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Marburg, Sonntag, den 6. September.

1871

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1961

Politische Wocheu-Ueberficht.

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Sir nannten ihn so eben.

Bewahre, die Gunst Ihrer Frau Mutter besitzt er schon, jetzt bemüht er sich, Ihren Henn Bater an seine Person zu fesseln, na, binnen einigen Wochen werden wir »ohl ein Fest in Ihrem Hause feiern.

Gerhard zuckte zusammen, als ob eine Satter ihn gestochen habe.

Mit meinem Willen wird da« nimmer« »ehr geschehen, wallte er aus, einen solchen Heuchler darf Adele nicht heirathen.

Können Sie es ihr verbieten? fragte der Baronet gleichmüthig. Was wollen Sie? Herr Wilkens ist der Chef eines Handels­hauses, von welchem man freilich nicht mehr weiß, als daß eS in Calcutta sein Dornicil hat, et entwickelt im Cabinet Ihres Herrn Vater« das Talent und die Kenntnisse eines

tüchtigen Kaufmanns, er versteht es vor­trefflich, dem Banquier Sand in die Augen zu streuen und sich das Ansehen eines rei­chen Mannes zu geben. Auf der andern Seite gilt er bei Ihrer Frau Mutter als ein christlich gesinnter Herr; welche beffere Garantien können Ihre Eltern für die Zn- kunst Ihrer Fräulein Schwester verlangen? Und Sie werden auch wiflen, daß in den Familien unseres Standes die Eltern die Wahl treffen und kein Protest gegen solche Wahl erhoben werden kann.

Dann muß Adele Einspruch erheben! sagte Gerhard in leidenschaftlicher Erregung.

Sie muß?

Ja, Sir, sie muß!

Eines andern Mannes wegen?

Gerhard sah den lauernden Blick nicht, der flüchtig ihn streifte.

Nein, erwiderte er.

Nun, so ist ja ihr Herz noch frei und sie hat keinen Grund, die Wahl zu ver- roerfen, denn William WilkenS ist ein ange­sehener und auch kein häßlicher Mann.

Er ist ein Schwindler!

Können Sie es ihm beweisen?

Leider nein, aber Sie

Mein Freund, ich thue in dieser Sache keinen Schritt, ich kann nicht wiffen, welche

am 22.) hielt der Kaiser große Flottenschau aus. der Kronstädter Rhede, wozu auch die Militärbevollmächtigten Deutschlands und Oesterreichs so wie auch zwei Osficiere der deutschen Flotte eingeladen waren.

Die Pforte hat mit den Vereinigten Staaten von Nordamerica Verträge abge­schloffen über die Auslieferung von Verbre­chern, über die Naturalisation und über den Grundbesitzerwerb in der Türkei. Rechte und Pflichten sind darin durchaus gegen­seitig bemessen.

Aeuderung die augenblicklich obwaltenden Verhältnisse erhalten werden und da möchte ich später nicht den Vorwurf hören müssen, daß ich aus Eigennutz gegen diesen Herrn intriguirt habe.

Das war deutlich gesprochen und bet lauernde Blick streifte abermals das Gesicht des Steuermanns, der so rasch keine Worte fand, um auf diese unzweideutige Anspielung eine Erwiderung zu geben.

Wir müssen den Dingen ihren Lauf kaffen, fuhr der Baronet nach einer Pause fort, es sei denn, daß Sie Fräulein Adele mit den Umtrieben des Herrn WilkenS be­kannt machen wollen.

Gerhard nickte zustimmend; er gedachte in diesem Augenblick seines Freundes Max und ein Gefühl der Erbitterung beschlich ihn, als er sich erinnerte, wie eigensinnig ihm dieser jeden Beistand verweigert hatte.

Da mußte er den Baronet loben, der so offen und ehrlich feinen Jrrthum eingestand und nun wieder gut zu machen suchte, was er damals gegen Anna gesündigt hatte.

Freilich fühlte er noch immer ein leffeS Mißtrauen gegen ihn, aber dieses Mißtrauen Halle doch seine Hauptstütze verloren.

Den Baronet schien das Schweigen un

Santone St. Gallen, für welche eine vor- berathende Commission eingesetzt ist, haben ich die dortigen liberalen Katholiken weit­gehende Ziele gesteckt. Dieselben verlangen in einer Eingabe nicht nur vollständiges reieS, von der bischöflichen Curie unabhän sizes Collatnrrecht, sondern auch Aufhebung ämmtlicher Klöster und aller unnützen Pfründen und Stiftungen ähnlicher Art, um deren reines Vermögen zur Verstärkung nützlicher Fonds verwenden zn können.

Die italienische Regierung fährt fort, den Umtrieben der Internationale nachzu püren, deren Verzweigung sich weiter er- treckt als man ursprünglich verrnuthete. In TvScana sind verschiedene politische Vereine aufgelöst und noch einige nachträgliche Ver­haftungen vorgenommen worden. Aus Si- cilien ist die Unsicherheit so groß und das Räuberwesen hat solchen Umfang genommen, baß die Regierung genöthigt fein wird, Aus nahme-Maßregeln zu ergreifen. Das Mini­sterium wird sich durch den Eintritt des Herrn Sella vervollständigen, welcher bas Portefeuille der Finanzen übernehmen wird. Herr Minghetti behält das Präsidium des Ministeriums. Eine Eruption des Aetna hat begonnen, ohne bisher Schaden anzu­richten.

In F r a n k r e i ch bringt die bevorstehende Wahl in dem Departement Maine et Loire einige Aufregung hervor. Drei Candidaten, Herr Maills von den Republikanern, Herr Verger von den Bonapartisten und Herr Bruas von der Regierung empfohlen, stehen sich gegenüber. Die Wahlen für die 3la lional-Versammlung und die Generalräthe sind für alle Orte, wo sie noch auSstchen, auf den 4. October anberaumt. Ultramon­tane Demonstrationen, Wallfahrten und der­gleichen, werden in verstärktem Maße fort­gesetzt; die katholischen Arbeitervereine haben einen Kongreß zu Lyon gehalten, auf roel chem eine gleichmäßige Organisation dieser Vereine und ihre Verbreitung über ganz Frankreich beschlossen wurde. Ein Zug von etwa 200 englischen Pilgern ist in Paris ein getroffen, von wo aus sie eine Wallfahrt nach Pontigny zum Grabe des heil. Edmund anstellen wollen. Der Erzbischof Manning steht an der Spitze. Der Gras von Cham- borb hat an seinen Neffen Don Carlos ein Schreiben gerichtet, worin er besten gottge­fällige Unternehmungen belobt und seine frommen Wünsche für den Erfolg ber guten Sache ausspricht. Die sranzösische Regierung

hat ihre VorstchtSmaßregeln an ber spanischen Gränze etwas verschärft, nicht ohne ben lebhaftesten Wiberfpruch ber royalistischen Parteien. Ueber bie letzte Sitzuung ber Permanenz-Commission liegen bis jetzt nur telegraphische Nachrichten vor.

In Spanien hat sich ein Minister­wechsel vollzogen, Zavala als Minister- Präsident seine Entlastung genommen und Sagasta wurde mit der Neubildung dcö Ministeriums beauftragt, in dasselbe traten die meisten seitherigen Minister wieder ein. Vom Kriegsschauplatz wird die Aushebung ber Belagerung Puycerda gemelbet.

Die Königin von England ist fern in ben schottischen Hochlanden; der Thronfolger ist in Berlin; die Thronfolgerin ist in Kopenhagen; die Minister sind auf dem Lande oder in der Fremde; und die Politik ist, wie der Engländer sagt, nowhere, sie ist verschollen. Bon inneren Angelegenheiten nehmen vorzugsweise die Strikes und die mit diesen zusammenhängenden Ausgleichungö versuche in den Kohlen- und Eisenbezirken einige Aufmerksamkeit in Anspruch.

Der Deligirten-Congreß ist in Brüssel am 28 Aug. geschlosten worden. Alle Mit­glieder mit Ausnahme des englischen und des türkischen Bevollmächtigten unterzeich neun das Pro vkoll. Jene beiden behielten sich vor, eventuell später zu unterzeichnen.

Die dänische Regierung Hai die Pan­zerfregatteDanmark", welche sie 1863, kurz vor dem Ausbruche des Krieges mit Deutschland, in England gekauft, aber da­mals nicht hatte abnehmen und verwenden können, weil die englische Regierung den Erbauern die Ablieferung verbot, jetzt für 200,000 Pfd. St. an die chinesische Regie rung verkauft, welche sich für einen drohen den Kriegsfall mit Japan rüstet. Die Prinzesfln von Wales, die sich zur Zeit bei ihren Eltern aufhält, hat auch ihre fünf Kinder nach Kopenhagen kommen lasten, vo.> wo ihr Gemahl die ganze Familie wieder abholen wird.

In Petersburg ist am 28. August die Vermählung der Herzogin Maria von Mecklenburg Schwerin, jetzigen Großfürstin Maria Paulowna, mit dem Großfürsten Wladimir in großer Feierlichkeit vollzogen worden. Tags zuvor hatte von Zarskojeselo aus die Braut ihren festlichen Einzug in Die Hauptstadt gehalten. Am 21. war der Schloßgarten von Zarskojeselo ihr zu Ehren feenhaft iUuminirt gewesen. Am 25. (nicht

angenehm zu berühren, er blieb an einer Ecke stehen und bot dem jungen Mann die Hand znm Abschied.

Versprechen Sie mir, nichts gegen den Pfandleiher zu unternehmen, sagte er, ich warne Sie wiederholt vor einem übereilten Schritt, der alle Beweise plö^lich für immer verschwinden lasten kann. Ich habe einen andern Plan, aber er ist noch nicht reif, vielleicht kann ich schon morgen Ihnen ein Resultat geben.

Sei es, entgegnete Gerhard nach einer kurzen Pause, ich will warten.

Der Baronet nickte und schritt die Straße hinunter, Gerhard blickte ihm sinnmd nach.

So ganz konnte er sein Versprechen nicht halten; die Flasche, deren Inhalt den Pfand­leiher betäuben sollte, war bereits präparirt und Timm hatte dem Steuermann ein Zeichen gegeben, daß er am Abend ihn er­warte.

Diese Gelegenheit, dem Schreiber die Flasche einzuhändigen, durste er nicht unbe­nutzt lasten, aber er wollte eS ihm überlasten, wann er davon Gebrauch zu machen ge­dachte und ihm die größte Vorsicht ein­schärfen.

Fand Timm keine Beweise, so erfuhr Sir Delavalle nicht« von dem Schritt, den der

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A. Sete« meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-

Deutsche» Strich.

*» Berlin, 4. Sept. Die nun bereits aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes vorliegenden Berichte über die Nationalfeier gewähren die Ueberzeugung, daß diese Feier eine allgemeine, eine spontane, aus dem Herzen des Volkes selbst hervorgehende gewesen. Die Proteste vereinzelter Preßorgane können da­gegen nicht aufkommen. In Anfeindung und Bemängelung deS Festes der deutschen Nation gehen wiederum Hand in Hand die Ultramontanen, die liberalen Ultras und die Sozial-Demokraten. Wir beneiden ihnen diese Verbrüderung nicht. Daß die Feier eine allgemeine gewesen, dafür sprechen die Tausende von Berichten in allen Zeitungen, aber sie war auch eine spontane, denn von Oben her ist jedwede Beeinflussung streng vermieden worden. Unmittelbar nach der Rückkehr des Staatsministers Camphausen hat das Staatsministerium besonders darüber berathen, ob eine direkte Betheiligung der Regierung an der Feier stattfinden soll. Es ist hierbei der Beschluß gefaßt worden, streng an den Allerhöchsten Erlaß vom 4. April 1871 zu halten und somit keinen unmittel­baren Einfluß Seitens der Staatsregierung auf die Feier zu üben, wohl aber alle Hin- berniffe zu beseitigen, welche die Festlichkeiten stören könnten. Gleichzeitig wurde von der Centralbehörde die Anordnung getroffen, daß allen Beamten die Betheiligung an der Feier ermöglicht worden ist. Obwohl Fürst Hohenlohe sich zunächst nach München begeben hat, so wird derselbe doch jedenfalls binnen Kurzem dem Fürsten Bismarck in Varzin einen Besuch abstatten. Das Cen­tral-Blatt für das deutsche Reich enthält einen vom Reichskanzler und dem Kriegs- minister gemeinschaftlich unterzeichneten Erlaß, betreffend die Militärpflicht der Theologen. ES sollen hiernach künftighin nicht mehr die Ersatzbehörden III. Instanz, sondern nur di

».einen nimmt entgegen: E Expedition d. Blattes, Ejie die Annoncen-Bureaux

Th. Dietrich & Co. in Egel und Hannover; Th. Meirich in Frankfurt a. M-; Eaafenftein & Bögler m Kmtfurt a- Dl., Berlin, Leip- A Coin rc.; Rudolf Mofl« ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

tretenden, weil nur für Jahresfrist aufge hodenen Einfuhrzoll auf Getreide gänz n zuLlich zu beseitigen. Das ungarische Mini- 1 fterium fand sich nicht bestimmt, auf den

Vorschlag einzugehen, angeblich weil eS der -- parlamentarischen Majorität für denselben

ZfAenit täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal durch dre Expedittvn («och'sche Buch druck erer) bezogen Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für m der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.

nicht sicher sei.

Das Cabinet von Washington hat dem schweizerischen Bundesrathe nunmehr seine Betheiligung an dem bevorstehenden in­ternationalen Postcongreß angezeigt. An­läßlich der Revision der Verfaffung deS

Der Ätm>f *w eine Million.

Roman von Ewald August König.

Zm deutschen Reiche war das Er- g,« der Woche die nationale Feier des £jS<8 von Sedan, die vorzugsweise in diesem Phre nicht den militärischen.Erfolgen galt, unbern dem Tage, den man als denGe- imtsiag brt neuen deutschen Reiches" an Mt. Nach dieser Seite hin, wird wohl dn 2 September noch auf fine lange Reihe M Jahren seine festliche Bedeutung Holten, und mehr und mehr, die Aus- Mchung zwischen den Gruppitungen der etticnalen Parteien herbeiführen. Unser gaifer weilt, wie auch die Kaiserin noch in Meisberg. Er beteiligt sich säst täglich in erfreulichster leiblicher und geistiger Frische ___r m den kleinen Truppen Uebungen, die dem ---Men, großen Corpsmannöver vorhergehen, cktk nnt feierte am 1. Sept, in der Friedenskirche ui Potsdam das Fest der Konfirmation Iwne« Enkels, des Prinzen Friedrich Wil- Keim (geb. 27. Jan. 1860), des älteften Sohnes des Deutschen Kronprinzen, und hielt am 2. Sept, zur Ehre des Sedantages rine Heerschau über daS GardecorpS ab. M selben Tage nahm ber Kaiser au« den Händen des neuen Gesandten Spaniens, grafen RaScon, die von Serrano ausge­stellten Beglaubigungsschreiben entgegen. Zm Großherzogthum Hessen hat die Regie­rung den Eintritt der Markrechnung mit dem 1. Januar 1875 verordnet.

Der Kaiser von Oesterreich weilt lei den Truppenübungen in Ungarn bei LotiS und hat dort in den berührten Städten, besonders Romern, eine warme Ausnahme gesunden. Lebhasteö Bedauern erregt unter; deß die ablehnende Haltung, welche das un­garische Ministerium in Bezug auf eine Aushebung der Getreidezölle eingenommen Hal. Der Agitation der Handeiswelt nach- gebend, hatte Herr Depretis bei dem unga­rischen Ministerium in Anregung gebracht, kn am 1. Oktober wieder in Kraft

498t G^ard schüttelte ungläubig den Kopf.

Mein Vater ist zu klug, als daß er sich hinter'« Licht führen ließe, warf er ein.

Bah, die klugen Leute kann man am leichtesten betrügen, wenn man es nur ver- N>t, ihrer Klugheit zu schmeicheln. Und da« hat William Wilken« gelernt. Errathen __ Sie denn nicht, welchen Zweck er verfolgt?