1874
Akarkurg, Sonntag, den 11. October.
Sr. 238
OlmhcUihc Inlung
der Hauptsache glücklich vollendet. Die Unterzeichnung deS estgestellten Vertrages ist bis auf Frankreich erfolgt. Der Vertrag soll mit dem 1. Juli 1875 in Kraft treten und pätestenS drei Monate vorher ratificirt werden. Der chweizerische BundeSrath hat die Wahl der Bundesstadt Bern zum Sitz der internationalen PostbureauS angenommen. Während der nur Theorieen gewidmete pariser Kongreß volle vier Wochen dauerte, hat der Berner Kongreß schon am stebenzehnten Tage seines Beisammenseins sie Vertragsbestimmungen, welche in ganz Europa und theilweise in Asten, Afrika und Amerika nächster Zeit praktisch in Anwendung kommen werden, definitiv festgestellt.
Das italienische Parlament ist in erneuter Gestalt
aus den 23. November einberufen. Am 3. d. M. erschien n der amtlichen Zeitung das königliche Decret, welches die bisherige zweite Kammer auflöst und die Neuwahlen aus die Zeit vom 8. bis 15. November anberaumt. Auch die Ernennung Bonghi'S zum Unterrichtsminister ist bereits amtlich erfolgt. Der Ministerpräsident Minghetti hat am 4. d. M. vor seinen Wählern in Legnago eine Rede gehalten und gesagt, was vor Allem noth thue, sei die Herstellung des Gleichgewichts in den Finanzen; für 1875, wo das Deficit etwa 54 Millionen benagen dürfte, werde er noch ohne neue Steuern hauSzuhalten versuchen, dann aber müsse durchaus eine gründliche Reform deS Steuerwesens vorgenommen werden. Auch für die Sicherheit des Landes müsse etwas geschehen; gegen die Rothen und Schwarzen gäben die bestehenden Gesetze ausreichenden Schutz, aber gegen die meuchlerischen Geheimbünde der Massia und Camora seien neue Gesetze erforderlich.
In Frankreich sind Aller Augen aus das Gesammt- ergebniß der 1500 Generalrathswahlen gerichtet, welche am 4. Oktober Statt fanden. Noch find die Angaben nicht vollständig; eS fehlen noch Nachrichten über eine Reihe von CantonS, die gerade sehr wichtig sind. So viel steht aber fest, daß in den größeren Städten überall die republikanischen Kandidaten mit erdrückenden Majoritäten siegten, daß dagegen in den ländlichen Cantonen häufig wenige Stimmen den Ausschlag gaben, und daß hier die eigentlichen Septennalisten den geringsten, die Bonapartisten dagegen den meisten Anklang fanden. DaS Ministerium versteckt seine Niederlage hinter dem Schleier deS Sieges der „konservativen" Farbe; doch das Wort „konservativ" hat in den Parteikämpfen Frankreichs eine sehr weite Bedeutung. Conservativ nennt Thiers seine Republik, konservativ Rouher die Agitation für die Herstellung deS KaiserthumS, und die Legitimisten fühlen sich sogar als in der Wolle gefärbte ConservateurS, was jedoch nicht ausschließt, daß diese konservativen Parteien einander bei Wahl» und Parlamentsschlachten Revolutionär
zeihen Sie, daß ich sie aufwerfe. Haben Sie schon über den Tag unserer Hochzeit nachgedacht?
Nein, erwiderte der alte Herr, den diese Frage in Verlegenheit setzte, trotzdem er sie hätte erwarten müssen. Aber Sie haben Recht, diese Frage an mich zu stellen, wir hätten schon längst diese Angelegenheit ordnen müssen. Sie wünschen gewiß recht bald zu heirathen?
Das ist allerdings mein Wunsch.
Nun, ich werde mit meiner Gattin darüber reden, vielleicht läßt sich Ihre Hochzeit mit der Gerhard'S vereinen.
Der Baronet verbeugte sich, der Banquier blickte lange in Schweigen versunken vor sich hin.
Ich freue mich, daß seine Wahl auf Anna gefallen ist, fuhr er nach einer geraumen Weile fort, je näher ich diese junge Dame kennen lerne, desto lieber gewinne ich sie. Kennen Sie ihre Vergangenheit?
Zum Theil.
Sie hat eine freudlose Kindheit gehabt, Sir, desto mehr muß man bewundern, daß dieser hohe Adel der Gesinnungen sie auszeichnet. Sie hat in den rauhen Stürmen deS Lebens sich einen edlen Charakter und ein weiches Ge- müth bewahrt.
Sagte ich es Ihnen nicht voraus?
Ja, Sir, aber ich lege in solchen Dingen größeren Werth auf das Urtheil, welches aus eigner Anschauung hervorgegangm ist. Als Freund Gerhard-' konnten Sie sich leicht zu einem parteilichen Urtheil verleiten lassen, um so mehr freut c8 mich, daß ich Ihr Urtheil in jeder Weise bestätigt finde. Anna hat sich hier rasch Freunde erworben, ich könnte Gerhard beneiden, wenn er nicht mein Sohn und ich nicht ein alter , verheiratheter Mann wäre!
E» «ar ein Lächeln der Freude und deS Glücks, mit
Politische Wocheu-Ueberficht.
Die Verhastung deS früheren Botschafters in Paris, Grafen Arnim, bildet noch den politischen TageSstoff. Es handelt sich um eine große Anzahl von diplomatischen Aktenstücken, welche in den Gesandtschafts-Archiven von Paris und Rom fehlen, von welchen einen Theil zu besitzen Gras Arnim zugesteht, aber die Herausgabe deßhalb verweigert, »eil er, wie e« heißt, dieselben für Privatschreiben erklärt und ein Befitzrecht daran zu haben behauptet. Gegen diese Weigerung ist daS Einschreiten des Gerichts ange- rufen und dann am Sonntag auf Gerichtsbeschluß die Verhastung sowie Haussuchung bei dem Grasen und seinen nächsten Angehörigen verfügt worden. Kaiser Wilhelm weilt indeß in bestem Wohlsein zugleich mit der Kaiserin in Baden-Baden, wo beide vorigen Sonntag den Besuch der von der Insel Wight nach Oesterreich heimkehrenden Kaiserin Elisabeth empfingen. Die Eröffnung des Reichstags wird nach neueren Bestimmungen nicht vor Ende dieses Monats stattfinden. Unter den für ihn bestimmten Vorlagen befindet fich ein Gesetzentwurf Über den „Landsturm", der in den letzten Tagen aus dem Reichskanzler- amte dem Bundesrathe zugegangen ist und als bester Commentar zu der vom General Voigts-Rhetz auf dem jüngsten Brüsseler Congreß eingenommenen Stellung zu den dort vorgelegten KriegSrechtS-Declarationen sicher auch im AuSlande die allgemeinste Beachtung finden wird. Der kirchenpolilifche Culturkamps hat augenblicklich feinen Mittelpunkt in der seit acht Tagen versammelten und mit Be- rathung der Kirchengesetz-Entwürfe lebhaft beschäftigten hessischen zweiten Kammer. Der erstattete Ausschußbericht schlägt zu den ursprünglichen Regierungsvorlagen noch einige Verschärfungen oder vielmehr Präcisirungen vor, und über die Annahme in der zweiten Kammer wird kein Zweifel gehegt. Bischof Ketteler hat in einem vom 24. September datirten Manifeste bei der Regierung und beiden Kammern Protest erhoben und im voraus seinen eventuellen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in - Frankfurt a. M.; Jäger'sche. Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete« weher in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
De, Kampf um eine Million.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Herr Eduard Schindler zog die Glocke, einige Minuten später saßen die beidm Herren auf dem Divan vor den gefüllten Gläsern.
Zuerst das Geschäftliche, nahm der Baronet das Wort Ich habe so eben eine namhafte Summe aus London erhalten und möchte Sie bitten, das Geld mir aufzuheben.
Mit Vertrügen.
Ich werde später darüber verfügen; es wäre mir lieber gewesen, wenn mein Bankhaus in London mir ein Akkreditiv geschickt hätte, aber in Grunde genommen ist eS ja einerlei.
Gewiß.
Der Baronet hatte sein Portefeuille geöffnet, er legte einige Päckchen auf bett Tisch.
ES sind dreitausend Pfund Sterling, fuhr er fort, wenn Sie die Güte haben wollen, nachzuzählen.
Bitte wozu?
ES wäre mir lieb, wenn Sie privatim diese Summe zurücklegen wollten, ich habe nicht gern, daß Ihr Personal die Nase hineinsteckt. Schließen Sie die Banknoten in Ihre Kassette ein, ich bitte darum.
Aber dann verlieren Sie ja die Zinsen.
Einerlei, es ist mir so lieber.
Nun. wie Sie wollen. In jedem Paketchm sind tausend Pfund?
3a.
Der Banquier schob sie leicht bei Seite und ergriff das Glas, um mit dem Baronet anzustoßen.
So wäre das erledigt, sagte Sir Arthur, Geldgeschäfte find mir stet» unangenehm. Nun eine andere Frage, ver-
’adebeint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die EkpedttionsKoch'sche Buchdrucker-,) bezogen LZjSgr., durch die Postämter des Sr,chemr togit» aupe Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. - Für m der Exped.tion zu erweiterte
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nienS den Vorzug vor dem Enkel Louis Philippe'» giebt und fortwährend umstürzlich vorgeht, wird von allen Führern als der Hort des Konservatismus umworben.
Auf dem spanischen Kriegsschauplätze geschieht zur Zeit nichts; nur auS den mittleren Provinzen wird von den Streifzügen und Brandschatzungen einiger sogenannten liegenden carliftischen Kolonnen und aus dem Norden >on carliftischen Angriffen auf Dich und Tuenterrabia berichtet. An Stelle Pavia'S, deS Urhebers deS Staatsstreiches vom 3. Januar, trat General Jovellar an die Spitze der republikanischen Armee des CentrnmS. Der englische und der französische Gesandte, Herr Layard und Herr Chaudordy überreichten dem Marschall Serrano am 3. Oktober ihre Beglaubigungsschreiben und titulirten denselben dabei als „Präsidenten der Exekutivgewalt in Spanien." Die Anrede Chaudordy's fiel durch ihre erzwungene Kälte und die Nichterwähnung des Bürgerkriegs unangenehm auf, während diejenige Layard's viel herzlicher lautete.
Daß der Prinz von Wales feit einigen Jahren stark in Schulden gerathen war, ist eine Thatsache, die fich nicht leugnen, aber damit entschuldigen läßt, daß der Thronerbe in vielen Fällen als Stellvertreter seiner königlichen Mutter hat auftreten und nothgedrungen hat Ausgaben machen müssen, die zu seinen Einnahmen in gar zu starkem Mißverhältniß standen. Man ist daher der Meinung, daß zur Deckung seines DeficitS ihm aus dem Staatsseckel wird geholfen werden müssen. In Glasgow hat ein volkswirthschaftlicher oder socialwirthschaftlicher Congreß getagt und über alle Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens Reden gehalten und Rath gepflogen. Ebendort sind am 7. d. M. von einer massenhaft besuchten Volksversammlung die am 29. Sept, bereits vorgemeldeten Resolutionen zur Wahrung religiöser und bürgerlicher Freiheit angenommen und dem deutschen Botschafter Grafen Münster zur weiteren Uebermittelung an den Deutschen Kaiser übergeben worden. In Brigthon hat ein Kirchen- Kongreß Statt gefunden, in welchem die Bischöfe von Chichester und »Winchester sich sehr sympathisch für die deutschen Altkatholiken und für die in Bonn zur Sprache gebrachten Unionsbestrebungen geäußert haben.
Der dänische Reichstag ist am 5. d. M. vom König Christian persönlich mit dem ausdrücklich betonten »Wunsche erffnet worden, daß die Volksvertretung, deren Mehrheit mit dem früheren Ministerium stets auf gespanntem Fuße stand, mit dem jetzigen Cabinet Fonnesbech einträchtig zusammenwirken möge. Der König brachte seinem Volke Grüße von den Schwesterinseln Färöer und Island, stellte neue Reformen zur LandeSvertheidigung in Aussicht und erwähnte bei den freundschaftlichen Beziehungen, in denen feine Regierung zum Auslande stehe, auch die nord- welchem der Banquier bei diesen Worten seinen Gast an- schaute, der beistimmend nickte und an den Enden seines blonden Bartes drehte.
Schade, daß es nnS nicht gelingen will, ihre Unschuld zu beweisen, nahm der alte Herr nach einer Pause wieder das Wort, unsere Polizei bemüht sich vergeblich, die Verbrecher zu entdecken, der Juwelier setzt noch immer Himmel und Hölle in Bewegung, seine Juwelen zurück zu erhalten, aber eS ist, als ob sie vom Erdboden verschwunden seien und der dunkle Schleier nie gelüftet werden solle!
Ein Beweis für die Schlauheit und Gewandtheit dieser Verbrecher, warf Sir Delavalle ein. In London würde dies kein Befremden erregen, dort verschwinden nicht allein Werthsachen, sondern auch Menschen spurlos. Sie haben also bisher noch keine Spur mtdeckts?
Nein, ich habe einem unserer tüchtigsten Polizeibeamten eine Prämie von tausend Mark versprochen, wenn er das Dunkel lichte; wie gesagt, feine Bemühungen waren vergeblich. Ein schwacher und ganz unbestimmter Haltpunkt soll gefunden worden fein, aber du lieber Himmel, es sind bereits so viele Vermuthungen aufgetaucht, die völlig werth- loS waren, daß ich auch auf die Entdeckung keinen Werth legen kann.
Der Blick des Baronets ruhte forschmd auf dem alten Herrn, es war ein lauernder Blick, der mit gespannter Erwartung auf die Fortsetzung dieser Mittheilungen wartete.
Welcher Haltepunkt ist eS? fragte Sir Arthur.
Nun, man hat einen Vagabund, ein mehrfach bestraftes Subjekt verhaftet und glaubt aus einigen Aeußemngen desselben vermuthen zu dürfen, daß es das Mitglied einer wohl organisirten Bande fei. Dieser Bande schreibt man jetzt die in den jüngsten Monaten massenhaft verübten Verbrechen zu und vorzüglich jene Verbrechen, welche —
Anzeigen nimmt entgegen: bie (tfixbition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Xb- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; ßaafenftein & Vog'er in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Stoffe m Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Ungehorsam angekündigt.
In Oesterreich hat der Kaiser die seit Ernennung Koller's zum KriegSminister vielfach verlangte Abänderung deS AvancementSgesetzeS und bis dahin die theilweise Si- ftirung diese» Gesetze« besohlen. Der Unterrichtsminister hält eine Rundreise, die anfeuernd für die liberalen Lehrer- Ireife wirkt und deshalb von den klerikalen mit Mißmuth beobachtet und bespöttelt wird. Am 5. Oktober fand in Bielitz ein großes Schulfest Statt; Herr v. Strernayr lei stete diesmal aber der Einladung keine Folge. In Pesth wurden am Sonnabend im Ministerrathe Ghyczy's Steuer« Vorlagen gutgeheißen, woraus Ghyczy auch noch ein Ge« setz für Luxussteuer ankündigte. . • - - _ ,
Der Berner Postcongreß hat fein große» Werk in schelten. Nur der CleruS, der sichtbar dem Sohne Euge-