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Marburg, Donnerstag, den 22. October.

1874L

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureauk von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

(Pliftl)flTildif Jdtung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer benWerktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für baS Quartal burch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 22i Sgr., burch bie Postämter des beutfchen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertiousgebühr für bie gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ettheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet.

Opfer gebracht hast, erwiderte Gerhard ruhig. Es bleibt dabei, ich werde meinen Contract kündigen und dem Rhe­der einen anderen Steuermann stellen.

Das laß mich in Ordnung bringen; wenn Dein Rhe­der Schwierigkeiten machen sollte, so kann ich eine Pression auf ihn üben, er hat Rücksichten auf meine Wünsche zu nehmen, wenn tt auch von mir ein Entgegenkommm er­warten will.

Am glücklichsten war Anna, sie fürchttte nur, Gerhard könne später diesen Entschluß bereut«.

Da kenne ich ihn bester, sagte der Banquier lächelnd, bereuen wird er den Entschluß nicht, eS fragt sich nur, womit er sich jetzt beschäftigen will.

Laß mir Zeit, darüber nachzudenken, erwiderte Gerhard, ich werde Dir später Vorschläge machen und um Deinen Rath bitten, einstweilen beschäftigen mich noch andere Dinge, die meine Zeit in Anspruch nehmen.

Er hatte sich erhoben, eS lag in seiner Absicht, den Baronet zu begleiten und Max zu besuchen, um mit ihm zu berathen.

Sir Atthur nahm die Begleitung an, er schien sie so­gar erwartet zu haben.

Sie hätten diesen Entschluß nicht so rasch äußern sollen, sagte er, als sie sich aus der Straße befanden. ES wären an denftlben Bedingungen zu knüpfen gewesen, welch« man Ihnen gewiß nicht abgeschlagen hätte.

Gerhard blickte fragend zu seinem Begleiter auf.

Wenn Sie zum Beispiel gesagt hätten, Sie wünschten, daß die Hochzeit binnen vier Wochen gefeiert werde, in diesem Falle wollten Sie die Theerjacke ausziehen, so wür­den Ihre Eltern mit Vergnügen darauf eingegangen sein und uns Beide wäre geholfen gewesen, fuhr der Baronet fort. Sie können jetzt noch die Bedingung geltend machen,

DttüscheS Reich.

m Berlin, 20. Oct. Der Kaiser ist in erwünschtem Wohlsein gestern von Baden zurückgekommen und hat heute schon Vorträge entgegengenommen. Der Präsident des Reichskanzleramt- Delbrück, hat wegen Eröffnung des Reichstag» Vortrag gehalten; man meint nun, daß dieselbe noch Ende d. M. erfolgen solle und daß deshalb die Ein­holung bet allerhöchsten Genehmigung möglichst beschleu­nigt worden ist. Nach Eröffnung de» Reichstages gedenkt der Kaiser sich zur Abhaltung von Jagden nach Schlesien zu begeben. Der Ausschuß des Bundesraths für Handel und Gewerbe hat heute die Berathung über das Bankgesetz zum Schluß gebracht, wie man hört, ohne wesentliche Aenderung der Resultate erster Berathung. Von hiesigen Blättern war irrthümlich die Schlußberathung schon auf den Sonnabend vettagt worden. Die Straf- Untersuchung gegen Graf Arnim läßt die Beendigung in naher Frist nicht erwarten; es ist die Absendung eines EommistarS auch nach Pari» zur Feststellung thatsächlicher Momente als wahrscheinlich bezeichnet worden. Der nautische Verein in Stralsund hat sich in der letzten Sitzung mit der Frage beschäftigt, wie dem Mangel an Seeleuten abzuhelfen sei und zu diesem Zweck auch die Errichtung eine- LehrschiffeS zur Ausbildung junger Seeleute vorge­schlagen. In derselben Sitzung des Vereins beschäftigte man sich auch mit der Frage, ob die Hafenverwaltung unter gewisten Bedingungen der Staatsregierung zu über­lasten sei, um mit größeren Mitteln die Hebung der Schiffsahtt betreiben zu können. Die städtische Ver­waltung in Berlin hat durch das gestern erfolgte Ableben des Direktor« de» städtischen statistischen Bnreau's Dr. jur. Schwabe einen fühlbaren Verlust erlitten. Der Verstorbene war erst vor wenigen Monaten noch zum Professor der Statistik an hiesiger Universität berufen worden.

20. Oct. Da» Herrenhaus-Mitglied Kronsyndicus Prof. Horneyer ist heute, der Director de» statistischen Bureaus der Stadt Berlin, Prof. Dr. Schwabe, gestern Abend gestorben. Dem Vernehmen nach wird morgen der Untersuchungsrichter in der Arnim'schen Sache, Stadt- gerichtSrath Pescatore, mit einem Protokollführer nach Part» abreisen, um behufs Beschleunigung des Procestes die Vernehmung des Pariser BotschaftSpersonalS zu bewirken.

Als neuester Beitrag zur Beurtheilung der Arnim- scheu Angelegenheit ist ein Schreiben des deutschen Bot schasterS in Paris, Fürsten Hohenlohe, zu rcgistriren, welches derselbe an die Redaktion derNeuen Freien Presse" in Wien gerichtet hat. Eine Berliner Correspon- denz deS genannten Blattes hatte die gegen den Grafen Arnim eingeleitete Untersuchung aus eine Jntrigue des Fürsten zurückgeführt und ungescheut durchblicken lassen,

daß der jetzige Botschafter aus rein persönlichen und ehr­geizigen Motiven den Zwist zwischen dem Grafen Arnim und dem Reichskanzleramt hervorgerufen habe. DaS hierauf bezügliche Schreiben des Fürsten Hohenlohe lautet: Eine Original-Correspondenz derNeuen Freien Preffe" vom 13. d. M. veranlaßt mich zu nachstehender Bemer­kung: Graf Arnim war bereits zur Disposition gestellt, als ich meinen Posten in Paris antrat. Dir Behauptung, daß die Anzeige über Unvollständigkeit des Botschaft- Ar­chivs mit dem Austritte des Grafen Arnim aus dem aktiven Dienst in Causal-Zusammenhang stehe, ist sonach irrig. Im Ucbrigen unterlasse ich es, auf die gegen mich gerichteten Verdächtigungen zu antworten, und begnüge mich, daran zu erinnern, daß es Pflicht jedes Beamten ist, bei seinem Amtsantritte die Registratur, für welche ihm in Zukunft die Verantwortung obliegt, zu prüfen und von Unordnungen, die sich vorfinden, Anzeige zu machen. Auffee, 14. Oktober 1874. Chlodwig F. Hohenlohe. Die Zuschrift legt einfach und klar die wirklichen Motive deS neuen Bot­schafter» für die von ihm gemachte Anzeige zu Tage, so baß Jedermann in den Beschuldigungen deS Wiener Blattes das Product einer tendenziösen Erfindung und gehässigen Voreingenommenheit erkennt. DieNeue Freie Presse" wagt eS auch nicht, diese sachliche Berichtigung in Zweifel zu ziehen, sondern begnügt sich in sehr ergötzlicher Weise damit, daß Fürst Hohenloheselbst bekenne", von den vor­gefundenen Unordnungen im Pariser BotschaftsarchivAn­zeige gemacht" zu haben. DaS Blatt triumphirt über dieses Bekenntniß mit der Bemerkung, daß die betreffende Mittheilung seines Correspondenten von der thatsächlichen Bethciligung des Fürsten Hohenlohe an dem Vorgänge also aufrecht stehen bleibe", als ob mit dieser Enthüllung etwas ganz Neues beigebracht worden wäre. Nun hat aber bereits dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer Nummer vom 7. Oct. er. ganz unverhohlen rnitge- theilt, daß die Unvollständigkeit deS Archivs erst nach dem Antritt de» neuen Botschafter» bekannt geworden unb von diesem zur Kenntniß de» auswärtigen Amte» gebracht wor­den sei. Die erwähnte Correspondenz derNeuen freien Presse" qualificirt sich demnach lediglich als eine verleum­derische Auslegung bekannter Thatsache«, die einzig und allein dem Zweck dienen sollte, den Nachfolger deS Grafen Arnim zu Gunsten des Letzteren in der öffentlichen Mei­nung zu verdächtigen.

WisSbabe», 15. Oct. Unser Kaiser hat dem Comit« für Errichtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwalde zur Beförderung des Unternehmens einen Beitrag von 10,000 Mark bewilligt, nachdem er schon früher die un­entgeltliche Hergabe der für die Ausführung der Figuren erforderlichen Geschützbronze befohlen hat. Außerdem sind bei der Sedanfeier in den verschiedensten Theilen Deutsch­

lands vonKriegervereine« undGesellschaften sehr erhebliche Bei­träge, z. B. in München über 1000 Fl., in Kassel 245 Thlr. Duisburg 121 Thlr., Rheydt 332 Thlr. gesammelt und dem geschäftsführenden Ausschüsse in Wiesbaden überwiesen worden. In Folge der allgemeinen Zustimmung, welche der Entwurf des Prof. Schilling in Dresden gefunden hat, ist das Comite der Ausführung nunmehr näher ge­treten und hat mit dem genannten Bildhauer Vertrag we­gen Anfertigung des Gußmodells zur Germania, deren Höhe auf 9 Meter bestimmt wurde, abgeschlossen. Brillante Photographieen deS ganzen Denkmalsentwurfs sind von der Verladshandlung von F. und O. Brockmann'S Nach­folger zu Dresden ongefertigt worden und werden zu Gun­sten der DenkmalSeaffe verkauft. Eben so wird auf den Einzeichnungslisten, welche überall in Umlauf gesetzt werden sollen, eine Abbildung des Entwurfs vor Augen geführt. In Baiern und Baden haben bereits die Sammlungen begonnen und nehmen guten Fortgang.

Darmstadt, 19. Oct. Soeben ist da» Refultat der hiesigen Bürgermeister-Wahl bekannt geworden. Es wurde gewählt HofgerichtS-Advocat Ohly mtt 18 gegen 17 Stim­men, welche auf Kreis - Assessor Emmerling in Dieburg fielen. Geh. RegierungS - Rath Fink hatte schon einige Zeit vor dem Schluffe der Concurrenz seine frühere Mel­dung zurückgenommm.

Mainz, 20. Oct. Bei der heutigen Wahl de» Bürger» Meisters wurde Bürgermeister Wallau mit 23 gegen 13 Stimmen der Ultramontanen gewählt.

Ttraßburg, 18. Oct. Heute al» am Geburtstage des Kronprinzen fand am Vormittag im Hofe der hiesigen Citadelle eine erhebende militärische Feier Statt die Ent­hüllung deS Denkmals für die im letzten Feldzuge gefalle­nen Officiere und Pioniere des königl. preußischen Jnge- nieur-CorpS. Das hier garnifonirenbt badische Pionier- Bataillon war dazu in voller Stärke ausgerückt, während die hiesig« Garnison durch Deputationen vettreten war. Von außerhalb waren aus allen Theilen der Monarchie Jngenieur-Osficiere aller Chärgen als Deputaionen erschie­nen, während von den preußischen Pionier-Bataillonen je ein Unterosficier zu der Feier entsandt worden war. Nach Abhaltung einer kirchlichen Feier sowohl nach katholischem als nach evangelischem Ritus fiel die Hülle, welche bis dahin das Denkmal den Blicken der Zuschauer entzogen hatte, unter dem Präsenüren deS Gewehrs der Truppen. Nach Einsegnung des Denkmals schloß die Feier mit einem durch den derzeitigen General-Jnspecteur deS Ingenieur- Corps und der Festungen, General-Lieutenant v. Biehler, ausgebrachtes Hoch auf den Kaiser, in welche- die zahlreich versammelten Zuschauer kräftig einstimmten. DaS fast eilf Meier hohe Denkmal steht vor dem Officiergebäude mit Front nach der Stadt.

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De, Kamps um eine Millien.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Er rieth dem Banquier ernstlich, über Miß Ballavini genaue Erkundigungen einzuziehen und ihr zu sagen, daß er ihre Besuche nicht gern sehe, für Fräulein Anna sei dies allerdings sehr unangenehm, aber als einstiges Glied der Familie Schindler müffe sie der Ehre dieser Familie alle persönlichen Rücksichten opfern können, e- sei ihr ja unbenommen, in Begleitung ihres Verlobten die Mutter zu besuchen.

Zum erften Male seit ihrer Verlobung wagte Adele bei dieser Gelegenheit, bie Meinungen ihres Verlobten zu bekämpfen, und aus der Art und Weise, wie sie den Kamps führte, mußte Sir Arthur erkennen, daß e» ihm noch nicht gelungen war, ein zärtliche- Gefühl in ihrem Herzen zu wecken.

Der Banquier suchte und fand endlich einen Verwand, dem unerquicklichen Gespräch eine andere Wendung zu geben.

Er theiltt seinem Sohne mit, daß er die Nachricht er­halten habe, dieHammonia" werde bald wieder in See gehen, die nöthigen Reparaturen seien bereit» getroffen, Gerhard müsse sich dabei zur Abreise bereit halten.

Diese Nachricht, die man an jedem Tage erwarten konnte unb an deren eintreffen gleichwohl noch Niemand gedacht hatte, gab sofort den Gedanken Aller eine andere Richtung.

Anna blickte besorgt ihren Vttlobten an, dessen Stirn sich umwölkte. Madame Schindler äußerte ihren Schmerz darüber, daß sie so bald wieder von dem Sohne scheiden solle, ohne eine Hoffnung hegen zu dürfen, ob unb wann sie ihn wiebersehen werde.

Nur der Banquier blieb ruhig.

Gerhard hat au» freien Stücken diese Laufbahn gewählt, sagte er, de« Menschen Wille ist sein Himmelreich!

So werde ich Dich begleiten, versetzte Anna, ich hoffe, man wird mir die Erlaubniß nicht verweigern.

Aber zuvor müßte doch die Hochzeit stattgefunden haben, warf Sir Arthur mit einem stechenden Blick auf Madame Schindler ein.

In solchen Fällen feiert man eine stille Hochzeit, erwi­derte der alte Herr, während er langsam mit der Hand über sein Haupt fuhr, und waS die Einwilligung betrifft Anna, so wäre sie gewiß zu erhalten, man wird der Gat­tin nicht verwehren, den Gatten zu begleiten. Aber ob Dein zarter Körper die Beschwerden einer solchen Reise ertragen wird, das ist eine Frage, die wohl beherzigt wer­den muß.

Gerhard seufzte tief auf wie Einer, der mit einem schwe­ren Entschlüsse gerungen und endlich den Weg gesunden hat, den er wandern muß.

Ich habe das Meer mit seinen wunderbaren Schön­heiten geliebt, sagte er, und noch immer fällt e» mir schwer, mich seinem Zauber gewaltsam zu entreißen. Aber eine andere Liebe ist in mein Herz eingezogen, sie hat mit jener gekämpft und den Sieg davongetragen. Ich bleibe, ich darf meine Gattin den Beschwerden und Gefahren einer solchen Reise nicht aussetzen, weil ich mir sagen muß, daß ich nicht gezwungm fei, dieser Laufbahn treu zu blei­ben, sodann gebietet mir die Kindespflichi, meinen Eltern in ihren alten Tagen eine Stütze zu fein.

Gerhard, mein Junge, segne Dich Gott für diesen Entschluß! rief der Banquier erfreut und Alle reichten dem jungen Manne glückwünschend die Hand. Eine grö­ßere Freude hättest Du mir wahrlich nicht bereiten können!

Ich wußte das unb ich glaube, auch Dir dieses Opfer schuldig zu sein, da Du ja auch meinem Glücke manches