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Marburg, Donnerstag, den 1. Ottober.
18741
Anzeigen nimmt entgegen: »ie Ervrdition d. Blatte-, sowie bte Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in Jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc-; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
(CHwIjflTifdif Jritung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, 31. Stete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 22t Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die «espaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
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Mlit dem 1. October beginnt ein neues Quartal- Abonnement auf die VKerh-sstsch- Z-i. tUMg. Dieselbe wird in der seitherigen Weise forterscheinen, ihren Abonnenten vom nächsten Quartal aber noch ein
Mustrnies Sonntagsblatt von <d|t großen Quartseiten, mit dem gediegensten Jnhalte^und Illustrationen von ersten Künstlern, jede PreiseetzSH»«g, liefern.
Der Jahresband des Sonntagsblattes umfaßt 416 Quartseiten mit mehreren hundert Abbildungen.
Im erzählenden Theil der Oberh. Zeit, kommt im nächsten Quartal der Schluß der höchstspannenden Erzählung „Der Kampf um eine Million", der eine sehr interessante Novelle:
„Aie Werörecheriu", von C. Wartenberg folgt.
Bestellungen bitten wir vor dem Schluß des Quartals machen zu wollen, damit wir vollständige Exemplare zu liefern im Stande find.
Die Exped. der Oberh. Zeit.
„Die allgemeine Lage Europa'-"
Hal, Alle- in Allem betrachtet, nichts Beunruhigendes, so versichert die „Presse", daS Organ des französischen Minister- deS Auswärtigen, des Herzogs DecazeS, „und Frankreich kann ferner in der gesammelten und ruhigen Haltung verharren, die xK jo vorsichtig war sich selbst vvr- zuschreiben, und die seinen Interessen und seinen Pflichten gleich sehr entspricht." Ohne Zweifel ist das über die Situation la dem erwähnten Artikel ausgesprochene Urtheil richtig: eine umsichtige Betrachtung der Weltlage wird gu dem Ergebnisse gelangen, daß die Chancen des Friedens günstig stehen uno daß eS zur Zeit relativ wenig schwarze Punkt« am politischen Horizonte giebt, da nur vereinzelt der Wille und nirgends Macht vorhanden, ist, die durch den letzten deutsch-französischen Krieg geschaffene Ordnung der Dinge in Frage zu stellen. So lange diese Con- stellation bleibt, kann nur eine mißvergnügte oder pejsi mistische Auflassung eine Störung der von ganz Europa nsehnten Ruhe als nahe bevorstehend ankündigen. Es nimmt .wohl auch Niemanden Wunder, daß das Organ de< französischen Ministers den befriedigenden Stand der gegenwärtigen Weltlage aus anderen Gründen herleitet, als aus denen, die der Gang der historischen Ereignisse
anzucmpfehlen scheint. Man würde vielleicht sehr wesentliche Argumente dafür geltend machen können, daß die Basis des heutigen günstigen Statuts der Prager Frieden ist, d. h. die Auseinandersetzung Oesterreichs und Deutschlands und die dadurch ermöglichte und jetzt zur untrüg- baren Thatfache gewordene entente cordiale der beiden Mächte: man würde vielleicht darauf Hinweisen können, daß die deutsche Politik es ist, welche Oesterreich und Rußland einander genähert und ein Einvernehmen der drei Kaiserreiche hergestellt hat, an dessen Festigkeit nur diejenigen zweifeln, die daran zweifeln wollen. Die historisch philosophischen Anschauungen des osficiösen Artikel« kümmern uns, wie gesagt, nicht; wir würden unö sogar freuen, wenn die Beziehungen Englands und Rußlands so intimer Art und die Interessen beider Mächte so identischer Natur wären, wie dec Artikel behauptels. Es tangirt uns auch wenig, wenn wir in dem Artikel lesen, daß Oester reich da« Gegengewicht Deutschlands, eine Schranke gegen den Germanismus geworden ist, oder daß Deutschlands Actien in Italien nicht günstig stehen. Dagegen vernehmen wir mit dem äußersten Befremden die Auslassungen des offiziösen französischenOrganS über dieGefahren, von denen Dänemark durch Deutschland bedroht sein soll. Bekanntlich ist da« thöcichte Gerücht von dem Beitritt Dänemarks zum deutschen Reich von Paris aus zur Verdächtigung Deutschlands und zur Aufregung der öffentlichen Meinung in Umlauf gesetzt und eifrig colportirt worden; jetzt hat das Organ des französischen Ministers des Auswärtigen die Stirn, seine perfiden Hetzereien gegen Deutschland nach Jesuiten Manier durch die Phrase zu bemänteln, daß besagtes Gerücht überall auf Unglauben gestoßen sei. Viel schwerer zu glauben ist es, daß die französische Diplomatie klugen und gewandten Händen anvertraut ist, wie der Artikel rühmt, wenn sie einen Giftartikel nach dem anderen gegen Berlin schleudert, als zu glauben, woran nie Jemand gezweifelt hat, daß die Pariser Sensationsnachrichten sich nachgerade um jeden Credit gebracht haben und nur Werth als Merkmale der in Paris herrschenden unversöhnlichen Stimmung besitzen.
Noch ein anderer PafsuS deS Artikels kann nicht mit Stillschweigen übergangen werden. „Italien, heißt es, wird sich nicht in die Bahn einer deutschen und protestantischen Politik reißen lassen." Das Organ des Herzogs Decazes geht gegen Deutschland wie die Jesuiten-Organe zu Werke: Deutschland ist schon oeßhalb hassenSwerth, weil sein Kaiser und die Mehrzahl seiner Bewohner pro testantisch ist. Es verlohnt sich nicht der Erwähnung, daß Deutschland nur deutsche, nicht confesstotulle Politik treibt und stets treiben wird. Im Interesse Frankreichs wünschen wir aber, daß dasselbe auch nur französische Politik treiben möge: sollte es versuchen, katholische Politik
zu treiben, so werden chm die Niederlagen nie erspart bleiben, die das unabänderliche Verhängniß des politischen Katholizismus (des Ultramontanismus) auf dem heutigen BildungSstandpunkte des Menschengeschlechtes sind und sein müssen.
Deutsches Reich.
•• Berlin» 29. Sept. Das Journal de St. Petersburg, ein bekanntlich den Regierungskreisen in Rußland nahestehendes Blatt, bespricht die Haltung Rußlands in Betreff der spanischen Anerkennnngs Frage. Indem das Journal die Miltheilungen des „Nord" wiedergiebt und dessen Auffassungen sich aneignet, fügt eS auch selbstständige Betrachtungen hinzu, in welchen betont wird, daß in den Beziehungen innigstendes Einvernehmens zwischen den drei nordischen Mächten durch die besondere Stellung Rußlands zur spanischen AnerkennungS-Frage durchaus nichts geändert werde. Die russische Politik gebiete in Bezug auf die Partei- Verhältnisse Spaniens die strengste Neutralität, falsch fei eS jedoch ans dem Antwortschreiben des russischen Kaisers an Don Carlos eine Parteinahme für diesen Prätendenten herleiten zu wollen. Auch die Candidatur deS Prinzen AlphonS von Asturien beschäftigt vielfach die Presse. So soll es im Kreise der spanischen Diplomaten seststehen, daß die Proklamirung des Prinzen AlphonS zum Könige von Spanien, unter der Regentschast das Marschall Serrano im Laufe des Monats Octoder erfolgen werde. Dieser Akt soll überdies den Plänen de« Fürsten Bismarck entsprechen. Dergleichen Nachrichten sind nun zwar kaum ernst zu nehmen, eS kann jedoch nicht genug wiederholt werden, daß die deutsche Politik den Standpunkt der Neutralität ganz entschieden festhält und sich um die inneren Angelegenheiten Spaniens nicht kümmert. Selbstverständlich kann bei einer so zurückhaltenden Politik der Fürst für derartige Gerüchte nicht verantwortlich gemacht werden. — In hiesigen Blättern wird gemeldet, daß der StaatS- Sekretär im auswärtigen Amte von Bülow schon im Laufe dieser Woche seine amtlichen Funktionen wieder übernehmen werde. Leider ist die Rückkehr dieses Staatsmannes durch einen Trauerfall in seiner Familie noch verzögert und wird erst mit Beginn der nächsten Woche erfolgen können. — DaS neueste Heft des Central-Blatts für die gejammte Un« lerrichtS-Verwaltung veröffentlicht einen Erlaß de« CuttuS- MinisterS Dr Falk über Herstellung von Simultan-Schulen beim Volks-Unterrichte. Ein früherer Erlaß wird darin in soweit erläutert, als die Herstellung von Simultan- Schulen nicht grundsätzlich abzulehnen sei, namentlich wenn es sich um Communai-Schule» handle. Gleichzeitig wird ausgesprochen, daß den Absichten auf Reorganisation des gesammten Volksschulwesens einer Commune mit dem Ziele, überall Simultan-Schulen einzurichten, nicht entgegenzutre-
Der Äa*>f am eine Milli««.
Roman von Ewald August Kdnrg.
,T!. (Fortsetzung.)
. _ p ■ 21. Capitel.
Das Urtheil.
Adele hatte sich während der Feiertage nicht entschließen tönnea, die Wahl zu treffen, sie mußte jetzt ihren Entschluß fassen, der Banquier drang daraus.
Gewiß, sie achtete den Baronet, sie sand in gewiflcn Augenblicken sogar Gefallen au ihm, aber dennoch war es ihr, als ob eine innere Stimme sie vor ihm warne.
Die Ursache dieser Warnung konnte fte sich nicht erklären, zumal sie keinen Grund für sie fand, denn Sir Delavalle hatte ihr niemals Anlaß gegeben, sich über ihn zu beklagen, er hatte nie ein Wort gesprochen, noch eine Handlung begangen, welche ihre Achtung vor ihm erschüttern konnte.
Rur in seinen Augen glaubte sie so oft etwa« zu finden, wo6 ihr Mißtrauen emflößte, aber durfte sie darauf hin eia enigülttge« Urtheil über ihn fällen?
Gewiß nicht, jeder Mensch hat ja seine Launen, seine starken und schwachen Setten, seine besonderen Gemüchs- sttmmungen, die ost plötzlich wechseln.
Und der Grundzug seines Charakters war gut und edel, von einer anderen Seite hatte fie ihn nicht kennen gelernt.
Auch Gerhard redete ihr zu. und der Vater wünschte die Verbindung.
Dennoch lag ein schwerer Druck auf der Seele des Mädchew«, als sie am Tage nach Weihnachten beim Frühstück mit zitternder Stimme erklärte, daß sie bereit sei, dem Baronet ihr Jawort zu geben.
Herr Eduard «Schindler schloß freudig bewegt die Tochter in jeitte Arme, Gerhard wünschte ihr mit herzlichen
Worten zu diesem Entschluß Glück, Madame Schindler hingegen protestirte mit verletzender Schärfe gegen diese Wahl, der sie ihre Einwilligung unter keiner Bedingung geben wollte.
Der Banquier ging leicht über den Protest hinweg; erst als er in seinem Cabinet über die voraussichtlichen folgen desselben nachdachte, fiel eS ihm schwer aus'« Herz, daß der Friede seines Hauses für lange Zeit gestöxt werden könnte.
Mit wachsender Ungeduld erwartete er dm Baronet, der heute die Antwort auf seinen Brief holen wollte.
Sein Eintritt verscheuchte die Wolken von der Stirn des alten Herrn, in besten Zügen Sir Delavalle, ohne eines weiteren Cornmentars zu bedürfen, lesen konnte, welche Antwott seiner harrte.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Glück, sagte der Banquier, dem Engländer beide Hände reichend, nur um einige Nachsicht möchte ich Sie bitten. Den Damen ist Ihre Werbung zu rasch gekommen, Six; Adele kann sich in den Gedanken, Ihre Braut zu fein, so recht noch nicht finden und meine Frau —
Protegirt ben frommen Herrn Wilken«, unterbrach Sir Arthur ihn lächelnd.
Offenherzig gestandm, so ist es, aber fie muß ja ein- sehen, daß diese Protektion einen Unwürdigen trifft.
Was ich ihr beweisen kann, wenn fie ernste Zweifel hegen sollte.
Beweisen? fragte der Banquier überrascht.
Ja. Misten Sie, ob Herr Wilkens heute kommen wirb?
Ich glaube, er ist schon oben, vorhin war er im Comptoir, er getraut sich so recht nicht, in'« Cabinet zu kommen.
Dann bitic ich Sie, mich zu den Damen zu begleiten.
Wilkens ist ein so erbärmlicher Schwindler, daß er eine öffentliche Züchtigung verdient; solche Leute müssen öffentlich, nicht heimlich entlarvt werden, damit sie nicht mehr schaden können.
William Wilkens ahnte nicht, welche Gewitterwolkm über seinem Haupte hingen.
Er saß im Boudoir der Hausfrau und vernahm mit steigendem Ingrimm, daß die Wahl Adele's auf feinen Nebenbuhler gefallen sei; das Versprechen seiner Gönnerin, trotzdem die Erfüllung seiner Wünsche bewirken zu wollen, vermochte ihn nicht zu trösten.
Er hatte nicht erwartet, daß Sir Delavalle ebenfalls so rasch den entscheidenden Schritt thun werbe, er hatte ferner nicht geahnt, daß Adele und der Banquier so gegen ihn eingenommen fein könnten.
Madame Schindler äußerte die Ueberzeugung, daß noch nichts verloren fei, daß der Baronet sich vielleicht als ein Betrüger entlarven werde und Herr WUkens noch keinen Grund habe, feine letzte Hoffnung zu Grabe zu tragen.
So weit war daS Gespräch gediehen, als die beiden Herren eintraten.
William Wilkens erhob sich bestürzt, Madame gab ihrem Gatten durch einen Blick ihre Entrüstung über diese ihr sehr unangenehme Störung zu erkennen.
Madame, ich bitte Sie recht sehr, zu entschuldigen, daß ich mir erlaube, hier etnjutreten, nahm Sir Delavalle das Wort, ohne den kleinen Herrn eine« Blicke« zu würdigen. Sie zürnen mir, ich lese eS in Ihren Augen, und wahrhaftig Sie haben ein Recht dazu.
Wenn mein Gatte so indiscret war, Ihnen —
O nein, Madame, Herr Schindler hat durchaus keine Indiskretion begangen. Ich aber machte mich anscheinend einer Taktlosigkeit schuldig, indem ich —
Bitte, es wäre eine Taktlosigkeit, darauf zurückzukommen