Mr 24S
JUarfiurg, Dienstag, den 20. October.
1871
Sus eigen nimmt entgegen: Je eneMtiott d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Laasenstein & Bögler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc-
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Deutsches «eich.
Berti», 18. Oct. Der heutige Tag ist nicht nur in Preußen, sondern in ganz Deutschland ein Festtag für Alle, die an der Einheit und Größe, an dem Aufschwung« und Gedeihen deS Vaterlandes eine aufrichtige Freude haben, denn er ist daS Wiegenfest unseres Kronprinzen, des erlauchten Feldherrn, der die vereinten Krieger Deutschlands zu glorreichen entscheidenden Siegen führte und dadurch der Neugestaltung des Vaterlandes mit entscheidender That den Boden bereiten half. Dem Sohne unseres allverehrten Kaisers war es vergönnt, mitwirkend in die Ereignisse einzugreisen, unter denen sich das Ringen um Deutschlands Zukunft vollzog und deren welthistorisches Srgebniß das mächtige Reich ist, dessen Einheitssymbol und Oberhaupt er dereinst zu werden bestimmt ist. Doch ,S find nicht KriegSthaten allein, durch welche Kronprinz Friedrich Wilhelm um das Vaterland sich verdient gemacht hat. Dm Künsten des Friedens, der Wissenschaft, dem Gewerbefleiße, allen Grundlagen gesunden staatlichen Lebens mit Ernst und Hingebung zugewandt, hat der Kronprinz auch auf dm Ehrenseldern friedlichen Ringens die Führung übernommen, als von unübertroffenen kriegerischen Erfolgen heimkchrmd Deutschland und Preußen, unter gleichzeitiger neuer Vervollkommnung der Waffenrüstung, dennoch ihr Augenmerk mit Vorliebe auf die Pflege idealer Güter richteten, deren Blüthe von der wahren Größe eines Volkes unzertrennlich ist. — Die Octoderfeuer, welche so oft an -dem Jahrestage der Leipziger Schlacht, dem verheißungsvollen GeburtStagSdatum unseres Kronprinzen, erglänzten, haben nicht nur dem ruhmreichen Feldherrn, sondern auch dem eisrigen Förderer und Hüter der geistigen Größe unseres Volkes durch die Knaben- und Jünglingsjahre in das Mannesalter hineingeleuchtet, in welchem er sich von der aufrichtigen Verehrung aller Deutschen umgeben steht. Die Anhärglichkeit des deutschen Volkes an ein erhabenes Herrschergeschlecht, verbunden mit dem Bewußtsein der Identität der Interessen, ist ein hervortretender Zug des echt dmtschen Gemüthes und Herzms, der die herrlichsten Früchte in schweren Krisen gezeitigt hat. In dieser Beziehung namentlich hat „Deutschland gewonnen, was Preußen erworben" und in schneller Entwickelung beweist die Gestaltung unserer Deutschen Verhältnisse, daß die Reichsinstitutionen nicht eine Bedrohung, sondern eine Befestigung der Selbstständigkeit der Deutschen Länder und ihrer Fürstenhäuser sind; daß die Treue gegen Kaiser und Reich nicht den Gegensatz zur Treue gegen den Landesherrn und die Heimath darstellt, sondern mit derselben gleichbedeutend und von derselben unzertrennlich ist. Und so darf am 18. October unser Deutsche« Volk in hoffnungsvoller Zuversicht die Herzen zu Gott erheben und den Geber alle« Guten bitten, daß er den Kronprinzen auch
ferner in Seinen heiligen Schuh nehmen möge, zum Heile des Vaterlandes!
— 17. Oct. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt über die italienische Reise des Kaisers, dieselbe sei in Folge deS unbedingten ärztlichen Ausspruches sehr ungern aufgeschoben worden. Der Kaiser werde hoffentlich während des Winters Ruhe und Befestigung der neu gekräftigten Gesundheit finden, welche ihm gestatte, im nächsten Jahre seinen Reisewunsch auszuführen, bei dem es sich nicht blos um eine willkommene Curtoisie zwischen den beiden Höfen, sondern zugleich um eine Wiederbegrüßung der nahe befreundeten Monarchen und um eine erneute Bethätigung der auf den Sympathien und Interessen beider Reiche beruhenden Empfindungen und Bestrebungen handle. — Dasselbe Blatt schreibt betreff« der Niedersetzung einer Commission zur Berathung der organisatorischen Justiz. Gesetze: Die ver- kündeten Regierungen seien zwar nicht geneigt, über die geschäftliche Behandlung der Justiz-Gesetze bestimmte Vorschläge zu machen, aber bereit, allen auf gründliche und erfolgreiche Berathung hinauögehenden Anträgen gerne entgegenzukommen. — Neber die Eröffnung des Reichstag« sei noch keine Entscheidung getroffen und eine solche erst am Anfänge der nächsten Woche zu erwarten. — DaS Blatt bezeichnet die Darstellung der „Vossischen Zeitung" vom 13. d. M. über die Differenzen zwischen dem Fürsten BiSmarck und dem Grafen Arnim als ungenau und unvollständig und behält sich eine Berichtigung resp. Vervollständigung bis nach erfolgtem Richterspruche vor. Wie die Kreuzzeitung erfährt, hat die wiederholte Haussuchung im Arnim'schen Palais hauptsächlich einer Remise gegolten, in welcher Möbel und Kisten mit dem Grafen Harry Arnim gehörigen, aus Paris hierher tranSportirten Gegenständen meist noch unausgepackt aufbewahrt gewesen, und wurden vierzehn solcher Kisten in Beschlag genommen und nach dem Gerichtslocal gebracht. Die Remise wird polizeilich bewacht. — In den hiesigen politischen Kreisen wird die Nachricht, der Papst habe an Kaiser Wilhelm betreffs der Einkerkerung der Bischöfe geschrieben, entschieden dementirt.
— Die wesentlichsten sonstigen Bestimmungen deS erwähnten Gesetzentwurfes, Betreff enb die landwirthschaftlichen Arbeiterverhältnisse, find folgende: 1. Die Festsetzung der Verhältniffe zwischen den land- und forstwirthschaft- lichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist Gegenstand freier Uebereinkunst. Zur Gültigkeit de« Vertrages bedarf es der schriftlichen Abfaffung nicht. §. 3. Jeder Arbeitgeber ist der Aufsichtsbehörde gegenüber verbunden, auf seine Kosten alle diejenigen Einrichtungen herzustellen und zu unterhalten, welche mit Rücksicht auf die besondere Beschaffung deS ArbeilsbetriebeS und der Arbeitsstätte zu thunlichster Sicherung der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit nothwendig sind. 4. Wenn beim Be
ginn der Land- und Forstwirlhschaft oder eines damit ver- bundenen Gewerbe« Maschinen in Anwendung kommen, deren Handhabung besondere Vorsicht und Sachkenntniß erheischt, so finden hinsichtlich der Verbindlichkeit zum Schadenersätze für die durch den Maschinenbetrieb herbeigeführten Tödtungen und Körperverletzungen die Vorschriften des Reichsgesetzes vom 7. Juni 1871 Anwendung. §. 5. Beim Abgänge können die Arbeiter ein Zeugniß über die Art und Dauer ihrer Beschäftigung fordern, welches auf Antrag der Betheiligten, wenn gegen den Inhalt sich nichts zu erinnern findet, von der Gemeindebehörde kosten- und stempelfrei zu beglaubigen ist. Dieses Zeugniß ist auf Verlangen der Arbeiter auch auf die Führung auszudehnen.
6. Maß und Beschaffenheit der Leistung und Gegenleistung, Anfang und Dauer deS ArbeitsverhältnisseS und die etwaigen Kündigungsfristen richten sich nach der Orts- gewohnheit, sofern nicht durch Vertrag etwas Anderes bestimmt ist. — Im Zweifel gelten folgende Regeln: 1) Ist einem Arbeiter in Anrechnung auf den vereinbarten Arbeitslohn eine Wohnung für sich und seine Familie oder ist ihm eine Landnutzung gewährt, oder bezieht er einen An- theil am WirthschaftSertrage, so wird der Vertrag als auf ein Jahr geschloffen angenommen. Wird derselbe nicht spätestens drei Monate vor Ablauf aufgekündet, so ist er von Jahr zu Jahr als auf ein Jahr verlängert zu erachten. 2) Der Vertrag mit Arbeitern, welche lediglich auf Tagelohn (Natural- oder Geldlohn) gedungen sind, ist auf unbestimmte Zeitabschnitte für geschloffen zu erachten, insofern nicht aus den getroffenen Verabredungen zu entnehmen ist, daß das ArbeiiSverhältniß bis zur Vollendung eines bestimmten land- oder forstwirthfchaftlichen Geschäft« (Erntearbeiten, Meliorationsarbeiten, Holzschlagen rc.) andauern soll. §. 9. Wenn zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer Stteitigkeiten über den Antritt, die Fortsetzung oder Aushang deS Arbeitsverhältnisses oder über die gegenseitigeroisixiftungen während der Dauer derselben oder über die Eu^ilung oder den Inhalt der §. 5 erwähnten Zeugnisse entstehen, so ist die Polizeibehörde zuständig, hierüber vorläufige Anordnung zu treffen und dieselbe sofort in Vollzug zu setzen. Die Zuständigkeit der Gerichte wird hierdurch nicht berührt, jedoch behält eS bis zur gerichtlichen Entscheidung bei der polizeilichen Anordnung sein Bewenden. Ueber sonstige Ansprüche aus dem ArbeitS- verhältniffe hat die Polizeibehörde eine Verfügung nicht zu treffen."
Barziu, 17. Oct. Das telegraphisch fignalisirte Schreiben des Reichskanzler« Fürsten von BiSmarck an den bekannten Herrn Regnier ist vom 2. d. Mts. und hat folgenden Wortlaut: Mein Herr! Auf Grund deS Ur« theilS, welches ein Kriegsgericht fo eben gegen Sie erlaffen hat, richten Sie die Bitte an mich, meint Auffassung
Der Kamps um eine Million.
Roman von Ewald August König.
(Fottsetzung.)
Jenny blickte ihn scharf an, dann senkte sie verwirrt die Wimpern.
Ich beschäftigte mich in meinen freien Stunden mit Handarbeiten, sagte sie leise, und dieser junge Herr war so gütig, mich um die Muster meiner Stickereien zu ersuchen.
Bitte, wollen Sie nicht die Güte haben, sie uns zu zeigen! entgegnete Anna.
Miß Ballavini zuckte zusammen, mit ihren großen, schönen Augen blickte fie da« Mädchen an, als ob sie darüber nachdenke, wann und wo sie ihm früher schon be- gegntt sei.
Gewiß, gewiße sagte sie mit wachsender Verwirrung, während sie das kleine Packetchen öffnete, welches fie in den zitternden Händen hielt, ich fürchte nur, die Auswahl ist nicht groß genug.
Wäre es nicht bester, wenn Sie die Muster hier ließen, damit wir mit Muße die Wahl treffen könnten? fragte Sir Delavall« kühl. Wir würden fie Ihnen morgen zn- rückfchicken.
Wozu das? entgegnete Anna lächelnd. Wir habm ja Zett, und fo schwer wird un« die Wahl wohl nicht fallen.
Ganz wie Sie es wünschen, mein Fräulein, sagte der Baronet, sich verbeugend.
Ich werd« Dir helfen, nahm Adele da« Wort, wir «ollen Miß Ballavini nicht unnöthig aufhalten.
Der Blick Jenny'« ruhte noch immer gedankenschwer auf der Verlobten Gerhard'«.
Sie haben zu befehlen, meine Damen, sagt« sie, ich werde mich nach ihren Wünschen richten!
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Sir Delavalle legte leicht seine Hand auf den Arm Gerhard'S und trat mit ihm an« Fenster.
Ein hübsches Weib — wie? fragte er, bedeutsam lächelnd. Sie hätten das nicht thun sollen, Gerhard, eine Seiltänzerin paßt in dieses Haus nicht. Ah — da kommt Ihr Vater, es ist gut, daß der alte Herr die Dame nicht kennt.
Glauben Sie, er würde ihr die Thür zeigen? fragte Gerhard, den diese Worte, weshalb wußte er selbst nicht, erbitterten.
O nein, erwiderte der Baronet, leicht das Haupt wiegend. Herr Schindler besitzt zu viel Lebensart, als daß er sich einer solchen Unhöflichkeit schuldig machen könnte. Aber er würde Ihnen zürnen, daß Sie die zweideutige Person eingeladen haben, hierher zu kommen.
Dem Steuermann schoß das Blut in die Wangen, seine blitzenden Augen schienen den Baronet durchbohren zu wollen.
Weshalb nennen Sie diese Dame eine zweideutige Person, Sir? fragte er. >
Na, ich habe Ihnen ja früher einmal gefügt, daß eine Tänzerin mich unter lächerlichem Vorwande im „Europäischen Hofe" besucht habe. Miß Ballavini war dies« Tänzerin, ich denke, das muß Ihnen genügen, sich Über ihren Charakter und Lebenswandel ein Urtheil zu bilden.
Ah — das wußte ich nicht!
Sie wußten es nicht? Ich nannte Ihnen doch damals den Namen?
Mag sein, bann war er meinem Gedächtniß entschwunden. UebrigenS find« ich darin keinen Beweis für Ihre Behauptung, Sir ich glaube mich zu erinnern, daß —
Ein lauter Schrei bewog ihn abzubrechen, überrascht wandt« er sich um, die Gruppe, auf welche sein Blick fiel, mußte seine Uebcrraschung steigern.
Die glühenden Äugen Miß Ballavini'S waren mit dem Ausdruck fieberhafter Erwartung auf das erbleichende Gesicht Anna'« gerichtet, ihre Hände hielten das kleine Kreuz umschlungen, welches Anna an goldener Kette auf dem Busen trug.
Im Namm Gotte« beschwöre ich Sie, mein Fräulein, mir zu sagen, von wem Sie diese« Kreuz erhalten haben! sagte sie mit zitternder Stimme.
Der Banquier und seine Frau traten hinzu, da« Mädchen zu beschützen, auch in der Seele Gerhards regte sich die Besorgniß, daß di« Tänzerin plötzlich wahnsinnig geworden sein könne.
Niemand beachtete den Baronet, der, die Lippen fest auseinander gepreßt und die Braunen finster zirsammen- gezogen, die Tänzerin mit dem verzehrenden Feuer seines flammenden Blickes zu vernichten drohte.
Miß, welche« Recht haben Sie, diese Frage an meine Freundin zu richten? nahm Adele für da« bestürzte Mädchen da« Wort.
Ich beschwöre Sie, antworten Sie mir! rief Jenny in leidenschaftlicher Aufwallung.
Es ist ein Andenken an meine Mutter, erwiderte Anna.
Verzeihen Sie, Ihr Name?
Anna Blank!
Mein Kind, mein Kind l schrie die Sängerin, das Mädchen stürmisch umschlingend. Gott im Himmel, ich danke Dir, daß Du diese Gnade mir gewährt hast. O, mein Kind, mein süßes Kind, laß mich sterben hier zu Deinen Füßen, lege Deine Hände auf mein müde« Haupt und blicke mich an mit Deinen lieben frommen Augen, daß ich Dein Bild mit hinübernehme in die Ewigkeit; halt' mich umschlungen, mein süßes Kind, und laß mich sterben an Deinem Herzen, nur verstoße mich nicht, verstoße Deine arme unglücklich« Mutter nicht!