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Mr. 201.
Marburg, Freitag, den 28. Anguft.
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Anzeigen nimmt entgegen: jie Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Haffel und Hannovers Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- jig, Cdln ic-; Rudolf Moss« io Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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und Errungenschaften des jüngsten Krieges für immer eine Stelle im Leben der Nation zu sichern. Der Gedanke brach sich in allm Theilen des Vaterlandes, in allen Theilen der Bevölkerung mit solcher Macht Bahn, daß es überhaupt unmöglich ist, dem- selbm einen bestimmten Ursprung nachzuweisen, daß aber vollends von einer künstlichen Parteiveranftaltung gar nicht die Rede sein kann.
Die Feier des 2. September steht in keinem Zusammmhang mit den kirchlichen Wirren und den Parteikämpfen der Gegenwatt; sie ist ausschließlich der Erinnerung an die Ereignisse gewidmet, denen Deutschland seine Selbständigkttt und Einheit zu danken hat. ES können sich derselben die Anhänger aller Parteien und Religionsgesellschaften — insoweit sie ein Herz für die höchsten Güter des Vaterlandes haben — mit freudiger Theilnahme anschließen. Diejenigen aber, die einem solchen Nationalfeste widerstreben, stellen sich in offenbaren Gegensatz zu den reinsten und edelsten Gefühlen des deutschm Volkes. (Prov.-Corresp.)
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Gerhard schüttelte den Kopf, er wußte «icht, waS er davon hallen sollte, eS fiel ihm schwer, zu glauben, daß dieser Mann Mitglied der Verbrecherbande sein wnne und doch deuteten alle Anzeichen da-
geisterung gegenüber in eine grollende Stellung zurückzuziehen, so darf das deutsche Volk eine ernste Begründung dieses Auftretens verlangen. Man fragt, ob sich der Nachweis führen läßt, daß das dankbare Andenken an die ruhmvollen Ergebniffe des jüngsten Krieges irgendwie den Rechten der römischen Kirche oder den religiösen Gefühlen der katholischen Gläubigen zu nahe tritt. Eine solche Behauptung wagt auch Herr v. Ketteler nicht aufzustellen. Er nimmt seine Zuflucht zu einer Reihe von Gründen, die keiner ernsten Prüfung Stand halten. Im Wesentlichsten stützt er sich auf die Ausfüh rung, daß die Sedanfeier nicht vom Volke, sondern hauptsächlich von einer Partei aus zehe, die an der Spitze des Kampfes gegen »aS Christenthum und die katholische Kirche stehe, daß die letztere inmitten ihrer gegen
sahren, und zwar um größere, als das kühle Zugeständniß deS bischöflichen Ausschreibens durchblicken läßt. Es galt die Abwehr eines mächtigen Feindes, der in seinem durch große Erfolge genährten Uebermuth darauf auSging, gleichzeitig die Ehre, die Unabhängigkeit und den Besitzstand der deutschen Nation anzutasten. Der Tag von Sedan war ein Gottesgericht, das, nach vielhundertjährigen, schweren Kämpfen zwischen Deutschland und Frankreich, zu Gunsten der deutschen Waffen entschied. Mit dem Siege bei Sedan brach die deutsche Nation nicht bloS die drohende Macht eine» unversöhnlichen Feindes, son dern sie erwarb auch mit unsterblichem Ruhm die Freiheit, ihre inneren Verhältniffe umzugestalten und dem patriotischen Verlangen nach einheitlicher Zusammenfaffung ihrer Kräfte Genüge zu lhun. Mit freudigem und dankbarem Hinblick auf alle diese Errungenschaften begeht das deutsche Volk die
Wieder schwankte er, ob er in das Haus taten solle; endlich trat er langsam den Rückweg an.
Mm Anker am Hafen.
Zch werde kommen.
Mit einem kräftigen seinen Arm befreit, 5 hinter der Thür Ichwuuden.
Es war nach seiner Ansicht geboten, jeden übereilten Schritt zu vermeiden und er bereute jetzt schon, daß er den Taschenspieler ange sprechen hatte.
Jndeß, wenn er Brandes ttchtig taxitte, so war dieser nicht der Mann, der den Muth hatte, die Begegnung mit ihm zu ver- rathen, seine Genoffen konnten ja aus der Unterredung bei dieser Begegnung Schlußfolgerungen ziehen, welche auf den Taschen■ spieler kein günstiges Licht warfen.
Gerhard stand im Begriffe, die Gaffe zu verlaffen als er sich abermals einem Manne gegenüber sah, den er hier zu finden nicht erwarten konnte.
Es war Martin, der frühere Diener seiner Eltern und der erste Blick in das abgehärmte Gesicht dieses Mannes verrieth dem Steuermann, welch schwerer Druck aus ihm lastete.
Er empfand in diesem Augenblicke Mitleid mit ihm, es war ihm, als ob plötzlich die Ueberzeugung sich ihm aufdränge, daff dieser Mann schuldlos sein müsse.
Wie ober kam es, daß er ihn in diesem verrufenen Stadtviertel fand, welches ein ehrlicher Mann nur nothgedrungen betrat?
Mattin wollte ihm ausweichen, aber der Steuermann trat auf ihn zu und schnitt ihm durch eine rasche Wendung die Flucht ab.
Martin, wie kommt Ihr hierher? fragte er. Seid Ihr noch nicht genugsam gewarnt, daß Ihr —
Ich glaube Ihnen keine Rechenschaft zu schulden, unterbrach der Diener ihn rauh. Ihre Eltern haben das Ihrige gethan, aus
Ulttamontane Abwendung von der Nationalfeter des Geptember- festes.
Während in allen Theilen des Vaterlande» Vorbereitungen getroffen werden, um am 2. September das GedSchtniß der großen Ereignisse zu feiern, welche theilS an jenem Tage ihren Abschluß fanden, theilS mit demselben in engem Zusammenhänge stehen, tritt in uUtamontanen Kreisen immer deutlicher die Absicht hervor, die Theilnahme an dem Nationalseste abzulehnen und in die freudige Begeisterung des deutschen Volke» einen Mißton zu werfen. In erster Linie war der Versuch gemacht worden, die Feier des zweiten Septembers nicht aufkommen zu lassen, indem man gegen die Wahl des ScdantageS für ein allgemeines ErinnerungS und Danksest Einspruch erhob. Nachdem der Versuch mißlungen ist, richtet da» Bestreben der ultramontanen Stimmführer sich dahin, eine Nationalfeier zu stören, die sie zu vereiteln außer Stande waren.
Der Bischof von Mainz, Freiherr von Ketteler, einer der eifrigsten Vorkämpfer für die Ansprüche der römischen Priesterherrschaft, hat sich der Aufgabe unterzogen, der katho- lischen Geistlichkeit entschiedene Fernhaltung von der festlichen Volksbewegung zur Pflicht zu machen. In einem soeben erlassenen Ausschreiben behauptet er, daß die Katholiken sich an der vorbereiteten Septemberfeier nicht beiheiligen können, ohne ihre Ehre zu verletzen und die Religion zu entwürdigen, und verbietet jedes feierliche Geläute und jede Art de» Gottesdienstes, die den Charakter eines Freudenfestes an sich tragen würde.
Auch Herr v. Ketteler kann nicht in Abrede stellen, daß Deutschland Veranlaffung hat, die Sedanfeier als ein nationales Danksest für die Abwendung großer Gefahren zu begehen, welche diesem Siege zu verdanken sei. Freilich handelte e« sich um große Ge-
daß ich Euch in dieser Stunde an diesem Otte finde.
Man hat mich hierher bestellt, brummte Martin.
Wer?
Das weiß ich eben nicht.
Ihr wollt mich täuschen, Mattin.
Nein, Herr Schindler, ich kann Ihnen die Briefe zeigen, ich soll den Wirth Rachau fragen, ob er mir eine Stelle verschaffen könne.
Rachau? Wo wohnt er?
Dort, in jenem Eckhause.
Ah — sonderbar, an diese» Haus ütüpsen sich Geheimniffe, die ich gern ergründen möchte. Wäret Ihr schon bei dem Wirth?
Gerhard dachte einen Augenblick nach.
War Mattin unschuldig, bot er ihm seinen Beistand zur Ermittelung seiner Unschuld an so durste er auf den Dank dieses Mannes rechnen.
Verschiebt den Besuch, sagte er nach einer Pause, kommt, wir wollen über die Sache ausführlicher reden; wenn Ihr schuldlos seid, dann will ich Alles aufbietm, um Eure Ehre von dem Makel zu reinigen. Wenn Ihr dieser Versicherung Glauben schenkt, Mattin, dann befolgt meinen Rath, schiebt den Besuch auf und vettraut Euch mir an.
ES war nur ein Strohhalm, den Gerhard bot, aber Mattin ergriff ihn ohne Zögern.
Die Beiden verließen das Stadwiettel, der Steuermann führte feinen Begleiter in eine Kellerwirthschaft, in der, ttotzdem Mit«
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einem ehrlichen Manne einen Schuft zu machen, was liegt Ihnen nun daran, ob er in Wirklichkeit ein Schuft wird?
Gerhard schüttelte unwillig den Kopf.
Ihr werft eine schwere Anklage auf meine Eltern, sagte er, dazu habt Ihr kein Recht. Die Beweise sind gefunden worben und Ihr könnt ihnen nur dankm, daß sie Euch so gnädig davonkomrnm ließen.
Das danke ich ihnen wahrhaftig nicht, entgegntte Martin auffallend, mir wär es lieber gewesen, wenn sie eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet hätten, dann würde meine Unschuld gewiß an den Tag gekommen fein. Aber es ist bequemer und in gereiften Fällen dem Zweck entsprechender, wenn man sich damtt begnügt, ben ver meintlichen Dieb Knall und Fall zu ent- lafsen.
Gerharb blickte dem Diener forschend in'S Auge. So sprach kein Verbrecher, so konnte nur gekränkte Unschuld reden.
ES waren weniger die Worte, al« der Ton, in welchem sie gesprochen wurden, waS dem Steuermann diese mehr und mehr sich befestigende Ueberzeugung aufdrängte, er wollte Gewißheit haben.
Martin, ich kannte Euch erst seit einigen Sagen, als jener Vorfall sich zutrug, sagte er mit Wärme, aber ich glaubte Euch für einen ehrlichen und treuen Diener halten zu dürfen, ja, ich glaubte dies auch dann noch, als alle Anderen ihre Zweifel Sußetten. Vielleicht könnte ich eS ttotz der Scheinbeweise jetzt noch glauben, wenn Ihr nur irgend einen Anhaltspunkt hättet, den ich genügend fände; ich fürchte, Ihr reerbrt keinen finden, und es spricht wahrlich nicht für Euch,
Deutsche- «eich.
•* Berlin, 26. Aug. Die heutige „Prov.- Corr." bestätigt, daß mit Ausschluß der russischen Regierung alle europäischen Mächte die Anerkennung der republikanischen Regierung Spaniens beschlossen haben, und bemerkt: „es sei zu erwarten, baß bcr spanischen Exeeutivgewalt auch bie Anerkennung beS großen norbischm Reiches nicht lange versagt bleiben werbe. Die „Prov.-Corr." hebt ferner hervor, baß burch diese Zurückhaltung Rußlands die Freundschaft zwischen den drei Kaisern und die innigen Beziehungen zwischen ihren Regierungen in keiner Weise beeilt- trächtigt werde. Die Annkennung Spaniens st überhaupt für die drei europäischen Kaiserreiche keine so wichtige und tiefgreifende Frage, daß bie hochwichtige Errungenschaft hres Einvernehmens in ben entscheibenben Principien ber heutigen Politik durch sie alterirt ober auch nur angetastet werben
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223.) ich tief- ehw rt ffl esuchd ittgabe >nc« iube .686)
Feier des Sedantages, und kein Unbefangener wirb in Zweifel ziehen, baß ein solches Fest auf bie einmütige, begeisterte Theilnahme ber Nation vollen Anspruch habe.
Wenn ein beutscher Kirchenfürst burch öffentliche Kundgebung den Katholiken die Weisung ertheilt, sich
«»eftellungeu auf die „vberh. Zeitung" <O für den Monat September werden von oben Postanstalten, sowie auf dem Lande von den Landpostboten, entgegengenommen.
wärtigen Bedrängnisse kein Freudenfest feiern und auch schon deshalb nicht Anlheil ar einer gemeinsamen Feier nehmen könne, weil die lieberale Presse da« katholische Deutschland verantwortlich für bas Kissinger Verbrechen gemacht habe.
Mit einem gewissen Anschein von Berechtigung tritt ber Gebaute auf, daß die katholische Kirche in ihrer gegenwärtigen Lag« sich nicht zur Feier von Freudenfesten her- beilaften könne. Indessen ist zu beachten, baß ber katholischen Kirche keinerlei Zürn uthungen in Bezug auf bie Festfeier gemacht worben sinb, daß bie selbstverschuldeten Bedrängnisse nicht von den Pflichten gegen das Vaterland entbinben können, und daß bie römische Geistlichkeit sich einer schweren Verantwortlichkeit unterzieht, wenn sie bei einer großen nationalen Bewegung bas Banb der Gemeinschaft zwischen ihren Anhängern und dem übrigen Theile der Na tion zerschneidet. Ferner ist als eine Entstellung der Thatsachen die Behauptung zu rückzuweisen, daß die Presse dem katholischen Deutschland eine Mitschuld an dem Kissinger Mordanfall aufgebürdet habe. Nur auf den verderblichen Einfluß, den ultramontane Hetzereien auf unklare Geister und namentlich auf leidenschaftliche Naturen auS üben, ist hingewiesen worden. Jedoch hat teilte beachtenswerthe Stimme sich zur Anklage gegen die deutschen Katholiken im Allgemeinen erhoben, die, selbst wenn sie sich von ihren kirchlichen Führern auf falsche Bahnen verleiten lassen, nicht dem Verdacht unterliegen, bie Pflichten gegen das Vaterland zu verleugnen. Endlich muß mit aller Entschiedenheit gegen die Ansicht Verwahrung eingelegt werden, als ob der Gedanke der Sedanfeier von einer Pattei auSgegangen sei und für kirchenfeiudliche Bestrebungen ausgenutzt werde. Nicht das leiseste Anzeichen ist vorhanden, welches einer solchen Ansicht zur Bekräftigung dienen könnte. Alle Anregungen zu dem Septemberfeste entsprangen lediglich dem Wunsche, der dankbaren Erinnerung an die großen Thalen
Der Kampf um eine Millian. Roman von Ewald August König.
(Fottsetzung.)
Heute nicht, sagt« Brandes hastig, ich habe keine Zeit, bestimmen Sie mir für morgen Ort und Stunde, so will ich mich einfinden, um zu hören, welche Mittheilungen Sie mir über Sir Delavalle zu machen haben.
Nun, bie sinb eben nicht sehr wichtig für Euch, entgegnete Gerharb, ich denke, bie Mittheilungen, bie Ihr über ihn machen könnt, werben wichtiger fein.
Reben wir morgen barüber.
Unsinn, wir haben Zeit genug, weßhalb «isschieben, wafl wir sofort orbnen können?
Wenn Sie mich zwingen wollen, werbe ich schweigen.
Merkwürdig, Ihr thut ja, al« ob Tod wd Leben von Eurem Besuche in diesem Hause abhinge.
Lassen Sie mich, ich will Ihnen ba«
ij «wegen gern erklären, wo treffe ich Sie?
Um elf Uhr morgen, früh in ber Schenke