Einzelbild herunterladen
 

Sr. 231.

Anzeigen nimmt entgegen: hte önwbition d. Blattes, foroie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a. M- rc.

Marburg, Sonnabend, den 3. OcLober.

(Dbrrljclfifdic Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22t Sgr., durch bie Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für bie qespaltene Zeile 1 Sgr. Für in bet Expebition zu ettheilenbe

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2t Sgr. berechnet.

Im gef. Icachiung. -'58»

Unseren verehrten Abonnenten bei den Post- anstalten lassen wir mit der heutigen Nr. unsere Beilage

Sonntagsblati zugehen. Sollte dasselbe nicht mit Vieser Nummer ausgegeben werden, bitten wir es von derjenigen Postanstalt zu reklamiren, bei welcher die Zeitung bestellt ist.

Bestellungen auf die VberheWche Zeitung mit der Beilage

So alltags blatt ' 1 bitten wir noch schleunigst machen wollen, um vollständige Exemplare liefern zu könnm.

Die Exp. <1. Oberfi. Zelt. in-......... i .....

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Oct. In einet scharfen Polemik gegen das Schreiben des Bischofs von Paderborn an den Ober-- Präsidenten schreibt dieVossische Zeitung* u. A.:Der Bischof soll ganz einfach erklären, ob er glaubt, die be­stehenden Gesetze so verletzt zu habm, daß die Disciplinar- strafe der Absetzung gegen ihn begründet ist oder ob er es auf ein richterliches Unheil ankommen lasten will. Von seinem Standpunkte aus muß er sich für bloß durch den Papst absetzbar halten, also macht er Opposition gegen den Staat, der sich das Geistlichen-Disciplinargesetz gegeben und braucht weder ein meineidiger Bischof noch ein elender Kirchenverräther zu werden, wenn er efl auf das Aeußerste ankommen lasten will. DaS ist ihm unbenommen, aber auch die ungeheure Heuchelei ist klar, wenn derselbe Mann, der sein Vermögen durch Scheinverkäufe gerettet hat, am Schluß feiner Martyriumsreklame sagt:Alles werde ich für die römstch-kathvlische Kirche opfern und wenn sein sollte, Mit meinem letzten Blutstropfen." Nach diesem ist Niemand diokletianisch lüstern. Derselbe Mann wagt es, seine Hirtenbriefe gegen den Oberpräsidenten mit den ge­weihten Worten in Schutz zu nehmen:Wenn ich aber darin Unwahres gesagt habe, so bitte ich, es mir zu beweisen; habe ich aber bie Wahrheit geredet, warum wird mir die Ver­kündigung der Wahrheit als ein Vergehen vorgehalten, wo­durch die staatliche Ordnung bedroht werde?" Zu dem demnächst im BundeSrathe zur Berathung gelangenden Ent­wurf eines Reichsgesetzes über die Einführung der Civil- ehe wird, wie dieA. Allg. Ztg." hört, von Seite der daierischen Regierung ohne Zweifel die Ausnahme verschie­dener, das materielle Eherecht betreffender, Bestimmungen

in das neue Reichsgesetz für nothwendig erachtet werden. Man darf dies, meint das Blatt, aus dem Umstande schließen, daß die Ministerialkommission, welche vor mehreren Monaten zur Untersuchung der Frage im baierischen Staats Ministerium der Justiz tagte, der Ansicht war, daß ohne mehrfache Aenderungen des EherechtS die Civilehe in Baiern nicht eingeführt werden könne, und daß eben aus diesem Grunde die baierische Regierung dem vom letzten Reichstage bezüglich der Civilehe beschlostenen Gesetzentwurf nicht bei stimmen konnte.

Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Abänderung des Gesetzes über das Posttaxwesen im Gebiete des Deutschen Reichs, oorgelegt worden Auch dieses Gesetz hat nur einen einzigen Artikel, welcher lautet: Der im § 1 des Gesetzes über das Posttaxwesen im Ge­biete deS Deutschen Reichs vom 28. Oktober 1871 festge­setzte Portosatz von 1 Sgr., gleich 10 Markpfennigen, für den franfirten gewöhnlichen Brief bis zum Gewichte von 15 ©ram­men einschließlich, tritt in den Gebieten der süddeutschen Wäh­rung an dem Tage in Wirksamkeit, an welchem in diesen Gebieten in Gemäßheit des §. 1 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 die Reichsmarkrechnung eingeführt wird." In den Motiven wird hervorgehoben, daß es für das Publikum und die Postverwaltung gleich lästig fein würde, wenn nach Einführung der Markrechnung ein Portosatz fortbestände, welcher in diese Rechnung nicht paßt und in den verhau denen Münzen keinen Repräsentanten mehr findet. Der vorliegende Gesetzentwurf will diese Belästigungen vorhin­dern, indem er die Aufhebung dieses Portosatzes von der Einsührung der Markrechnung abhängig macht.

Hannover, 29. Sept. Heute Mittag 1 Uhr wurde nach zuvoriger Abhaltung eines Gottesdienstes in der hiesigen Schloßkirche, in welchem der Ober-Konststorial Rath Dr. theol. Uhlhorn die Predigt hielt, die außerordentliche Landes fynode der evangelisch-lutherischen Kirche der Provinz Han nover durch den zum Königlichen Kommiffarius ernannten Ober-Präsidenten Grafen zu Eulenburg im Sitzungssaale der Kalenberg - Grubenhagenschen Landschaft mit folgender Ansprache eröffnet:Mit dem binnen Kurzem bevorstehenden Inkrafttreten des Gesetzes vom 9. März d. I. über die Beurkundung des Personenstan des und die Form der Ehe­schließung wird die bürgerliche Gültigkeit einer Ehe nicht mehr durch die kirchliche Trauung, die letztere dagegen durch die vorgängige Eheschließung nach den Vorschriften jenes Gesetzes bedingt. Welcher Aenderungen hiernach etwa die Formen der kirchlichen Trauung bedürfen und welche Wege einzuschlagen sein werden, damit auch künftig die Ehen nicht ohne den Segen der kirchlichen Trauung bleiben, bedarf um so dringender der Regelung, als bie Entscheidung hierüber nicht dem Ermeffen deS Einzelnen überlaffen und der gewünschte Erfolg nur durch eine feste, von dem Geiste

christlicher Liebe getragene, Ordnung erreicht werden kann. Zu dem Ende haben Se. Majestät der König die Einbe­rufung einer außerordentlichen Versammlung der Landeö- synode der evangelisch-lutherischen Kirche der Provinz Han­nover zur Berathung eines Kirchengesetzes über die kirch­liche Trauung anzuordnen geruht. Möge ihnen die Lösung dieser Aufgabe unter Gottes Beistände gelingen zum Segen der Kirche und ihrer Glieder. Im Namen Sr. Majestät deS Königs erkläre ich die außerordentliche Sitzung der Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche der Provinz Hannover für eröffnet." Der Königliche Commiffarius nahm demnächst den neu eingetretenen Mitgliedern der Synode das vorgeschriebcne Gelöbniß ab und leitete die Wahl derjenigen drei Mitglieder, welche die Synode nach § 62 der Synodalordnung der Kirchenregierung behufs Auswahl eines Vorsitzenden vorzuschlagen hat. Als solche wurden gewählt der Klosterkammer-Director a. D., Freiherr von Wangenheim auf Waake (auch im Jahre 1869 Präsi­dent der Landessynode), der Geheime RegiernngSrath a. D. Brüel Hierselbst und der Confistorial - Rath Münchmeyer von Buer. Nachdem der Ober-Präsident kraft spezieller Ermächtigung den Klosterkammer-Director von Wangen­heim zum Präsidenten der Synode ernannt halte verließ er den Sitzungssaal. Die Synode wählte demnächst zum Vice Präsidenten den General-Superintendenten Hildebrand aus Göttigen und den Appellationsgerichts-Vice-Präsidenten Meyer aus Celle.

Herborn, 1. Oct. Wie sehr das Studium der Theologie nachgelassen, zeigt auch der geringe Besuch des hiesigen theologischen Seminars. Zur Aufnahme in daffelbe ist für das nächste Jahr nur eine einzige Anmeldung er­gangen. Voraussichtlich bleiben unter diesen Umständen »ie dies auch schon in früherer Zeit einmal der Fall war die Vorlesungen für die Dauer eines Jahre« ausgesetzt. Dem Vernehmen nach wird der Direktor des Seminars, Prof. Kübel, demnächst eine Pfarrstelle zu Ellwangen in Württemberg annehmen.

SBtiumt, 30. Sept. Die Synode des Großherzog- thums Hal das Kirchengesetz über Aufbringung der Synodal- Kosten nach der Regierungsvorlage angenommen; morgen wird über eine Dankadresse an den Großherzog und die Verlängerung des Confirmanden-UnterrichtS berathen. In Gera istZgestern die dritte Thüringische Lehrerversamm- lung eiöffnet worden. Dieselbe wurde NamcnS des Fürsten und der Stadt begrüßt und verhandelte die Er­ziehung schwachsinniger Kinder. Die Versammlung, welche über 600 Theilnehmer zählt, sprach sich nach dem Referate deS Schulraths Dr. Möbius auS Gotha für besondere, vom Staate zu unterhaltende Anstalten zur Erziehung der Schwachsinnigen aus und hat' eine Denkschrift an die SlaatSrcgierungen in diesem Sinne beschlossen.

Der «» eine Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

In Schweigen versunken, ließ Adele das Köpfchen nie­derfinken, eine Thräne fiel ans ihren Augen auf die Stickerei, die in ihrem Schooße lag.

Ti Zch habe bisher wenig gechan, mir das Vertrauen meiner Kinder zu erwerben, fuhr die Mutter fort, das soll ander« werden, Adele, ich will fortan nur f9r Euch leben. Die Entlarvung des Herrn Wilkens hat mir die Augen geöffnet, e« ist nicht Alle» Gold, was glänzt, und oft verbirgt sich hinter glänzender Maske ein Grab voll Moder.

Mutter, »Ast Du denn eine» Heuchlers wegen Alle verdammen.

Rein, mein Kind, aber wenn man ein räudiges Schaf in einer Heerde findet, bann darf man mit Sicherheit an« nehmen, daß ihrer noch mehrere darunter sind. Ich habe in der jüngsten Zeit mehrfach die Erfahrung gemacht, daß man die Frömmigkeit gern als Tünche benutzt, ich habe manche Maske entdeckt, die mich anwiderte. Ich werde deshalb den Hülfsbedürftigen meinen Beistand nicht entziehen, aber ich will fortan nicht mehr die Erfüllung meiner Pflichten als Gattin und Mutter vernachlässigen, nur um einen äußeren Schein zu wahren, der mit der Frömmigkeit selbst nichts gemein hat. Und nun genug davon, ich habe ein Licht gesunden, welches ich nicht unter den Scheffel stellen werde.

Adele drückte bewegt die Hände der Mutter.

Gott segne Dich für diesen Entschluß, sagte sie, wir haben ja Alle so sehr gewünscht, baß Du die Abende in unferm Kreise verbringen mögest, Du fehltest uns über ll und der Baler grämte sich oft, wenn er so allein saß.

Das wird nun anders werden, mein Kind, es thul meinem Herzen wohl, zu erfahren, wie viel ich Euch gelte 1

Wußtest Du es nicht?

O, ich hätte eS ja wiffen können, aber ich dachte nie­mals darüber nach. Wenn Du mir vertrauen könntest, Adele!

Mutter, ich kann es.

Dann sei offen, sage mir ohne Rückhalt, weshalb Du Deinen Verlobtm nie wirst lieben können.

Ich weiß das selbst nicht, es ist mir, so oft ich ihm in's Ange sehe, als ob eine innere «Stimme mich vor ihm warne.

Und dann

Nun? fragte die Mutter, als das Mädchen verwirrt die Wimpern senkte.

Es ist eine eigenthümliche Geschichte, die ich mir nicht erklären kann, Mutter. Gerhard sagte mir am Tage nach seiner Heimkehr, Max Neumann verlaffe unser Haus nur deshalb, weil er mich liebe, weil er fürchte, diese Liebe könne ihn zu Thorheiten verleiten, die ihn und vielleicht auch mich unglücklich machen müßten.

Madame Schindler nickte gedankenvoll, ihr Gatte hatte ihr da» ja schon mitgetheilt, aber sie war damals mit einem Achselzucken der Geringschätzung darüber hinweggegangen.

Und seitdem ich daS weiß, muß ich immer an ihn den­ken, fuhr Adele leise fort. Er war schon früher der Spiel­gefährte Gerhard'S und ich nahm oft an ihren Spielen Aniheil; später bat der Vater ihn mitunter zu Tische und da fand ich hinreichend Gelegenheit, seinen Character und Gemüih schätzen zu lernen. Er hat mir nie nur durch ein Wort ober einen Blick verrathen, daß ein stärkeres Gefühl als das der Achtung und Freundschaft ihn an mich fcffele, nun ich es weiß, kann ich es nicht mehr v-r. geffen.

Und ihn könntest Du lieben?

Ja, Mutter, ich könnte eS.

Besorgt blickte Madame Schindler in die leuchtenden Augen des Mädchens.

Weshalb gabst Du dem Saronet Dein Jawort? fragte sie.

Weil der Vater eS wünschte.

Wünschte ich nicht auch, daß Du eS dem Herrn Wil­kens geben mögest?

Ihn verabscheute ich, ich hatte längst den Heuchler in ihm erkannt. >

Und Herr Neumann?

Er hat sich aus freien Stücken zurückgezogen, der Hoff­nung, meine Hand zu gewinnen, entsagt, soll ich fix ihm anbieten ?

Adele, bas wäre ein Schritt, der Dir die Achtung vor Dir selbst rauben wüßte, ein Schritt, der sich mit weib­licher Würde und Ehre nicht vereinen läßt.

Ich weiß es, Mutter, zudem hatte ich ja auch keinen, Grund, diesen Schritt zu thun. Weiß ich auch, daß der Freund Gerhard'S mich liebt, so hat er doch noch nichts gethan, Gegenliebe zn wecken. Auch wünschte der Vater die Verbindung mit Sir Delavalle, und ich fand keinen triftigen Grund, ihm die Erfüllung dieses Wunsches zu verweigern. Ich achte den Baronet und hoffe, an seiner Seite glücklich zu werden.

Madame Schindler schüttelte mit bedenklicher Miene das schöne Haupt.

Eine Ehe ohne Liebe ist ein Frühling ohne Sonnen­schein, sagte sie leise. Ich weiß nicht, woher es kommt, aber mit freudigem Herzen kann ich meine Zustimmung zu dieser Verlobung nicht geben. Vielleicht läßt auch Dein Vater durch eine Maske sich täuschen, wie mich eine Maske getäuscht hat, ich fürchte eS, und ich werde zu et»