1874
Marburg, Sonntag, den 30. August
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seiner weiteren Reise überall zurrst Kirchen besuchte, was er bekanntlich in erstbesuchten Städten unterließ, hat überall sehr feierlich empfanden und
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Bischöfe haben sehr schmeichelhafte Reden gehalten, wobei einige auffallende Ausdrücke vorkamen, welche von den officiösen Blättern einigen leisen Tadel erfahren haben. So beglückwünschte der Bischof von Quimper den Marschall wegen seiner Ergebenheit für den Papst und schien dessen Interesse noch über Frankreichs Interessen zu stellen und der Bischof von VanneS sprach von dem Vorrang, der Frankreich gebühre, welches durch dar Recht der Geburt und der Eroberung on der Spitze der kathlischen Völker stehe. Der Marschall-Präsident hat auch den Wallfahrtsort St. Anne d'Auray besucht und seinen Namen in das Verzeichniß der Pilger eingetragen. Eine Ausnahme unter den banalen Begeisterungsreden machte ein Toast, welchen Herr Fidsle Simon, Deputirter des Departements und Mitglied des linken Centrums zu St. Razaire ausbrachte und worin er aus die Ohnmacht der gegenwärtigen National-Versammlung hindeutete; was diese nicht gekonnt, werde eine neue Versammlung leisten. Der Marschall antwortete, er sei immer der National-Versammlung zu Diensten und werde bis zum Ablauf des SeptenniumS die Regierungsgewalt bewahren. Letzteres ist übrigens fast der einzige Inhalt aller Antworten, welche der Marschall auf die Ansprachen ertheilt hat.
AuS Spanien bestätigt sich die Ein nahmen von Seo de Urgel durch die Carlisten, denen Verrath die Thore geöffnet, dagegen hält sich das tapfere kleine Puigcerda, welche« den Feind zurückgeschlagen, gegen die Lelagerungstruppen unter SaballS und
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gegen die Anerkennung der Regierung Ser- rano'S auch Oesterreich von derselben zurückhalten werden, ist nicht in Erfüllung gegangen. Vielmehr ist, sobald aus Petersburg eine ablehnende Erklärung in Wien eingegangen war, alsbald der österreichische LegationSrath Baron v. Gravenegg, der in Madrid die offiziösen Beziehungen vertrat, von seiner Regierung beauftragt worden, dem Minister Ulloa anzuzeigen, daß der Gesandte Graf Ludolf Creditive erhalten werde, die denselben bei der Exekutivgewalt deS Marschalls Serrano beglaubigen. Diesen Auftrag hat Herr Baron Gravenegg schon am vorigen Freitag ausgerichtet und Graf Ludolf hat seine Creditive wohl heute schon erhalten, wie ohne Zweifel auch der preußische Gesandte Graf Hatzfeld. Dem Kaiser, dem es gewiß nicht leicht geworden ist, von den legitimistischen Traditionen sich frei zu machen, gebührt für diesen raschen Entschluß der Dank Deutschland. Man wird es namentlich in Berlin und Varzin zu schätzen wissen, daß Oesterreich Deutschland in dieser heikel» Angelegenheit treu zur Seite geblieben ist, trotzdem eS sicher nicht an Versuchungen gefehlt hat, dasselbe davon abzulocken. Auch im Innern hat die ciS- leithanifche Regierung bewiesen, daß sie offene Verletzungen der Kirche nicht dulden will.
Der schweizerische BundeSrath hat in seinen Sitzungen vom 21. und 22. August die Ernennung seiner Delegirten für den am 15. Sept, in Bern zusammentretenden „internationalen Postcongreß" vorgenommen und die zu ertheilenden Constructionen beschlossen. Der Bundesrach Borel ist mit Eröffnung des Congreffes beauftragt.
In mehreren italienischen Städten haben bereits die Gerichtsverhandlungen gegen die Betheiligten an den jüngsten Auf standsversuchen begonnen. Die Versuche waren zwar ganz ohne Aussicht auf irgend welchen Erfolg, indeffen ist die Regierung doch genöthigt, in verschiedenen Thellen des Landes scharfe Aufsicht zu führen. Der Minister deS Innern beabsichtigt, neue und strenge Maßregeln zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit auf Sicilien, wo das Räubergesindel furchtbar überhand genommen und jede Communication beinahe unmöglich gemacht hat.
Die Rundreise des Marschall-Präfidenten Frankreichs durch die Städte der Bretagne ist ohne besondere Zwischenfälle ver-
Lippen entflohen wäre, würde ich keim Ruhe mehr finden.
Nun, wie Ihr wollt, sagte der Herr gelassen, e« kann mir ja nur lieb sein, wenn Ihr verschwiegen seid, wenn ich weiß, daß Ihr so leicht bei der Arbeit nicht überrascht werdet. Aber den Schreiber müßt Ihr entlassen.
Weshalb das? fragte Hauensteiu betroffen.
Weil ich eS will, das genügt.
Er ist ein armer Schlucker, ein Mensch ohne Kenntniffe und Fähigkeiten.
Ich werde für ihn sorgen; übrigens muß er doch wohl Fähigkeiten besitzen, da Ihr ihn nicht gern zu entlasten scheint.
Er dient mir treu und verschwiegen.
Gerade das beunruhigt mich, ich halte ihn für einen Duckmäuser, der nur auf eine günstige Gelegenheit wartet, Euch zu verderben. Ihr werdet ihn entlasten, ich schicke Euch einen andern Schreiber.
Der hagere Mann erhob sein kahles Haupt; trotzig, fast feindselig stand er dem Herrn gegenüber.
Ihr Mißtrauen muß tief eingewurzelt sein, sagte er entrüstet, womit habe ich es verdient? Wenn Sie mir einen Schreiber zur Seite stellen wollen, so sage ich mich los, in meinem Hause will und muß ich
Tristany, obwohl die letzteren einen Theil der Stadt in Brand geschossen haben. Eine große Kanone, der Gott von Olot g enannt, ist den Carlisten geplatzt, nachdem sie einen oder zwei Tage ihre Kugeln in die Festung und über diese hinaus bis auf französisches Gebiet gesandt. Von dem Kriegsschauplätze in Navarra und Baskenland sind keine Nachrichten von Bedeutung gemeldet worden. Doch sind am 24. d, Abends, die beiden deutschen Kanonenbote Nautilus und Albatros vor Santander angelangt und Tags darauf in den Hafen eingelaufen. Die Fahrt ist glücklich gewesen, der Gesundheitszustand der Mannschaft vortrefflich.
Während die Politik in England feiert, tritt die Wissenschaft in den Vordergrund, indem die Britische Gesellschaft, unter dem Vorsitz des Professors Tyndal und eröffnet durch eine glänzende Rede desselben über die freie Forschung als Grundlage wisten- schaftlichen Fortschritts, in Befast ihre Sitzungen hält. Die Königin ist nach Schottland abgereift, der Prinz von Wales nach Berlin, von wo er sich später zu seiner Gemahlin in Kopenhagen begeben wird. Der deutsche Kronprinz ist mit Famllie von der Insel Wight zurückgekehrt.
Der König von Holland ist aus der Schweiz zürückgekehrt und am 26. August ist die officielle Ernennung des neuen Ministeriums erfolgt. Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze aus Sumatra lauten günstig. Die Holländer haben mehrere befestigte Stellungen der Atchineseu ohne großen Verlust eingenommen.
Die internationale Conserenz in B r ü s s e l hat am 26. August eine Plenarsitzung gehalten und das Commisstonsprotokoll gutge« heißen. Die Protokolle sollen im belgischen Moniteur veröffentlicht werden.
Der König von Dänemark ist von seiner isländischen Reise am 23. d. M. in Kopenhagen wieder eingetroffen. Seine Tochter, die Prinzessin von Wales, hat ihn von Schottland aus in die Heimalh begleitet. Dampfschiffe in großer Zahl waren ihm durch den Sund entgegengefahren und gaben ihm das Geleit bis in die festlich geschmückte Hauptstadt. Zum Kriegsminister, dessen Amt einstweilen der Marineminister Ravn mit versehen hat, ist jetzt General Steinmann ernannt worden.
Die schwedisch-norwegische Regierung hat die Exekutivgewalt, welche Serrano
Ja, Herr.
Er heißt Timm und hängt von Eurer Gnade ab?
So ist es.
Könnt Ihr ihm vertrauen?
Ich lasse ihn in meine Geheimnisse nicht blicke».
Aber er könnte ohne Euer Wissen einen Blick hincinwerfen.
Niemals.
Sagt das nicht so entschieden, ein solcher Sclave unternimmt jedes Wagniß, um sich von dem drückenden Joch zu befreien. Und wen» eS ihm gelingt, Eure Geheimnisse zu erforschen, so wird er Euch auch verrathen.
Ja, wenn es ihm gelingt 1 erroieberte der Pfandleiher ironisch. Ich bin in diesem Punkte sehr ruhig, in mein geheime« Ver steck kann er nie feine Nase stecken, dazu ist selbst die Polizei nicht klug genug.
Der Herr zuckte die Achseln, al« ob er sagen woll e, das sei eine Behauptung, auf die er fein Gewicht lege.
Wo liegt dieses Versteck? fragte er.
DaS verrath e ich Niemanden.
Auch mir nicht?
So ist die Verhaftete dieselbe junge Dame, welche Euch das Kreuz anbot? fragte der Herr mit sichtbarer Erregung.
Ja, Ich weiß freilich nicht, ob die An
gedenken.
Die Hoffnungen des österreichischen „Vaterlands" und aller Reaktionäre, daß die Zögerungen und Bedenken Rußlands
laufen; sie gleicht sehr der Reise de« früheren Staatsoberhauptes von Frankreich, und die officieden Berichte klingen ebenso hyzantinisch, wie sie zur Zeit der Restauration, Louis Philipp's und Napoleon'S III. klangen. Man hat überall mehr oder minder „vive la Re- publique!“ gerufen, namentlich in Brest unb einigen kleineren Orten, wie Morlaix, wo dieser Ruf zu großem Berdrusse deS Gefolges des Marschalls äußerst lebhaft und allgemein erhoben wurde. Indessen waren die republikanischen Kundgebungen doch nur partiell; die legitimistische Partei hat sich überall durchaus zurückgehalten. Die Geist, lichkeit, welche er dadurch versöhnte, daß er bei
klage gegen sie begründet ist, möglicherweise ist es nur eine sonderbare Verkettung verschiedener Umstände, welche den Verdacht auf sie warfen; ich wage nicht, darüber ein Ur- theil zu jfäHen. Ein junger Herr nimmt sich ihrer an, er behauptet, sie sei schuldlos — je nun, die Beweggründe kann man ja errathen und der Zweck seiner Bemühungen, sie zu befreien, ist ebenfalls Har.
Der Herr schien von diesen Worten nichts gehört zu haben, er war in den Sessel niedergesunken unb hielt ben Blick unvenvanbt auf daö Kreuzchen gerichtet.
DaS leise, fast schmerzliche Zucken feiner Mundwinkel verrieth, daß seine Aufregung sich noch immer nicht beruhigt hatte, aber Hauenstein bemerkte das nicht, e« fiel ihm nur auf, daß der Herr dem einfachen Schmuck so große Aufmerksamkeit widmete.
Nach einer geraumen Weile fuhr der Herr aus seinem Hinstarren empor, er strich mit der Hand über die Stirn unb Augen unb fein Forscherblick streifte verstohlen baö fahle Gesicht des Pfandleihers.
Verzeihen Sie mir, wenn ich durch meine Weigerung Sie erzürne, es ist einmal mein Princip, an welchem ich festhalte. Ich bin weit entfernt, Mißtrauen gegen Sie zu hegen, Herr, aber wenn das Geheimniß meinen
»vsckeint täglich auster den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 2-ii Sgr., durch btt Postämter des H deutschen Reiches 25 Sur. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu erlheilende
Auskunft und Annahme von Abreffen werden 2z Sgr. berechnet.
Im deutschen Reiche hat die nahende Wiederkehr des Seban Gedenktages diesmal eine lebhaftere und allgemeinere Bewegung der Festvorbereitungen veranlaßt, al« in den früheren Jahren. Der bisherige Meinungsstreit um die Wahl des Tages für das all. fntig geforderte bleibende deutsche National- jeft ist jetzt tatsächlich zu Gunsten des 2. September entschieden. Der Tag der Gefangennahme des Kaisers Napoleon mit seiner ganzen Armee hat sich der Phantasie und dem Gemüthe deS Volkes vor allen anderen a!« der entscheidende eingeprägt, und dieje- mgm, welche den Tag der Verkündigung der Herstellung deS Kaiserreichs dem Schlachttage vorgezogen hätten, haben sich bereits dem unwiderstehlichen Spruche des VolkS- bewußtseins unterworfen. ES bleibt nun «och zu sorgen, daß dem Feste von vornherein für immer der rechte Charakter ausgeprägt werde, als nicht sowohl die Feier eine« einmaligen glänzenden Sieges, sondern der errungenen Herstellung eines einheitlichen Reiche« deutscher Nation. Diese Auffassung tritt auch überall als die vorwaltende auf, und die in einem so eben veröffentlichten leidenschaftlichen hirtenamtlichen Ausschreibens des Bischofs von Mainz vom 19. August wider eine solche .Feier sich kundgebende Feindseligkeit — wahrlich nicht der deutschen Katholiken, aber einer verbissenen ultramon tonen Partei — kann einer weiteren Befestigung derselben nur förderlich sein. Im fiebrigen ist nach Einheimsung der Aernten die Zeit der Jagderöffnung und der militärischen Uebungen gekommen. König Ludwig II. von Baiern feierte am Dienstag seinen (29.) GeburtS- und Namenstag zu Paris, wohin ihn mit Vorliebe betriebene Lunststuvien riefen, und namentlich derWunsch, dort und zu Versailles die Schätze der französischen Renaissance auS unmittelbarer Anschauung kennen zu lernen. Fürst Bismarck hat den Geh. Rath Bucher zu sich »ach Varzin berufen und soll etwa bis zum 20. October bleibend »ach Berlin zu kommen
Der Kamps um eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Hauenstein biß sich auf die Lippen, dieses Mißtrauen verletzte ihn und er mußte ge- waltsam an sich halten, um seinem Groll nicht Luft zu machen.
Wenn ich daS gewußt hätte, würde ich da« Geschäft nicht übernommen haben, sagte er, ich habe ehrlich —
Ihr übernehmt, waS ich Euch befehle, schnitt der Herr ihm das Wort ab. Habt Ihr nicht selbst, aus eigenem Antrieb das vündniß mit uns gesucht? Nehmt Euch in 8cht, Hauenstein, wenn Ihr klug seid, be= gnugt Ihr Euch mit dem hohen Gewinn, den wir in Eure Tasche fließen taffen; eine unersättliche Habsucht zu befriedigen sind mir nicht geneigt.
Während er das sagte, ließ er die blitzende Steine durch seine Hände geleiten, wie ein Kind, welches gedankenlos mit Erbsen hielt
Ihr bringt den Rest der Juwelen und das Metall morgen, daS letztere soll in Eurer Gegenwart eingeschmolzen und Euch ringehändigt werden, außerdem erhaltet Ihr »och einen kleinen «ntheil au« dem Verkauf dieser Steine. Ihr habt einen Schreibst, Hauenstein?
»«zeigen nimmt entgegen: ue Expedition d. Blattei, togic die Annonceu-Bureaux M Th. Dietrich & Co. m Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; gaasenstein & Vogler in Irantfurt a. M., Berlin, Leip- ,,q Cölnrc.; Rudolf Moss« ^Berlin, Frankfurt a- M- rc.
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«Bestellungen auf die „Dberh. Zeitung" ö für den Monat September werden von tien Postanstatten, sowie auf dem Lande «n den Landpostboten, entgegengenommen.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M ' Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.