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Jliarßütg, Dienstag, den 1. September.

187».

iiueiaen nimmt entgegen: ut Expedition 6. Blatte», fZmie die Annoncen-Bureaux en Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M ; Lifenftein & Vogler m Mnksurta.M., Berlin, Leip- S Cöln rc.; Rudolf Moss« ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

ObcchciWc Jdlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurts. M ; Jnvalidendanl, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

firftbeint täglich außer den Welttagen nach Sonn- und Ieiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei» bezogen 22i Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet.

Mitbürger!

Die Erinnerung an die großen Ereignisse der Jahre 1870 und 71, namentlich die Aufrichtung des deutschen Reiches frisch und lebendig zu erhalten, muß der Wunsch eines jeden deutschgesinnten Herzens sein.

Nur die selbstlose Hingebung des ganzen Volkes hat es möglich gemacht, jene wunderbaren Erfolge zu erringen; nur die unablässige Anspannung aller Kräfte vermag ihre Segnungen immer weiter, immer tiefer auszubreiten; nur die unermüdete Wachsamkeit nach innen wie nach außen kann sie dem theueren Vaterlande sicher bewahren. Im stolzen Bewußtsein des erreichten Zieles dürfen wir uns darüber nicht täuschen, daß die schlimmsten Widersacher dem jungen Reiche drohen. Der gefährlichste ist nicht das niedergeworfene Frankreich: was deutsche Kraft einmal geleistet hat, wird sie auch künftig fertig bringen, vorausgesetzt, daß ihre Vollwucht nicht durch Uneinigkeit zersplittert wird. Viel verderblichere Feinde trachten die Pflichttreue deutscher Herzen in ihrem Allerheiligsten zu vergiften.

Gegenüber solchen Bestrebungen thnt es wahrlich dringend uoth, daß in regelmäßiger Wiederkehr alljährlich die Gesammtheit derer, die treu zu geifer und Reich stehen, mit überwältigender Einmüthigkeit ihrer deutschen Gesinnung Ausdruck geben.

Das unterzeichnete Comit6 fordert demnach alle Einwohner unserer Stadt hiermit auf, in dieser Zeit des schweren Kampfes ihre Theilnahme an dem Erinnerungsfeste so lebhaft wie möglich zu bethätigen.

Mitbürger! Schmückt Eure Häuser mit Kränzen und Fahnen, betheiligt Euch Alle am Festzuge; zeiget durch zahlreichen Besuch des Festgottes­dienstes, daß Ihr die großartigen Ereignisse der Jahre 1870 und 1871 mit unserem erhabenen Kaiser als eine Fügung des Allmächtigen Gottes betrachtet!

Es lebe der Kaiser! Es lebe Deutschland!

Marburg, am 30. August 1874.

Das Iest-Comile:

Rmdsßph. Schstt. Staubesand. Kratz. Münscher. Hempfiug. Schneider. Wiegand. Berdnx.

Chr. Schaaf. Schnitz. Kanapacki. Dohr«. Meyer. C. Heuser. Ubbelahde. Buchenau.

Deutsches «eich.

Berlin, 29. Aug. Zur Ausführung des Gesetzes über die Beurkundung des Per sonenstandes und die Form der Eheschließung ist aus ministerielle Veranlassung Folgendes bestimmt: 1) Das Geschästslokal der Stan desbeamten ist durch einen mit der Inschrift Königlich Preußisches Standesamt" ver> sehenen, an der Außenseite des betreffenden Gebäudes anzubringenden Anschlag kenntlich machen. Dasselbe ist stets in einem gu­ten Zustande und einer angemessenen Aus- Gattung zu halten und darf während der Geschästsstunden nur zu dienstlichen Zwecken benutzt werden. Gast- und Schenkzimmer dürfen dazu nicht genommen werden. 2) Die Zahl der abzuhaltenden Geschäftsstunden ist jitad» dem örtlichen Bedürfnisse abzumesien. Amtshandlungen, welche während der @e- ichäftsstunden begonnen oder vorbereitet sind, müssen ungeachtet deS Ablaufs derselben zum Abschlüsse gebracht werden. Für die Ein­tragungen in das Geburts- und Heiraths- register können mindestmS zwei bestimmte Wochentage ein sür alle Mal bezeichnet »erden. Die Geschästsstunden an den Sonn and Festtagen find thunlichst in die Zeit unmittelbar nach Beendigung des Haupt­

gottesdienstes zu legen. Die Feststellung der Geschästsstunden bedarf der Genehmigung der Obrigkeit. Sie sind öffentlich bekannt zu machen und auf einem an dem Eingänge zum Geschäftslocale anzubringenden Anschläge anzugeben. 3) Während der Geschäfts' stunden muffen sich die Standesbeamten, in Behinderungsfällen deren Stellvertreter, ent­weder in dem GeschäftSlokale selbst oder doch in siinmittelbarer Nähe desselben auf­halten. Im letzteren Falle muß in dem Ge- fchäftslocale der jeweilige Aufenthalt des Standesbeamten bezw. des Stellvertreters stets zu erfahren sein. In dringenden Fällen haben di: Standesbeamten sich auch außer­halb der Geschäflsstunden der Vornahme von Amtshandlungen zu unterziehen. Außerhalb des GeschäftslocalS dürfen nur Eheschließungen, und auch diese nur vorge- nornmcn werden, wenn einer der Verlobten durch Krankheit oder durch körperliche Ge­brechen verhindert ist, in dem Geschäftslo- cale zu erscheinen. 4) Die Register, Acten rc. sind nebst dem Dienstsiegel innerhalb des Geschäftslokals in einem unter sicherem Verschluß zu haltenden Behälter auszube­wahren, zu welchem sowohl der Standes­beamte als auch dessen Stellvertreter einen

Schlüssel führen. Bei entstehender Feuer­oder sonstiger Gefahr haben dieselben vor Allem für die Sicherstellung der Register rc. Sorge zu tragen und nach Umständen an einen anderen geeigneten Ort zu bringen. 5) Die Bekanntmachungen der Standesbe­amten sind in einem verschlossenen, mit Drahtgitter versehenen Behälter an dem Rath oder Gemeindehause oder an der son­stigen, zu Bekanntmachungen der Gemeinde­behörden bestimmten Stelle auözuhängen.

In Beziehung auf die Einführung der Markwährung sind die nachstehenden Angaben, die derBarm. Ztg entnommen sind, von Interesse: Der Gesammtbetrag der Reichs-Silbermünzen soll nach Art. 14 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 bis auf Weiteres 10 Mark für den Kopf der Bevölkerung des Reiches nicht übersteigen, was ungefähr rund 400,000,000 Mark Silbcrmünzen beträgt. Gegenwärtig sind jedoch im Ganzen erst an 30 Mill. Mark (genau 29,786,383 Mark) in Silber aus­geprägt, was für den Kopf der Bevölkerung etwa 70 bis 75 Pfennige beträgt. Es ist daher an eine vollständige Einziehung der alten und besonders der groben Silbermün zen, insbesondere der dem 30-Thalerfuße an­

gehörenden, in den nächsten 5 Jahren gar nicht zu denken. Mit den Verhältniffen ver­traute Personen, solche, welche besonders die Leistungen der Münzstätten des Deutschen Reiches genau kennen, fixiren einen zehn­jährigen Termin, bis der letzte Silberthaler aus dem Verkehr im Reich verschwindet. Was die Kupfer- und Nickelmünzen aubetrifft, so ist der Gesammtbetrag auf 250 Pf. pro Kopf der Bevölkerung projectirt. Davon sind gegenwärtig etwas über 800,000 Mark, also etwa 2 Pfennige pro Kopf ausgeprägt. Also auch hier ist der Termin, bis zu wel­chem die alten Kupfermünzen gänzlich auS- scheidm, noch gar nicht abzusehen, geschweige denn zu bestimmen.

Pot-dam, 30. Aug. Heute Vormittag 11 Uhr fand im Lustgarten die Uebergabe der Fahne an die Unteroffizierschule Statt, nachdem sie vorher in der Hof-Garnisonkirche durch den Hofprediger Rogge eingeweiht worden war. Nachher war Parade. Dem feierlichen Acte im Gotteshause und im Lust­garten wohnten der Kaiser, die Kaiserin, die ganze Kronprinzenfarnilie, Prinz Karl, Prinz von Wales und viele fremdherrliche Offi­ziere bei.

Bre-la«, 29. August. Um den von den

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Der Kampf um eine Milli»».

Roman von Ewald August König. , (Fottsetzung.)

Du lieber Himmel, wie oft nennt map einen Mann Freund, den man vielleicht monatlich einmal sieht. Wann, wo und bei welcher Gelegenheit ich ihm zuerst begegnet bin, weiß ich jetzt nicht mehr, wir lerntep uns einander kennen, freilich nur flüchtig, aber

5 F n schenkte mir sein Vertrauen und klagte *) t über Langeweile und einförmiges Leben. Dg ; habe ich ihm denn gerathen, zu heirathen und ich weiß nicht, wie es kam, daß seine ( Wahl auf Fräulein Schindler fiel. Wen»

Sie ihn kennen, werden Sie wiffen, daß es Ches eines großen Hauses in Calcutta ist und daß

Nein, ich kenne ihn nicht, ich fürchte nur, er ein Schwindler ist. Und ich ver-

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ien fett kerei

muthe ferner, daß zwischen ihm und Euch ein Beitrag besteht, der Euch einen Antheil der Mitgift sichert.

Wenn Herr Wilkens einen solchen Vertrag mit mir geschlossen hätte, wäre er ein großer Narr, Ich kann ihm ja nichts nützen, ich habe nicht einmal Zutritt, geschweige denn Einfluß im Hause deS BanquierS

Aber Ihr könnt ihm rathen, mit Eurem Gflde ihn unterstützen! Sagt mit die Wahr htU, Hauenstein.

Ich habe sie gesagt.

Wehe Euch, wenn Ihr gelogen habtl Ihr könnt gehen, morgen Abend erwarte ich Euch.

Lange stand der Herr in Gedanken ver­sunken, endlich zog er an der Schnur und befahl dem Wirh, Klaus und Detlef einzu lasten.

Als sie eintraten, war er wieder ruhig, seine Aufregung hatte sich gelegt.

Hauenstein hat die Juwelen gebracht, sagte er, ich werde morgen einen Theil fort­schicken; sobald das Geld dafür eintrifft, erhaltet Ihr Euren Antheil. Wünscht Ihr Vorschuß, so mögt Ihr es nur sagen. Detlef, im Russischen Hofe ist heute eine Engländerin eingetroffen, deren Schmuck­schatulle auf 10,000 Pfund Sterling ge­schätzt wird; ich glaube, Christian ist der geeignete Mann, sie zu holen. Sodann habe ich bemerkt, daß die Uhrenhandlung auf dem Neuwall einen großen Vorrath der werthvollsten Uhren besitzt; das wäre abermals ein Geschäft für Euch Beide, seht zu, wie eS abgewickelt werden kann. Die Juwelenhandlung in der Schauen- butKetstraße hat gestern einen neuen Gehülfen engagirt, der den Apollosaal sehr häufig besuchen soll, werft das Netz über ihn, wir können dort einen reichen Fischzug halten.

So, da« wären die Geschäfte, die ich vor­zuschlagen habe, ich erwarte morgen Bericht darüber. Was haben die Anderen einge­bracht ?

Es ist nichts von Bedeutung, entgegnete Detlef, einige magere Börsen und andere Lappalien, die Leute haben fast alle feinen Muth.

Weil sie wiffen, daß sie ohnehin ernährt werden, auch wenn sie nicht arbeiten, sagte Klaus unwirsch. Wir arbeiten für sie und

Still, nicht raifonnirt, Jeder soll seine Schuldigkeit thun nach seinen Kräften und Fähigkeiten. Ich weiß wohl, daß wir Manchen unter uns haben, der lieber schlemmt als arbeitet, aber in manchen Fällen leisten fie uns dennoch gute Dienste. Ich kann diesen nichts Großes anvertrauen, ich bin zufrieden, wenn sie das ausführen, was ich ihnen übertrage. Und mehr als ein Nachtlager und dürftige Kost haben sie nicht; wenn sie sich andere Genüsse ver­schaffen wollen, müffen sie vorher zu ver­dienen suchen. Aber in der nächsten Zeit werde ich sie Alle beschäftigen, ich muß zuvor meine Pläne entwerfen, eS gilt ein groß cs Unternehmen auszuführen.

Der Herr eilte einigemal auf und nieder, bann blieb er vor den Beiden stehen.

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Detlef, Du hast mit vor mehreren Wochen einen Mann empfohlen, dem ich eine Stelle bei einer hiesigen Bank verschaffte, fuhr er fort. ES war nicht leicht, sie ihm zu ver­schaffen; wenn das Tirectvrium der Bank aufmerksam die Papiere geprüft hätte, die er ihm vorlegte, so würde er sie wahr­scheinlich nicht erhalten haben; glücklicher­weise waren die Herren zu sehr um einen verlegen und daneben von anderen, wichti­geren Angelegenheiten in Anspruch genom­men. Jetzt ober frage ich, wie hat dieser Mann sich bewährt? Ich habe ihn nicht hier mehr gesehen, er scheint nicht daran zu denken, daß er mir Dank schuldet.

Er hat einen mühevollen Posten, erwie« bette Detlef, da mag er Abends wohl er­schöpft sein.

Diese Entschuldigung lasse ich nicht gelten. Et darf nicht vergeffen, daß eS von meiner Seite nur eines Wortes, eines Briefes an das Direktorium der Bank bedarf, um ihn mit Schimpf und Schande aus dem Dienst zu jagen. Wenn er das bedenkt, wirb er wissen, baß es sein Jntereste ist, aus unserer Seite zu stehen, er muß uns die feuerfesten Gewölbe der Bank öffnen.

Herr, das ist eine kühne Idee! warf Detlef bestürzt ein.