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JRarßurg, Donnerstag, den 10. September

1871

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der bekanntlich auch die Form für das an

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nicht bestätigen würde. In Folge dessen lehnte die Mehrheit die Berathung der Vor­lage ab.

M.; Jnvalidendank, Ä. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Horch, was war das? Rief da nicht Jemand seinen Namen?

Der junge Mann rieb die Augen und horchte, dann erhob er sich rasch, um die Thür zu öffnen.

Sein Blick fiel ans den Portier, der schlaftrunken im Corridor stand und über die Störung seiner Nachtruhe sehr unge­halten zu sein schien.

Da ist ein junger Mensch vor der Thür, der mit Ihnen zu reden wünscht, sagt er, ich habe ihn abgewiesen, aber er

Wer ist es? unterbrach Gerhard ihn hastig.

Na, seiner Kleidung nach scheint er ein Vagabund zu sein, erwiderte der Portier mürrisch, feinen Namen will er nicht nennen.

Laßt ihn ein.

Aber ich bitte Sie, in dieser Zeit läuft so viel Gesindel in den Straßen umher, wer weiß, waS dieser Strolch vor hat.

Laßt ihn ein, wiederholte Gerhard, wäh­rend er rasch seine Kleider anlegte, mit dem Einzelnen werde ich schon fertig, zum Ueber- fluß könnt Ihr ja unten warten, dis er wieder hinaus ist.

Der Portier ging kopfschüttelnd hinunter; Gerhard zündete eine Kerze an und erwar

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annvncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in

Eintretenden Conrad Timm erkannte, an ihn hatte er nicht gedacht.

Wie? Ihr seid es, Timm? fragte er be­troffen. Was führt Euch zu mir?

Eine wichtige Nachricht, entgegnete der Schreiber erregt, ich wollte sie jetzt bringen, weil ich nicht wissen kann, ob ich im Laufe des Tages Erlaubniß erhalten werde, das Haus meines Herrn zu verlassen. Er schläft, der Wein hat seine Wirkung gethan, ich glaube, er wird sobald nicht wieder erwachen.

In den Augen Gerhard's, leuchtete eS freudig auf diese Einleitung mußte in seiner Seele die Hoffnung wecken, daß es dem Schreiber gelungen fei, Beweise gegen den Pfandleiher ztk finden.

Setzt Euch, sagte er, indem er ihm einen Stuhl hinschob, und nun berichtet mir Alles in ordentlicher Reihenfolge, damit ich voll­ständig unterrichtet werde.

Na, ich erwartete ihn und es war nahe an Mitternacht, als er heimkehrte.

Sv war er also wieder ausgegangen?

Ja. Als er kam, stürzte ich ihm entge gen, ich hatte Alles darauf vorbereitet. Er erschrack, als ich ihm sagte, er habe die Hausthür wahrscheinlich nicht vorsichtig ge­nug geschloffen und er könne es meiner Wachsamkeit danken, daß er nicht bestohlen

Kiel, 6. Sept. DieKieler Zeitung" ist in der Lage, über das Programm der Reise des Kaisers nach Kiel, soweit daffelbe bis jetzt feilgeftellt ist, folgende Mittheilung zu machen. Die Ankunft von Hannover ist am Sonnabend, den 19. September, mit einem Extrazuge Abends 8 Uhr zu erwarten. Der Kaiser begiebt sich vorn Bahnhofe auf'S Schloß, wo er übernachten wird. Daselbst nimmt seine Majestät nach dem Eintreffen den Thee ein, später folgt bann ein Souper. Am Sonntag Vormittag besucht ber Kaiser zuerst ben Gottesdienst in ber St. Nicolai- kirche, begiebt sich barauf wieder aufs Schloß und empfängt im gelben Saal die zur Vor­stellung berufenen Corporationen und Be­amten von hier und aus der Provinz: die Königliche Regierung, den provinzialstän bischen Ausschuß, das Königlich evangelisch- lutherische Conststorium, AppellationS- und Kreisgericht, die Universität, den Magistrat, die Ritterschaft, die Geistlichkeit re., sowie ferner die Offiziercorps der Marine und der Landtruppen. Nachdem bann ber Kaiser gefrühstückt hat, begiebt sich Allerhöchstberselbe nach dem Marine-Etablissement in Ellerbeck, wo bet Stapellauf des PanzerschiffesFried- btich der Große" stattfinden wird. Nach Beendigung dieses Actus wird auf Bellevue große Kaiserliche Tafel stattfinden, zur Ueber- fahrt von Ellerbeck dahin, liegen Dampfschiffe bereit. Unmittelbar nach Aushebung der Tafel fährt der Kaiser an den Bahnhof und die Abreise erfolgt. In der Begleitung Sr. Majestät werden sich etwa 20 Personen e- finden; von diesen werden 4 der Kaiser­lichen Person am nächsten attachirte auf dem Schlosse wohnen, während für die Mehrzahl der übrigen in der Nähe des SchloffeS PrivailogiS bereitwillig zur Verfügung ge­stellt sind.

Magdeburg, 7. Sept. Ueber die Mo­tive, welche Herrn v. Gerlach veranlaßt haben, um seine Entlassung auS dem StaatS-

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Der Kampf »» eine Millian.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Den zornflammenden Blick stier auf die Thür gerichtet, stand Theodor Neumann in der Mitte seines Zimmers, auf die Schritte horchend, deren schwächer werdender Schall ihm verkündete, daß sein Gegner sich entferne.

Er war entlorft, die Maske ber Schein Heiligkeit ihm abgeriffen. Aber wer muffte das, außer biefetn Unbekannten, ber ihm Schweigen gelobt hatte, wenn er die ihm Borge- fchriebenen Bedingungen erfüllte?

Bah was lag ihm daran jener Mann hatte gewiß feine Gründe zu schweigen snd plauderte er dennoch, wer wollte ihm, dem frommen, angesehenen Rentner, beweisen, daß seine Bekenntniffe Wahrheit enthielten.

Könnte er nicht von irgend einem Böse­wicht gezwungen worden fein, sie niederzu- ichreiben?

Der alte Herr zuckte gleichrnüthig die Achseln; bei Licht betrachtet, war diese Ent- iarvung durchaus nicht angsterregend, er wußte jetzt nur dafür sorgen, daß in feiner Wohnung feine Beweise gefunden werden konnten.

16. C a p i t e l.

Gin Wichtiger Kund.

Aus einem unruhigen, von beängstigenden träumen durchflochtenen Schlummer fuhr Gerhard plötzlich im Bett empor.

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Formfehlers cassirt wurde, sowie, daß der dem Capitän Werner bald nach seiner Lan­dung von dem Grafen Moltke gemachte Besuch mit der ausdrücklichen Genehmigung des Kaisers vor sich ging. Offenbar herrschte über das frische und resolute Vorgehen des deutschen CapitänS bei Hofe wie in den höchsten Militärkreisen anfangs dieselbe durchaus befriedigte Stimmung wie an der deutschen Seeküste, wo dieser practische Be­leg von der Existenz eines deutschen Flaggen- schutzes bekanntlich mehrfach Dankesadressen an den thatkräftigen Seebefehlshaber hervor rief. Daß auch das auswärtige Amt zu einer Ansicht über den Vorgang berechtigt lei, konnte allerdings keinen Augenblick be stritten werden, und diese durchaus abweichende Ansicht fiel sicher deßhalb nicht weniger schwer in das Gewicht, weil der Capitän Werner gegen die ihm gemachten Vorwürfe mittlerweile den Weg der Zeitungspolemik betreten hatte. Die argwöhnische Vermu- thung des auswärtigen Amtes, daß es sich bei der Affaire um die bewußte Nachahmung der einem bekannten hohen Militär gelegent­lich nachgesehenen politischen Eigenthürnlich- feiten gehandelt habe, konnte durch dieses unglückliche Manöver Werner's natürlich nur bestätigt werden, so absolut grundlos sie auch übrigens war. Die neuesten osficiösen Aus- laffungen über den Vorgang scheinen indeß zu beweisen, daß man auch in der Wilhelmö- straße den Fall nicht mehr so tragisch nimmt, wie noch vor wenigen Wochen. In der That, wenn jeder in fernen Meeren fahrende Marinecapitän bezüglich seines Verhaltens an die Instruktionen des auswärtigen Amtes strikte gebunden fein soll, dann ist die Exi­stenz einer der Machtstellung Deutschlands angemessenen Kriegsflotte zugleich unnöthig und unmöglich geworden.

Graudeuz, 5. Sept. Die erwartete Abschaffung der Stolgebühren in hiesiger evangelischer Gemeinde ist, wie dieK. H. Z" meldet, nicht zu Stande gekommen. Nachdem in der Sitzung der evangelischen

dienste zu bitten, erfährt dieGermania", das Gesuch sei lediglich dadurch herbeigeführt worden, daß die letzte Druckschrift des Herrn von Gerlach (Der Reichskanzler und die Civilehe) von dem Königlichen StaatSan» walt zu Wohlan in Schlesien mit Beschlag belegt, und er dann auf Grund dieser Schrift wegen Vergehens wider die Obrig­keit unter Anklage gestellt worden sei. Sich in dieser Beziehung vor einem schlesischen KreiSgerichte zu verantworten, und gleich­zeitig die ihm anverttauten hohen Staats- und Justizämter zu verwalten, mußte Herrn von Gerlach als unvereinbar mit feiner AmtS- ehre erscheinen.

Münster, b. Sept. DieWests. Prov.-Z." schreibt: Die finnische Markka- Münze, welche betrügerischer Weise seit Kur­zem in Deutschland eingeführt wird, zeigt sich auch bereits in unserer Gegend und wird für eine Mark deutscher Reichswährung in Zahlung gegeben. Dieselbe unterscheidet sich von dem Einmarkstück auf der Vorderseite leicht, da sie auf derselben den russischen Doppeladler mit dem finnischen Wappen auf der Brust trägt, die Rückseite unterscheidet sich dagegen von genannter deutscher Münze nur dadurch, daß innerhalb deS Eichenkran­zes1 Markka" zu lesen ist, statt1 Mark". Der Werth der an Größe unserer Reichs­mark gleichkommenden Münze beträgt ?V2 Sgr.

Meiningen, 7. Sept. Ueber das große Brandunglück schreibt dieThür. Corresp.": Die thüringischen Ortschaften sind in diesem Spätsommer durch zahlreiche Feuersbrünste heimgesucht worden, die durch die seltene Dürre, welche feit Monaten herrschte und den Mangel an Wasser die Flüffe und Bäche Thüringens sind nahezu versiegt begünstigt wurden, so daß die Feuer fast sämmtlich bedeutenden Schaden angerichtet haben. Die Feuersbrunst aber, welche Mei­ningen in der Nacht vom 5. zum 6. Sep­tember zur Hälfte fast in Trümmer gelegt hat, ragt weit über alle ähnlichen Unglücks­fälle, die sich in den letzten Jahrzehnten in Thüringen ereignet haben, hinaus, und ist verhältnißmäßig nur dem Brande von Ham­burg zu vergleichen. Das in einem dem Rathhause zunächst gelegenen Bäckerhaus am Sonnabend gegen 5 Uhr ausgebrochene Feuer legte, von dem seit einigen Tagen bereits

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worden sei. Das Märchen, welches ich ihm austischte, war schlau erfunden und ziemlich glaubwürdig.

Ich berichtete ihm, daß ein verdächtiges Geräusch mich geweckt habe und daß ich mu« thig genug gewesen sei, die Ursache deffelben zu erforschen. Da habe ich denn fremde Stimmen im Bureau vernommen und rasch entschlossen einen Heidenlärm gemacht, in der Voraussetzung, daß Diebe eingebtungen seien. Darauf hätten zwei Männer das Bureau verlassen und die Flucht ergriffen, aber ich sei nicht so kühn gewesen, in das Bureau zu gehen, um mich von dem Stand der Dinge dort zu überzeugen.

Gerhard lachte.

Da hätte ich das fahle Gesicht des Wu­cherers sehen mögen 1 rief er.

Nun, Sie können es sich vorstellen, fuhr Timm fort Im ersten Augenblick wollte Hauenstein die Polizeiwächter rufen, aber er unterließ eS, mit der Polizei hat er nicht gern zu schaffen. Wir gingen in's Bureau, auf dem Tisch stand die Flasche, welche ich von Ihnen empfangen hatte, die Briefe und Papiere lagen auf dem Fußboden. Zuerst besichtigte Hauenstein die Thür seines ge­heimen Zimmers, dann fiel fein Blick auf die Flasche.

Na und da mußte er untersuchen, waS sie enthielt.

Natürlich, er betrachtete das Etiket, holte

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nebst ver- >027

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (erd. Bestellgebühr). Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in bet Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Lj Sgr. berechnet.

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Der Morgen dämmerte, sein schwaches tete den Vagabund, vergeblich darüber nach- Licht vermochte die dünnen Vorhänge an den sinnend, welchen Zweck dieser Besuch haben Fenstern nicht zu durchdringen, machtlos könne. Er war überrascht, als er in dem prallte er an ihnen ab.

Deutsches Reich.

e» Berlin, 8. Sept. Se. Majestät bet Kaiser wird sich Freitag Abend per Ex- wazug nach Friedberg begeben, und Sonn- abend ben Manöver-Uebungen bes 11 Ar­meecorps beiwohnen. Sonntag Morgen soll die Abreffe nach Hannover stattfinden. Mon­tag wirb daselbst große Parave abgehalten werden, welcher an den Tagen vom 15. bis I 19. die Corps- und Feld-ManöverS folgen Men. Am 19. Mittags ist die Abreise \ nach Kiel festgesetzt, woselbst der Kaiser Abends 8 Uhr erwartet wird. Sonntag ben 20. wird ber Kaiser bem GotteSbienste bei- - wohnen unb sodann per Dampfschiff sich ^'ch FriebrichSort begeben zu ben anbesohlenen Torpedo Exercitien. Um 2 Uhr findet der feierliche Stapellauf des Panzerschiffs Fried­rich der Große statt, um 5 Uhr soll die Abreise nach Berlin erfolgen, und nach s Mitternacht ist die Ankunft in Berlin zu erwarten. Der vielbesprochene Gegenbesuch deS Kaisers beim König Victor Emanuel ; dürste gutem Vernehmen nach nicht etwa aufgehoben, sondern nur aufgeschoben sein, bezüglich als Wunsch noch bestehen; ein : bestimmter Termin für die Ausführung ist jedoch nicht gesetzt, da zunächst die Truppen Übungen schon deS Kaisers Zeit und Kraft - in Anspruch nehmen. Das Rencontre un» I -em Spanischen Expedition vor Santander und ber Austausch einiger Kugeln mit ber Carlistenartillerie wirb osficiell bestätigt, man knüpft an bieftn Zwischenfall jedoch keine Erwartung weiterer Consequenzen. Die Zölle und Verbrauchssteuern im Reichsetat pro 1875 sind veranschlagt zu 179,304,000 Mark, wovon 104,496,790 Mark die Zölle, 40,669,608 Mark die Rübenzuckersteuer, 32,995,080 Mark die Salzsteuer und 1,142,850 Mark die Tabaksteuer liefern sollen. Die Einnahme an Wechselstempel­steuer ist berechnet zu 6,838,770 Mark, die Brausteuer mit 13,407,390 Mark, dik Branntweinsteuer mit 33,235,590 Mark, Aversa betragen 182,374,710, welche Preu­ßen, Hamburg, Bremen, Oldenburg u. Baden zahlen.

Zur Werner-Affaire wird derWeser- Zeitung" au« Berlin geschrieben: Wie in Marinekreisen bestimmt verlautet, wird Ca­pitän Werner im Dienst verbleiben und

Gemeindevertretung am 3. d. Mts. die mei- Werner'S Freisprechung angeknüpfte Tadels sten Redner für Aufhebung der Stol Votum erheblich gemildert hat. Weniger gebühren und Fixirung der Geist allgemein dürste bekannt sein, daß der fraglichen lichen gesprochen hatten, erklärte Bürger- Affaire bereits einmal ein Urtheil des Kriegs-l meister Pohlmann im Namen des Patronats, gcrichts vorlag, das den Capitän für schul-! daß der Magistrat einen solchen Beschluß

-hueigen nimmt entgegen: Mt Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; vaafenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.