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Marburg, Mittwoch, den 14. October

187M

Ur 240

(Obtrljrlfifdjc Mung

Lothringen, Herr Ledderhose, ist nach erfolgtem definitiven

Weder in Aus- Session längeren worden.

Die Rückkehr des Fürsten Bismarck nach Berlin ist für einen naheliegenden Termin bis jetzt noch nicht in Aussicht genommen worden. Die Uebersührung des Grafen Harry von Arnim nach einem Krankenhaufe hat bis jetzt um des­halb noch nicht erfolgen linnen, weil die bisher in Vor­schlag gebrachten Anstalten der erforderlichen SicherheitS Vorkehrungen entbehren. Unter den neuesten Vorlagen an den Bundesrath befindet sich auch der Etat für die ReichS'Poftverwaltung auf das Jahr 1875. Die Einnahme beträgt: 101,725,050 Mark, mithin gegen das Vorjahr eine Mehr.Einaahme von 7,993,506 Mark. Bemerkens- werth ist auch, daß im Tit. 8 der Ausgaben zum ersten Male die Ansätze für ein ReichS-Poftbauamt austreten Künftighin sollen sonach die Reichspostbauten nicht mehr durch die Vermittelung der einzelnen BundeS-Regierungen sondern durch daS ReichS-General-Poftamt selbst ausgeführt worden. ES ist ferner auch dem Bundesrathe der Entwurf einer revidirten ElbschifffahrtS-Akte vorgetegt wor­den. T

Maßregeln zu ergreifen: 1) Alle fernere Ausgabe von neuen Goldmünzen bis auf Weiteres zu sistiren und so viele wieder an sich zu ziehen, als man deren habhaft wer­den kann;- 2) sich mit der preußischen Bank und mit den anderen Banken, soweit dieselben die Hand zu bieten geneigt sind, über Ergreifung einer ähnlichen Maßregel ihrerseits zu verständigen; 3) alle Münzstätten Tag und Nacht ar­beiten zu lassen, um ein solches Quantum an Goldmünzen so bald als möglich zu erhalten, daß alle in Umlauf be­findlichen groben Silbermünzcn ersetzt werden können; 4) die Ausprägung der vom Reichstag beschlofienen silbernen Fünfmarkstücke gar nicht in Angriff nehmen zu lassen; 5) die AußercourSsetzung der groben Silbermünzen, sobald die erforderliche Anzahl von Goldstücken vorhanden ist, in so kurzer Frist als möglich zu bewerkstelligen und die dann entstehende Lücke gleichzeitig mit Goldmünzen zu füllen. Damit wird die Ausfuhr von deutschen Goldmünzen nicht unmöglich gemacht sein, allein sie wird nur statlfinden, wenn der WechselcourS gegen Deutschland steht, und dann, wie in Großbritannien durch die Bank von England, mit angemessenen DiSconto-Erhöhungen sicher und rasch be- meistert werden können.

Dre-de», 12. Oct. Die gestrige Versammlung des hiesigen Fortschritts-Vereins war von etwa 700 Personen, darunter sächsische Abgeordnete aller Parteien, besucht. Allg. Eugen Richter aus Berlin hielt einen zweistündigen, sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Stellung der Fortschrittspartei. Er betonte die Nothwendigkeit einer selbständigen Organisation der Fortschrittspartei in Sach­sen, auch den National-Liberalen gegenüber.

Darmstadt, 12. Oct. Die Kammer ersuchte die Regierung, beim BundeSrath darauf hinzuwirken, daß für die Naturalverpflegung des Militärs im Quartier täglich eine Reichsmark vergütet werde. Prinz Christian von Schleswig-Holstein mit seiner Gemahlin (Prinzessin Helene von Großbrittanien) und seinen Söhnen, den Prinzen Christian und Albert, ist zu sünftägigem Besuche hier ein­getroffen.

Würzburg, 12. Oct. Dem Vernehmen nach ist die Schwurgerichts-Verhandlung gegen den auf Mordversuch angeklaglen Kullmann nunmehr auf den 29. October an- beraumt.

Straßburg, 9. Oct. Der Vicepräsident von Elsaß-

verzehrende Feuer, welches in seinen Augen loderte, bekun­dete die gewaltige innere Erregung.

Sie muß sterben, murmelte er, eine andere Wahl giebt e» nicht. Die Thörin--bah, was liegt an ihr, der

Feigling und der Narr bleiben zaudernd vor der Schranke stehen, die chnen den Weg versperrt; ich nicht, ich reiße sie nieder, ob auch ein Menschenleben dabei zu Grunde geht.? Der Starke wird herrschen und der Schwache muß dem Starken weichen, er setzt fein Leben ein, wenn er den Kampf mit ihm wagt. Sei e« denn, ich kenne keine Schranken |

Der Herr zog die Schnur, Klaus |unb Detlef traten ein.

Ihr seid betrunken, herrschte er sie an, und in seinen Augen blitzte es jäh auf. Wie könnt Ihr e» wagen, in diesem Zustande vor mich zu treten?

Betrunken sind wir nicht, erwiderte Klaus trotzig, «tr haben nur etwas tief ins Gla- gesehen, da- thun andere ßeute auch.

Nur mit dem Unterschiede, daß sie in Champagner schwel­gen, fügte Detlef hinzu.

Wa» wollen diese Worte? fuhr der Herr auf. Ihr wißt, daß Nüchternheit daS erste Gesetz unsere- Bunde- ist, dem alle Mitglieder sich unterwerfm müssen.

Und wie heißt das zweite? fragte Klaus. Ehrliche Theilungi Wir haben es nicht verletzt.

Der Herr zuckte zusammen, dieser indirecte Hieb traf ihn.

Soll da- ein Vorwurf gegen mich fein? erwiderte er.

Na, ich meine doch, wir hätten ein Recht zu fragen, wo all' daS Geld und die Juwelen geblieben sind, die wir in der letzten Zeit gebracht haben, sagte Klaus mit einer Entschiedenheit, die deutlich bewies, daß der Spiritus sei­nen Verstand noch nicht ganz umnachtet hatte. Wir haben

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'f che Buchdruckerei) bezogen S2ß Sgr., durch die Postämter de- deutschen Reiches 25 6>gr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet.

Herr, das kann ich nicht, sagte er.

Ihr müßt!

Wenn man mich ertappte

Es ist Eure Sache, Euch nicht ertappen zu lassen.

Die Schlüsiel zur Casse? Da- ist ganz unmöglich.

Unmöglich ist nichts, Freund; es ist sogar möglich, daß Ihr wie Euer Vorgänger eines Diebstahls beschuldigt und mit Schimpf und Schande hinausgejagt werdet. Fällt e- denn auf, wenn Ihr einmal in'- Cassenzimmer geht?

Nein, da- nicht.

Und liegen die Schlüsiel zum Gewölbe nicht stet» aus dem Zahltische?

Ich glaube

He, ist e- denn so schwer, den Abdruck zu nehmen? Ich glaube, Ihr habt Euch schon ost in dieser Kunst ver- sucht, Ihr werdet auch diesmal zeigen, daß Ihr erfahren darin seid.

Der Diener schüttelte rathlo« da» Haupt, ein flehen­der Blick traf den Herrn, dessen drohende Haltung ihm beweisen mußte, daß er kein Erbarmen bei ihm sand.

WaS wollen Sie mit den Schlüsicln? fragte er.

Kümmert es Euch? wallte der Herr auf. WaS auch damit geschehen mag, auf Euch soll kein Verdacht fallen, Ihr dürst Tuch beruhigen. Aber verschaffen müßl Ihr mir die Abdrücke und zwar von allen Schlüsicln, thut Ihr e- nicht, so fürchtet die Folgen Eures Ungehorsams. Ihr seid so sehr in meiner Hand, daß eS nur eines einzigen Worte- bedarf, Euch in'S Zuchthaus zu bringen, nun trefft Eure Wahl--Bogel, friß oder stirb!

Ein gebieterischer Wink befahl dem Diener, daS Gemach zu verlassen; er schwankte hinaus, wie ein Trunkener, kei­nes Wortes mächtig.

Der Herr schritt eine Weile auf und nieder, da- wilde,

Deutsches «eich.

# Berlin, 12. Oct. Die Kaiserin von Rußland wird auf ihrer Reise nach London morgen hier eintreffen. Die Durchreise wird jedoch im strengsten Jacognito erfol­gen, da jedwede Art osficiellen Empfangs ausdrücklich ver­beten worden ist. Ueber die Eröffnung der Reichstags­

gewordenen Mangel an Scheidemünze abgeholfen werde. Die jüngst nach Straßburg und Metz gelangten Beträge von 1 und i/5 Mark haben hier gar keine Wirkung gehabt und ist diese Gelonoth keine fingirte, sondern eine wirkliche, die dringend nach ernstlicher Abhilfe ver­langt.

UnSlMtd.

Wie«, 10. Oct. Der greife Kaiser Ferdinand ist am 8. d. zum Winteraufenthalte wieder in Prag angekommen. Im Widerspruch mit all' den ungünstigen Berichten, die über das Befinden des allerdings schon hochbejahrten Kaisers verbreiten waren, soll derselbe jetzt sehr wohl und frisch fein. Ueber den Aufenthalt der Kinder unseres Kronprinzen in Ausiee erhalten die Wiener Blätter von dort nachträg­lich noch folgende Mittheilungen:Das andauernd herr­liche Wetter war die Veranlasiung, daß der ursprünglich viel kürzer projectirte Aufenthalt der Kinder des deutschen Kronprinzen bis heute ausgedehnt wurde. Was auch die Sommermonate an Kälte und Regen verbrochen haben, dieser Herbst sühnt Alles. Nur am fallenden Laub, am röthlich gefärbten wilden Wein merkt man, daß der Herbst seine Fahne aufpflanzt. Die milden Lüfte und warmen Sonnenstrahlen schmeicheln ein FrühlingSbild in die Seele. Am frühen Morgen nehmen sich die während der Nacht mit frischem Schnee bestreuten Berghäupter gar prächtig aus, wenn die Sonnenstrahlen darauf blitzen, azurner Himmel sich darüber wölbt und unten noch frischgrüne Wiesen sich dehnen. Den fürstlichen Gästen hat Aussee so sehr behagt, daß sie ihr Wiederkommen im nächsten Jahre in beinahe sichere Aussicht stellten. Sie unternahmen täg­lich Ausflüge in die abwechslungsreiche Umgegend und er­wiesen sich als richtige Fußgeher. Sogar der kleine, acht­jährige Prinz Waldemar bestieg mit Leichtigkeit die Pfeifer- Alpe, eine Niederalm, von welcher man nach einstündigem, ziemlich steilem Wege eine herrliche Rundsicht aus das ganze Thal genießt. Mit der Abreise der preußischen Gäste können wir die Saison als geschloffen betrachten."

Pari-, 12. Oct.Moniteur" reproducirt eine Cor- responvenz derTimes," welche zu beweisen sucht, daß die Berichte der spanischen Regierung in ungenauer und von Leidenschaft beeinflußter Weise abgefaßt würden. Der Soleil" bestätigt die Ueberreichung einer neuen spanischen Denkschrift betreffs Ueberwachung der Pyrenäen-Grenze und erfährt, der Herzog v. DecazeS habe in Erwiderung auf die den gleichen Gegenstand betreffende, im Juli über­reichte Note der spanischen Regierung letztere zu einer ge­nauen Angabe der allgemeinen Beschwerden aufgefordert. In Folge deffen sei die fragliche Denkschrift ausgearbeitet, welche eine ausführliche Darlegung der Beschwerden über

Session bringen die Blätter ungenaue Angaben, der 18., noch auch der 26., Termine, welche wohl sicht genommen waren, werden den Beginn der bilden, da die Vorarbeiten für das Budget einen Zettaufwand in Anspruch nehmen, als geglaubt Pie Eröffnung wird deshalb wahrscheinlich erst mit Ende des laufenden ober Anfang künftigen Monats erfolgen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in,, Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 31. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegnt: pie Expedition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S' tein & Vogler in rta-M., Berlin, Leip- In 2C.; Rudolf Mofse »«Berlin, Frankfurt a. M. rc.

12. Oct. Gras Arnim ist erst heute nach Schöne­berg in die maison de sante verbracht worden. In feiner Bewachung herrscht dieselbe Strenge. Er bezieht drei Zimmer in der Beletage. Am 1. Nov. hört die Spencrlche Zeitung" auf zu erscheinen. Die Abonnenten gehen in den Besitz derNatioual-Zeitung" über, welche Käuferin des Blattes ist. K

Zn Bezug aus die ThcHoche, daß die neuen deutschen ReichSgoldmünzen maffenhast ihren Weg ins Ausland, na­mentlich Frankreich, nehmen, schreibt Max Wirth in der WienerN. fr. Pr,":So lange die gegen 6 Percent billigeren Silderthaler neben den neuen Goldmünzen als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, werden die Goldmünzen sobald sie auögegeben sind ohne Verzug ihren Weg nach dem Ausland einschlagen, welches alle seine Zahlungen an---------... ..........

Deutschland in Silber zu machen suchen wird. Bei einem Abschluß der die Diöcesenabgrenzung zwischen Deutschland Gewinn von 6 Percent am Preise ist eine Diskonto-Er und Frankreich betreffenden Verhandlungen heute aus Höhung von 1 Percent nur ein schwaches Mittel, welches Paris hierher zurückgekehn. Wie derKarlsr. Ztg." das AuSströmen des Goldes unter faktischer Doppelwäh- milgelheill wird, hat die Handelskammer in Mülhausen

... , Der Kampf um eine Million.

Roman von Ewald August König.

1V. - ... (Fortsetzung.)

Die Hochzeit ist auf den 1. Mai festgesetzt.

Beider Paare?

Za. Aber vorher will Madame eine Reise nach Lon- teoe machen.

Zu welchem Zweck? fragte der Herr rasch.

Sie traut dem Baronet nicht, wenn e» nach ihrem Willen ginge, fände die Hochzeit gar nicht statt. Und da» Fräulein mag ihn auch nicht, ich hab' gehört, daß sie eS ihrer Mutter sagte. Madame will nun in England selbst sich erkundigen.

Und Herr Schindler?

Er sieht e» nicht gern, daß sie die Reise unternimmt, aber er muß de» lieben Friedens wegen nachgeben. ES soll heißen, ste reise nach Paris, der Baronet darf den wahren Zweck der Reise nicht erfahren.

Die Arme auf der Brust gekreuzt, stand der Herr lange in Gedanken versunken.

E» ist gut, sagte er endlich. Wißt Ihr, wann Ma­dame die Reise antteten will?

Nein.

So sucht e» zu erforschen und bringt mir Nachricht, febalb Ihr Sichere» erfahren habt. Noch Eins, ich werde Euch bald eine andere bessere Stelle verschaffen, dann seid Ihr frei, aber vorher müßt Ihr mir noch einen Dienst leisten. Verschafft mir einen Wachsabdruck sämmtlicher Schlüssel, sowohl zu den Stuben, al- zu den Schränken hn Hause Eure» Herrn: ich gebe Euch dazu acht Tage Zett, am neunten Tage müssen sie in-gesammt in meinen Händen sein. Die Schlüffel zum Bureau, zum Cabinet, zum Casienzimmer und zur Casie selbst nicht zu vergeffen!

Bestürzt war Franz zurückgetreten.

rung nicht aufhalten kann. Der Reichsregierung bleibt von Neuem bei der obersten Verwaltungsstelle Schritte ge» daher, um ihren Mißgriff wieder gut zu machen, nichts than, damit dem neuerdings in erhöhtem Maße fühlbar übrig, als so rasch und energisch wie möglich folgende ~~ ' - - -