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jRarßutg, Sonnabend, bett 10. October.

1871

WnhcMc Ickung

F

aus keinen Anklang, da man einsichtig und vernünftig ge nug ist, der neuen gemeinsamen Organisation der Commu- nal- und Staatsverwaltung auf dem Boden möglichster Decentralisation durch Ansprüche auf Ausnahmestellung und particularistische Regungen nicht entgegentreten zu wollen. Der belehrende und entgegenkommende Erlaß des Ministers des Innern hat auch in den liberalen Kreisen Verständniß und Zustimmung gefunden, so daß die Agi' tation auf sehr enge Grenzen beschränkt bleibt. Die Nachricht aus München, daß die Königin-Mutter Madrie in den Schooß deralleinseligmachenden" Kirche zurückkehren resp. zur katholischen Kirche übertreten wolle, ist in Hof­kreisen keine überraschende Neuigkeit gewesen, man war schon längere Zeit darauf vorbereitet.

7. Oct. Wie verlautet wird daS Erscheinen Fürst BiS- marck's im Prozeß Kullmann für nothwendig gehalten. Ein definitiver Entschluß ist jedoch hierüber noch nicht er­folgt. Die Haft deS Grafen Arnim ist eine äußerst strenge. Derselbe ist gegen die Außenwelt vollständig abgeschlossen. Die wenigen Besuche der nächsten Ver­wandten fanden im Beisein des Untersuchungsrichters Pes

bracht haben".

München, 7. Oct. Der Religions-Wechsel der Königin Mutter bildet natürlich daS Tagesgespräch. Wir erfahren, daß die hohe Frau schon um Mitte der vergan­genen Woche ihren Austritt aus der protestantischen Kirche schriftlich erklärt hat, nachdem über die Abfafiung dieser Erklärung die Königin-Mutter den Ober-Confistorialrach Dr. v. Burger berathm und nach Hohenschwangau zuge­zogen hat. Die Gründe ihrer Converston sollen rein in­nerliche sein. Sie neigte schon längst zur Mystik; man erzählt jetzt sogar von spiritistischen Versuchen, welche in ihren Gemächern angestellt worden sein sollen. Schon zu Lebzeiten ihre« Gemahls zeigte die Königin-Mutter beson­dere Zuneigung zu dem katholischen RituS. Zum Durch, bmch soll die Sache aber gekommm sein, als fie vor eini­gen Jahren schwer erkrankt war und vongrauen Schwe. stern" verpflegt wurde. Seit dieser Zeit vertiefte sich die Königin Mutter mehr und mehr in den Mystizismus, der nicht ungeschickt von ihrer ganz katholischen Umgebung ge­nährt wurde. Die erste Nachricht von dem beabsichtigten Uebertritt war bereits vor vierzehn Tagen durch einen ihrer

und ein Glück verscherzen wollten, welche« Ihnen in dieser Weise gewiß nicht noch einmal nahen wird.

Nun denn, so bleibe ich.

Gottlob, Sie befreien mich von einer großen Sorge, erwiderte der Banquier, indem er dem jungen Herrn kräf­tig die Hand drückte. Vom neuen Jahre ab ist Ihr Ge­halt um fünshundert Mark erhöht

Nein, nein

Und ich sage ja, Max, Sie werden nicht so thöricht sein, diese Erhöhung zurückzuweisen.

Gleich einem Träumenden kehrte Max in'S Bureau zurück, während der alte Herr mit heiterer Stirn das Cabinet verließ, um im Kreise seiner Famüie die neue Hausgenvssin zu erwarten.

An der Hand Gerhard'« trat Anna m das HauS, welches ihr fortan eine neue Heimath fein sollte.

Madame Schindler empfing ste mit einer Herzlichkeit, welche ihr sosort das volle Vertrauen und dir Liebe Anna's gewinnen mußte.

Ich kann dieses Glück nicht fasten, erwiderte daS Mäd­chen aus die warme, theilnehmende Ansprache der Haus­frau, während sie vor dem forschenden Blick deS BanquierS verwirrt die Wimpern senkte; eS ist mir, als ob ein Traum meine Sinne besangen halte, und wenn eS nur ein Traum wäre, o, mein Gott, dann würde daS Erwachen mir eia Paradies des Glückes rauben.

Nein, nein, eS ist kein Traum, Anna, sagte Adele weich, vertrauen Sie auf die Beständigkeit dieses Glücks, ich wünsche Ihnen von Herzen, daß keine Wolke die Sonne trüben möge.

Weiß der Himmel, Gerhard, die hätte ich auch lieben können, platzte Herr Eduard Schindler heraus, besten Blick mit dem Ausdruck der Bewunderung auf dem schönen Mädchen ruhte. Sei nicht eisersüchtig, Lorchen, ich glaube,

Sie haben mir Herrn Dittmer als Nachfolger vorgc schlagen, sagte er, ich sürchte, dieser Herr besitzt nicht die Kenntnisse, die Umsicht und Energie, welche erforder­lich find, einen solchen Platz zu verwalten. Bleiben Sie bei mir, die Gefahr, der Sie ausweichen wollten, ist ja |eit der Verlobung meiner Tochter beseitigt.

Der junge Mann zuckte die Achseln, ein düsterer Schatten breitete sich über seine Stirn.

Ihr Vertrauen ehrt mich, erwiderte er, aber

Na, haben Sie schon Schritte zur Etablirung gethan?

Allerdings, und ich hoffe

Daß Sie als Geldwechsler vorwärts kommen werden Nun, es mag sein, daß diese Hoffnung sich erfüllt, aber Sie können sich auch täuschen, mit dem ersten Schritt zur Selbstständigkeit beginnen die Sorgen, die Sie bisher noch nicht gekannt haben. S r haben hier eine angenehme Stellung und ein gutes Einkommen, Sie können jeden Tag den häuslichen Heerd gründen, und wer weiß, ob der Posten, den Sie jetzt verwalten, nicht das Fundament einer glänzenden Zuttmst ist. Sehen Sie, Gerhard hat keine Neigung zum Handelsstande; meine Hoffnung, daß er einst hier daS Regiment führen werde, ist zu Master geworden, er wird hcirathen und entweder als Capitain in die weite Welt hinausjegeln oder zur Rhederei über­gehen. Adele wird mit ihrem Gatten nach England über­siedeln, ich stehe allein und fühle schon jetzt, daß ich alt werde. Da möchte ich denn bei Zeiten mich zur Ruhe setzen und den Rest meines Lebens im stillen Kreise meiner Familie verbringen bleiben Sie bei mir, Max, Sie können einst mein Nachfolger werden.

Ein Zug freudiger Ucberraschung glitt über das Antlitz

~ auf das vierte Quartal der

Oberh. Zeit." werden von aUen' Postanstalten noch fortwährend entgegenge­nommen, um jedoch vollständige Exemplare, nament­lich der BeilageSonntagsblatt" zu erhalten, wolle man die Bestellungen schleimigst machen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

Der Aa»pf um eine Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Anzeigen nimmt entgegen: bit Expedition d. Slattet, fowie bu Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. SR.; Laasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- »g, Cöln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Franksurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die (SäeMtion d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen.

Hoffnung gemacht hatte, den Bischof Hefele von Rotten­burg für den erzbischöflichen Smhl in Freiburg zu ge- roinnen und durch die Wahl dieser vermittelnden und ver> öhnlichen Persönlichkeit einem langen Provisorium endlich ein Ziel zu setzen.Man weiß auch bereits", schreibt dieCöln. Ztg.",daß die Verhandlungen mit, Hefele nun abgebrochen sind, nachdem der Bischof endgültig er­klärt hat, die Wahl nicht anzunehmen. Was ihn zu diesem Entschlüsse bestimmt hat, ist noch nicht mit Sicher- heit festzustellen und wird vielleicht auch nicht so bald be­kannt werden. Von einer Seite wird verbreitet, Hefele habe erklärt, dem Großherzoge von Baden den durch die badischen Kirchengesetze vorgeschriebenen Eid nicht leisten zu können. Eine solche Erklärung hat aber in Hefele'S Munde sehr wenig Wahrscheinlichkeit und würde, falls sie wirklich^ abgegeben worden wäre, ohne Zweifel auf eine Weisungs Roms zurückzuführen fein. Viel eher ist anzu­nehmen, daß Hefele seine Aufgabe in seiner Heimath Württemberg, der er mit schwäbischer Anhänglichkeit erge­ben ist, noch nicht beendigt sieht und nicht gern irgend einem Anderen das Feld überließe, der vielleicht in Bälde die Wirren ins Land brächte, denen Hefele bisher mit so vieler Geschicklichkeit und neuerdings auch einiger Energie ausgewichen ist. Hefele hat seiner Zeit dem Unsehlbarkeits­dogma sich unterworfen, um den kirchlichen Frieden dem Lande zu erhalten. Er will das Opfer nicht umsonst ge-

i i Deutsches Neich.

ffetlfa, 8. Oct. Die Arnim-Affaire wird, nachdem die thatsächlichen Grundlagen näher bekannt wor­den sind, zu Excursion hochpolitischer Tendenz oder pikan­ter JndiScretionen und sonstiger Ausschmückung durch die Presse weniger Stoff liefern, als vielleicht die erste Mel­dung erwarten ließ. Man wird wohl thun, sich allen Versuchen, die Sache zu einer hochpolitischen aufzubauschen, unzugänglich zu machen und mit juristischer Schärfe und Nüchternheit fein Urtheil zu bilden. Die leitenden politi- fchen Persönlichkeiten haben überhaupt Veranlaffung weder gefunden noch genommen, fich direkt mit der Angelegenheit zu befassen, ober irgend daran zu betheiligen. Auf amtlichem und rein geschichtlichem Wege find schon längere Zeit Dcsecte in dem Archiv der deutschen Gesandtschaft zu Paris cvnstatirt worden, welche nicht unerledigt bleiben konnten. Graf Arnim glaubte sich, nachdem er darüber zur Verantwortung gezogen, über Rücksichten und Amts­pflichten Hinwegsetzen zu dürfen, welche sonst von jedem gewissenhaften und verständigen Beamten als unbedingt maßgebende anerkannt zu werden pflegen. Dem aus- wättigen Amt blieb also solcher Pflichtverletzung kein anderer Weg übrig, als die Hülfe des Gericht» anzurufen, unter Vorlegung der thatsächlichen Begründung. Dieß ist ohne irgend besondere politische Motive geschehen; wie wichtig aber die davon berührten StaatSinteressen und wie gravirend die Pflichtverletzung deS Jnculpaten ist, davon legt die Zustimmung deS Kaiser» zur strafrechtlichen Ver­folgung resp. zur Anrufung der ttchterlichen Entscheidung gmügende» Zeugniß ab. ES handelt sich einfach um einen ganz gemeinen Mißbrauch in amtlicher Eigenschaft erhal­tener Dokumente, wie er daS ist, die Eigenthümlichkeit des Falls in so hohen Sphären und bei feingebildeten Männern nicht leicht vorkommt. Die Vorarbeiten gegen Ausscheidung der Stadt Berlin aus dem Provinzialverband der Mark Branden­burg werden eifrig betrieben, und es hat bereit» unterZuziehung deSÖberpräsidenten v.Jagow, desPolizeiprästdenlen v.Madai und des Oberbürgermeister Hobrecht im Ministerium des Innern eine Berathung ftattgefunben. Die Agitation in Hessen wegen Erhaltung der alten kurhefsifchen Gemeinde- Ordnung finden in »eiteren Kreisen der Provinz durch-

des jungen ManneS, daS war mehr, als er in feinen kühn­sten Träumen gehofft hatte.

Sie haben aus eigenem Antriebe entsagt,, fuhr der Banquier fort, und ich muß Ihren Entschluß bsiligen, so lange die Gesahr vorhanden war, an der Ihre Entsagung scheitern konnte. Diese Gefahr ist befeitigt, waS könnte Sie jetzt noch zwingen, mein Haus zu verlassen?

In Sinnen versunken blickte Max lange schweigend vor sich hin. Er mußte sich sagen, daß der alte Herr Recht habe und daß er ein Thor fei, wenn er daS Gluck zurückweife, welches ihm fo plötzlich geboten wurde.

Und bann---er hatte sich die Entsagung so

leicht gedacht, aber je näher die Stunde rückte, in der er dieses Haus verlassen, auf Nimmerwiedersehen von ihr scheiden sollte, die er so tief und innig liebte, desto schreck­licher war ihm der Gedanke an dieses Scheiden. Die Verlobung Adele'» mit dem Baronet hatte seinem Herzen eine tiefe Wunde geschlagen, nicht allein seinetwegen, son­dern auch und wohl noch mehr ihretwegen. Er konnte nicht glauben, daß ste an der Seite dieses Manne» ihr Glück finden werde.

Wie gerne hätte et seine Bedenken, die er gegen den Engländer hegte, genannt, vor ihm gewarnt, aber er wußte ja, daß er kein Gehör sand, er mußte befürchten, daß man feiner Warnung unlautere Beweggründe unterschieben werde.

Wenn Sie glauben, daß ich unter den allerdings ver­änderten Verhältniffen bleiben darf

Weshalb sollten Sie es nicht dürfen? fiel Herr Eduard Schindler dem jungen Manne treuherzig in'S Wort. Sie mit Ihrem festen Charakter und dem ernsten Willen können jetzt keine Klippe mehr finden; es wäre ein unverzeihlicher Leichtsinn, wenn Sie jetzt noch Ihr Vorhaben ausführen

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch^che Buch druckerdurch die Postämter des vriwrrnr s v eschen (Reid)e» 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für m der Expedrtton ,u ertheUenbe

Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet. ________ _________________

catore statt.

Frankfurt, 7. Oct. Der hiesige Saalbau hat ein Festgewand angelegt, wie er wohl noch selten eines ge tragen. Ueberall an den Friesen der Decke, wie in den reizenden Blattpflanzen Gruppen prangt dasrothe Kreuz auf weißem Grunde". Der Festschmuck gilt dem Verbands- Tage der deutschen Frauen-, Hülfs- und Pflege-Vereine, welche heute und morgen in den gastlichen Mauern Frankfurts tagen wollten. Nach der gestern Abend voll­zogenen Begrüßung der Delegirten Namens des hiesigen Local'Comites und des vaterländischen Frauen-Ve reins durch Frhrn. v. Günderrode, folgte heute Morgen um 10 Uhr eie erste Sitzung, wozu ein reicher Damen-Flor, darunter viele Frauen, welche sich bei den denkwürdigen Campagnen von 1866 und 1870 71 einen rühmlichen Namen erworben, erschietten war. In der Sitzung, welche um 4 Uhr endigte und in welcher die Damen unerschüt­terlich ausharrten, waren etwa 40 Delegirte anwesend. Nicht vertreten waren Braunschweig, Oldenburg, Coburg- Gotha, Anhalt, Waldeck, Reuß j. L. und Lippe Detmold.

Darmftadt, 6. Oct. Die Abgeordnetenkammer hat die Gesetz-Entwürfe über religiöse Orden und Con- gregationen sowie über Besteuerung der Kirchen- und Re­ligionsgemeinschaften angenommen.

Gtuttgarl, 8. Oct. Justizminister v. Mtttnacht reift moraen nach Berltn ab, uni den Sitzungen des ... . - - . , ,

Bundesrathes beizuwohnen. Derselbe steigt in dem von Cavaliere hierher gekommen; b°s»Vattrlanb^kundigttauch der würsiembergischen Regierung für die württembergischen die baldigeRückkehr einer sehr ^^estellteu Dame m Mitglieder des BunbeSratheS angekauften Hanse in der den Schooß der katholischen Kirche, wie dasselbe sich auS- Boßstraße ab. Es ist bekannt, daß man sich in Baben drückte, an; Niemaud^aber^vermochte^bl^Nachncht^zu^glau^-