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Jllarßurg, Mittwoch, den 2. September.

1874*

«tiuiaen nimmt entgegen: y, Expedition d. Blattes, (nttie die Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; kmasenstein & Vogler m Srantfurt a. M-, Berlin, Leip- ,ia Cöln rc.; Rudolf Moss« ja »erlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die EHredttion d- Blattes, sowie d,e Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; CarlSchüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-

«riibeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerer) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter deS ' deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ettheilende

Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2$ Sgr. berechnet.

es Sevanfeftes wegen er« scheint morgen keine Zeitung____________________

Die Anerkennung Spaniens.

Die Reichsregierung hatte den europäischen Kabinetten die Frage zur Erwägung gegeben: ,b es nicht jetzt an der Zeit wäre, die fak tische Regierung Spaniens anzuerkennen? Der Erfolg ist gewesen, daß sämmtliche Kabinette, mit Ausnahme des russischen, sich in entsprechender Weise geäußert haben; gewiß ein großer Erfolg, da an den verschiedenen Stellen sehr verschiedenar- üge Interessen und Rücksichten mit in Frage kommen mußten, bevor eS zu einer entgültigeu Entschließung kam. Gewiß wäre es im Interesse der Sache, d. h. der öffent­lichen Ordnung und Humanität, sehr «ünschenswerth gewesen, wenn auch das Kabinet von St. Petersburg mit seiner Zu­stimmung nicht gezögert hätte, und gewiß wird die deutsche Politik eS bedauern, nicht auch in diesem Specialsalle einen gemein­schaftlichen Gesichtspunkt gesunden zu haben, unter welchem sich die beiderseitigen Ent­schließungen in Einklang bringen ließen; aber die intimen Beziehungen Rußlands zu Deutschland ließen doch auch keine falsche Deutung zu, und machen der boshafte In­sinuation: als ob Rußland die politischen Absichten Deutschlands habe durchkreuzen wollen geradezu lächerlich.

Interessant aber u*b von hohem Welche ist es, daß in demselben Augenblicke, da die deutsche Politik einen neuen Erfolg zu ver zeichnen hat, dieser Ersolg eine Rechtferti gung von einer Seite her empfängt, von welcher man sie am allerwenigsten erwartet hätte. Eine solche Rechtfertigung aber, ist in ver Erklärung enthalten, welche soeben der berühmte Held der karlistijchen Bürger­kriege und weiland Chef der carlistischen Emigration, General Cabrera, veröffentlicht hat, um sich gegen gewisse Verdächtigungen zu vertheibigen, welche er seinen Gegnern in der Umgebung deS jetzigen Prätendenten zu danken hat.

DaS Rundschreiben, mittelst desien den europäischen Kabinetten die Frage wegen der Anerkennung Spaniens zur Erwägung ge geben worden ist, beruft sich aus die Gräuel des Bürgerkrieges, von welchen Spanien zer- steischt wird, und erwartet die Herstellung

der Ordnung von der Befestigung einer Re gicrung, welche sich auf die besten monar- chistisch-constitutionellen Elemente des Landes stützt.

Und wo erblickt der Carlist Cabrera die Rettung Spaniens? In dem Triumph der carlistischen Heerhaufen? In der gewaltsamen Unterwerfung Spaniens durch die baskischen Bauern und ihre fanatischen Führer? Nichts weniger als dies.

»Heut wie früher sagt Cabrera halte ich an dem Gedanken fest, daß alle Bemühungen, alle Thatkraft und Anstrengung, Deren unsere große Partei fähig ist, einmüthig für das eine Ziel in Bewegung gesetzt werden sollten, daß in unserem zerrissenen Spanien wieder Ordnung hergestellt werde, und daß man darauf hinarbeitete, eine Aera der Reor­ganisation, der Sittlichkeit und Größe zu eröffnen, welche mit dem Triumph unserer Grundsätze zusammenträfe und Stärkung erhalten würde durch die große und ehren- werthe Majorität, deren Mitwirkung uner­läßlich und" die gleich uns gegenwärtig nach Frieden, Sicherheit und guter Verwaltung schmachtet." '

Ein Cabrera ist eS, welcher seinen Partei­genossen zurust, nicht ferner an der Zerreißung Spaniens, sondern an dessen Einigung zu arbeiten, ein Carlist, welcher den Parteistand­punkt seinem Patriotismus unterordnet, und die Heilung der tiefen Wunden Spaniens nur von der gesammten Thätigkeit der Nation erwartet und seinen Parteigenossen daher an. räth, sich mit der ihnen gegenüberstehenden Majorität zu verständigen.

Wenn aus Spanien selbst solche Stimmen sich in solchem Sinne erheben, so ist es klar, daß die europäische Diplomatie mit ihren Entschließungen das Richtige getroffen hat und daß die moralische Unterstützung, welche sie der faktischen Regierung derselben zu Theil werden ließ, den heißesten Wünschen aller wahren Patrioten entspricht.

Spanien ist lange genug die Beute und der Spielball der Parteien gewesen, als daß es jetzt nicht Alles daran setzen müßte, um Gesetz und Ordnung wiederherzustellen, um dem Lande das Gut zu geben, dessen eS, bei Gefahr des Unterganges, nicht länger ent hehren kann die Ruhe!

Deutsches Keich.

** Berlin, 31. Aug Mit dem Heu tigen Tage treten wir in eine festliche Woche

ein. Morgen zunächst wird die Einsegnung des Prinzen Friedrich Wilhelm, ältesten Sohnes unseres Kronprinzen statifinden. Diese Feier wird nicht blos in dem engeren Hofkreise, sondern von einem großen Theile der Bevölkerung mit herzlicher Theilnahme begangen und begleitet werden. Dem jungen Hohenzollern Fürsten werden die heißen Se­genswünsche all' der Deutschen nicht fehlen, welche der hohen und verantwortlichen Stellung eingedenk sind, zu welcher derselbe dereinst nach Menschengedanken berufen ist. Der Mittwoch wird der Sedan-Feier gewid­met sein, deren Bedeutung als eines allge­meinen National-Festtages in immer erwei­terten Kreisen, trotz der Widersacher, im Norden und Süden Deutschlands anerkannt wird. Der gesammten Presse Ultramon- tane und Sozialdemokraten natürlich aus­genommen ist mit vollster Genuglhuung nachzurühmen, daß sie möglichst bestrebt ge­wesen ist, diese National Feier von allen Partei-Interessen frei zu halten. Ja, je mehr die Germania und ähnliche Blätter gegen die Betheiligung an den Festlichkeiten eiferten, desto mehr ist eS gerade die nativ nale Presse gewesen, welche von der katho­lischen Bevölkerung Deutschlands den Vor­wurf zurückgewiesen hat, als könnten die deutschen Katholiken durch die Verirrungen Einzelner unter ihnen von den Gefühlen wahrer Vaterlandsliebe abwendig gemacht werden. Im Bunde mit den Ultramontanen stehen in der Anfeindung der Sedan-Feier wiederum die Sozialdemokraten, welche sich bei dieser Gelegenheit nicht entblöden von Neuem ihren alten und frechen Vergleich zwischen Lasalle und dem Stifter der christ­lichen Religion zu ziehen. Hoffentlich wird die Bürgerschaft Berlins dem Beispiele des Magistrats Folge leisten und durch glänzende Illumination den augenfälligen Beweis ihrer Sympathie für das Nationalfest liefern. Im Friedrichshain wird der Grundstein zum Denkmal für die im letzten Kriege gefallenen Einwohner des östlichen Berlins gleichfalls am Mittwoch gelegt werden. Der Kaiser, welcher durch die übrigen militärischen Fest­lichkeiten leider behindert ist, dieser Einweihung persönlich beizuwohnen, hat die zum Denkmal erforderliche Bronze aus eroberten Geschützen bewilligt. Der Kultusminister Dr. Falk wird nächstens seinen Urlaub antreten, der bisher noch wegen den Vorbereitungen für das Unterrichtsgesetz

verschoben worden war. Nachdem die Vor­arbeiten jetzt indeffen zu einem gewissen Ab­schluß gelangt sind, wird der Minister und zwar unmittelbar nach der Konfirmation des Prinzen Friedrich Wilhelm sich Über Schle­sien und Böhmen nach Salzburg und Tyrol begeben, jedenfalls jedoch vor Beginn der Reichstags - Session wieder hierher zurück­kehren. Unser Gesandter in Rom, der Geh. LegationSrath v. ÄeubeD, wird sich in den nächsten Tagen nach Varzin begeben. Einige Theile deS ReichShauShaltö-EtatS für 1875 sind dem Bundesrathe bereits zuge­gangen, und zwar der Etat des Rechnungs­jahrs deS Deutschen Reiches, deffen fort­dauernde Ausgaben auf 381,612 Thlr. und die einmaligen Ausgaben für Revision der Kriegskosten - Rechnungen auf 60,000 Thlr. veranschlagt sind, sowie der Etat für das Reichs Oberhandelsgericht, dessen Ausgaben mit 351,540 Thlr. in Ansatz gebracht sind. Die nächste Nr. derProv.-Corr." wird wegen der Sedan-Feier erst am Donnerstag erscheinen.

In der ganzen deutschen Preffe macht nachstehende Auslassung desBaicrischen Vaterlands" die Runde:Die zwei preußi­schen Nußschalen, Sr. Majestät Kanonen­boote »Nautilus" undAlbatros", werden in den spanischen Gewässern nichts verder­ben. Sollten sich aber einigeFritzchen", keck wie sie sind, aufs Land wagen, dann wird es Sache der carlistischen Truppen sein, die frechen Kerle abzufangen und ihnen das Schicksal des preußischen Spions Schmidt zu bereiten." Das ist derPatriotismus" Der Ultramontanen!

Potsdam, 30. Aug. Mit der Ankunft der kronprinzlichen Herrschaften ist die kgl. Familie auf ihren Lustschlössern um Potsdam nun vereinigt, und zum 1. September zur Konfirmation beS Prinzen Friedrich Wilhelm, werden sämmtliche Mitglieder derselben hier versammelt sein. Der kirchliche Act wird den Charakter einer großen königlichen Fa­milienfeier annehmen, an der jedoch auch die Spitzen des Hoses, des Civil- und Militär- stanbes Theil nehmen werden. Sämmtliche Einladungen geschehen im Auftrage des Kaisers. Nahe an drei Wochen residirten die kaiserlichen Herrschaften auf dem Babels­berg, und das ruhige, in gleichmäßigem Ge­leise sich bewegende Leben im Sommerschlosse an der Havel vollendet die Wirkungen der Sommercuren. Die Morgenstmtben bringt

Der Kumps xw eine Milli-n.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

14. C a p i t e k.

I « G e s ä u g n i tz.

Mit solcher Zuverstcht, mit solchem stolzen Selbstbewußtsein hatte der Ches der Firma DilkenS u. Collins nie vordem das Bureau des BanquierS Schindler betreten, als er es 08 bem Morgen nach seiner Unterredung mit Hauenstein that. Er ersuchte den Corn »iS, der ihm entgegentrat, mit würdevoller Herablassung, ihn im Kabinet anzumelden tob folgte ihm auf bem Fuße, als ob er eS ganz unmöglich halte, baß der Banquier ihn abweisen könne.

Herr Kduard Schindler zog freilich die Stirn kraus, denn er war mit einer sehr wichtigen Korrespondenz beschäftigt, aber ab­weisen ließ Wiliam Wilkens sich jetzt nicht mehr, der kleine Herr nahm sogar, ohne eine Einladung abzuwarten, einen Stuhl tob gab sich den Anschein, al« ob daS rasche Gehen ihn vollständig erschöpft habe.

Ein reelles Geschäft, sagte er, mindestens achtzig Procent Reingewinn, aber es erfor bett ein großes Capital, welches ich allein nicht daraus verwenden kann.

Der Banquier legte die Feder hin und

verhehlte dabei seinen Unmuth über die Störung nicht.

So suchen Sie einen Kompagnon, erwi­derte er kurz angebunden, das ist der ein­zige Rath, den ich Jhnm geben kann, vor­ausgesetzt, daß Sie ihn begehren.

William Wilkens verneigte sich dankend.

Wären Sie nicht geneigt, den Gewinn einzustreichen? fragte er.

Nein!

DiesesNein" klang so scharf, so ent­schieden, daß jeder Andere sein Portefeuille eingefleckt und sich empfohlen haben würde.

Aber William Wilkens war nicht der Mann, der sich so rasch abweisen ließ.

Sie kennen ja meinen Vorschlag noch nicht sagte er, lesen Sie diesen Brief, welchen ich heute Morgen erhalten habe. Ein sehr re­elles Geschäft, nichts zu verlieren, durchaus nicht, nur gewinnen.

Der Banquier nahm den Brief und ent­faltete ihn, man konnte ihm ansehen, daß er es ohne Interesse, nur aus Rücksichten der Höflichkeit that.

Mein Haus schreibt mir, daß wir den Posten Elfenbein gegen baare Zahlung in Bombay erhalten können, allerdings eine bedeutende Summe, aber vergleichen Sie den geforderten Preis gegen unsere hiesigen Markt­preise. Rechnen Sie Fracht und Unkosten

hinzu, so werden Sie finden, daß ein Ge­winn von nahezu hundert Procent heraus- kommt.

Es gibt mehr Leute in Bombay welche ein solches Geschäft s fort abschließen wer­den, sagte der Banquier kühl, die Waarc wird längst verkauft fein.

Mein Haus schreibt mir, daß der Ver­käufer jedenfalls meine Antwort abwarten wolle. Zudem glaube ich, daß Wilkens und Collins die Waarc schon gekauft haben, der Gewinn ist zu groß, als daß mein Haus sich denselben entgehen ließe.

Der Banquier las den Brief aufmerksam, bann legte er ihn hin, die Falten auf seiner Stirn verriethen, daß er ernstlich über den Inhalt desselben nachdachte.

Sie werden mir zugeben, daß es mir nicht schwer fallen kann, einen Kompagnon für dieses Geschäft zu finden, fuhr der kleine Herr fort; wenn die Mittel meines Hauses mir erlaubten, das Geschäft allein zu ma­chen, so würde ich kein Wort deshalb ver­lieren. Aber wir sind zu sehr engaglrt, unser Perlenhandel nimmt unsere Fonds stark in Anspruch und in zu starke Verpflichtungen darf man sich nicht eintaffen.

Da haben Sie Recht, sagte Herr Eduard Schindler gedankenvoll, während er daS geöffnete Cigarrenkiftchen hinhiclt. Ich

bin Ihnen zu Dank verpflichtet, daß Sie mir

Bitte, es ist meine Schuldigkeit; die lie­benswürdige Aufnahme, die ich in ihrem Hause gefunden habe, verpflichtet mich dazu. Wie gesagt, es ist ein Geschäft, bei welchem man nichts verlieren kann. Sie weisen ein Bankhaus in Bombay an, die Maare zu besichtigen und ihren Werth zu schätzen. Entspricht derselbe nicht den Hoffnungen, die wir auf dieses Geschäft bauen, so ziehen Sie Ihre Fonds zurück und der Handel unterbleibt. Im anderen Falle kaufen wir den Posten gemeinschaftlich, mein Haus läßt ihn einschiffen und wir verkaufen die Waare hier mit so und so viel Procent Gewinn.

Der Banquier schnstt langsam die Spitze von einer Cigarre ab und blickte dabei un- entschloffen den kleinen Herrn an, dessen Lippen ein außerordentlich zuversichtliches Lächeln umspielte. DaS wäre allerdings der Weg, den ich einschlagen würde, entgegnete er ich würde einen Geschäftsfreund in Bom­bay beauftragen, mein Interesse zu vertre­ten und Sie können mir dieses nicht übel nehmen.

Durchaus nicht.

Und wie hoch würde die Summe sein, welche man wagen müßte?