mottos: „Kurz und Bündig", „Wiffen ist Macht" unb»Saldier Surgeon» bezeichneten eine hervorragende Bedeutung beigelegt werden muffe. Auf dm Antrag der ernannten Preisrichter haben Ihre Majestät die Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen zu befehlen geruht, daß der Allerhöchst bewilligte Preis von 2000 Thlr. getheilt und die mit dem Motto: „Kurz und Bündig" versehene Arbeit, weil sie der Fassung der gestellten Aufgabe am vollkommensten entspricht, mit 1000 Thlrn., die beiden anderen das Motto: »Saldier Surgeon« und das Motto: „Wissen ist Macht" tragenden Arbeiten, weil sie ein werthvolles Material für ein Hand buch der Kriegschirurgie enthalten, jede mit 500 Thlrn. prämiirt werden sollen. In einer hierzu am 17. d. M. anberaumtcn Sitzung deS Central Comitö's der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger wurde nun zur Eröffnung der versiegelten 3 Cou verts geschritten. 1) DaS mit dem Motto: „Kurz und Bündig" versehene Couvert enthielt als Verfaffer: Dr. Friedrich Esmarch, Profeffor in Kiel. 2) Das mit dem Motto: »Saldier Surgeon« bezeichnete den Namen: Sur- geon-Major I. H. Porter, Professor der Kriegschirurgie am Royal Victoria Hospital, Neiloy England. 3) Das mit dem Motto: „Wissen ist Macht" bezeichnete ben Na men: Dr. Joseph LanbSberger, praktischer Arzt in Posen. Neber den zweiten von Ihrer Majestät ber Kaiserin unb Königin gestifteten Preis: „für die beste Arbeit über bic Genfer Convention" hat eingetretencr Umstänbe halber bie Jury ihren Ausspruch noch nicht eröffnen können.
Wiesbaden, 19. Oct. In von der Frage berührten Kreisen erhält sich das Gerücht, daß man kompetenten Orts daran denke, bie ©teuertaffen und Domänen-Rent ämter wieder zu vereinigen und auf diese Weise unsere früheren naffauijchen Recepturen wieder herzustellen. Mit dieser Aendemng würde sich das interessirte Publikum voll ständig einverstanden erklären, wie sie auch im Interesse
der beteiligten Kaffenbeamten läge. Mit der projectirten Reorganisation der Bank-Agenturen würde den Steuer- Empfängern ein beträchtlicher Th eil ihres Einkommens genommen, welcher Ausfall durch Combination der dermalm bestehenden Steuer und Forstkaffen und Domänen-Rent- ärntcr Deckung fände.
Weimar, 20. Oet. Die Session der erstm evangelischen Landcssyncde wird am 21. b. M. durch den Landesfürstlichen Commiffar, Geheimrath Dr. Stichling geschloffen werden. Die der Synode zugegangenen Vor- lagen sowie zahlreiche aus ihrer Mitte eingebrachte Anträge haben theils bereits ihre Erledigung gefundm, theilS werden sie noch heute erledigt werden. In ben letzten Sitzungen beschäftigte sich die Synode mit der Absösung der grundherrlichen Rechte der Kirchen und geistlichen Stellen, sowie mit der Errichtung einer PenstonSanstalt für die evangelischen Geistlichen, deren Wittwen und Waisen. Beide Vorlagen wurden wesentlich in Uebereinftimmung mit den von der Kirchenregierung aufgestelltm Grundsätzen angenommen.
Goburg 14. Oct. Gestern Vormittag wurde der Sonder-Landtag des Herzogthums Coburg vettagt, nachdem er ein liberales Schulgesetz angenommen hatte. Neber einen Punkt konnte er sich lange Zeit mit der Regierung nicht einigen, nämlich darüber, daß die Ortgeistlichen, wie die Regierung wollte, gesetzliche Mitglieder des Schulvorstandes sein sollten. Er gab jedoch schließlich nach, da sonst das Gesetz nicht fanftionirt worden wäre, wie Seitens der Regierung aufs Bestimmteste erklärt worden war.
Meiningen, 19. Oct. Der Landtag ist auf ben 9. November einberufen worden; er wird, da das Land- schaftshauS niedergebrannt ist, in einem provisorisch gemie- theten Lokale tagen. Die wesentlichsten Vorlagen bilden der nach der Markrechnung umgearbeitete Etat für 1875—1878, die Gemeindeordnung und das Volksschulgesetz. Die Be soldungen werden nach der Dorfzeitung um etwa 20 Pro- cent, das Einkommen der Lehrer um 27 bis 33 Procent erhöht. Eine durchgreifende Reform der Steuern, wird, wie eS scheint, nicht beabsichtigt, dagegen eine Ermäßigung derselben ermöglicht werden. Bei Durchführung der Kreis- vertassung wird jeder Kreis außer mit einem ständigen Einkommen auch mit einem Kapital aus der Kriegsentschädigung dotirt werden.
v Würzburg, 16. Oktober. Für den Prozeß Kull- mann sind, wie man dem „Schw. M." meldet, zwei Tage, der 29. und 30. Oktober zur Verhandlung angesetzt und eS werden hierbei gegen 30 Zeugen und ©achvetständige zur Vorladung gelangen. Die Geschwornenrolle ist bereits bekannt gegeben, eS befinden sich unter denselben zehn Oekonomen, und 20 sind dem Kaufmanns-, Fabrikanten-
Der ttm eine Million.
Roman von Ewald August König.
J (Fortsetzung.)
Ich habe ben Fall in meiner Familie gehabt, fuhr der Baronet fort, dieselbe Krankheit, Sie werden sehen, die KrifiS ist noch lange nicht überstandm.
Mein Gott, Sie erschrecken mich, sagte der alte Herr bestürzt.
O nein, die Hoffnung will ich Ihnen nicht rauben, absolut tödtlich ist die Krankheit nicht, ich will Sie nur vorbereiten auf das, was kommen wird.
Wenn Sie glauben, daß der Arzt da» Wesen dieser Krankheit nicht erkennt, so werde ich einen zweiten Arzt hinzuziehen, Sir.
Der Baronet zuckte die Achseln.
Biele Köche verderben den Brei, erwiderte er ge- lasten.
Wenn ich erkranke, werde ich nie einen Arzt consulttren, zwei Aerzt« zu nehmm, halte ich für bie größte Thorheit, die man begehen kann. Die Natur muß selbst sich helfen, und sie thut eS in ben meisten Fällen, der Arzt nimmt ihr Verdienst für fich in Anspruch, dagegen schiebt er bie Schuld auf sie, wenn er mit seiner lückenhaften Wissenschaft sein Opfer unter den Rasen gebracht hat.
In wachsender Aufregung wandette Herr Eduard Schindler aus und nieder; die zuversichtliche Sicherheit, mit der Sir Arthur seine Besorgnisse aussprach, weckte die schlinun- flm Ahnungen in seiner Seele.
Lasten Sie den Arzt in Gotte« Namen seine Medica- Mmte verschreiben, nahm der Baronet nach einer Pause wieder daS Wort, seine Besuche trösten und beruhigen bie Kranke, unb daS ist schon viel «erth. In der Hauptsache stnb nur kühlende Getränke nöthig, sie brechen bk Ärajt des Fiebers und verdünnen das Blut. Anderer Medica
mente bedarf es noch nicht, wenigstens jetzt noch nicht, so lange bie KrisiS nicht eingetreten unb überstanden ist. Ich werde Ihnen einige Flaschen Himbeersaft schicken, die ich aus England mitgebracht habe, es ist eine ganz vorzügliche Qualität, wie Sie sie hier nicht erhalten.
Der Banquier nahm dieses Anerbieten mit Dank an, aber er fragte doch hinter dem Rücken des Baronets dm Arzt, ob er diesen Saft ber Kranken reichen dürfe.
Der Doctor fanb nichts bagegen einzuwendm. Sir , Arthur brachte am Nachmittag eine Flasche mit bem Versprechen, baß er eine zweite folgen lasten werbe, sobald die erste geleert fei.
Für Sie habe ich auch etwas wandte er sich zu Anna, als er ihr die Flasche überreichte, Sie werden sich aufrei ben, wenn Sie Tag und Nacht am Krankenbette sitzen.
ES ist meine Pflicht, Sir, erwiderte Anna, die Pflicht der Liebe und ber Dankbarkeit!
Sie haben ein ebles Herz, aber" vergessen Sie nicht, daß auch andere Pflichten — »
Sie müssen vor jener zurücktreten. Adele hat nicht die nöthige Ruhe und Sicherheit, ihre kranke Mutter zu pflegen, sie würde den Kopf verlieren und vielleicht etwas ver- säumm. Gerhard kann ebenfalls die Pflege nicht übernehmen, und einer fremden gedungenen Person darf ich sie nicht überlasten. Nein, Sir, ich bin die Änzige und ich werde meine Pflicht erfüllen I
Nun denn, »ernt Sie nicht anders wollm, so wird Niemand Sie zurückballen können, Ihren edlen Vorsatz auszusühren, erwiderte der Baronet, bitt«, nehmen Sie diese Flasche, sie enthält einen vorzüglichen Madeira, trinken Sie Abends ein Glas, er wird Ihnen wohl thun.
Sie sind sehr aufmerksam, Sir!
Bitte, ich wünschte, mehr thun zu können, des Dankes ist dieser geringe Dienst nicht werth.
Anna nahm beide Flaschen und kehrte in daS Krankenzimmer zurück.
Madame Schindler war erwacht, fie fühlte sich bedeutend wohler.
Wenn der Schmerz im Kopfe nickt wäre! sagte ft«, als Anna sich nach ihrem Befinden erkundigte. Mir ist eS ganz unbegreiflich, daß diese schwere Krankheit so plötz- lich mich überfallen konnte.
Sie werden fie vielleicht schon lange im Körper gehabt haben, entgegnete Anna, während sie die Kisten zurecht rückte, den geringen Schmerz beachtet man nicht, erst, wenn die Krankheit ausbricht —
ES mag fein, unterbrach Madame Schindler sie, ich erinnere mich, daß ich am Abend vorher keinen besonderen Appetit hatte, der Wein schmeckte mit nicht, und ich trinke doch gern bei Tisch ein Glas. Wie lieb Du bist, Anna! Du solltest Dir auch Ruhe gönnen, diese andauernde Anstrengung wird Dich auch aufs Krankenlager bringen!
So rasch wohl nicht, erwiderte das Mädchen lächelnd, ich habe in meinem Lebm manche Gelegenheit gesunden, bie Kräfte deS Geistes und bes Körpers zu fühlen, ©ir Delavalle wollte mir auch rathea, daß ich mich schonen möge, ich begreife nicht, baß er mir diesen Rath geben kann, da er doch weiß —
©ir Delavalle! fiel die Kranke ihr hastig ins Wott. Reden wir nicht von ihm, die Abneigung, die ich gegen ihn hege, droht sich in Haß zu verwandeln, wenn ich oft an ihn erinnert werde. Das erschreckt Dich? Du hättest freilich ein Recht, nach ben Grünben meiner Abneigung zu fragen, ich kann sie nicht nennen. Wie baS Thier iustinc- tiv feinen Feind flieht, fo fühle auch ich instinctiv, daß uns durch diesen Manu Verderben droht, eS ist ein Gefühl, welches ich nicht näher erklären kann.
Anna schüttelte daS Köpfchen, sie begriff das nicht.