Mr. 210.
Jllarßutg, Mittwoch, den 9. September.
1871
Nazeigm nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d>e Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Aassel und Hannover; Th. Dietrich in Franksutt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moss« rn Berlin, Frankfurt a. M. rc.
ObecheMe Jeilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger>sche , Buchhandlung in Frankfurt«. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
dem Gutachten ab, welches die Aerzte nach Be-
ein Faustschlag I habt. Gemachs zurück. | Ni
Nun, wenn Ihr das wißt —
So denkt Ihr, Eure Antwott sei über flüssig? Durchaus nicht, Ihr werdet sogar ein schriftliches Zeugniß mir übergeben, welches ich dem Richter vorlegen kann. Der jungen Dame wurden in der Nacht vor ihrer Verhaftung dreißig Mark gestohlen, wer nahm sie?
vn.vi.ii - vytvuuut, UUlUIUtl OUÖ «ailv- schafts - und RathhauS, Gymnasium und Druckerei deS „Tageblattes"; aus ersterem sind Casse und Acten gerettet. Ganz abgebrannt sind: die Schlundgasse, die nördliche Seite des Marktes, die drei Metzengassen, die Schuh-, kleine Benshäuser-, Büchsen-, Oel-, Salzmannsgasse und der Zwinger, dann die östliche Hälfte der unteren Lang- gasie, die größere Hälfte der Marktstraße und die halbe Kaplaneigasie; wohl 500 Familien mit wenigstens 4000 Personen sind obdachlos und haben den größten Theil ihrer Habe verloren. Das Dach der Stadt- kirche fing um 8 Uhr zu brennen an, die Hildburghäuscr Feuerwehr löschte und deckte auch sofort wieder, so daß die obere Stadt
Wohlan, welchen Lebenswandel fühtte die junge Dame, welche nebenan wohnte? Lügt nicht, ich weiß sehr genau, daß Ihr dem Polizeiherrn ein falsches Zmgniß gegeben
dessen Angst einer trotzigen Verstocktheit gewichen war.
So, so, aber das hindert Euch nicht, die begonnene Gravirung fortzusetzen — wie? Mich betrügt Ihr nicht und ich wiederhole Euch, es wäre meine Pflicht, dem Gerichte die Sache anzuzeigen, aber ich will eS nicht thun, wenn Ihr Euch meinen Bedin- gungcn fügt.
Ich erwarte ste.
so sehe ich von jeder Verfolgung ab und überlaste Euch Eurem Schicksale, welches über kurz oder lang Euch in's Zuchthaus bringen wird. Wollt Ihr das nicht, so öffne ich das Fenster und rufe die Polizei- wächter, dann beweist diese Platte schon mehr als nöthig ist, um Euch das Genick zu brechen.
Ein Lächeln des Hohns glitt über das Gesicht des alten Mannes.
Ihr vergeßt, daß auch auf Euch der Ver dacht fallen muß, erwiderte er. Ich bin ein geachteter Mcknn, auf dessen Namen kein Makel ruht, Ihr aber seit ein Vagabund.
Wär« ich eS, würde ich diese Rolle nicht gespielt haben; wollt Ihr eS aber darauf ankommen lasten, gut, so öffne ich das Fenster.
Sir Delavalle traf ohne Zögern Anstal- ten, seine Drvhpng auszuführen.
Laßt das, sagte Neumann hastig, ich ziehe eS vor, mich den Bedingungen zu unterwerfen.
So schreibt, hier ist das Schreibzeug; setzt Euch hin, ich werde biedren.
Ein Blick von Bosheit, Haß und Wuth trat aus den stechenden Augen des Rentners, und traf den Baronet, der am Fenster ste hen blieb und ihn unverwandt beobachtete.
Schreibt, fuhr Sir Delavalle fort. Ich Endesunterzeichneter bekenne mich hiermit des Diebstahls und der Falschmünzerei schuldig.
Mit einem Schrei der Wuth ^stürzte der
-ltr Mann sich auf ihn; ein darf ihn in die Mitte deö C
Da kommt Ihr an den Unrechten, spottete Baronet, in meinet Gewalt seid Ihr es wird Euch nicht gelingen, Euch aus Derselben zu befreien. Laßt die Maske nur Men, Mann, mit Eurem scheinheiligen Re- bm richtet Ihr jetzt nichts mehr auS.
Der Schein ist wider mich —
Einstweilen ist er noch für Euch, aber ® bedarf jetzt nur eines Wortes von meiner Dkite, um Euch an den Pranger zu stellen, -ön der That, die Platte ist sehr sauber bsarbeitet; wenn Ihr Euch das richtige Pa- b*tt verschaffen könnt, so zweifle ich, ob d»n in Berlin die falschen Banknoten er« 'mnen wird.
Sie wurde mir als Unterpfand für ein ^rlehcn übergeben, warf der Rentner ein,
Weiß ich das, fuhr Neumann zornig auf.
Gewiß, denn Ihr seid selbst der Dieb gewesen.
Das ist eine Lüge.
Der Baronet erhob stch und trat an's Fenster, da» Zimmer lag an der Straßenseite.
Ihr habt jetzt die Wahl, sagte er mit gemessenem Ernst. Wollt Ihr bekennen und schreiben, was ich Euch in die Feder diclire,
Der Kampf «» eine Milli»«.
Roman von Ewald August König.
(Fottsetzung.)
Der Fremde hatte die Binde abgelegt und al« nun im Zimmer des Rentners der schein bet Lampe auf fein Gesicht fiel, erkannte Theodor Neumann ihn kaum wieder.
Hugo Müller aus Bremen war kein An derer, als Sir Delavalle, der feine Rolle vortrefflich gespielt hatte.
Der Baronet schloß die Thür nnd trat rasch an den Tisch, er warf die Decke hinunter und beugte sich über die Platte.
gerettet wurde. Das Elmd ist groß; der Herzog hat die öffentlichen Gebäude zu Wohnungen für Abgebrannte bestimmt.
Freiburg i. B., 7. Sept. In bet heutigen zweiten Delegieren - Sitzung beS Altkatholiken-Congresses würbe ein Central- Eomite für altkatholische Mission unb zur Organistrung von Vorträgen gebilbet, besten Sitz München ist. Sodann wurde eine Einladung des Protestanten-VereinS zum Wiesbadener Protestanten - Tage verlesen. Der Herzog Gonzaga (Mantua) unb Prof. Mayor (Cambridge) brücken bie Sympathien ihrer ßänber für bie altkatholische Reform aus.
München, 6. Sept. 'Der k. Staatsminister der Justiz, Dr. v. Fäustle, hat von dem König einen vierzehntägigen Geschäfts urlaub erhalten. — Der „Deutsche Krieger- bund München" hat folgende Resolution gefaßt: „Der anläßlich der Sedanfeier am 2. September 1874 zum Generalapell an- getretene „Deutsche Kriegetbund München" pricht in der Erwägung, daß die katholischen Pfarrämter von München das Geläute der kirchenglocken zur Enthüllung des Denkmals ür bie auf bem nörblichen Friedhöfe ruhenden 300 Deutschen Krieger verweigert haben, während sie das kirchliche Geläute bei anderen Anlässen, wie beispielsweise der Eröffnung von Jahrmärkten, gegen Bezahlung anstandslos gestalten, — Namens der tobten Kameraden dieser Priesterschaft seine tiefste
Deutsches Keich.
•» Berlin, 7. Sept. Se. Maj. der Kaiser wird am 11. d. M. sich nach Hanau und Friedberg begeben, um den Hebungen deS XL Armeekorps beizuwohnen, während auf den 13. d. bie Abreise nach Hannover festgesetzt ist. — Die in ben letzten Tagen unsere TageSblätter hauptsächlich in Anspruch nehmenden Berichte über bie Sedanfeier, welche überall in größter Ausdehnung unb Allgemeinheit begangen worben ist, haben trotz alledem einige Blätter auch zu ver- ftühtcn Meldungen über den Zusammentritt des Reichstags und zu Combinationen ober richtiger Erfindungen über Wiederbesetzung des landwirthschaftlichen Mi- visteriuins Raum und Zeit übrig gelassen. Die Berufung deS Reichstags kann erst Gegenstand der Erwägung unb Entscheibung werben, wenn bie Vorarbeiten weil genug vorgeschritten sein werben, um bie Fertigstellung der Vorlagen Übersehen zu lassen; bie Wiederbesetzung des landwirthschaftlichen Ministeriums resp. Ernennung eines Mi. nisterS für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten ist bi» jetzt in kompetenten Kreisen gar nicht zur Sprache gekommen. — Der Minister des Innern wird morgen Ostende verlassen, in Hannover einen kurzen Aufenthalt in amtlichen Angelegenheiten nehmen und gedenkt Ende der Woche nach Berlin zurückzukehren. — Zur Information über das materielle Eherecht ist von Geh. Justiz- rath Stölzel eine auf amtlichen Ermittelungen beruhende Zufammenstellung des Eheschließungsrechts nach dem Gesetz vom 9. März b. I. für das Geltungsbereich res preußischen Staates herausgegeben worden, welche den Standesbeamten als Ersatz für eine etwaige General-Instruction dienen kann und soll.
— Die „Poft" schreibt: Die „Prov.- Eorresp." sagte, die Gerüchte von Vorbereitungen der Reise des Kaisers nach Italien seien unbegründet, woraus noch nicht geschlossen wird, daß die Reise über«
: Entrüstung aus und erklärt sie unwürdig der Opfer an Blut und Leben, welche die > Deutschen Krieger auch für ste gebracht i haben."
Kaiser-lauter«, 7. Sept. Der Kron- : Prinz des deutschen Reiches fuhr gestern über Heidelberg kommend durch Neustadt und Kaiserslautern nach Homburg, um den dort stattfindenden Manövern beizuwohnen. In Neustadt und Kaiserslautern wurde derselbe von den städtischen Behörden und den Krieger-Vereinen, auf allen Stationen von zahlreichen jubelnden Menschenmengen begrüßt. In Homburg traf bfr Kronprinz Abends 8 Uhr ein. Die Stadt war illuminirt und wurde dem Prinzen ein Fackelzug gebracht. Heute Vormittag findet das Brigade-Manö- ver bei Homburg statt, Nachmittags ist ein Besuch der Burg Sickingen bei Landstuhl, Eigenthum des Reichstags - Abgeordneten Stumm von Neunkirchen, in Aussicht genommen. Morgen soll Zweibrücken besucht werden, übermorgen findet da ein Divisions- Manöver statt.
Ausland.
Wie«, 5. Sept. Die Nachricht, baß Gras Andraffy entgegen ber bisher allgemeinen Voraussetzung fich nicht an ber Seite des Kaiser« befinden werde, wenn dieser in Prag verweilt, war zwar hier bis heute noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen, was jedoch nicht hindert, daß dieselbe kein Dementi zu fürchten braucht. Graf Andraffy den der Kaiser ausdrücklich eingeladen hatte chn nach Prag zu begleiten, hat durch diesen Entschluß vielen Leuten einen Strich durch bie Rechnung gemacht, die stch vielleicht mit der Hoffnung schmeichelten, den Minister des Aeußern in Prag an die Wand zu tellen und ihn zu zwingen, sich so oder so in den czechischen Ausgleichskarren nspannen zu lasten. Wie immer Graf Andraffy derartigen Attentaten begegnet wäre, die eine ober die andere Partei hätte nicht verfehlt, daraus Capital zu schlagen Sv verzichtete denn ber Minister darauf das Caput regni bei diesem Anlässe zu sthen, und wird stch, statt mit dem Kaiser Montag früh abzureisen, erst Dienstag Abend in Begleitung der fremdländischen Militärs direct nach Branbeis begeben, ohne bie
Seid Ihr toll ober glaubt Ihr, ich habe den Verstand verloren? ' 9
Äetn« von Beiden, dieses Bekenntniß wird in meinen Händen bleiben, bis bie junge Dame auf freiem Fuße ist; es soll "'chts weiter sein, als eine Garantie bafür daß Zhr keine weiteren Machinationen gegen bas Fräulein ersinnt.
Das Fräulein scheint viele Freunbe zu haben! kmrrschte der alte Mann! 8
Kümmert Euch das? Ihr wollt sie ver- derben, ich will sie retten; westen Vorsatz ist ehrenwerther? Schreibt. .
, Witter keiner Bedingung! rief der Rentner, bie Feder hinwerfenb.
Der Baronet öffnete bas Fenster unb blickte hinaus.
®n Wächter steht vor der Thür, sagte er gelosten. \ ' 9 ■
Theodor Neumann trocknete seine Stirn, auf welcher große Schweißtropfen perlten.
Wenn ich mich barauf verlassen kann, baßNtemanb dieses Dokument sehen wird__
Das kommt allein auf Euer Verhalten an, versetzte Sir Arihur gelassen; gebt Ihr mir keinen Grund zur Unzufriedenheit, so bleibt das Bekenntniß in meinen Händen.
Seufzend ergriff der alte Mann die Feder.
Ich werde später das Schriftstück zurückerhalten? fragte er.
I-, jetzt beeilt Euch; — also, des Diebstahls und ber Falschmünzerei schulbig. Ich bekenne ferner, baß ich mich falscher Schlüssel bedient habe, um meine Hausgenossen zu
Haupt nicht ftatlfinben wirb. Dieselbe ist im Gegentheil wahrscheinlich. bs- rc-‘
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__Auskunft unb Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet.
Bon«, 6. Sept. Dr. A. Menzel, bis her ordentlicher Professor am Lyceum Hostanum in Braunsberg, ein eifriger Altkatholik, ist als ordentlicher Professor der Dogmatik der katholisch-theologischen Facultät unserer Universität eingereiht worden. — Der schon mehrfach bestrafte Rector Kochern in dem Dörfchen Eudenbach im Siegkreise, ist wegen dauernder Renitenz gegen bie Maigesetze aus seinem Wohnorte gewiesen worden. Das Vermögen, aus welchem das Gehalt ber Rectorstelle bestritten wirb, verwaltet jetzt der Bürgermeister.
Dresden, 7. Sept. König Albert bc- giebt sich heute in die Gegend von Chemnitz ju den Manövern und folgt dann einer t Einladung des Kaisers von Oesterreich nach die Ent- Brandeis. Die Begegnung der beiden Mo- schließung Se. Majestät hängt aber von narchen soll in Prag stattfinden.
m _■ - ->- Meiningen, 6. Sept. Zwei Fünftel
«digung der Herbstmanöver abgeben werden, unserer Stadl sind ein Raub der Ftammen
Posen, 8. Sept. Der Decan RzemiewSki geworden, 220 Häuser und 100 Seiten hat gestern m der Kirche von Wlosciejewki und Neben-Gebäude, darunter das Land- bei TionS Namens des apostolischen Dele- ' gaten die große Exkommunikation über den Probst Kubeczak ausgesprochen.
Hannover, 6. Sept. Heute Nachmittag 3 Uhr sand die Taufe deS Prinzen Albrecht dem Programm gemäß statt. Außer dem Kaiserpaar wohnten noch die Eltern der Prinzeß Albrecht (Herzog und Herzogin von Altenburg) und Prinz Friedrich Car! der Feierlichkeit bei. Das Staatsministerium war durch den Vicepräsidenten Camphausen, Graf Eulenburg und v. Kamecke oertreten. Der Kaiser wurde bei seiner fahrt vom Bahnhof nach dem Schlosse vom Jubel der Menge lebhaft begrüßt. Der Kaiser tritt um 6 iyjr die Rückfahrt an unb begiebt sich direkt nach Pietzpuhl bei Burg, woselbst er bei dem Herrn von Wulffen Quartier nimmt. — Die Landessynode ber Provinz Hannover wirb anläßlich der Einführung ber Civitehe demnächst einberufen werden.
Ar«Sberg, 4. Septbr. Sämmtliche Local-schul-Jnspectoren unseres sogenannten Sauerlandes, bie nebenbei ein geistliches Amt befleiben, werben demnächst abgesetzt werben. Die bezügliche Verfügung des CultusministerS soll bemnächst publicirt werben.