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Marburg- Mittwoch, den 26. August.
1871.
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««»eigen nimmt entgegen: r«AeMHon d. »litte», •‘mJVe Annoncen-Bureaux L "LH- Dietrich & Co. m
-> und Hannover; LH. ft >ch in Frankfurt a. M-; naaienftein & Vogler in Liulfurta-M-, Berlin, Le^° S7 6öln rc.; Rudolf Moss« ^Berlin, Franlfurt a- M- rc.
ObechkUlhc Jriluim.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Franlfurt a. M. - Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, 81. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
**ffr(<beint tLolich auber den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 824 Tgr., durch die Postämter des 9 ■ deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr- berechnet.
jjf der echten Ultramontanen gewissermaßen zur J Pflicht macht. Anstandshalber wird diese Lendmz durch einige sophistische Verdrehungen 903 md Ausreden etwas verhüllt, aber der Kern
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^Bestellungen ans die „Oberh. Zeitung" ö für den Monat September werden von ,ten Postanstalten, sowie auf dem Lande t>«n den Landpostboten, entgegengenommen.
des ganzen Ketteler'schen Ausschreibens ist dech die cynische Erklärung, daß die echtm Schafe der clericalen Heerde mit einer deut- schm Siegesfeier sich nicht befassen sollen, »eil mit dem geliebten Frankreich der Ultra- «ontanismus eine Niederlage durch den ketze-
pig ausgeprägt, sondern noch darüber hinaus zehend, die Sympathie für dm Erbfeind
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rischen Liberalismus Deutschlands erlitten hat! Jedem unbefangenen ehrlichen Kacho- likm wird natürlich die Frage sich aufdrän- zm, was der Krieg gegen Frankreich mit dem Glauben zu chun hat, wenn der Clerus nicht absichtüch diese Verquickung von Politik tmd Kirche betreibt? Die Geschichte des Kriegs und seiner Entstehung ist doch allzu bekannt, als daß es gelingen könnte, auch diese Ereignisse in clericalem Interesse zu verdrehen und auszubeutm! aber vor je- snitischer Sophistik ist ebm kein Ding unmöglich, tmd so hat es auch hier Ketteler fertig gebracht, dm gutm Schafen seiner Heerde die Feier von Sedan als ein Werk äs Satans oder ketzerischer Parteien darzustellen und zu verbietm! Der christlichen Lehre bagegen in Wirklichkeit entsprechend, hat der evangelische Oberkirchenrath in einem belehrenden Erlaß über das Verhaltm,
Deutsches Strich.
*» Berlin, 24. Aug. Der, Vorwurf „Vaterlandslosigkeit" oder des Mangels patriotischer und loyaler Gesinnung hat die Germania" immer mit Entrüstung und großem Aufwand fchönklingender Phrasm ,on dem Mtramvntanismus abzuwehren gesucht, es ist daher wohl kaum zu eonstattrm, daß Herr Bischof Ketteler, eine der hervor- ra^ndften Seelm der römischm Hierarchie, m feinem neuesten Ausschreibm den Beweis rer Richttgkeit obigen Vorwurfs ganz unleugbar liefert, ja man kann sagen, nicht allein negativ bett Mangel an Vaterlandsliebe dem Ulttamontanismus als Charakter-
welches die Kttchc zu dem neuen Civilehe- gesetz zu beobachten habe, hervorgehobm, daß die Frage wie ein Gesetz entstanden und berechtigt oder mottvirt sei, nicht mehr untersucht werden solle. Nachdem das Gesetz perfect gewordm, sei der Christ nach christlichem Gebote zum Gehorsam und zur Achtung verpflichtet, und seine Sorge soll nur darauf gerichtet sein, welche Pflichten damtt auferlegt und wie deren Erfüllung am bestm erreicht werden könne. Man bemerke wohl den Unterschied. Die evangelische Kirchenbehörde ermahnt nach dem christlichen Gebot zur Erfüllung der Christenpflichten, der römische Clerus im schroffen Gegensatz zum Christenthum betrügt mit lügnerischen Verdrehungen die urtheilslose Menge, um sie zu blinden Werkzeugen der Rebellion zu machm, zur Verletzung der Christenpflichten zu verleiten! „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!" Zur Christenpflicht gehört auch die Vaterlandsliebe und die Achtung vor dem Gesetz!
Siel, 22. August. Die Nachricht, daß Se. Majestät der Kaiser zum 15. oder 16. September hierher kommen werde, ist, wie den „H. N." von unterrichteter Seite mit- getheilt wird, dahin zu ändern, daß für Sonntag, den 20. September, die Vorkehrungen zum Stappellauf des Panzerschiffes „Friedrich der Große" getroffen werden, und zwar nach einer Anordnung des kürzlich hier gewesenen Chefs der Admiralität, Gene- ravieutenants v. Stosch. Für das an dem genannten Tage stattfindende Diner sind die großen oberen Räume des neuerbauten Werk- schuppen» in Aussicht genommen. Die Anwesenheit des Kaisers würde überhaupt einen ganz maritimen Charakter haben. Jedoch möchte hervorzuheben sein, daß eine definitive Bestimmung, ob Kiel in die Reiseroute ausgenommen wird — der Kaiser würde von hier nach Hannover gehen — kaum noch getroffen ist. Man schmeichelt sich in Marinekreisen mit der Hoffnung, daß auch das kronprinzliche Paar zu dem Akt kommen und alsdann die Taufe des Schiffes von der Frau Kronprinzessin werde ausgeführt werden. An dem Panzerschiff ist seit drei Jahren, anfänglich jedoch nur mit schwachen Arbeiterkräften gebaut worden; jetzt arbeiten
Der Ä««>f um eine Milli»«.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Selten, erst in der jüngsten Zeit habe ich bie Entdeckung gemacht, daß er mitunter jur Nachtzeit sein Haus verläßt.
Ihr sagtet mir das vor enigen Tagen schon.
AllettringS und ich gäbe viel darum, .wenn ich hinter seine Heimlichkeiten kommen könnte. Aber daS ist sehr schwierig, wenn nicht zanz unmöglich.
Ich würde wenigsten« versucht haben, in jenes Zimmer einzudringen, sagte Gerhard At wachsender Ungeduld, eS liegt ja doch »Eurem Jntereffe, eine Waffe gegen diesen Kann zu suchen, die im entscheidenden Augenblick —
DaS ist schwer, unterbrach Timm ihn, die tyür ist mit Eisen beschlagen und mit fottten Schlössern versehen —
Ein Grund mehr, sie zu öffnen. Also in tiefe« Zimmer schloß er sich ein?
Ja.
Und blieb mehrere Stunden dort?
Wie ich Ihnen sagte. Am Abend erhielt ich Urlaub, auszugehen, ich wollte Sie auf- smhen, aber ich hätte Ihnen ja nichts mit- jutheilen, so unterließ ich es. Als ich heim- kchrte, fiel mir da« verstörte Gesicht meint« Herrn auf, er schien anhaltend gearbeitet zu $aben, denn er konnte seine Erschöpfung Nicht verbergen. Ich mußte zu Bett und ni« ich kaum unter der Decke lag, hörte ich,
daß meine Thür verschloffen wurde. Ich hielt mich still und horchte. Haumstein verließ das Hau«, spät nach Mitternacht lehrte er zurück. Aber er ging nicht in sein Schlafzimmer, sondern in's Bureau und ich vermuthe, daß er dort die Nacht zuge- bracht hat.
Nun? und weiter? fragte Gerhard.
So hat's denn Tag für Tag gegangen. Haumstein war stet« erregt, oft schloß et sich in jenem Zimmer ein und in dm Nächten fand er keine Ruhe. Was er in der Nacht getrieben hat, weiß ich nicht.
Und Ihr habt Vermuthungm, Timm?
Da« wohl, indeß —
Der Schreiber stockte, vielleicht fürchtete er, zuviel verrathm zu können.
Trinkt, sagte Gerhard, der Wein ist gut, ich wette, so gut habt Ihr ihn bei Eurem Herr nie getrunken!
Bei dem? Lieber Himmel, ich war oft froh, wenn ich trockenes Brod hatte, um meinen Hunger stillen zu könnm.
Nun, das wird vielleicht schon bald bester werden.
Gott gebe es, smfzte Timm, auf Ihr Wohl, Herr Schindler.
Na, und welche Bermuthungen hegt Ihr? Wir müfien offen gegen einander sein, Timm, wenn wir unseren Zweck erreichen wollen.
Gewiß, gewiß. Je nun, ich habe immer vermuthet, daß Hauenstein heimlich Geschäfte macht, welche daS Licht de« Tage« nicht
400 Mann daran. Die Verpanzerung mit zehnzölligen Platten ist noch auszuführen; die beiden drehbaren Panzerthürme, welche jeder 2 Kanonen führen werden, stehen gegenwärtig neben dem Schiffe ausgestellt. Die Gesammtkostm des 300 Fuß langen Schiffes werden auf 3 Mill. Thaler angeschlagen. Sobald der „Friedrich der Große" abge- laufen sein wirb, soll auf beut zweiten jetzt völlig fertigen Helligen der Kiel eines neuen Panzerschiffes von noch größerer Stärke gestreckt werdm. Die Korvette „Victoria" (hölzerner Dampfer) ist jetzt in der fett 8 Monaten an ihr borgenommenen Reparatur vollendet und wird möglicherweise noch für eine Fahrt in diesem Herbst ausgerüstet werden. Sie gehört zu den schnellsten Schiffen der deustchm Kriegsmarine. Im Uebrigen bemerkt die Korrespondenz noch, daß die Werkstätten der Werst bereits in ihrer Einrichtung so wett vorgeschritten sind, daß sie, abgesehen von den Panzerplatten und schweren Eisencheilm, die meisten Materialien für das Panzerschiff selbst bearbeitet haben.
Wiesbaden, 22. Aug. Die Mitglieder der hiesigen Kreis-Synode waren auf vorgestern zu einer Sitzung berufen worben, um ihr Gutachten abzugeben über die vom Conststorium aufgestellte Fragen bezüglich des von der Kirche und ihren Organen einzuschlagenden Verhaltens zu der Civilehe rc. Das wesentliche Resultat der Verhandlungen läßt sich dahin zusammenfastm: Die Stan- des-Gesetze sind als zeitgemäße Gesetze freudig zu begrüßen; die kirchlichm Acte find durchaus freiwillige Acte, von denen zu erwarten steht, daß sie nach alter christlicher und deutscher Sitte auch fernerhin gepflegt und erhalten werben; keine Anwendung von kirchlichm Zuchtmitteln, dagegen Lehre und Vermahnung im Geiste christlicher Liebe und Versöhnung. — Die hiesige Berufs-Kammer hat die Berufung des WeinhändlerS Hohoff zu Erbach, welcher wegen Vergehens des §. 10 des Vereins-Gesetze« — er hatte eine Wallfahrt von Geisenheim nach Marienthal öffentlich ausgeschrieben, ohne hierzu die gesetzlich vorgeschriebenc Erlanbniß vorher eingeholt zu haben — von der k. Strafkammer zu 20 Thaler Buße verurtheitt worden war,
vertragen können und von den Gesetzen nicht gestattet werden, ober, wie gesagt, ich konnte nie dahinter kommen —
Weil Ihr Euch keine Mühe deshalb gäbet. Ihr fürchtetet, Eurem Herrn Anlaß zum Mißtrauen zu geben; die Besorgniß, daß er Euch den Stuhl vor die Thüre fetzm könne, hielt Euch ab, Nachforschungen anzustellen. Ist eS nicht so?
Freilich nickte Timm.
Nun aber liegt die Sache ander«. Ihr braucht das Alles jetzt nicht mehr zu fürchten, dmn im schlimmsten Falle bin ich da und der Tausch könnte Euch nur angenehm fein. Ihr werdet jetzt die Augm offen hal- ten und jede Gelegenheit wahrnehmen, welche Euch gestattet, einen Blick hinter den Schleier zu werfen. Wer ift .ber Herr, welcher ben Pfandleiher an jenem Abend erwartete.
Das weiß ich nicht. Ich habe früher nie etwa« davon vernommen.
Hm, fo kann ich mir nur denken, daß er entweder ein Käufer für gestohlenes Gut oder da« Haupt einer Verbrecherbande ist.
Sie glauben also auch, daß Haumstein das Mitglied einer solchen Bande fein könnte? fragte Timm bestürzt.
Gewiß, ich halte diesen Mann zu Allem fähig. Ich glaube sogar, daß er bei jenem Juwelmraub beteiligt ist.
Der Schreiber ließ da« eckige Haupt auf die Brust sinken; überraschm konnten ihn
zurückgewiesm, eben so die Berufungen der beiden Redakteure des „Naffaucr Boten" und „Eltw. Anzeigers", welche rocgen Aufnahme oben gemeldeter Anzeige in ihre Blätter zu 1 Thlr. waren verurtheitt worden. — Es wird versichert, die kgl. Regierung habe wegen Uebernahme der Schul-Jnfpection für den Kreis RüdeSheim Unterhandlungen mit zwei katholischen Geistlichen angeknüpft.
Dresden, 24. Aug. Ein Wiener Telegramm des „Dresdener Journal" bestätigt die Anerkennung der Madrider Regierung Seitens Oesterreich-Ungarn. Graf Ludolf wird als Gesandter bei der durch Serrano präsidirtm Executiv.Gewalt beglaubigt.
Leipzig, 23. August. Auf dem Deutschen Kriegertage sind über 200 Vereine und Verbände vertreten und fast alle deuffchen Staaten. Gestern, am ersten Tage, fand zunächst eine Präfldial-Conferenz Statt, der die erste allgemeine Versammlung folgte. Dieselbe wurde mit einem Hoch auf dm Kaiser und die dmtschen Fürsten eröffnet. Heute um 11 Uhr fand die Hauptsitzung Statt, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, sich in Eine Deutsche Krieger-Cameradschaft zu vereinigen. Um 4 Uhr war Festessen, das zahlreich besucht warb. Dinckelberg aus Magdeburg brachte das Hoch auf den deutschen Kaiser aus, welches stürmischen Beifall fand; ebenso daS folgende Hoch von Mathias aus Berlin auf den König von Sachsen und das von Lander auS Bonn auf daS einige deutsche Heer. Es folgten noch viele beredte Toaste, unter denen wir die auf den deutschen Kronprinzen, ben Feld- marschall Grafen Moltke, den Fürsten Bismarck, bie Frauen, die Presse, die Stadt Leipzig und bie Süddeutschen hervorheben. — Zur Erläutemng des Ziele«, welches die diesmalige Versammlung erstrebt und erreicht hat, lasten wir hier nachstehende Mittheilung der Rhein- und Ruhr-Zeitung folgen: Das Kriegervereinswesen hat in neuerer Zeit in ganz bedeutendem Maße an Umfang gewonnen. Namentlich feit ben Kriegen von 1864, 1866, 1870/71 haben sich nicht bloß die früher bestandenen Kriegerund militärischen Vereine in bedeutendem Maße ausgedehnt, fonbem es sind feit dieser Zeit in Deutschland derartige Vereine ent=
diese Worte nicht, da er ja selbst diese Ver- muthung ausgesprochen hatte, aber ihre Wucht drückte ihn doch nieder.
Wenn man Beweise dafür hätte! sagte er. Aber Ihrer Freundin wäre dadurch noch immer nicht geholfen.
Wer weiß, Timm! Mir liegt vor Allem daran, ben Schulbigen zu erforschen; habe ich das erreicht, so ist es vielleicht leicht, die Unschuld deS Fräuleins zu beweisen. Ich könnte der Polizei meiuen Verdacht mittheilen,
Um Gotteswillen, nur das nicht! fiel Timm ihm erschreckt in'S Wort. Dadurch würben Sie nichts erreichen.
Nun, sie würbe Haussuchung haltm —
Unb nichts finden. Glauben Sie beim, Hauenstein sei nicht darauf vorbereitet? Da tennen Sie ihn schlecht, Herr Schindler; ein Mann, wie er, der mit allen Hunden gehetzt, nut allen Kniffen und Ränken vertraut ist, hat feine Vorsichtsmaßregeln für jeden Fall getroffen. Er wird Verstecke habm, welche das schärfste Auge nicht ent- deckt.
Er muß überrascht werdm!
Den überraschen Sie nie.
Gut, ich sehe daS ein, wir müssen einen anderen Weg wählen. Wenn die Gewalt nicht hilft, muß die List in dm Riß treten. Timm, Ihr müßt versuchen, in jenes Zimmer zu bringm.
Das ist unmöglich. Er führt die Schlüge! stet« in feiner Tasche; e« ist mir nicht