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Mr. 230

Zslarburg, Freitag, den 2. October.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Diettfch & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

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WcrheWc Inlmg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung inFrankfutta. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich

außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (ikoch'fche Buchdruckerei) bezogen 22j 6»r., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jusertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu etthcilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 21 Sgr. berechnet.

DetttscheS Keich.

, 30. Sept. Auch dieProv.-Corresp." erwähnt heute den vielbesprochene« Artikel desJournal de St. PeterSbourg" wegen der Stellung der russischen Regierung zu der spanischen Anerkennungsfrage. Die Cor- respondenz führt den Inhalt des Artikels an und consta- tirt dabei namentlich, daß das gute Einvernehmen zwischen Rußland und Deutschland dadurch nicht berührt oder gar getrübt werde. Sie fügt überdies noch die Bemerkung hinzu, daß diese Erklärungen auch den Auffassungen ent­sprächen, welch« Pei de« Verhandlungen zwischen Rußland und Deutschland ausgetauscht worden sind und daß somit sich auch dir Nachrichten mehrerer Blätter bestätigen, welche gemeldet haben, daß das russische Cabinet ähnliche Erklä­rungen auch in amtlicher diplomatischer Form an die Reichs- regierung gerichtet habe und zwar scheine eS sich dabei nicht um eine einzelne Depesche zu handeln, eS seien vielmehr wiederholt Kundgebungen ähnlichen Inhalts von Peters­burg »US an die deutsche Reichsregierung gelangt. Die Prov.-Corresp." bringt außerdem einen Auszug aus dem neuesten Hefte de« GeneralstabSwerkeS über den deutsch- französischen Krieg und verweilt besonder« bei denjenigen Betrachtungen, welche einen Gesammtblick auf die großen Kämpfe bei Metz während des 14, 16. und 18. August werfen lassen. Hochinteressant ist es, daraus zu erkennen, in wie bescheidener und gerechter Weise die Oberleitung de« deutschen Heere» den Antheil an den sgroßen Siezen fich selbst und den übrigen Oberbefehlshabern zumißt, näm lich dahin, daß eigentlich nur der dritte Schlachttag (18. Aug.) der Oberleitung einen bestimmenden Einfluß zuge­lassen habe, während in den übrigen großen Kämpfen die Umficht, Geistesgegenwart und Verantwortlichkeit der ein­zelnen Führer allein in« Gewicht gefallen sei. Schließlich wird auf die Bedeutung von verschanzten Lagern hinge wiesen, da nur eine derartige Fortiflkation es ermöglicht habe, daß das französische Heer in solchen drei Schlachten den Deutschen Widerstand leisten konnte. Es ist in Frage gekommen, ob auch die katholischen HauSkapläue den Bestimmungen de« Maigesetzes über die Ausbildung und Anstellung der Geistlichen unterworfen seien. Durch Erlaß de« CultuSministeriums vom 24. d. MtS. ist diese Frage dahin entschieden worden, daß katholische HauSkapläue, wenn auch über den Umfang ihrer Befugnisse spezielle kirch. liche Aufträge entscheiden, doch im Allgemeinen zur Klasse der Psarrgehülfen zu rechnen find und deshalb unter die Vorschrist des Maigesetzes fallen. Eine Vorlage des Reichskanzlers an den BundeSrath enthält die Bestimmung, daß das deutsche Reich von Steuern und Lasten befreit bleiben soll, welche nach^den Landesgesetzen auf Grundbe­sitz und Gewerbebetrieb gelegt worden. Es werden durch ein derartige« Gesetz auch die vielfachen Conflicte ihre

Lösung finden, welche bisher mit verschiedenen Communen bestanden haben, welche für berechtigt erachteten, da« Grund- eigenthum des Reichs zu besteuern.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" bespricht die von dänischen und englischen Blättern über da« Wie­deraufleben der sogenannten nordschleSwig'schen Frage in Umlauf gesetzten Gerüchte und konstatirt dabei, daß dem ganzen Gerede die Ausweisung von vier lästigen Personen aus Schleswig zu Grunde liege. Die Maßregel sei we­der generell noch prinzipiell, noch eine Maßregel der Poli« tik, sondern lediglich im Interesse der Ruhe und Sicherheit des Landes von den Provinzialbehörden getroffen. Die deutsche Bevölkerung sei damit einverstanden. Die dänisch redende werde davon nicht berührt. Von einer angeblichen Aufregung sei nirgends die Rede. Hierdurch würden alle aus einer einfachen Polizeimaßregel gezogenen politischen Consequenzen auf ihr Nichts zurückgeführt.

Hannover, 29. Sept. In der heutigen Sitzung der Strafkammer wurde Pastor a. D. Grote, der bekannt­lich nach verbüßter Gefängnißstrafe den früher incriminirten althannoverschen Volkskalender mit unwesentlichen Aen- derungen von Neuem herauSgegeben für gut fand, wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck, begangen durch wieder­holten Abdruck der früher vom Gericht rechtskräftig zur Vernichtung verurtheilten Stelle, zu einer viermonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt. Herr Grote leugnet, den Fürsten Bismarck irgend habe beleidigen zu wollen, und berief sich dafür auf die vorgenommenen Aenderungen im fraglichen Artikel. Da« Gericht erklärte diese für ganz unwesentlich und hob al« besonderen GrschwerungSgrund die große Beflissenheit hervor, mit der verfahren sei. Von der weiteren Anklage, wegen Verbreitens wiffentlich ent­stellter Thatsachen, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, wurde Grote freigesprochen; dagegen wegen Verstoßes gegen da« Reichrpreßgesetzes (Unterlassung der Bezeichnung des Heraus­gebers auf dem Kalender) fernerweit zu 30 Reichsmark verurtheilt. Aus dem üblichen «elfischen Auditorium im Gerichtssaale wurde nach Verkündigung deS UrtheilS durch den Vorsitzenden ein förmliches Zischen laut; der unziem­liche Demonstrant wurde ermittelt und sofort auS dem Saale entfernt.

Dresden, 29. Sept. Unter nicht ungünstigen Au- fpizien wurde heute Abend 7 Uhr in Meinholvs Sälen die Vorverfammlung zum Seminarlchrertage abgehalten. Wir rechnen dazu nicht nur den glücklich gewählten Ort und die Gunst des überaus schönen Herbste«, sondem vor allen Dingen die auS dem Ersten folgende rege Bctheili flung aus fast allen Theilen deS deutschen Reiches. Da besandcn sich unter den 145 Anwesenden, die morgen voraussichtlich die Zahl von 200 erreichen dürften, die " ~ .....- - ' LL-

Der Kampf n» eine Milli»«.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Meiu Herr, gebe» Sie sich keine Mühe, sagte der Baronet mit schneidender Kälte. Ich habe mit meinen eigenen Augm jene Papiere gesehen, und Herr und Ma­dame Schindler werden mir Dank wiffen, daß ich ihnen die Augen geöffnet habe. Verlangen Sie die Originale zu sehen, jo werde ich sie Ihnen verschaffen, von Verleum­dung kann hier keine Rede sein.

William Wilkens biß die Lippen blutig, er hätte sich auf den Engländer stürzm mögen, der ihn so boshaft höh­nisch in den Staub trat und jede« Zucken durch einen Fußtritt erwiderte.

Er hatte seine Rolle zu Ende gespielt, das Spiel war verloren, da« mußte er einsehen, al« sein Blick dem ver­achtenden Blick seiner Freundin begegnete, e« konnte für ihn kein Zweifel mehr obwalten, daß nach dieser Demü- chigung das Band der Freundschaft zerriffen war.

Madame Schindler schritt kalt und stolz an ihm vor­bei, in dem letzten Blick, der ihn streifte, spiegelte sich die ganze Fülle ihrer Verachtung.

Nach diesen Erfahrungen bedauere ich, die geschäftliche Verbindung mit Ihnen angeknüpft zu haben, sagte der Banquier, al« seine Gattin daS Boudoir verlaffen hatte. Sie werden begreifen, daß sie nun abgebrochen werden muß. Ziehen Sie Ihre Depositen zurück und ordnen Sie unser gemeinschaftliche« Conto, ich werde nach Bombay schreiben und meinen Geschäftsfreund beauftragen, auch die Verbindung mit Ihrem Hause in Kalkutta zu brechen.

William Wilken« erwiderte darauf kein Wott, er zog sich zurück und verließ racheschnaubend da« Hau«, welche« er mit so großen Hoffnungen betreten hatte.

Im ersten Augenblick war er entschlossen gewesen, seine

Geschäfte zu ordnen und die Stadt zu verlaffen, aber fein Haß und Rachedurst bewogen ihn, diesen Entschluß wieder fallen zu laffen.

Er wollte auch dem Baronet eine Niederlage bereiten, er wollte ihn und den Banquier in den Staub werfen, in welchem er selbst jetzt vor Wuth und Verzweiflung sich krümmte.

Herr Eduard Schindler fühtte den Baronet zu seiner Tochter, er legte mit feierlicher Miene ihre Hände in ein­ander, und äußerte die Zuversicht, daß diese Verlobung das Glück beider begründen werde.

Dann suchte er seine Gattin auf.

Madame Schindler war tief empört über die Heuchelei und den Betrug eine« Mannes, dem sie so große« Zutrauen geschenkt hatte, sie konnte noch immer nicht glauben, daß die Anklage, welche der Baronet erhoben hatte, in allen Theilen begründet sein solle.

E« ist eine Infamie, sagte sie entrüstet, al« der alte Herr sie zu beruhigen suchte, eine Infamie, die ich ihm nimmer verzeihen kann.

Er hat Dich durch die MaSke der Frömmigkeit getäuscht, erwidette der Banquier beschwichtigend, und Du kannst noch nicht fassen, daß ein Mensch so niederträchttg sein könne, diese MaSke vorzubinden.

Madame Schindler schüttelte unwillig das Haupt.

Aber auch der Baronet hat sich viel vergeben, nahm sie nach einer langen Pause wieder das Wort, fein Be­nehmen war nicht das eines Ehrenmannes.

Lorchen, er war feine Pflicht, ihn zu entlarven.

Gewiß, aber es durste eS nicht in feiner Gegenwart thun. Er stand als Nebenbuhler ihm parteiisch gegenüber, aus jedem Wort, welches er sprach, leuchtete eine boshafte Schadenfreude. Eduard, ich habe in dieser Stunde einen

Schulräthe HoffmannHamburg, BockLiegnitz, Eber­hardt-Eisenach, die Direktoren KehrHalberstadt, Schulze und HorwitzBerlin, Dr. JüttingEisleben, Matthias Hamburg, SeidelReichenbach, BöcklerOranienburg und viele andere deutsche Schulmänner, deren Namen in der Lehrerwelt einen guten Klang haben. Am stärksten waren natürlich die Sachsen vertreten. Die Versammlung wurde mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden deS Lo- kalcomitsS, den Director des Freiherrn Fletcherschen Se­minar« in Dresden, Herrn Kühn eröffnet. Bei dieser Gelegenheit darf eS nicht unerwähltt bleiben, zu wie großem Danke die Versammlung dem genannten Herrn sammt den übrigen Dresdener Seminarlehrern für die jfreunblidje Mühwaltung verpflichtet ist, der er sich zu Gunsten der an feinem HeimathSort tagenden Seminarlehrer freudig unterzogen. Herr Seminar-Direktor Kehr, der zu geschäft­lichen Mittheilungen das Wort ergriff, gab zunächst dieser Empfindung Ausdruck und kündigte alsdann der Versamm- ' lung an, daß an den morgenden Verhandlungen von Sei­ten der preußischen Schulverwaltung der Geheime Ober- RegierungSrath Herr Wätzoldt und aus Sachsen der Herr CultuSminister selbst theilnehmen würden. Auch die Lehrmittelausstellung in Doebeln wurde der Einsicht Der­jenigen empfohlen, die des Weges zurück in die Heimath reisen. Hieran schloß sich die gegenseitige Vorstellung, die leider so sehr beeilt werden mußte, daß dem Zuschauer manche bemerkenswerthe Persönlichkeit für diesen ersten Abend entgehen mußte. Eine ziemlich lebhafte Debatte knüpfte sich sodann an die Frage von der Ueberweisung der angemeldeten Vorträge über Pädagogik in die Haupt­oder Sectionsvcrhandlungen, Es waren die folgenden Themen, welche in Rede standen: 1) Wie hat sich mit Rücksicht auf die fast überall bestehenden Internate die Seminarerziehung zu gestalten? (Rcf. Seminar-Direktor Dr. Schumann-Alfeld.) 2) Die praktische Ausbildung

der Seminaristen. (Wegen der Verhinderung deS ur­sprünglichen Referenten in elfter Stunde noch freundlich von Kehr übernommen.) 3) Wie ist die Geschichte der Pädagogik im Seminare zu behandeln? (Von dem ersten Referenten.) Schließlich wurden die beiden ersten Vor­träge der Haupt- und der letzte den Sectionsverhandlungen überwiesen. Von den Sectionen wurden fünf, nämlich für Pädagogik, Sprache, Geschichte, Naturwissenschaften und Musik acceptirt, für welche außer den schon genannten der Reihe nach folgende Vorträge in Aussicht sichen: 1) Ueber die zweite Prüfung der Volksschullehrer (Sem. Dir. Seidel-Reichenbach i. L) 2) Beitrag zur Methodik des LateinunterrichiS am Seminare. (H. Günther Löbau i. S.) 3) Ueber den Geschichtsunterricht auf den Semi­naren. (Eberhard-Eisenach.) 4) Die Chemie als Unter- richtsgegenstanv für die Seminare (S.-L. Steuer-Löbau

tiefen Blick in den Character Sir Delavalle'S geworfen, mir graut vor ihm.

Eleonore! zürnte der Banquier.

Ja, Eduard, mir graut vor ihm und den Leidenschaften, die in feiner Seele schlummern, ein Windhauch genügt, diese Leidenschaften hell auflodern zu laffen.

Nun, nun, er war ja auch empört über die infame Rolle, weiche Wilkens hier gespielt hatte, wer kann ihm verdenken, daß er feine Entrüstung zeigen mußte? Sir Delavalle wird Adele glücklich machen, Lore, und daS Glück unseres Kindes muß uns doch zunächst am Herzen liegen. Sodann wirst Du zugeben, daß es eine ausgezeichnete Par­tie ist, wie wir sie für Adele nicht besser wünschen können; ich finde keinen Grund, der Dich berechtigt, Deine Ein­willigung zu verweigern.

Madame Schindler blickte lange schweigend vor fich hin, von Zeit zu Zeit schüttelte sie leicht da« gedankenschwere Haupt, als ob sie fagett wolle, sie könne diesen Anflchten nicht beipflichten. Du wünschtest eS und Adele hat sich für ihn entschieden, brach sie endlich da« Schweigen, aber ich gebe nur widerstrebend meine Einwilligung. Auch fordere ich von Dir, daß Du mir erlaubst, eine Reise nach England zu nternehmen, damit ich dott mich erkun­digen kann.

Aber wozu das? fragte der alte Herr befremdet. Ich habe ja bereits Erkundigungen eingezogm.

Sie haben keinen Werth für mich. Ihr Kaufherren wißt nur das Vermögen, nicht den Character eines Man­nes zu taxiren, ich will selbst darüber nachforschen.

Jetzt war die Reihe an dem Banquier, mißbilligend das Haupt zu schütteln, aber seine Gattin beharrte in ihrem Vorsatze, nur unter dieser Bedingung, wollte sie vorläufig ihre Einwilligung geben.

Herr Edvard Schindler mußte ihr geloben, die Hoch-