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ffr. 212

ITtacßutg, Freitag, den 11. September.

1874

WerhtMe Mung

gejeigen nimmt entgegen: btt Erpedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Aankfurt a. M-, Berlin, Leip. ' zig, Cöln rc.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M- rc.

Darin gebe ich Dir Recht, zugleich aber auch die Versicherung, daß der Charakter dieser jungen Dame tadellos ist.

Der alte Herr zuckte unwillig die Achseln.

Ich nehme meine Worte nicht zurück, sagte er ernst, Du bist alt genug geworden, um zu wissen, was Du zu thun hast, ich bitte Dich nur, meine Warnungen zu be­achten, ehe es zu spät ist. Ein Mädchen, auf des sen Ehre nur der leiseste Makel ruht, werde ich niemals als Deine iöraut anerkennen, darin

m dem Sitzungssaale des BundeSrathS im Reichskanzleramtsgebäude eröffnet wurde, ist

Na, ich traue Deiner Mutter mehr Men« schenkenntniß zu als Dir, Gerhard, ich denke, das bedarf keiner Frage, Fräulein Blank soll allerdings eine recht hübsche Er­scheinung sein und auch das Zeug haben, einen jungen Mann zu bestricken, aber ich meine, vor allen Dingen komme eS auf den Charakter an, er fällt am schwersten in die Wagschale.

putirte von Eisenbahn - Verwaltungen bei, fo. daß sämmtliche hervorragende und selbst­ständige Bahn - Verwaltungen auf dieser Conferenz vertreten waren. Den Vorsitz führte Präsident Maybach vom ReichSeisen- bahnamt, außerdem wohnten von dieser Be­hörde der Geheime Rath Kräfft und der Reg.-Rath Streckert den Verhandlungen bei. Das Reichskanzleramt war durch die Herren Eisenbahnbaumeister Gimbel und Kiehnel, daS Handelsministerium durch die RegierungS- räthe Quenzell und Oberdeck vertreten. ES wurden nur technische Fragen berathen und neben der Regelung der Anschlüsse der durchgehenden Züge auch der Beschluß ge­faßt, solche Züge herzurichtcn, welche mit demselben Beamtenpersonal von dem Ab­gangs- bis zum Endpunkt geführt werden. Diese letztere Einrichtung soll jedoch erst versuchsweise hergerichtet werden, um erst zu erfahren, ob nicht diese neue Einführung mit zu großen Unzuträglichkeiten verbun­den ist.

9. Sept. Die heutigeProv.- Corr." schreibt über die spanischen Verhält­nisse : Die deutschen Kriegsschiffe, welche zum Schutze des Lebens und des EigenthumS deutscher Unterthanen während des inneren Krieges in Spanien an die dortige Küste entsandt worden sind, die Kanonenboote Albatroß" undNautilus", haben zunächst den Hafen von Santander angelaufen und dort Seitens der Bevölkerung eine überaus freundliche Aufnahme gesunden. Bon dem

Die Wahrheit ist, daß die Mutter, welche das Fräulein im Gefängniß besucht hat, Deine Ansicht nicht theilen kann, fuhr der Banquirr fort, nachdem er rasch seine Tasse geleert, auf sie hat die Gefangene den Ein­druck der schlauen Betrügerin gemacht.

Und durch diesen Eindruck läßt Du Dich

das Fehlschlagen seiner Hoffnung befürchten zu muffen.

Nachdem er hierüber mit sich in'S Reine gekommm war, schweiften seine Gedanken weiter.

Es war nicht allein möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, daß Hauenstein die geraubten Schmuckfachen bereits alle bemolirt, das Metall umgescholzen und die Steine in das Hans Rachau's gebracht hatte.

Dann galt es, das dunkle Geheimniß zu lösen, welches die Mauern dieser Schenke umschlossen.

Mit diesem Gedanken beschäftigte Gerhard sich, während der anbrechende Tag die letzten Schatten der Nacht verscheuchte.

Sobald die Stunde geschlagen hatte, eilte er in das Zimmer, in welchem die Familie zu frühstücken pflegte.

Er fand hier feinen Vater und Adele, die Mutter ließ sich «egen Kopfweh ent- schuldigen.

Der Banquier fragte seinen Sohn, wer denn so früh ihn schon besucht habe.

Gerhard beantwortete die Frage ohne Rückhalt, indem er erwiderte, er habe eine Nachricht erhalten, welche ihn hoffen laffe, daß ein überzeugender Beweis für die Un­schuld der Verhasteten gefunden sei

Herr Eduard Schindler schüttelte miß

billigend das Haupt, feine Stirn zog sich leicht in galten.

Zch fürchte, die Geschichte wird Dir noch viele Unannehmlichkeiten und uns Allen großen Verdruß bereiten, sagte er, eS wäre mir lieber, wenn Du Deine Bemühungen einstellen wolltest.

Gerhard blickte betroffen ben Vater an.

Der Kampf tu» eine Millian.

Roman von Ewald August König. tFortsehung.)

Der Schreiber wollte Bedenkm erheben, aber Gerhard drängte ihn hinaus und be- gleitete ihn bis zur Treppe.

Er legte sich nicht wieder in's Bett, schlafen kannte er nicht mehr, die Gedanken ließen ihn nicht ruhen.

Wenn der Juwelier den Diamanten als iein Eigenthum erkannte, so war eS bewiesen, M Hauenstein mit den Verbrechern gemein­schaftliche Sache gemacht hatte. Aber auch tonn mußte sehr vorsichtig gehandelt werden; tor Pfandleiher war mit allen Ränken und Echlichen so sehr vertraut, daß man feine llrberführung als eine sehr schwierige Auf­gabe betrachten durfte.

Dem Baronet wollte Gerhard die Ent- tockung einstweilen nicht berichten, er hatte chm ja versprochen, keinen Schritt gegen Hauenstein zu thun, er fürchtete die Vorwürfe dieses Verbündeten, der voraussichtlich den! ^wachen Beweis nicht gelten ließ.

Mit Ungeduld erwartete der junge Mann «n Tag; nie vordem waren ihm die Stunden i* lang geworden.

Mit dem Juwelier mußte er reden, um !t$ Gewißheit zu verschaffen, weiter wollte sk vorläufig nicht gehen. Er hielt es für tofier, daß er vorher selbst das geheime ^toiach des Pfandleihers durchsuchte, vielleicht gslang es ihm, daS Versteck »nd in diesem toe Überzeugenden Beweise zu finden.

Wenn er daS erreicht hatte, konnte er hier Wijeibeamten in das H uS führen, ohne

den. DaS Gymnasium ist erhalten geblieben. ES hat sich ein HülfScomit« constituirt; dasTageblatt" erscheint von heute an wie­der. Ein betagter Mann wird vermißt.

Der Landtag wird, wenn auch sein SitzungshauS niedergebrannt, im Oktober sich versammeln; gibt doch der Brand mehr­fach dringenden Anlaß, die Landesvertretung zu hören. Der vorzulegende Neuetat wird allgemeine Gehaltserhöhungen proponiren. Ueber die Kreis- und Gemeindeordnung wollten die Bürgermeister des Landes in einer auf vorgestern nach Hildburghausen einberuf men Versammlung berathen, daS Brandunglück hat dieselbe aber verhindert

Friedberg, 9. Sept. So wäre denn das Programm zur Festfeier des Kai­sers glücklich vom Stapel gelassen. Aller, so schreibt u. A. unser Blatt, bemächtigt sich schon die ganze Woche eine fieberhafte Auf­regung. Man denkt, man spricht, man fühlt nur für unseren Kaiser. Man bietet Alles auf, ja, Einer sucht den Anderen zu über­bieten, um der Stadt ein für solchen Besuch würdiges Aussehen zu geben. Wie lange ist es aber auch schon her, daß Friedberg einen deutschen Kaiser in seinen Mauern beherbergen durfte? Ueber vierhundert Jahre! Der Kronprinz trifft bereits morgen Abend 9 Uhr mit Gefolge in Nauheim ein; zur eiben Stunde der Großherzog von Mecklen­burg. General Bose wird die Manöver commandiren, hat auch seit einigen Tagen hier im Hotel Trapp Quartier bezogen; in seinem Gefolge befinden sich der Erbprinz von Sachfm Weimar und einige nichtdeutsche Officiere.

Ausland.

Wie«, 5. Sept. Die Erfolge, welche die Krupp'schen Geschütze gelegentlich des Srobsechießens auf dem Steinfelde nächst Wiener-Reustadt errungen, lassen die öfter- reichische Presse, zumal die unabhängige, noch immer nicht zur Ruhe kommen. So richtet beispielsweise die vorletzte Nummer desWiener Extrablattes" die schwersten Vorwürfe gegen das Kriegsministerium und die hohen österreichischen Militärkreise und findet es ganz unbegreiflich, daß die wuch-

DknlfcheS Reich.

# Berlin, 9. Sept. Wir haben kürzlich die Meldungen über Wiederbesetzung Hfl Ministerpostens für die landwirthschaft lichen Angelegenheiten als verfrüht bezeichnet; Verhandlungen über diese Wiederbesetzun^ find jedoch seit Rückkehr des Vicepräsidenten nd Finanzministers Camphausen im Gange, deren Resultat mit der Entscheidung über die Personalfrage auch wohl demnächst zu erwarten sein dürfte. Verschiedene Gesetzes Vorlagen dieses Ressorts, die in der Vorbe- reitung begriffen, der definitiven Entscheidung in erster Instanz entgegengehen mögen, auch die Entscheidung der Personalfrage nahe ge­legt haben. Die gleichzeitig vielfach ven- tilirte Frage wegen Erweiterung des Refforts ist zwar principiell im bejahenden Sinne allgemein beantwortet worden, daß diese Er- weiterung jedoch durch Abzweigung der Domänen- und Forstverwaltung vom Finanz­ministerium geschehen werde, wie gemeldet worden, haben wir guten Grund zu be­zweifeln. DaS socialistische Clubwesen im Gebiete des preußischen Staates dürfte durch das strenge polizeiliche Eintreten gegen un gesetzliche Verbindungen und Agitationen seinen Todesstoß erhalten haben und den Führern selbst die Aussichtslosigkeit der Sache Hat geworden sein. Der Präsident Hasen­clever hat in dieser Erkenntniß auch die ; Auslösung des allgemeinen Deutschen Ar­beiter UnterstützungSverbandeS selbst verfügt, um der Polizei vorzubeugen. Die öfter reichisch ungarische Regierung hat durch ihre Vertreter bet der Sanitäts-Conferenz die be- theiligten Regierungen zur Beschlußfassung bezüglich Aeußerung auffordern lassen: 1) über den Abschluß einer Convention zur Organisation allgemeiner Schutzmaßregeln - gegen die Cholera, 2) zur Einrichtung einer permanenten internationalen Seuchen Corn Mission die Zustimmung zu geben.

Die Conferenz der Delegirten der Eisenbahn Verwaltungen, welche am 4. d.

bin ich unerbittlich, ich lasse es eher zum Bruch zwischen Dir und mir kommen, ehe ich in solche Heirath einwillige. '

Nun weißt Du, woran Du bist, nahm Adele das Wort, als der Vater sich entfernt hatte, ich fürchte

Liebes Herz, ich fürchte nichts, unterbrach Gerhard sie erregt, wenn auch die Mutter gegen mich intrigirirt, der Vater denkt ver- nünftiger. Mag die Mutter alle Hebel in Bewegung fetzen, diese Verlobung zu ver­hindern; wenn Anna meine Liebe erwidert führe ich sie zum Altar und ich darf die beruhigende Gewißheit hegen, daß Ihr Beide Du und der Vater, sie liebgewinnen werdet.

Ich wünsche von Herzen, daß Du dieses Ziel bald erreichen mögest, sagte Adele lä­chelnd, nicht Deinetwegen allein, auch mei­netwegen.

Deinetwegen?

Ja, Bruder, dann hätte ich eine Freun- bin, der ich Alles anvertrauen könnte, was mein Herz bewegt ; efl ist trostlos, so ganz allein zu stehen. Und seit einigen Tagen ist es hier recht trostlos geworden. Die Mutter, Du weißt es, widmet sich ganz den frommen Werken.

Die sie besser Andern überlaffen sollte

Darüber wollen wir Beide nicht richten Gerhard, sie ist unsere Mutter und ihr! Frömmigkeit ist keine Hmchelei, sondern tief, innere Ueberzeugung. 1

Bah ich

Doch. Gerhard, ich weiß efl, was sie thut, daS thut sie, weil ihr Herz ihr gebietet, efl ju thun und wenn ihre Güte von schein-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattefl, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in,, Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

DaS sollten die Briefe, welche er von

Martin erhalten hatte, ermöglichen, er war *»«. vu.iy viqcu vruiorucr lant entschlossen, sich als Mitglied bet Gauner- beirren? fragte Gerhard nnmuthia bande anwerben zu lassen und gleich darauf *'* A----- 1"

die ganze Gesellschaft zu verrathen.

________ _, Auskunft und Annahme von Adressen werden 2Z Egr. berechnet.

die Fahrt nach Santander fort. Der Zwi­schenfall dürfte damit erledigt fein; doch läßt dieser Ueberfall am Wege von Neuem er­kennen, wie es mit der Achtung des Völker­rechts auf Seiten der Carlisten steht. Jn- zwischm sind die Gesandten deS deutschen Reichs und Oesterreichs Ungarns, Gra Hatzfeld und Graf Ludolf, in Madrid ein­getroffen, nachdem sie auf ihrer Reise überall Zeichen der freundlichsten Sympathien der spanischen Bevölkerung empfangen hatten. Auch in London, sowie in Brüssel haben bie Gesandten der gegenwärtigen Regierung Spaniens bereits ihre Beglaubigungsschreiben übergeben, und von Seiten Frankreichs ist soeben ein Botschafter für Spanien ernannt worden.

Die ZeitungS Nachricht, efl sei eine Verstärkung des in den spanischen Gewässern kreuzenden deutschen Geschwaders beschlossen, wird von unterrichteter Seite als unbe­gründet erklärt. Bisher ist darüber nichts beschlossen.

Awicka«, 7. Sept. Wieder ben Kauf­mann Trümper von hier, gegen welchen wegen der von ihm in Veranlassung des Kissinger Attentats, kurz nach demselben in einem hiesigen Hotel gechartert Aeußerungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft und dem hie­sigen Bezirksgericht die Untersuchung einge­leitet worden war, fand, wie man demDr.J." meldet, heute die öffentliche Hauptverhand­lung unter Mitwirkung von Schöffen statt. Trümper war wegen öffentlicher Friedens­störung, Bedrohung und Beleidigung auf Grund der Artikel 126 , 241, 185 zur Hauptverhandlung verwiesen worden und auf Grund der Ergebnisse derselben unter Frei­sprechung von der Anklage der öffentlichen Friedensstörung wegen Bedrohung und Be­leidigung des Reichskanzlers Fürsten Bis­marck zu Gefängnißstrafe in der Dauer von 8 Monaten verurthcilt.

Meininger», 8. Sept. Die über den ftesigen Brand gegebenen Nachrichten haben ich im Wesentlichen bestätigt; die Zahl der niedergebrannten Häuser ist auf 200 ohne Neben-Gebäude, die der obdachlos ged wordenen Personen auf 2394 ermittelt wor-1

genannten Hafen aus kreuzen dieselben jetzt in den zunächst liegenben Gewässern an der Nordküste von Spanien (in dem Meerbusen von Biscaya). Bei einer dieser Fahrten wurden die deutschen Schiffe in der Nähe von Gnetaria plötzlich von carlistischen Batterien, welche diese Stadt belagern, mit Schüssen angegriffen. Nachdem man auf deutscher Seite die Ueberzeugung gewonnen batte, daß dieser Angriff nicht etwa auf einem Mißverständnisse berührte, wurde das Feuer von Seite der deutschen Schiffe durch 24 ISchüsse, welche zum Theil trafen, erwidert.

Als die Carlisten hiernach ihrerseits das Feuer eingestellt hatten, setzten unsere Schiffe