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JTlarßurg, Mittwoch, den 7. October.

187«.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie btt Lnnoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfutt a. M., Berlin, Leip­zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche " Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer

den Werttagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch bte Postämter deS deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr- berechnet.

Der «» eine Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Da lag und stand noch Alles, wie sie es damals ver­ließ, nur daß der Staub seine Decke darüber gebreitet hatte.

Hier kann ich nicht bleiben, sagte sie mit einem tiefen Seufzer, der ihrem bedrückten Herzen Luft schaffte, je eher ich hinauskomme, desto besser.

Verzagen Sie so rasch? fragte Sir Delavalle, und die Wärme, mit der er diese Frage an sie richtete, that ihrem Herzen wohl; vertrauen Sie Ihren Freunden und fassen Sie-Muth, Ihr Geschick wird eine Wendung nehmen, die Ihnen eine glänzende Genugthuung verschaffen muß.

Anna schüttelt« zweifelnd das Haupt, aber der Ba­ronet redete ihr so herzlich zu, daß sie ihm Glauben schen­ken mußte.

Sie legte Hut und Tuch ab und begann das Zimmer wohnlich einzurichten.

Es ist zwar nur für drei Tage, sagte sie wehmüthtg, während sie die Möbel abstäubte, aber ich muß ja so lange bleiben, weil ich nicht weiß, wohin ich mich wen­den soll.

Sir Delavalle lächelte bedeutsam.

Ich glaube, Sie werden darüber bald, wohl noch heute Gewißheit erhalten, erwiderte er, während er dem Schalten des flinken Mädchens zufchaute, laffen Sie sich nicht durch chürichte Bedenken abhalten, die Hand zu ergreifen, die Ihnen geboten wird.

Betroffen wandte Aüna sich um, diese Wottc, deren tieferen Sinn sie nicht verstand, weil sie keine Ahnung von dem Entschluß Gerhard'S hatte, beunruhigten sie.

Ich erraihe Ihre Befürchtungen, fuhr der Baronet fort, der bereits an der Thür stand, um sich zu entfernen,

" auf das vierte Quartal der

, w ,,£>berf). Zeit." werden von allen Postanstalten noch fortwährend entgegenge­nommen, um jedoch vollständige Exemplare, nament­lich der BeilageSonntagsblatt" zu erhalten, wolle man die Bestellungen schleunigst machen.

Die Exp. d. Oberli. Zeit.

Gegen die Irrlehre» deS Goziali-muS.

Wenn in einer noch gar nicht fernen Vergangenheit der Glaube an- die Kunst, Gold zu machen und die Lebensdauer weit über die natürlichen Grenzen hinaus zu verlängern, allgemeine Verbreitung fand, so kann es nicht auffallen, daß eine Schaar von gläubigen Anhängern den Verlockungen sozialistischer Stimmführer folgt, die den un­bemittelten Klassen von einer gründlichen Umwälzung der Staat»-, Vermögens- und Erwerbsverhältnisse leichtere Arbeit und erhöhten Lebensgenuß versprechen. Dagegen muß es freilich dem aufmerksamen Beobachter wunderbar vorkommen, daß der Sozialismus äußerlich an Umfang und Macht zu gewinnen scheint, während seine innere Haltlosigkeit immer deutlicher zu Tage tritt. Die Welt­geschichte und namentlich die Erfahrung der jüngsten Jahre haben dem Sozialismus ein unbestreitbares Armuthszeug- niß ausgestellt; denn niemals haben die Sozialisten trotz der gewaltigsten Anstrengungen die Verwirklichung ihrer Pläne erreicht oder auch nur einen dauernden Erfolg er­rungen, und vollends in letzter Zeit fehlte ihrem Treiben jeder fruchtbare Gedanke, wie ihren Führern jede höhere Fähigkeit gebrach. Indessen mit der Armuth ist keines­wegs die Machtlosigkeit bewiesen. Vielmehr ist es eine schwerwiegende Thatsache, daß bei den jüngsten Reichstags­wahlen etwa 340,000 Stimmzettel für sozialistische Wort­führer abgegeben und mehrere der Letzteren zu Vertretern der deutschen Nation gemacht wurden. Darin, wie in der Ausbreitung der sozialistischen Blätter, liegt ein augen­fälliger Beweis, wie verführerisch die Verlockungen der Sozialdemokratie auf die Massen wirken, und wie unzeit­gemäß «S sein würde, die sozialistische Bewegung deshalb zu unterschätzen, weil ihre Leiter nicht über gewaltige Geisteskräfte verfügen. Wenn dieselben unablässig die meist nach sranzöstschem Muster zugeschnitlenen Stichwörter und Vorspiegelungen widerholm, so ist es Pflicht der deutschen Presse, eben so unermüdlich die Irrlehren zu bekämpsen und den Nachweis zu führen, daß sie mit den Bedingungen wirthfchastlichen Gedeihens, wie mit den Ge setzen staatlicher und sittlicher Ordnung schlechterdings un­verträglich sind.

ES ist ein Hauplirrthum oder vrelmehr eine von sozialistischen VolkSversührern in der Wirkung auf die

schlechtesten Leidenschaften wohlberechnete Täuschung, daß die bestehenden Vermögens- und Erwerbsverhältnisse als ein Erzeugniß der Willkür, als ein Werk der auf Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung speknlirenden be­sitzenden Klassen dargestellt werden: die gegenwärtige wirth schastliche Ordnung ist vielmehr daS Ergebniß der natur­gemäßen Entwickelung und Anstrengung unseres nach Jahr­tausenden zählenden gesellschaftlichen Vorlebens, ein Werk, an dem alle Nationen und alle Klaffen der Bevölkerung, alle geistigen, wirthschaftlichen und sittlichen Kräfte der Vergangenheit und Gegenwart, alle Erfahrungen aus dem Gebiete der Wissenschaft, des Verkehrs, der Verwaltung und der Gesetzgebung ihren Antheil haben. Es ist ferner eine böswillige Täuschung, wenn die Vorstellung verbreitet wird, daß die Lage der arbeitenden Volksmaffe sich immer mehr verschlechtere und auf Theilnahmlostgkeit von Seiten der Staatsobrigkeit, wie der bemittelten Klassen stoße. Durch zuverlässige Ermittelungen und unanfechtbare Zahlen ist der Nachweis geführt, daß die Masse der Bevölkerung (zunächst ist hier nur von vaterländischem Gebiet die Rede) sich wachsenden Gedeihens erfreut und besonders in den letzten Jahrzehnten an Besitz und Bildung, also an den meistbegehrten Gütern deS Lebens, einen Aufschwung er­reicht hat, der allen billigen Erwartungen Genüge thun muß. Wenn trotzdem daS Bewußtsein wesentlich gebesserter Zustände und das Gefühl der Befriedigung nicht allgemein zum Durchbruch kommen, so erklärt sich diese Erscheinung, abgesehen von den Einflüffen vorübergehender gewerblicher. Krisen und Erschütterungen, vorzugsweise dadurch, daß die Ansprüche auf äußeren Lebensgenuß vielfach das Maß des Erreichten und sogar des überhaupt Erreichbaren weit übersteigen und daß dagegen die Betätigung sittlicher Kräfte, welche stets die unerläßliche Grundlage wahren und dauernden Lebensglückes bilden, in bedenklicher Weise zurückbleibt.

Unberechtigt ist der Vorwurf, daß der Staat und die höheren Gesellschaftskreise sich gegen die Verhältniffe deS ArbeiterftandeS theilnahmloS verhalten. Auf deutschem Boden ist der Staatsobrigkeit daS Bewußtsein ihrer Pflich­ten gegen die zahlreichste Volksklasse niemvlS abhanden gekommen, und ebenso wenig ist das Gefühl inniger Zu­sammengehörigkeit zwischen allen Klaffen der Nation er­loschen. ES gehört eben zu den arglistigsten Erfindungen sozialistischer Jrrlehrer, daß sie daS Verhältnis zwischen den unbemittelten und den bemittelten Volksschichten, zwi­schen Kapital und Arbeit als einen schroffen Gegensatz, als einen auf gegenseitige Ausbeutung gerichteten Kampf dar- stellen. Im Gebiete des Verkehrs und Erwerbes stehen sich vielfach die Interessen gegenüber, ebenso zwischen Käu­fern und Verkäufern, zwischen Producenten und Konsu­menten, wie zwischen Kapital und Arbeit; aber man darf

sie sind unbegründet, mein Fräulein. Folgen Sie meinem Rathe, sehen Sie weder rechts noch links, betreten Sie muthig den Weg, der Ihnen geöffnet wird, und seien Sie versichert, daß er zu einem schönen Ziele führt. . Eine starke Hand wird Sie an den Abgründen vorbeiführen, halten Sie diese. Hand fest, sie ist die Hand eines Mannes von Ehre und festem Charakter.

Sir Delavalle ging hinaus, Anna blickte gedankenvoll auf die Thür, hinter der er verschwunden war.

Wer war der Mann, der die rettende Hand ihr bieten wollte? Wohin führte der Weg, der ihr geöffnet werden sollte?

Sie fand keine Antwort auf diese Fragen, sie verstand die Worte nicht, welche dieser reiche Herr ihr gesagt hatte.

Weshalb zeigte er ihr eine so große Theilnahme? Ban.,e Ahnungen tauchten in ihrer Seele auf, die Ahnung, daß dieser Herr vielleicht einen Dank erwarte, der aber er war ja der Freund Gerhard'S, und der Letztere stand zu hoch in ihrer Achtung, als daß sie ihn deS Anspruchs auf einen solchen Dank fähig gehalten hätte.

Sie fetzte ihre Arbeit fort, und es war bald wieder so sauber und gemüthlich in dem Raume, als ob sie ihn nie verlaffen hätte.

Und nun machten andere Sorgen sich geltend, Sorgen, an welche sie noch nicht gedacht hatte. Sie besaß keinen Schilling, womit sollte sie ihre Existenz fristen, wovon die Kosten der Reise bestreiten, wenn sie gezwungen wurde, die Stadt zu verlassen?

Sie hatte auch auf diese Frage noch keine Antwor- gefunden, als die Thür geöffnet wurde und Theodor Reut mann eintrat.

Bestürzt wich Anna vor der langen hageren Gestalt zurück, auf den Besuch dieses Mannes war sie nicht gefaßt.

Mein Kind, betrachten Sie e« als eine Prüfung des

die Vorstellung deS Gegensatzes nicht einseitig aufkommen lassen, ohne daran zu erinnern, daß beide Theile durch ein inneres Band an einander gekettet sind, und daß selbst der Kampf der Jntereffm nur durch eine Versöhnung der­selben in richtiger Weise zum Austrag zu bringen ist. ES steht fest, daß diese Erkenntniß sich mehr und mehr ver­breitet, und sie trägt unzweifelhaft dazu bei, daß die höhe­ren Schichten der Gesellschaft für die Beschwerden deS Arbeiterstandes ein aufmerksameres Ohr haben und den sozialen Verhältniffen eine lebhaftere Aufmerksamkeit zu­wenden. Noch viel weniger Grund haben unsere unbe­mittelten VolkSklaffen, über Vernachlässigung von Seiten der heimischen Obrigkeit Klage zu führen : unsere Behörden haben die Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Klassen nach dem Urtheil aller Einsichtigen in eben so erfolgreicher wie umfaffender Weise betätigt, freilich ohne sich zu ge­waltsamen Eingriffen in die natürliche Entwickelung der Erwerbsverhältnisse herbeizulassen.

Unbestreitbar ist es grade der verhängnißvollste Jrr- thum des Sozialismus, daß die Arbeitermassen dazu an­geleitet werden, bei dem Streben nach Verbesierung ihrer Lage von der naturgemäßen Aufbietung ihrer eigenen wirthschaftlichen und sittlichen Kräfte abzusehen und die Verwirklichung unerfüllbarer Wünsche von dem Eingreifen der Staatsgewalt, von einem Umschwung der Gesetzgebung oder gar von einer Umwälzung der Erwerbs und Besitz- verhältniffe zu erwarten. Alle gründlichen Denker stimmen in der Ueberzeugung zusammen, daß eine soziale Frage im eben angedeuteten Sinne radikaler Weltanschauung überhaupt nicht besteht, und daß alle Bestrebungen, die von einer solchen Anschauung ausgehen, nur zum wirth­schaftlichen Verfall und zur Zerrütterung aller gesellschaft­lichen Ordnung führen.

Die Erwerbs und VerkehrSverhältniffe gestalten sich vorzugsweise nach dm eigenen natürlichen Gesetzen de» wirthschaftlichen Bedürfniffes, die sich dem leitenden Ei - fiuß deS Staates und der Wissenschaft mehr oder minder entziehen. Deshalb kann die Fürsorge aufrichtiger VolkS- sreunde und gewiffenhafter Staatsmänner wesentlich nur daraus Bedacht nehmen, daß die freie Nutzung der Arbeit und die Entwickelung des Verkehrs gegen Beschränkung, wie gegen Mißbrauch allseitig geschützt werde. Nach die­ser Richtung hin find seit Beginn des Jahrhunderts und namentlich in der nächstliegenden Vergangenheit im Bereiche Preußens und Deutschlands Fortschritte erzielt worden, die jedem unbefangenen Beobachter einleuchten und unverkenn­bar Zeugniß dafür oblegen, daß unsere Staatsmänner mit allen bei der Gesetzgebung beteiligten Kreisen an den so­zialen Aufgaben mit Eifer und Verstänbniß gearbeitet haben.

Die einflußreichsten Stimmführer der öffentlichen Mei-

Himmels, sagte der Rentner salbungsvoll, während er bte wasserblauen Augen zur Zimmerdecke emporrichtete. Der Herr hat Ihnen diese Prüfung geschickt, um da» verirrte Lamm zur Heerde zurückzuführen; o, wie sehr danke ich ihm für diese Wohlthat, die er in seiner Gnade Ihnen erwiesen hat.

In den Augen deS Mädchens blitzte eS auf, die Gluth der Entrüstung färbte ihre Wangen.

Mein Herr, was berechtigt Sie zu diesem Hohn? fragte sie gereizt. Erinnern Sie sich des Zeugnisse», welches Sie wider mich abgelegt haben und

O, meine Freundin, wie sehr schmerzte es mich, zu diesem Zeugniß gezwungen zu sein.

Gezwungen? Wer konnte Sie zwingen, mich zu ver- läumden?

Der Rentner zuckle die Achseln und blickte sich scheu um, als fürchte er, ein Lauscher könne hinter ihm stehen und ihn beobachten.

Sie kennen da» nicht, flüsterte er. Sie sind nicht er­fahren in der Finsterniß, in der die Gottlosen wandeln! Ach, und mit tausend Banden ist der Gerechte an die Kin- der der Welt gekettet, denn wenn der Herr auch die Lilien auf dem Felde kleidet

Mein Herr, verschonen Sie mich mit diesen Salbadereien, fiel Anna ihm heftig in's Wort, ich kenne Sie zur Genüge und weiß, was ich von ihnen zu halten habe. Ich frage Sie, wer hat sie gezwungen, falsches Zeugniß wider mich abzulegen?

Können Sie es nicht errathen?

Nein.

Jemand, der ein besonderes Jntereffe daran hat, Ihnen die Ehre zu rauben.

DaS verstehe ich nicht.

Ja, ja, weil Ihr gutes Herz solche Bosheit und Nie-