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Marburg, Sonnabend, den 29. August.
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«n>eigen nimmt entgegen: .j, Spedition d. Blattes, iowie die Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Saffel und Hannover; A). Dietrich in Frankfurt a. M ; Laasenstein & Vogler in Irantfurt a. M-, Berlin, Leip- iig, Cölnrc.; Rudolf Moff« inBerlin, Frankfurt a. M. rc.
OberhcWe Jftlung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurts. M.; Jnvalidendank, A- Stete« meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 33j 6gt., durch die Postämter des deutschen Reiches 35 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.
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ittcitcUungen auf die „Obrrh. Zeitung" eO für den Monat September werden von «den Postanstalten, sowie auf dem Lande »n den Landpostboten, entgegengenommen.
Deutsches Keich.
Berlin, 27. Aug. Es verlautet, daß Sc. Maj. der Kaiser und König die Absicht habe, sich für einen Tag zu den württem- hergischen Manövern in die Gegend von Heilbronn zu begeben, um zugleich dem dort anwesenden König von Württemberg einen Besuch zu machen. — Die Creditive für die spanischen Gesandten Grasen Raöcon sind hier eingetroffen. Der Tag der Audienz beim Kaiser ist noch nicht bestimmt. Es heißt, daß Graf Raöcon an demselben Tage wie der amerikanische Gesandte Bancrofft- DaviS werde empfangen werden. — Fürst Hohenlohe wird in den nächsten Tagen »uS Paris erwartet. Derselbe begibt sich nach Barzin. — Durch eine gemeinschaftliche Verfügung der Minister des Innern tmd der Justiz ist eine gleichförmige und energische Handhabung des Vereinsgesetzes in Bezug auf kirchliche Aufzüge gesichert worden. — Der vor einiger Zeit zur Disposition gestellte frühere Botschafter in Pa« riS, Graf Harry v. Arnim, befand sich jüngst auf seiner Rückreise von Nassenhaide einige Tage in Berlin. Derselbe hat, wie die „N. P. Z." meldet, die genannte, im Kreise Randow gelegene größere Besitzung gekauft und läßt sich aus derselben ein Schloß bauen, um dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen. — Die nach Mittheilungen hiesiger Blätter erwähnte Conferenz zur Fcstellung des Nor- mal-SchulplaneS für die mittleren land- wirthschaftlichm Lehranstalten wird — der ,N. Pr. Ztg." zufolge — nicht, wie irr- thümlich angegeben, von dem Präsidenten Schellwitz, sondern von dem Geh. Ober- RegierungSrath v. NathustuS geleitet. Zu den Mitgliedern derselben gehören der Geh. Ober Regierungsrath Dr. Wiese, ein Pro dmzialfchulrath ttttfr fünf Direktoren land-
wirthschaftlicher Lehranstalten. Selbstverständ lich ist auch der Generalsekretair des Landes Oekonomiekollegiums, Landes - Oekonomie rath Dr. Thiel, an den Conferenzverhand- lungen betheiligt.
— Die preußische Hauptbank fordert den Handelsstand aus, alle im Jahre 1875 fällig werdenden Wechsel in Mark und Pfennigen auszusch«reiben. Die preußische Bank und deren Filialen kaufen von Neujahr ab keinen Wechsel an, der nicht in ReichS- Mark ausgestellt oder umgerechnet ist. Die hiesige Börse ist am Scdantage geschlossen.
, Breslau, 25. Aug. Um einem tiefge- fühltenöedürfnisse abzuhelfen, entsteht hier eine neue Zeitung unter dem Titel „Neue Breslauer Morgenzeitung," redigirt von Westerburg (früher in Marburg). Daö Blatt verspricht in einem verhältnißmäßig kurzen Programm getreu zu den alten demokratischen Prinzipien zu stehen. Damit läßt sich das Publikum aber heute nicht mehr abspeisen. Es wird daher gut fein, einen Blick auf die inneren Spalten der Probe nummer zu werfen und nachzusehen, welche Stellung sie konkreten Fragen gegenüber ein« nimmt; dieser Blick belehrt uns sogleich, daß diese Demokratie eine deutsch-feindliche ist, daß sie auf Seiten des Mainzer Katholikenvereins steht, daß sie, vorläufig verschämt, mit der Sozialdemokratie liebäugelt, und daß die damit verwandte Unterstützung der partikularistischen Bestrebungen kleiner deutscher Staaten schon sichtbar hinter der Cou- lisse steht. In der That ein tiefgefühltes Bedürfniß.
Kiel, 25. August. Gmeralfeldmarschall Graf von Moltke wird, wie die „Kiel. Ztg." meldet, in den nächsten Tagen hier erwartet. Derselbe wird bei seiner Ankunft von dem Bürgermeister und dem Stadtverordneten - Vorsteher begrüßt werden; auch wird seitens der städttschen Behörden beab
sichtigt, dem großen Strategen am Abend des Ankunftstages einen Fackelzug zu bringen.
Hannover, 26. Aug. Der Ausschuß der hiesigen Handelskammer hat sich abermals mit der seit dem 1. d. M. eingesühr- ten Erhöhung der Tarifsätze für den Güter verkehr beschäftigt. Bei Erörterung der bisher wahrgenommenen Folgen wurde besonders der Umstand hervorgehoben, daß der 20pCt. Zuschlag auch von der EypeditionS gebühr berechnet wird, wodurch sich bei Transporten auf geringere Entfernung, ganz unverhältnißmäßige Erhöhungen Herausstellen. Man beschloß an geeigneter Stelle um Abhülfe zu bitten. Im Anschluß daran war ein Schreiben des Wegeverbandes Ti eineff en vorgelegt, wonach dieser das ReichSeiseubahn- amt um Aushebung des 20pCt. Frachtzuschlages aus Wegebaumaterialien gebeten har, weil der Wegebau in Folge dieses Zuschlages völlig zu stocken drohen. Man nahm hiervon als von einem neuen Belege für die schädlichen Folgen der Tariferhöhung mit Interesse Kenntniß.
Bonn, 25. Aug. Die „DeutscheReichs- zeitung" meldet, daß der Minister des Innern in Verbindung mit dem Minister des CultuS, die Regierungen angewiesen habe, im Interesse des Staates sämrntliche ausländische Geistliche auS Preußen auSzuwei fen. Die AuSweifungsordre fei in Cöln, Düsseldorf, Bonn rc. bereits zur Ausführung gebracht worden.
Wiesbaden, 27. Aug. Der auf einem Rheindarnpfboot wegen Majestätsbeleidigung verhaftete französische Pfarrer Augustin ist heute durch die hiesige Strafkammer zu zweimonatlichem Gefängniß verurtheilt worden.
Dresden, 27. Aug. Ein Dresdner Telegramm der „Nordd. Allgem. Zeitung" meldet, daß der römisch-katholische apostolische Vicar Forwerk für sämrntliche katholischen Kirchen Sachsens Festgeläute zur National feier des Sedantages angeordnet hat.
München, 25. August. Das Geburts
und Namensfest des Königs ist heute in der herkömmlichen Weise begangen worden. — Die Commission, welche gestern im SitzungS- saale der Gemeindebevollmächtigten auf die Einladung des ersten Bürgermeisters Dr. Erhard über eine Sedanfeier in München in Berathnng trat, hat beschlossen, gleich anderen größeren Städten Deutschlands, den 2. September zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan festlich zu begehen und gelegentlich dieser Feier die Enthüllung des Krieger-Denkmals auf dem nördlichen Fried- Hofe vorzunehmen. — Wie die „A. Z." vernimmt, hat die reviditte Schulordnung für die humanistischen Anstalten und die Real-Gymnasien noch vor der Abreise des Königs nach Paris die k. Genehmigung erhalten.
Mülhausen, 24. August. Der Oberpräsident von Elsaß-Lothringen hat, laut Angabe klerikaler Blätter, eine Zuschrift an dm Bischof von Straßburg gerichtet, in der er notificirt, daß die mit französischer Inschrift versehenen Siegel der Pfarreien hinfort zur Beglaubigung von Aktenstücken nicht mehr gebraucht werden sollen, und verlangt, daß sie durch neue ersetzt werden. Der Bischof hat in Folge dessen ein Cirkular» schreiben an die Geistlichen ergehen lasten, um sie aufzufordern, jene französischen Siegel ihrer Kirche durch Siegel mit dem Bilde des Patrons der Pfarrei und lateinischer Inschrift zu ersetzen.
Metz, 24. August. Bezüglich der Kreistage und des Bezirkstages von Lothringen ist, einer Mittheilung der „Straßb. Ztg." zufolge, nur Günstiges zu berichten. Äon den 6 Kreistagen Lothringens haben sich 6 constituirt. In drei Kreistagen haM sämmtliche 9, in den 3 übrigen Kreisen je 7 Mitglieder dm Eid geleistet. Die Mehrzahl der Kreistage war 3—4 Tage m t der Berathnng der Vorlagen der Regierung, welche sich insbesondere auf das Steuevcön- tingent pro 1875 und den Ausbau dkl
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Der Kamps «nt eine Millien.
Roman von Ewald August König. (Fottsetzung.)
13. C a p i t e l.
Das Kreuzchen.
In dem schwarzen Gemach RachauS ging der „Herr" mit allen Zeichen der Ungeduld auf und ab.
Von Zeit zu Zeit blieb er stehen,
. Das ist fein Glück. Wer 'hm da?
«an bemerken, daß die Wolken auf feiner Stirn immer düsterer sich zusammenzogen.
Endlich zog er an der Schnur, die neben dem Tischchen hing, es war ein rascher, heftiger Ruck, der die gewaltige Aufregung in seinem Amern verrielh.
Philipp Rachau stand im nächsten Augen dlick vor ihm, er erschrak, als er in das Were Antlitz des Herrn blickte.
Wer ist unten? fragte der Herr scharf. 3hr hätitt mir längst Nachricht bringen Men.
Ich wartete auf das Zeichen.
Das war unnöthig, Ihr wißt, daß Ihr üets eintreten könnt und meine Ankunft hatte ich Euch anaereiat.
Der Wirth senkte bestürzt das Haupt, d« scharfe, drohmde Ton, in welchem der Herr mit ihm sprach, schüchterte ihn ein.
Sie sind Alle gekommen, sagte er leise. Auch der Pfandleiher?
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um in die Flammen der Kerzen zu ftieren * m»d wenn in solchen Augenblicken ihr # Schein voll auf sein Antlitz fiel, so konnte
Brandes und Franz Binder. Klaus und Detlef?
‘8^, Sind auf ihren Posten.
Und die Andern?
Warten im Schlafsaale.
Gut, geht und holt dm Taschenspieler. Nach ihm soll Binder kommen, Hauenstein muß warten. Halt, hat Hauenstein nicht einen Schreiber?
Ja.
Wie heißt er?
Timm, ein armer Teufel, der von der Gnade des Pfandleihers abhängt.
Es ist gut.
Ein Wink befahl dem Wirth, zu gehen, der Herr nahm in einem Sessel Platz und blättette in seinem Portefeuille.
Ich hatte Euch befohlen, einen gewissen Franz Binder zu beobachten, sagte er, als Brandes vor ihm stand. Habt Ihr ihn gesehen?
Der Taschenspieler nickte bejahend.
Nun?
Er ist ein flotter Bursche, aber ich kann nicht behauptm, daß er sein Geld vergeudet.
Wo habt Ihr ihn gesehen?
Im Apollosaal, im Colosseum und an andern öffentlichen Orten.
Zn welcher Gesellschaft?
Ein junges Mädchen begleitete ihn, andere Gefellschaft schien er absichtlich zu meiden.
Er trank Champagner?
Nein, er aß und trank gut, aber er übernahm sich nicht.
Gut, beobachttt ihn aufmerksam. Sonst habt Ihr mir nichts zu sagen?
Nein, die Briefe sind pünktlich besorgt.
Aber sie habm noch kein Resultat ergeben. Ihr werdet nun Euch bemühen, mit dem Lakai in persönliche Berührung zu treten und ihm die Hölle heiß machen. Natürlich verrathet Ihr ihm nichts, es genügt, wenn
Ihr ihn darauf aufmerksam macht, daß Rachau allein der Mann sei, der ihm helfen könne. Bei dieser Gelegenheit könnt Ihr ihn prüfen, feine Gesinnungen erforschen, und ihm die Ueberzeugung aufdrängen, daß das Schicksal ihn auf eine Bahn geworfen hat, die er nicht mehr verlassen kann.
Es war vielleicht nur ein Fehltritt, Herr —
Brandes, Ihr wißt, daß ich es nicht gern sehe, wenn man mir einen Einwurf macht, Ihr habt meinen Befehl gehört, ich erwarte, daß Ihr gehorcht. Nehmt diese Banknote für Eure Bemühungm.
Der Taschenspieler merkte wohl, daß der Herr das Gespräch als beenbet betrachtete, aber er zögerte das Gemach zu verlasien.
Darf ich Sie fragen, ob Miß Ballavini — Ihre Vennuthung war eine Thorheit, schnitt der Herr dem „Künstler" daS Wort ab, der Engländer ist ein reicher, hochange- sthmer Herr, ich begreife nicht, daß die Seiltänzerin eine solche Vennuthung hegen konnte. Sagt ihr das, ich kann ihr nicht helfen, meine Macht reicht nicht so weit, daß ich ihr den verschollenen Gatten oder das Kind wieder schaffen kann. Sie muß auf einen glücklichen Zufall hoffen, aber daö sie den ersten Besten, der einige Aehnlichkeit mit ihrem Mann hat, daraufhin anfaßt, daß ist eine Thorheit, durch welche sie nur sich selbst großen Unannehmlichkeiten auSsetzt. Jetzt geht, eS thut mir leid, Euch keinen bestem Trost geben zu können.
Brandes schritt hinaus, gleich darauf trat Franz ein.
Ich setze voraus, daß Ihr Eure Zeit gut benutzt und Euch auf dm Posten, den ich Euch anweism werde, vorbereitet habt, wandte der Herr sich zu ihm. Glaubt Ihr, in
allen Stücken die Anforderungen FefriebigeU zu können, welche eine vornehme unb sehr reiche Herrschaft an Euch stellen nflrd. .
Gewiß. , *
Nun gut, hier finb Zeugnisse und Empfehlungen, metbet Euch morgen früh zwischen elf unb zwölf Uhr bei brat vanauier Schinbler, er sucht einen Dimer.
Franz nahm bie Papiere in Empfang.
Ihr werbet bie Stelle erhalten, fuhr der Herr fort unb ich brauche Euch wohl n$t zu sagen, baß eS eine ausgezeichnete Stelle ist. Wollt Ihr sie behalten unb Euch des Anspruchs auf eine bessere Stelle später würbig machen, so befolgt bie Befehle, bie ich Euch gebe, Ihr werbet mir wöchentlich einmal hier über Alles, was in ber Familie des Banquiers borgefallen ist, Bericht erstatten. Ihr werbet vorzüglich bie Diener heobachten unb mir berichten, welche Ausgänge sie gemacht, welche Besuche sie empfangen haben unb mit welchen Personen sie Briese wechseln. Ihr werbet bie Herren beobachten, welche sie besuchen unb vorzüglich Euer Augenmerk auf ben EnglSnber richten, der Euch mir empfohlen hat, sowie auch einen Herrn WilkenS, ber täglich bort aus- unb eingeht.
Herr — bas ist Spionage! sagte Franz bestürzt.
Nennt eS, wie Ihr wollt, moiberte ber Herr mit scharfer Betonung, ich verlange, daß Zhr meine Befehle befolgt. Wollt Ihr bas?
Franz zögerte.
Ja ober nein? Weigert Ihr Euch, so werbe ich Euch anbere Arbeiten übertragen, verweigert Ihr breimal ben Gehorsam, so stoßen wir Euch aus unb bann ist Euer Leben verwirkt. Nehmt bie Sache nicht zu