Wr. 228
Marburg, Mittwoch, den 30. September
1874
N«,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie der Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Köln re.; Rudolf Most« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
ObcchcUlhc Zeitung.
Anzeigen nimmt entgegen: dir 6xptbttüm d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt tu,, M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
«rickeint tLa lick auher den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen 224 Egr., durch die Postämter des w y deutschen Reiches 25 Lgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ercheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr- berechnet. .
Mjit dem 1. October beginnt ein neues Quartal- JXl Abonnement auf die OberheMsche Zei- trmg. Dieselbe wird in der seitherigen Weise forterscheinen, ihre» Abonnenten vom nächsten Quartal aber noch ein - - J-
MujKiltes Somtagsblatt ’’ ' von Echt großen Quartseiten, mit. dem gediegensten Inhalte und Illustrationen von ersten Künstlern, stzoe jede Preiserhöhung, liefern.
Der Jahresband des Sonntagsblattes umfaßt 416 Quartseiten mit M mehreren 100 Abbildungen. .....iJ6 o.isf .
Im erzählenden Theil der Oberh. Zeit, kommt im nächsten Quartal der Schluß der höchstspannenden Erzählung „Der Kampf um eine Million", der eine sehr interessante Novelle:
SerSrecherin", von C. Wartenberg folgt. 4 :v.-t r.9v
Bestellungen bitten wir vor dem Schluß des Quartals machen zu wollen, damit wir vollständige Exemplare zu liefern im Stande sind.
Die Exped. der Oberh. Zeit.
’: \ Deutsches Neich.
Berti«, 28. Sept. In hiesigen diplomatischen Kreisen will man bestimmt wissen, baß Rußland geneigt ist, dem- nächst den diplomatischen officiösen Verkehr mit der Regie: rung SerranvS wieder zu eröffnen, um zu zeigen, daß Rußland die carlistischen Tendenzen nicht beschützt. Der bisherige officiöse Vertreter Rußland- in Madrid würde auf seinen bisherigen Posten zurückkehren. — Die in der inländischen und ausländischen Presse circulirende Nachricht von dem Verkaufe von 60,000 ChassepotS von Seilen der deutsche« Regierung an die persische ist aus folgende Thatsache zurückzuführen. Bei Gelegenheit der Anwesenheit deS Schahs von Persien in Berlin im Frühjahr 1873 wurde von der persischen Regierung mit der hiesige« ein Vertrag über die Lieferung einer Anzahl von Gewehre» abgeschlossen. Dieselbe beläuft sich indeß keines- weg» auf 60,000, sondern bleibt weit darunter. Auch wurden nicht ChassepotS verlangt, sondern Persien erklärte sich mit der Liesemng von Gewehren der verschiedensten, früher in den europäischen Armem gebräuchlich gewesenen Systeme einverstanden. In Folge dessen sind ChassepotS, Tabattsre- gewehre und Waffen anderer veralteter Construction nach Persien versandt und im Laufe der letzten IVa Jahre in
Der Sumpf um eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fottsetzmg.)
Ju dem unteren Gefach lagen große und kleine Paeten- cheil« vergilbter Papiere.
.frier müssen Sie suchen, sagte der Baronet, unter die- sen Papieren werden die betreffenden Documente sich wohl vorsinden.
Wit fieberhafter Hast holte Timm ein Packet heraus, er las die Aufschrift und löst« die Schnur, welche die Papier« zusammenhielt.
Ich werde Ihnen helfen, fuhr Sir Arthur fort, wahrend er ebenfalls ein Packet nahm, wir muffen uns beeilen. Sehen Sie nur die Aufschriften der Acten durch, Hauenstzin hat durch seine Ordnungsliebe uns das Suchen erleichtert.
Der Baronet hatte das Päckchen genommen, welches die Aufschrift „Schuldscheine" zeigte, Timm gab nicht Acht auf ihn.
Sieh da, sagte der Baronet nach einer kurzen Pause, da- wird der Wechsel sein, den der Herr vorhin zu erhalten wünschte. — ein interessantes Document, erlauben Sie, Timm, daß ich eS münehmr ?
Der Schreiber blickte nur flüchtig auf.
lit WaS ist es? fragte er. - - -
Ein Wechsel auf fünfundzwanzigtausmd Thaler lautend, zahlbar am Tage n-ch der Hochzeit jenes Herrn mit einer gewissen Dame. Ueberlassen Sie mir das Document, Timm, «L ist. in d« That werthlos, denn jene Heirath wird nie stattfinden.
Ich darf gewiß nicht.
Ah — bah, fürchten Sie, ich «erde den Wechsel Ihnen nicht zurückbringen.
Wenn es mein Eigenchnm wäre, so würde ich kein
verschiedenen Häfen verladen werden. Die zu denselben gehörige Munition ist ebenfalls geliefert worden. Die Lie ferung entbehrt übrigens jeder politischen Bedeutung, da diese Gewehre, theilweise veralteter Construction, die militärische Lage Persiens den europäischen Armeen gegenüber keineswegs verbessern. Dieselben sollen auch nach Absicht der persischen Regierung selbst ihre Verwendung lediglich zum Sicherheits dienste im Innern deS Landes finden. Ucbrigens hat die deutsche Regierung ähnliche LiferungSverträge seiner Zeit auch mit China und Japan abgeschlossen, da eS ihr darauf ankommen mußte, sich vielfachen, für europräische KriegS- verhältnifs« unbrauchbar gewordenen Materials zu entledigen. — Die dritte Versammlung deS deutschen Landwirthschafts RatheS wird am 19. October und den solgenden Tagen hier abgehalten werden. Die Tagesordnung für die Versammlung enthält eine größere Anzahl zum Theil sehr wichtiger Fragen, so namentlich: in Betreff der berechtigten Anforderungen der Landwirthschaft an den Zolltarif, über die landwirthschastlichen Fortbildungsschulen im deutschen Reich, über die Eisenbahnen und zwar in Bezug auf den Transport von Thieren. Weitere BerathungS- gegenstände betteffen: Untersuchung des Hagel-Versicherungswesens in Deutschland, Wassergesetzgebung, die gegen do- losen Contractbruch zu ergreifenden Maßregeln, Bankgesetz- gebuug, Pferdezucht u. a. m.
— Im Anschluß an unser gestriges Telegramm auS Berlin erfahren wir heute, daß die StaatSregierung entschlossen ist, auf dem Gebiete der Decentralisation und Selbstverwaltung mit durchgreifenden Maßregeln vorzuzehen. Die bezüglichen Informationen sind uns heute von wohlunterrichteter Seite bestätigt worden. An sich ist dieser Plan nicht neu; vielmehr sind die betreffenden Arbeiten im Ministerium deS Innern schon seit mehreren Jahren vorbereitet worden, ohne daß man bisher zu einem definitiven Abschluß gekommen wäre. Das Gebiet, auf daS sich die Reformen, wenn man einmal mit solchen begann, erstrecken mußten, war zu groß, um mit einem Male umgestaltet werden zu können, zumal wenn man dabei in Erwägung zieht, daß di« Reorganisation der Verwaltung aus dem Papiere nur als der eine, die Uebersührung in die Praxis aber als der zweite und dabei schwierigere Theil sich darstellt. Der mit der neuen Kreisordnung für die östlichen Provinzen (mit Ausschluß der Provinz Posen) gemachte Anfang indeß drängt naturgemäß nach Vollendung des begonnenen Werkes und die Regierung ist nicht in der Lage, diefe noch weiter hinauszuschieben WaS die einzelnen Punkte der beabsichtigten Reform anlangt, so ist zunächst wie wir hören, der dem Abgeordnetenhause vorgelegte Entwurf der Provinzialordnung einer eingehenden Revision unterzogen worden und zwar im Sinne einer starken Be- theiligung der Prouvinzialvertretung an der allgemeinen
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Bedenken tragen, aber wir wollen ja heute noch dem G« richt die Anzeige machen und da wird eS gewiß sofort die Siegel anlegen lassen oder einen Wächter schicken.
Der Baronet zog die Braunen leicht zusammen.
Nehmen Sie eine Abschrift, rieth Timm, daS Original kann ja hier eingesehen werden.
Sie haben Recht, erwiderte Sir Atthur, während er sein Porteseuille aus der Tasche holte und ein Blatt auS- riß, die Copie genügt vollständig.
Timm vertiefte sich wieder in seine Nachforschung, der Baronet copirte den Wechsel und bläiterte daraus weiter in den Schuldscheinen.
Abermals machte er eine Notiz, ein boshaft triumphi- tenbtS Lächeln umspielte feine Lippen.
Haben Sie noch nichts gefunden? fragte er.
Nein. _
Suchen Sie nur, Timm, ich habe bereits iutereffante Entdeckungen gemacht, ich wünsche Ihnen dasselbe. Ah — sehen Sie hier. Hauenstein war ein großer Schuft, er hat Sie in der That betrogen.
Haben Sie ben Beweis? fragte Timm erregt.
Ich glaube. Wie hoch war die Forderung, welche Haucnstein an die Hinterlassenschaft Ihres Vaters erhob?
So genau weiß ich da» nicht mehr.
Auch annähernd nicht?
Warten Sie — zehntausend Mark mit den Zinsen und Zinseszinsen von fünfzehn Jahren.
Eh bien, hier sind zwei Schuldscheine, beide von demselben Tage von Caspar Timm ausgestellt beide aus zehntausend Mark lautend. Sehen Sie, dieser hier ist von Hauenstein mit einer Quittung über den Empfang der Summe versehen, es scheint der echte Schein zu sein und ich vermuthe, daß Ihr Vater kein ordentlicher Haushalter war, sonst würde diese Quittung sich in seinem Nachlasse
Staatsverwaltung. Ein besonderes Organisationsgesetz wird die Consequenzen auf dem Gebiete der bisherigen Behördenorganisation ziehen; man vernimmt, daß die gegenwärtigen Provinzialregierungen in ihrer bisherigen Verfassung aufgehoben werden sollen. Anscheinend ist die Tendenz darauf gerichtet, die Bezirksregierungen zu beseitigen unv- den Provinzial«Regierungen collegialischen Charakter zu verleihen mit gleichzeitiger Eniennung von Special-Commifsa- rien, denen die Verwaltung, bzw. Controle der verschiedenen öffentlichen Anstalten und Institute, wie der Schulen, der SanitätS-Anstalten, der Bau- und anderen Angelegenheiten, obliegt. Eine Analogie hiersür dürfte vielleicht die s. Z. (durch das Gesetz Dom 10. Juni 1861) erfolgte Umwandlung auf dem Gebiete der Berg-, Hütten-, und Salinen- Verwaltung buten, wo nach Aufhebung der Bergämter deren Functionen und Befugnisse gleichfalls den Oberbergämtern übertragen wurden, während die Revierbeamten tu 9L als Specialcommissare in obigem Sinne anzusehen sind. Weiterhin wird die Regierung in der nächsten Session dem Landtage ein Gemeindegesetz und eine Kreisordnung für Rheinland und Westfalen vorlegen und ebenso den Entwurf einer Kreisordnung für die Provinz Posen, den die freie Commission deutscher Abgeordneter dieser Provinz bekanntlich schon in der vorigen Session ausgearbeitet hat, mit ben- erforderlichen Modificalionen auf's Neue einbringen. ES scheint hiernach, daß die kühle Haltung, welche die Regierung in der verflossenen Session den aus den genannten drei Provinzen an sie gebrachten Wünschen gegenüber zeigte, lediglich aus der Erwägung hervorging, daß die von ihr projectirten großen OrganisationSgesetze aus dem Gebiete der inneren Verwaltung bei dem Entwürfe der neuen Kreis- und Gemeindeordnungen für Rheinland. Westfalen einerseits und für Posen andererseits besonders berücksichtigt werden müßten, da ohne Anlehnung an jene die betreffenden Arbeiten zum Theil vergebliche bleiben würden.
Hannover, 26. Sept. Der ständische VerwaltungS- ausschuß beriech gestern unter dem Vorsitz deS LandtagS- marschalls Grafen Münster über die Erweiterung der Statuten der LandeScreditanstalt. Diese soll, außer gegen Bestellung einer Hypothek, Darlehen auch bann gewähren, wenn ber Eigenlhümer zu Gunsten ber Anstalt eine Grund- schuld in das Grundbuch eintragen läßt, und ferner wenn eine Grundschuld oder Hypothek ber Cribitanstalt abgetreten wird. Ferner soll ben Gemeinden, Körperschaften und Verbänden Darlehen ohne Verpfändung von Grundbesitz unter gewissen Cautelen gewährt werden können. Die Schuldurkunden sollen von 1875 an in Mark ausgestellt werden. Dann wurde die Aufnahme von Wegezügen auf dem Landstraßen-Etat verhandelt.
Coblenz, 26. Sept. Gestern Abend fand hier eine zweite Versammlung ber social-demokratischen Arbeiterpartei vorgefunden haben. Der zweite Schein scheint gefälscht zu fein —
Lassen Sie sehen, rief Timm zitternd vor Ungeduld, «ährend er hastig die Scheine ergriff; glauben Sie, daß diese Beweise genügen werden?
Das muß die Zeit lehren, jedenfalls ist die Sache noch sehr dunkel, aber vielleicht finden sich in diesen Papieren weiter« Beweisstücke. Sie werden wohl thun, die Angelegenheit einem tüchtigen Advocate« anzuvertrauen. Die Mittel stelle ich Ihnen zur Verfügung.
Danke Sir, ich werde Ihnen den nöthigen Vorschuß mit herzlichem Dank zurückerstatten.
Nur in dem Falle, daß Sie den Proceß gewinnen. Nehmen Sie Abschttft von diesen Schuldscheinen und ziehen Sie schon morgen einen Advocate« zu Rache, der unverzüglich auf die Papiere in Ihrem Namen und Interesse Arrest legen muß. Jetzt wollen wir die alte Ordnung wieder Herstellen.
Das war bald geschehen, Timm schloß den Schrank wieder zu und die Beiden gingen in'S Bureau zurück.
Was nun? fragte Timm. ; -
Ich denk« eben darüber nach. Es wäre vielleicht rath- famer, die Entdeckung des Verstecks zu verheimlichen. Thun wir es nicht, so wird daS Gericht Sie möglicherweise beschuldigen —
Aber mein Gott, ich bin ja nicht allein hineingegangen, Sie waren ja bei mir, fiel Timm ihm bestürzt in's Wort.
Ganz recht, indeß müssen Sie berücksichtigen, daß Sie das Gewölbe bereits entdeckt hatten, als ich hier eintrat und Niemand kann wissen, was vor meiner Ankunft geschehen ist, sagte der Baronet in eindringlichem Tone. Wir müssen das reiflich überlegen, Timm, ich denke nicht an mich, sondern an Sie, die Erben Hauenstein's könnten