1871.
Marburg, Freitag, den 25. September.
Mr. 22«.
McrhHschr Zcilung
DnltfcheS Krich.
xLtTsraft erkennen lassen und nicht minder hat seine rium jetzt unter allseitigem iLlnvemeym-n dayin eniMeoen, m^lde vermittelnde Persönlichkeit ihm in allen politischen daß es zweckmäßig sch die landschastlichen Kredit-Institute Kreisen hohe Achtung und großen Einfluß gesichert. Der- dem landwirthschastlichen Ministerium zu unterstellen. Für möae schier allgemeinen volkswirthschaftlichen Kenntnisse dies- Entschließung war emerse.ts der Wunsch maßgebend und Erfahrungen, sowie durch sein- persönliche Stellung das Verwaltungsgebwt des landwirschaftl.chen Ministeriums
ver-
nur
ihre
seine ihm
Ge- Wil-
Geld Jagd zu machen. Der Baronet ist ein Ehrenmann, wenn er um die Hand meiner Tochter wirbt, so werde ich nicht das leiseste Bedenken tragen, sie ihm zu geben.
Nun, der Himmel gebe, daß ich mich täusche, sagte Max, aber ich kann die Besorgniß nicht unterdrücken, daß Sir Delavalle Unglück über Sie und Ihre Familie bringen wird.
Damit war diese Unterredung beendet. Max verließ das Cabinet und Herr Eduard Schindler dachte nicht weiter über die Besorgnisse des jungen Mannes nach.
Zum Weihnachtsabend hatte er die beiden Hausfreunde nicht eingeladen, fremde Gäste würden dem Fest den Cha- ractcr einer Familienfeier genommen haben.
Aber wie ganz anders war dieses Fest im Vergleich zu der Feier des Weihnachtsabends in den früheren Jahren!
Adele war still und schweigsam, so ernst und nachdenklich gestimmt, daß selbst die schönen und kostbaren Geschenke, welche für sie unter dem duftenden Baume lagen, ihr kaum ein Lächeln entlocken konnten.
Auch Gerhard bezeigte keine Freude,.auch er war gedrückt,
kenS in dem Kreise fehlte.
Der Banquier schüttelte mißmuthig das Haupt, Freude war getrübt, das Fest ihm verdorben.
Er trat in den Kreis seines Personals, welches
für die Gaben, die eS unter dem Baume gefunden hatte, mit warmen Wortm dankte, unter ihnen athmete er wieder auf, aber ganz schwand der Druck doch nicht von seiner Seele.
Max trat zu Gerhard, er hatte seit mehreren Tagen
Mußt Du diesen Glauben nicht erklärlich finden? Streiten wir nicht darüber, ich wünsche Dir, daß die Erfahrungen, die Du machen wirst —
Lassen wir das! fiel Gerhard ihm rasch in'S Wort. Ich möchte mich nicht gern aufregen, wenigstens heute Abend nicht. Mein Vater steht ohnedies seine Freude getrübt, er liebt ein fröhliches Gesicht, und wie es scheint, ist es uns Allen nicht möglich, zu lachen. Es liegt wie ein Alp auf uns, ich begreife nicht, weßhalb mein Vater sich nicht entschließt, den Knoten zu durchhauen.
Das versiehe ich nicht, Gerhard.
Solltest Tu mit Deinem scharfen Blick nicht längst bemerkt haben, daß das Geschick meiner Schwester sich in den nächsten Tagen entscheiden muß?
scherzt habe.
Das habe ich nicht gesagt, versetzte er, ich trug Bedenken Deiner eigenen Ehre wegen —
Und in diesem Bedenken liegt ja Dein Glaube an Schuld!
einsilbig und gedankenvoll.
Und der alte Herr liebte eS, beim Scheine der Weih nachtskerzen nur fröhliche Gesichter zu sehen.
Selbst seine Gattin betrachtete nur flüchtig die schenke, eS schien ihr unangenehm zu sein, daß Herr
Betroffen blickte Max auf, der strenge, herbe Ton, den der Freund anschlug, mußte ja die Ahnung in seiner Seele wecken, daß er das Vertrauen Gerhard'«
Der Kampf um eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Das ist es nicht, Herr Schindler, entgegnete Max be «egt, ich habe entsagt, und wenn ein Gefühl des Unmuths und des Bedauerns mich beschleichen will, so denke ich an die Forderungen meiner Ehre, die mir stets heilig waren. Wenn ein Mann um die Hand des Fräuleins würbe, den ich achten könnte, nun, dann wollte ich ja gern mich bescheiden —
Weshalb können Sie dm Baronet nicht achten?
Ich weiß es nicht, eine innere Stimme sagt mir, daß er eine Maske trägt, hinter der ein tückischer, boshafter Character sich versteckt.
Das glaube ich nicht, erwiderte der Banquier kopfschüttelnd. Ja, wenn Sie das von Herrn Wilkens behaupteten —
Ich halte es nicht der Muhe werth, diesen Herrn weiter zu berücksichtigen, er ist ein Hmchler und die Maske, die er trägt, ist so durchsichtig, daß er Sie nicht täuschen kann. Aber eS kommt mir vor, als ob diese beiden Herren einander den Rang ablaufen wollten, bei der Jagd auf eine Million! Nicht di- junge Dame, das Geld ist eS, warum sie miteinander kämpfen, und es ärgert mich, daß Sie unthätig diesem Kampfe zuschauen. Mit welchen Waffen sie kämpfen, weiß ich nicht, aber ich fürchte, es sind verborgene Waffen, weiche Sie nicht sehen, Waffen, die der Ehrenmann verachtet!
Der alte Herr wanderte eine geraume Weile schweigend auf und ab.
Max, Sie sehen zu schwarz, brach er mdltch das Schweigen. Sir Delavalle verdient keinenfalls dieses Mißtrauen, er hat wahrscheinlich nicht nöthig, aus mein
{Berlin, 23. Sept. Das Ministerium für die landwirthschastlichen Angelegenheiten, schreibt di- „Prov.-Corresp.", ist seit der Erkrankung und dem Rücktritt des Grafen von Königmarck längere Zeit nicht besetzt gewesen. Durch Allerhöchste Ordre vom 19 d. M., ist nunmehr der frühere Landrath und seitherige Dice-Präsident des Abgeordnetenhauses, Dr. Friedenthal zum Staatsminister und Minister der landwirthschastlichen Angelegenheiten ernannt worden. Die Berufung des Dr. Friedenthal in das StaatS-Ministe- rium ist in der Oeffentlichkeit augenscheinlich mit großer Zustimmung und Befriedigung ausgenommen worden. Di- langjährige Thätigkeit desselben als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstages, seine eingrerfende und fruchtbare Betheiligung an den größten politischen und gesetzgeberischen Aufgaben für Preußen und das Deutsche Reich haben in demselben eine hervorragende und namentlich auch zu organisatorischem Schaffen vorzugsweise be-
/Uit dem 1. October beginnt ein neues Quartal- Abonnement auf die Oberhesfische Zei-
Dieselbe wird in der seitherigen Weise forterscheinen, ihren Abonnenten vom nächsten Quartal aber noch ein
Zllustrirtes Sonntagsblatt von acht großen Quartseiten, mit dem gediegensten Inhalte und Illustrationen von ersten Künstlern, aha- jede Pr-is-rh-haag, liefern.
Einer der nächsten Nummern unseres Blattes werden wir eine Probenummer des Jllustrirten Sonntagsblattes beifügen.
Im erzählenden Theil der Oberh. Zeit, kommt im nächsten Quartal der Schluß der höchstspannenden Erzählung „Der Kampf um eind Million", der eine schr interessante Novelle:
„Die MerSrecherin", von C. Wartenberg folgt.
Bestellungen bitten wir vor dem Schluß des Quartals machen zu wollen, damit wir vollständige Exemplare zu liefern im Stande sind.
Die Exped. der Oberh. Zelt.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
cheint er auch zu einer Wirksamkeit auf dem Gebiete der andwirlhschaftlichen Verwaltung besonders berufen. Di- Staatsregierung wird durch diese Wahl sicher einen Zu wachs an Kraft für ihre weiteren allgemeinen Aufgaben, owie für die allseitig dringend gewünschte Förderung der landwirthschastlichen Entwickelung im Zusammenhänge mit d-r gesamrnten VolkSwirthschast gewonnen haben. Di- Neubesetzung des landwirthschastlichen Ministerium war theilweise auch durch die Erwägungen in Betreff der Erweiterung des Geschäftsbereichs desselben verzögert worden. Jetzt ist eine solche Erweiterung zunächst durch U-b-r- weisung der landschaftlichen Kredit-Institute an das land- wirthschastliche Ministerium erfolgt. Ein geregelter land- wirthschaftlicher Kredit gehört unzweifelhaft zu den wich- tigsten Stützen der Landeskulwr. Zu seiner Pflege sind die landschaftlichen Kreditinstitute bestimmt, welche die Auf gäbe haben, da« Grundeigenthum zu erhalten und durch Gewährung wohlfeilen R-alkreditS in den zulässigen Vcr- leihungsgrenzen di- L-istungSsähigk-it der dem Credilver- bandc angehörigen ländlichen Grundbesitzern möglichst dauernß'zu sichern und zu steigern. Von diesem Gesichtspunkte aus richtig geleitet und beaufsichtigt, find jene Jn- stitutt' wirksame Förderungsmittel der Landwirthschaft und stehen als solche zu den Aufgaben des landwitthschast- lichen Ministeriums in der nächsten naturgemäßen Be- ziehuug. Bei der Organisation der Staatsbehörden im Jahr 18fB*tourben die landschaftlichen Kreditinstitute dem Ge- schästsbereich des Ministeriums des Innern unterstellt und bei den späteren Aenderungen der Verwaltungsorganisation ist jenes Verhältniß nicht berührt worden. Wenn nun auch die geschäftliche Enwickelung der landschaftlichen Kreditinstitute bisher hinter den Anforderungen der in neuerer Zeit gesteigerten Kreditbedürfnisse des Grundbesitzes und gegenüber den Bestrebungen der Privatinstitute durchaus nicht zurückgeblieben war, so ist doch die A-nderung der erwähnten Organisation in d-n landwirthschastlichen Kreisen und durch die die Interessen der Landwirthschaft vertretenden Organe wiederholt als wünschenSwerth bezeichnet worden. In einer dreimaligen Resolution hat das Landes-Ockonomie- Kollegium und in einem gleichartigen Votum der Kongreß Norddeutscher Landwitthe beschlossen, die Staatsregierung ■ zu ersuchen, diejenigen Zweige des Realkredits, welche jetzt zum Bereich des Ministeriums des Innern gehören, beim ■ taubwirthschastlichen Ministerium zuzuweisen. Nach viel- : fachen Erörterungen innerhalb ber Staatsregierung unb : mit ben beteiligten Instituten, hat sich bas StaatSministe- rium jetzt unter allseitigem Einvernehmen bahin entschieden,
durch Ueberweisung derjenigen GeschästSweige zu erweitern, welche mit der Landwirthschaft in naher Beziehung stehen, und geeignet sind, das Ministerium zu kräftigen und das Ansehen unb bie Bedeutung desselben vor dem Lande ,u heben. Andererseits kann eS in der That auch Ür die Jntereffen der landwirthschastlichen Institute nur förderlich sein, wenn dieselben unter einer Ober- eitung stehen, bie zur Pflege ber Landeskultur und damit auch zur Entwickelung eines geordneten landwirth- chaftlichen Kredits besonders berufen, sowie im Besitze der technischen Kräfte ist, welche bei ben Angelegenheiten ber Kreditanstalten vielfach benutzt werben müssen. Gestützt auf solche Grünbe hat baS Staatsministerium bie Ueberweisung bet Aufsicht über die landwirthschastlichen Kredit- Anstalten von dem Ministerium deS Inner auf das Ministerium für die landwirtyschaftliche Angelegenheiten bei Sr. Majestät beantragt, und durch Allerhöchsten Erlaß ist diese Veränderung genehmigt worden.
— Die „Prov.-C'.rr.," bespricht die Reise des Kaisers zur Besichtigung der sächsischen und süddeutschen Truppen unb hebt hervor, biese Heerschauen bekunb-ten nicht bloS ben beseelenben Geist unter ben beutschen Truppen unb ber beutschen Bevölkerung, welcher bie beutsche Heereseinheit zur Vollendung bringt, sondern gewährten dem Kaiser auch bie Ueberjeugung, baß bie Herstellung beS beutschen Reichs nicht bloß eine äußerliche Thalsache geblieben, sonbern eine wahre H-rzensbesriebigung geworden sei, welche auch Preußen ben Uebergang alter Zustände in neue erleichtere. Der gemeinsame Kampf für Deutschland unter Preußens Führung habe den ncuerworbenen LandeStheilen die Zusammengehörigkeit mit Preußen lieb und werth gemacht. Die unter des Kaisers Führung erstrittenen Siege haben die Sehnsucht Aller, die Sehnsucht nach einem wieder geeinten Deutschland befriedigt. Dasselbe Blatt melbet: Der Kaiser reift ben 27. September nach Baden-Baden ab, um am 30. Sept, daselbst ben Geburtstag der Kaiserin zu begehen unb verweilt bort bis Mitte October.
— Sr. Majestät Panzerschiff „Friedrich der Große", wie der ReichSanzeiger h-rvorhebt, ist das zweite von drei ganz gleichen, in ber kaiserlichen Admiralität entworfenen und auf inländischen Werften in Bau gegebenen Schiffen, das jetzt seinem Element übergeben wurde. Das erste dieser Schiffe ist das im November vorigen Jahres bereits von der Werft ber Actien-Ges-llschaft „Vulcan" zu Stettin abgelaufene „Preußen", baS britte ber auf ber kaiserlichen Werft zu Wilhelmshafen noch im Bau befinbliche „Große Kurfürst". Diese brei Schiffe gehören zur Elaste ber vollgetakelten, für ben Kampf aus hoher See beftimmten Panzerthurmschiffe unb ähneln in ber Disposition ihres Panzers und ihrer Thürme dem als gut anerkannten englischen Panzerschiff „Monarch", dem sie jedoch trotz ihrer
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, den Freund nicht gesehen; daß er ihm zürnen könne, ahnte : er nicht.
Er sprach mit ihm über die Ermordung Hauenfiein's, ' dieses neue Verbrechen bildete ja augenblicklich das Stadt- > gespräch unb ging barauf zu dem Thema über, welches i so ausschließlich die Seele seines Freundes beschäftigte.
Wozu nützt es, daß ich mit Dir darüber rede, er- J widert- Gerhard, als Max die Frage an ihn richtete, ob 1 er noch immer hoffe, die Unschuld der Gefangenen beweisen zu können. Du bist ja von ihrer Schuld zu sehr über- : zeugt, als daß ich Dich eines Beffern belehren könnte.
Anr-ig-n nimmt entgegen: tie Expedition d. Blatte«, sowie bie Annvnk-n-Bureanx von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfutt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfutt a. M., Berlin, Leipzig, Cölu rc-; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfutt». M- re.__________________________ __
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™ Auskunft und Annahme von Adressen werben 2j Sgr. berechnet.______________