Marburg, Mittwoch, den 16. September
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1874
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vollendet sind. — Dem BundeSrath ist wiederum eine Reihe neuer Vorlagen zugegangen, und zwar: der Entwurf eines Ge setzes über die Naturalleistungen an die bewaffnete Macht im Frieden, ferner Errichtung einer DiSciplinar-Kammer für solche Beamte der ReichSeisenbahn Verwaltung, welche ihren Wohnsitz im AuSlande haben. Außerdem noch eine Verordnung über Gebrauch der Geschäftssprache in Elsaß-Lothringen. Nach dem Gesetz vom Juli 1871 waren Advokaten, Anwälte und Notare, welche die deutsche Sprache nicht verstanden, berechtigt, noch bis zum 1. Oktober d. I. sich der französischen Sprache zu bedienen. Eine gleiche Vergünstigung war für die friedensgerichtlichen Verhandlungen und Urtheilc in einzelnen Distrikten von Elsaß - Lothringen Vorbehalten. Die neue Verordnung ermächtigt nunmehr den Reichskanzler, in geeigneten Fällen diese Fristen noch auszudehnen und auch diese Vergünstigung einigen andrem Bezirken zu Gute kommen zu lasten. — Die Broschüren eines kathol. Priesters: „Scharfes Licht über die politischen und religiösen Verhältniste zum Besten des Staats und der Kirche", sowie „Erweiterung des scharfen Lichtes" verdienen ganz besondere Beachtung. Der Verfaster erörtert in diesen Flugschriften mii großer Sachkmntniß und vielem Geiste die Fragen, welche bei den jüngsten Conflicten zwischen Staat undjKirche vorzugsweise zur Sprache gekommen sind.
— Den Eombinationen über eine bevorstehende Reise des deutschen Kaisers nach Italien wird jetzt ein Ziel gesetzt durch einen eigenhändigm Brief, dm Se. Majestät an den König Victor Emanuel gerichtet hat, um demselben sein Bedauern auszudrücken, daß er seinem Wunsche zu einem Gegenbesuche in Rom wegen de» dringmden Verbots der Aerzte nicht Folge leisten könne. Die Nach richt stammt aus einer italienischen Quelle, wird aber, soweit wir constatirm tonnten, in hiesigen unterrichteten Kreisen bestätigt.
— 14. Sept. Prinz AlphonS von Astu- ~n ist, von drei Offizieren begleitet, heute
Ganz recht, wo ist er?
Dort, auf ihrem Schreibtische.
Dann ist eS gut.
Max entfernte sich.
Ist Ihr Verdacht auf diesen Herm fallen? fragte der Baronet.befremdet.
Banquier sich zu Max, der bestürzt eintrat, er muß doch den Empfang der zuletzt er hobenen Summe an gezeigt haben
Heute Morgen lief ein Brief ein über das Unternehmen, welches Sie gestern Abend mit ihm abgeschlosten haben.
Unterrichtsgesetze ist fertig. Derselbe zählt, nach der „Spen. Ztg.", über 300 Paragraphen und umfaßt das gesammte Unter richtswesen von der Universität bis zur Dorfschule mit Inbegriff der Dotation-, sowie aller sonstigm administrativen, wirthschaft- lichen, finanziellen und technischen Fragen. Zunächst ist im Kultusministerium ein Ge neralreferent für den ganzen Entwurf bestellt, um ein homogenes Werk und eine gleichmäßige , harmonische Rcdaction beffdben zu bewerkstelligen. Auf Grund dieser Arbeit wirb er bann im CultnSministcrium noch ein mal ganz burchberathen unb befinitiv festgestellt werden. Ist dies geschehen, so wirb der Entwurf durch den Druck veröffentlicht. DieS ist spätestens im November zu gewärtigen. Derselbe muß dann noch das Kriegsministerium (Einjährige rc.), das Handelsministerium (Fachschulen), das Ministerium deS Innern (Provinzial-, Kreis-, Gemeinde- Verwaltung rc.) und das Finanzministerium (Dotation) passtren, bevor das Gesammtmi nisterium höchsten OrtS die Vorlage des Gesetzentwurfes an den Landtag beantragt.
Pofe«, 12. Septbr. Der Weihbischof Janiszewski, welcher sich z einem am 15. d. M. gegen ihn vor dem hiesigen Kreisgerichte angesctzten Termin persönlich zu stellen beabsichtigte, sollte dann auf eine Woche und zwar in der Woche vom 12. bis 19 September aus dem Gefängniß in Kozmin entlassen werben. Wie der „Kuryer Poz- ttanski" hört, ist dieser dem Weihbischof er- theilte Urlaub von dem hiesigen Appellge richt zurückgezogen worden, wahrscheinlich um Demonstrationen für ben „Märtyrer" zu verhüten.
Hannover, 13. Sept. Der Kaiser ist mit dem kronprinzlichen Paar nebst zahlreichem Gefolge um 4 Uhr 15 Minutm hier eingetroffen. Die hohen Herrschaften begaben sich zu Wagen durch die festlich decorir- ten Straßen, begleitet von lebhaften Zuru fen einer großen Volksmenge, nach dem Residenzschloß.
Esse», 12. Sept. Wie die Zeitungen f. Z. meldeten, veröffentlichte Commercienrath Krupp am Vorabend des Sedanfestes ein an die Arbeiter seiner Gußstahlfabrik gerichtetes Circular, worin er diesen am Sedantage zu
sagte er in leidenschaftlicher Erregung. Sir, ich bitte Sie, seien Sie aufrichtig, haben Sie Gründe, an dieser Anficht festzuhalten ?
Der Baronet zuckte die Achseln.
Ich finde augenblicklich keinen anderen Zweck der Schmähschrift, erwiderte er und feine Gelassenheit contraftirte grell mit der Erregtheit deS Banquiers. Es ist möglich, aber ich glaube es nicht. Die Selbstsucht und Habgier greisen zu jedem Mittel —
Aber wer — wer kann der Elende {ein?
Jedenfalls nur ein Mann, der sich mit der Hoffnung schmeichelt, Ihre Fräulein Tochter als seine Gattin heimsühren zu können.
Der starre Blick des Banquiers ruhte durchdringend aus dem Gesichte des Baronets aber dieser Blick konnte den Engländer nicht beunruhigen, ennußte ja darin lesen, daß die Gedanken des alten Herrn weit über ihn hin wegschweisten. Jetzt muß ich eS Ihnen überladen, die Spur, welche ich Ihnen gezeigt habe, weiter zu verfolgen, sagte Sir Arthur, indem er sich erhob, ich wiederhole Ihnen, es ist möglich, daß ich mich täusche, dann werden Sie es gewiß sehr bald erfahren.
Bleiben Sie, ich bitte Sie darum, entgegnete Herr Eduard Schindler hastig, indem er die Glocke zog, auf halbem Wege bleibe ich nicht stehen.
Was wollen Sie thun?
Bringen Sie mir den letzten Bries des Herrn WilkenS u. CollinS, wandte der
rung der Heiden. Himmelelement, Sir, wenn ich manchmal über den ganzen Firlefanz nachdenke, möchte ich mit einem fräfti gm deutschen S ldatenfluch hineinfahren, so sehr widert mich dieses Treiben an.
Nun, nun, die Leute meinen eS gut —
Einige von ihnen, zugegeben — das sind die Dummen, die aus angeborener Gulmü» thigkeit sich an der Nase führen lasten, der große Hanfe verfolgt seine Sonderinteresten — eS sind Wenige darunter, die eS ehrlich meinen. Man kann gottesfürchtig sein, ohne
arbeiten befahl. Der Grund dieser Maßregel liegt in einer kleinen Spannung, welche zwischen höchststehenden Personen und Krupp seit einiger Zeit eingetreten ist. Bekanntlich war der Groß-Industrielle kürzlich genöthigt, eine öffentliche Anleihe auszuschreiben. Bevor er diesen Schritt that, hatte er in Berlin den Versuch gemacht, die erwünschten Millionen au- Staatsmitteln zu erhalten, was ihm jedoch unter dem Vorwande, e» feien keine {disponiblen Fonds vorhanden, abgeschlagen wurde. Man geht wohl nicht fehl, wenn man mit der hierdurch entstandeneu Erkältung auch die gesellschaftlichen Ehren in Verbindung bringt, die der deutsche Kronprinz kürzlich dem Commercienrath Stumm in Neunkirchen erwies.
Bonn, 13. Septbr. Heute früh traf Hr. v. Döllinger aus München in unserer Stadt ein. @r stieg bei dem Bischof Rein- kenö ab. Die Ursache seiner Reise ist, in den am Dienstag hier beginnenden Confe- renzen bedeutender Theologen Anhaltspunkte übet eine etwaige Union bet verschiebenen christlichen Consessionen zu finden.
Friedberg, 13. Septbr. Den lele- graphifchen Nachrichten über da» Kaiser- Manöver lasten wir {noch folgenden ausführlichen Bericht folgen: Die große Truppenbesichtigung bei Gelegenheit der großen Hebungen für die 21. 22. und 25. Division hat gestern Vormittag vor seiner Majestät dem Kaiser stattgefunben und ein militairisch glänzendes Resultat gehabt. Se. Majestät der Kaiser verließ um %9 Uhr bei sehr trübem, regendrohendem unb windigem Wetter das hiesige großherzogliche Schloß, fuhr auf der frankfurter Chaussee bi- auf die Höhe des Galgenfeldes, stieg hier von einer sehr zahlreichen Suite, auch vielen ltemdländischen Offizieren, erwartet, und dann begleitet, zu Pferde unb beritt die sehr ausgedehnte Stellung de» zur Dertheidigung von Friedberg bestimmten martirten Nord- korps, gegen welches sich die drei genannten Divisionen als Südkorps entwickelten. Die 21. Division (General-Lieut-nant o. Thiele) von Neuherberge her, in gleicher Höbe mit bet 25. (großherzoglich hessischen) Division (General Lieutenant Prinz Ludwig von Hesten unb bei Rhein großh. Hoheit) welche von
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Deutsches Reich.
## Berlin, 14. Sept. Die Mitthei- lvngcn eines hiestgen Correspondenten, daß die Ernennung de» neuen lanbwirthschaft- lchen Ministers bereits zur Vollziehung im gabinet vorliege oder wohl gar schon Aller- hjchst vollzogen sei, mästen als verfrüht be zeichnet werden. Dem Vernehmen nach ist diese Ernennung jedoch bald zu erwarten. Hingegen ist die Erweiterung be» Gebietes de» landwirthschaftlichen Ministeriums in einer Richtung erfolgt, die bisher unter den wrschiedenen Conjecturen noch nicht ange deutet worden ist. Nach der Rückkehr des «mifters des Innern, Grasen zu Eulenburg, $ nämlich entschieden worden, daß die land- »irthschastlichm Credit-Jnstitute vom Ressort M Ministerium» de» Innern an das land wikthschaftliche Ministerium übergehen sollen. — Vielfach ist die Frage aufgeworfen worben, ob diejenigen kirchlichen Aufgebote, welche dem Inkrafttreten des neuen CivilstandSge- setzeS noch unmittelbar vorher erfolgt sind, mch noch nach beschrittener Rechtskraft dieses Gesetzes Gültigkeit haben werden. Auf Grund specieller Anfrage ist die Bescheidung dahin erfolgt, daß die durch das neue Gesetz vorgeschriebenen Aufgebote durch anderweitig «folgte Proklame nicht ersetzt werden können. — Der Minister des Innern hat bekanntlich durch eine Verfügung an die Provinzialbehörden angefragt, ob auch Alles für das CivilstandSgesetz derartig vorbereitet fei, daß die Ausführung deS Gesetzes vom 1. Oktbr d. I. an vollkommen gesichert ist. Die „Vost. Ztg." knüpft hieran die Bemerkung, daß die Centralbehörde sonach noch im Zweifel fei, ob da» neue Gesetz auch wirklich auSgesührt »erden könne. Diese Annahme ist durchaus irrig. Richt ein Zweisel, sondern ein Akt wiederholter unb energischer Fürsorge deS Ministers für die Ausführung des so wichtigen Gesetzes spricht sich in jener ministeriellen Verfügung aus. Es ist sehr dankens- »erth, daß die Centralbehörde nach dem früheren Erlöste eingehender, ernster Ver-
Bet- und ErbauungSstunden zu besuchen; wer im Gectenwesen sein Seelenheil sucht, ist entroeber ein Schwachkvps, der sich an den tobten Buchstaben klammern muß oder ein--ah, da ist ja der Brief.
Der Baronet warf über die Schultern
merken.
Geben Sie sich keine Blöße, Herr Schindler!
Bewahre! Wenn ich nur ein Mittel wüßte, ihn fern zu halten! Er begleitet jetzt schon meine Frau in das Gefängniß und--
na ja, er hat schon gestern ihr die Ohren voll gehangen über das Fräulein welche» sie gemeinschaftlich besucht haben.
In den Augen Sir Arthur'S blitzte es auf, feine Lippm preßten sich fest auf einander, ein triumphirender Zug umzuckte feine Mundwinkel.
Misten Sie da» bestimmt? fragte er anscheinend falt unb gleichgültig.
Meine Frau hat mir ja gesagt, daß sein Urtheil über die Gefangene mit dem ihrigen übereinstimme.
Dann ist eS entweder ein einseitiges oder ein boshaftes Urtheil, auf mich hat die junge Dame einen sehr günstigen Eindruck gemacht
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Der Kauths nm eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Banquier schüttelte leicht da» Haupt unb blickte mit verschränkten Armen nach denklich vor sich hin.
Er sah nicht, daß der lauernde Mick des Baronets unverweilt auf ihm ruhte unb daß in diesem Blick eine versteckte Tücke lag, die dann und wann hell auf blitzte,< um gleich darauf wieder dem Susdrück freundschaftlicher Theilnahme zu weichen.
Dann müßte ein Feind meine» Sohnes ben Brief geschrieben haben, brach der alte Herr endlich bas Schweigen.
Es ist möglich, aber ich glaube e» nicht, entgegnete Sir Arthur kalt.
Nun, einen Zweck muß der Schreiber doch haben!
Ganz gewiß. Aber ich finde zwischen diesen Zeilen keine Rache, sondern —
Nun? fragte der Banquier, Sir Delavalle stockte.
Sie haben zwei Kinder, Herr Schindler wtd Jedermann weiß, daß Sie Millionär sind.
Was wollen Sie damit sagen?
Wenn Sie ein» Ihrer Kinder enterben, fällt dem andern da» ganze Vermögen zu.
Der alte Herr fuhr von seinem Sessel empor, diese Andeutung traf ihn wie ein Blifc aus heitrem Himmel.
Da» wäre ja ein entsetzliches Motiv,
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
Auskunft und Annahme von Adreffen werden Sgr. berechnet.
Keine Aehnlichkeit! sagte er kühl.
Hm — das ließ sich ja vorauSsehm dumm wird er nicht {ein, daß er selbst Sottisen schreibt. Aber ich glaube nun auch, daß Sie Recht haben, Sir, ich werde mit’»
Mieigen nimmt entgegen: »ie Expedition d. Blatte», Soie die Annoncen-Bureaux non Th. Dietrich & Co. in Mel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. 3)1.; Aaafenfttin & Vogler in Iranffurt a. M., Berlin, Leip» ug, Cöln rc.; Rudolf Most« fn Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die E^rditton d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. ,, M ; Jnvalidendank, A. Sete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.
Herr Eduard Schindler suchte emsig ben Papieren, die vor ihm lagen.
Auf wen sollte er fallen, wenn nicht auf ihn? erwiderte er. Ich habe längst bemerkt, daß er besondere Absichten hegt, et macht nicht umsonst meiner Fran den Hof, auch kann ich nicht glauben, daß er im Ernst die frommen Gesinnungen hegt, die er zur Schau trägt. Ein strebsamer Kaufmann hat an andere Dinge zu denken, als an die Bekeh-
iügungen nochmals einige Wochen vor dem
Termine, an welchem das neue Gesetz in früh über Brüssel und Hannover aus Lon- Kraft treten soll, sich volle Gewißheit darüber von hier eingetroffen und im „Hotel Royal" verschaffen will, daß alle Vorbereitungen zur abgestiegen.
Unmittelbaren Ausführung in der Thal ~ 7 " 2"'