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Zllarkurg, Dienstag, den 25. August.

1874

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mann fein, der sich um seinen Roggen und Kartoffeln bekümmert, der Schonungen anlegt, Wiesen berieselt, auf Gewinnung feiner Wolle auSgeht und Jagden auf wilde Schweine, Rehe und Hasen veranstaltet, auch ab und zu Füchse hetzt, die auf dem Bar- ziner Terrain in Masse sich aufhalien. Bismarck macht sich aus der sogenannten großen Welt gar nichts; braucht er auf einem Hoffeste nicht zu erscheinen, so rechnet er sich dies als unschätzbaren Zeitgewinn an, auch wenn er inzwischen in Abgeschlossen­heit nur eine Cigarre raucht und in seinem Garten spazieren geht. Ist er vollends auf Urlaub, so schließt er sich gegen Alle ab, und nur mit fünf sechs Menschen zu ver­kehren, die ihm persönlich ganz nahe stehen, ist Genuß für ihn. Kommt Bucher nach Varzin, so ist ihm daS erwünscht, weil ihm an dem alten Stolper Landgerichtsaffeffor mehr der Mensch als Geheime Legationsrath gesällt. Dem ist der Kanzler ganz zugethan; Bismarck hat gerade so viel von Bucher, wie Bucher von Bismarck gelernt. Bucher's Force ist Arbeitskraft und Genialität, Bis­marck hält sich so viel wie möglich jede Ar­beit vom Halse und concentrirt seine Kraft auf die Gewinnung originaler Gesichtspunkte. In der Landeinsamkeit, von keinem vor­tragenden Rache gestört, findet der Kanzler sein ganzes Glück.

Dortmund, 19. August. Das vielbe- sprochene, von einigen Herren dahier im Sinne der Kunst angegangene PreiSauS schreiben von 1000 Thlr. für eine Bismarcks- Hymne hat, wie man der „Essener Ztg." von bester Seile mittheilt, ein solide Basis dadurch gefunden, daß Rudolf Gottschall in Leipzig einen preiswürdigen Text eingesandt hat. Es fehlt nunmehr nur noch der Komponist; für diesen ist der Einsendungs­termin einer Arbeit bis zum 10. November verlängert worden.

Esse», 20. August. Das im Jahre 1810 gegründete und im Jahre 1826 von seinem jetzigen Eigenthümer Alfred Krupp übernommene weltberühmte Krupp'sche Etab- liffement umfaßt einen Flächenraum von circa 1600 Morgen, von benen etwa 300 Morgen überdacht sind. Beschäftigt werden 16,000 Arbeiter und 730 Beamte. Im Jahre 1873 wurden daselbst confumirt: 500,000 Tonnen Kohlen, 125,000 Tonnen

CoakS, 113 Millionen Kubikfuß Wasser und 155 Millionen Kubikfuß Leuchtgas. Zur Verbindung deS EtabliffementS unter sich und mit den Eisenbahnen sind 5 deutsche Meilen normalspurige und 2 Meilen schmal­spurige Eisenbahnen angelegt, auf denen 3 Lokomotiven und 270 Wagen verkehren. Außerdem sind 191 Pferde zum Verkehr vorhanden. Man hat eine Telegraphenleitung mit 30 Stationen und eine Feuerwehr von 70 Mann, ein Wachtpersonal von 166 Mann. Am Etablissement befinden sich 1 Hotel, 3 Bierhallen,',"' 1 Dampfmühle und 1 Dampfbäckerei, die monatlich 1700 Ctr. Brot liefert. Es giebt 206 Beamten- und 2848 Arbeiterwohnungen, ein Krankenhaus m t 100 Betten und ein Epidemien-Lazareth mit 120 Betten. Eine Versicherungskasse besteht gleichfalls, deren Jahreseinnahme im Jahre 1873 auf 48,000 Thlr. kam. So­dann befindet sich dort ein chemisches und ein photographisches Laboratorium und eine Buchdruckerei mit 2 Schnellpressen. Die BergwerkS-Verwaltung umfaßt 414 Gruben mit einem Grubenfeld von 80,000 Pr. Morgen. An Betriebsmitteln waren 1873 im Gebrauch 14 Kuppelöfen, 640 Schmelz-, 264 Schmiede-, 260 Schweiß-, 245 KoakS-, 160 diverse Oesen, 270 Dampfkessel, 286 Dampfmaschinen mit 9230 Pferdekraft, 71 Dampfhämmer im Gewichte von 4340 Cent nern. Die Hüttenverwaltung prodezirt mit­telst 11 Hochöfen pro Monat 10 Millionen Kilogramme Roheisen. Außerdem besitzt die Firma bedeutende Erzlager in Nord­spanien, von welchen sie bis z« 300,000 Tonnen Erze zu importiren beabsichtigt. Für dieses Etablissement ist eine 12 Kilo­meter lange Eisenbahn bereits in Ausführung begriffen.

Dresden, 19. Ang. Wie nunmehr de finitiv bestimmt ist, wird die neue Verwal­tungsorganisation am 15. Oktober d. I. in Kraft treten. Die hauptsächlichsten Vorbe­reitungen für ihre Einführungen sind, dem Vernehmen deS Dr. I. nach, gegenwärtig zum Abschluß gelangt. Jnbesondere sind nach erfolgter Rückkehr des Königs die Er­nennungen der neuen Kreishauptleute und Amtshauptleute bis aus einige wenige Aus­nahmen erfolgt; auch sind im Auschlufle hieran die Entschließungen wegen Anstellung der Assessoren, Expedienten und Bureaudiener

Uebrigens ist eS sehr unvorsichtig, daß Ihr hierher gekommen seid, fuhr Hauenstein fort, die Polizei hat ihre Augen überall und eS soll mich wundern, wenn fle nicht auf Euch ein scharfes Auge gerichtet hielt. Wie leicht könnte Euer Besuch mich in Gefahr bringen und Ihr wißt, daß ich eine HauS> suchung vermeiden muß, wenn wir nicht alle gefährdet sein sollen.

Da haben wir'S! spottete Detlef. Der Schuft droht, er lehnt sich gegen die Be fehle deS Herrn auf. Nehmt Euch in Acht, wenn wir einmal Mißtrauen hegen, so seid Ihr so gut wie verloren; vom Mißtrauen zur Anklage ist nur ein Schritt.

Aus den Pfandleiher schien diese Drohung einen tiefem Eindruck gemacht zu haben, als er den Beiden verrathen wollte, er ging lange in seinem Bureau auf und nieder und die Wolken auf seiner Stirn zogen sich immer drohender zusammen.

War er denn so ganz in der Gewalt dieser Menschen, daß er die Ketten, die ihn an sie fesselten nicht zerreißen konnte?

Mußte er ihren Beschien gehorchen, dm fertigen Nacken unter das Joch beugen, welches fle ihm euferlegten ?

Detlef hatte Recht, seitdem er Mitglied der Bande gewordm war, hatte er keinen eignen Willen mehr und wenn auch fein Trotz, sein Stolz und seine Habsucht sich dawider bäumtm,

Ihr hättet Euch die Mühe ersparen könnm, ich werde heute Abend kommen.

Weßhalb seid Ihr gestern nicht gekommen? fragte Clans unwirsch. Der Herr hat Euch vergeblich erwartet.

DaS konnte er voraussehen, ich wollte nicht eher kommen, bis ich meine Arbeit be­endet hatte.

Flausen, sagte Detlef, kommen mußtet Ihr, der Herr läßt Euch sagen, wmn Ihr heute nicht kommt —

Der Herr soll bebentat, daß ich fein Selave nicht bin! fuhr der Pfandleiher trotzig auf.

Seitdem Ihr Mitglied unseres Bundes geworben seid, habt Ihr zu gehorchen, fuhr Detlef mit scharfer Betonung fort. Wir Alle können oetlangen, daß Ihr Rechenschaft ablegt; hütet Euch, Mann, wir wissen sehr gut, daß Ihr dm Schatz gern für Euch behalten möchtet; laßt die Finger da­von, jeder Schritt, den Ihr thut, wirb überwacht.

Unsinn! spottete Hauenstein, besten Ge­sicht eine erbfahle Bläffe überzog. Ich denke nicht daran, Euch zu betrügen, aber ich werde doch verlangen können, daß man mir die nöthige Zeit gönnt. Ich habe die »er- gangene Nacht durchgearbeitet und werbe heute Abenb kommen.

Thut es, wenn Euch Etter Lehm lieb ist, brohte Claus.

12. C a p i t e l.

Gerhard macht wichtt«« #ntMuwK*.

Conrad Timm eilte, nachdem er das Haus seines Herrn verlaffm hatte, in die Weinschenke, in der Gerhard ihn schon er­wartete.

Der Steuermann schob ihm das volle Glas hin und der Schreiber leerte es hastig auf einen Zug.

Ich habe gestern Erkundigungen über das Fräulein eingezogen, sagte Timm, aber sie lauten nicht so gut, als ich « gehofft und erwartet hatte.

Dann ist Eure Quelle nicht zuverlässig, erwiderte Gerhard ruhig, ich weiß eS bester.

Der Schreiber nickte.

Darin gebe ich Ihnen Recht, großes Zu- trauen kann man in die Quelle nicht setzen, fuhr er fort, Theodor Neumann ist ein Duck- mäuser, dem es auf eine Lüge mehr ober weniger nicht ankommt.

Ich bachte mir, baß biefer Mann Eure Quelle fein müsse. Wenn Ihr mir weiter nichts zu sagen habt, so wat es nicht der Mühe werth, baß ich bie Zeit versäumte, Euch hier zu erwarten. Das soll kein Vor­wurf sein, Timm, im Gegmtheil, ich erkenne Eure Dienste an unb es soll mir lieb sein, wenn Ihr sie auch ferner mir wibmen wollt'

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 234 6flt., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr. berechnet.

Hoho, ein rein Gewissen hat er nicht! höhnte Detlef, al« bie beiden im Bureau dem hgern Manne gegenüberstanden. Weßhalb zittert Ihr, Mann?

Glaubt Ihr, Euer Besuch sei mir angenehm ? Mvlderte Hauenstein, während er hinter sein Bnlt trat und die große Papierscheere ergriff «as sucht Ihr hier?

Euch, weiter nichts, der Herr schickt uns.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Invalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

«meigen nimmt entgegen: Jt Expedition d. Blatte«, EJoie die Annoncen-Bureanx gon Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt o. TL; Saasenstein & Bögler in Santfutt a. SÄ., Berlin, Leip-

Cöln ic.; Rudolf Moss« ^Berlin, Frankfurt a. M. re.

f Es war Älau« und Detlef, die beiden Sertrauten de« „Herrn", welche damals daS allein TvdeSurtheil en dem Berräther vollstreckt fotten.

Aick auf die beiden Gestalten fiel, welche ebeV feine Schwelle überschritten.

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der ihm ein Pfand bringen wollte unb ein ] ^Geschäft, mochte es auch noch so klein sein < । Wie« er nicht zurück.

's In biefer Erwartung sollte er sich getäuscht:

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. Aug. Die „Norbb. Allg. Atz." schreibt: Referenten verschiedener Zei- tungen geben sich in ihren Berichten den Anschein, als sei ihnen über den Inhalt des in der Vorbereitung begriffenen Entwurfs ju einem Unterrichtsgesetze Glaubhaftes be­kannt. Wenn wir schon in Rücksicht auf da» Stadium, in dem sich gegenwärtig die Mreffenben Arbeiten, welche übrigens ununter­brochen unb nachbrücklich gefördert werden — befinden, an der Zuverlässigkeit jener Referate zweifelten, so konnte dieser Zweifel durch den Inhalt derselben nur verstärkt werden. Sv wird erzählt, daß der konfessionelle Ünterricht an den höheren Lehranstalten nicht fvrtbestehen, sondern durch einen konfessions­losen obligatorischen Religionsunterricht er­setzt werden solle; ein Correspondent berichtet sogar, wie eie drei ersten Paragraphen deS „Falk'schen Entwurfs" formulirt seien, und vergleicht sie mit den entsprechenden Be­stimmungen des „Mühler'schen Entwurfs". Unsere Bedenkm gegen bie Richtigkeit dieser Mittheilungen haben sich bestätigt; wir können dieselben nach eingezogener Erkundi­gung al« erfunden bezeichnen. — Die „Pvst" schreibt: Der kaiserliche Gesandte v. Rado- witz wird nächster Tage von Athen zurück- mvartet; derselbe wird während der Ab­wesenheit deS Staatssekretär« v. Bülow in der politischen Abtheilung be« auswärtigen Amtes hervorragend thätig fein und feinen unterbrochenen Urlaub nach der Rückkehr f». Bülow'S fortsetzen.

— Aus Varzin wirb ber „Magd. Z." geschrieben: Ich hatte eS gleich gesagt, für mich wäre nichts bester, als ruhig in Varzin zu bleiben. Nun bin ich nach Kifsingen gegangen und was habe ich gehabt?" So Hnlich äußerte sich Bismarck, al« er in Hinterpommern alte Bekannte sah, die üb­rigens nicht zugeben können, daß die Kffsinger ftur wirkungslos gewesen sei, die aber aller Ding» sich überzeugt halten, gerade nur auf seinem Varziner Dominium gefalle es ihm, unb barutn komme gegen dieses nicht der paradiesischste Punkt Europas in seinen äugen auf. Gesehen hat er deS Schönen genug, unb e« wieder zu sehen, baran liegt ihm nichts. Er will Ruhe haben unb bie Ruhe genießen. Er will, wenn er nicht Kanzler zu sein braucht, schlichter Landedel-

Der Kampf um eine Milli»«.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.) ।

Aber er war noch nicht iu sein Bureau znrückgekehrt, als die Glocke abermals heftig gezogen wurde.

Hauenstein blieb unentschlossen stehen, im ersten Augmblick schim er nicht geneigt zu, fein, die Thür zu öffnen, aber er besann sich wsch eine« Besseren.

Vielleicht war eS ein HülfSbedürftiger,:

bei den künftigen Amtshauptmannschaften und deren Delegationen gefaßt worben.

Mainz, 22. August. Das „Mainzer Journal" veröffentlicht ein Ausschreiben des Bischofs v. Ketteier, die Sedan - Feier be­treffend, worin ausgesührt wirb, baß und warum die katholische Kirche an der Feier sich nicht beteiligen könne. Sie könne dies vornehmlich deshalb nicht, weil die Feier nicht vom gefammten deutschen Volke, son­dern hauptsächlich von einer Partei auSgehe, von einer Partei, welche sich fälschlich als die Vertreterin des deutschen Volkes geberbe unb in der Gegenwart an der Spitze desKampfeS gegen dasChristenthum und die katholischeKirche stehe. Sie könne überdies nicht an gemeinsamen Festen Antheil nehmen, nachdem man soeben das katholische Deutschland für das Attentat eines verkommenen Menschen mit verantwort­lich gemacht. Da aber daS Gebet für das deutsche Vaterland immer bie Pflicht ber Geistlichkeit sei, so gestattet ber Bischof, daß am Tage der Feier ober dem folgenden Sonntage ein Gebet ober ein Bittamt ge­halten werbe, um Gottes Gnabe und Segen über Deutschland zu erflehen und namentlich um Gott zu bitten, daß er un« die innere Einheit wiebergebe, ohne welche bie äußere Einheit nur ein leerer Schein fei.

Augsburg, 22. Aug. Ein Telegramm ber „Allgemeinen Zeitung" meldet die (be­reit» direkt mitgetheilte) Ankunft deö Königs von Bayern in Paris und fügt hinzu, daß dem Besuche deS Königs keinerlei politisches Motiv zu Grunde liege, derselbe vielmehr ausschließlich der eingehenden Bestchttgung der Kunstschätze von Pari« und Versailles gewidmet sei und 8 Tage dauern würde. Ein Mitglied der deutschen Botschaft war dem Könige bis Avricourt entgegengereift.

Straßburg, 21. Aug. Bei ber von ber Behörde beabsichtigten Verpachtung der hiesigen Tabakmanusaktur (Gebäude nebst Lagerhaus unb Fabrikeinrichtung) an ein Consortium von hervorragenden Männern der Communal - und Bodencreditanstalt werden auch die toloffalen Vorräthe an Rohmaterial, Halb- unb Ganzfabrikaten zum Verkaufe kommen. Im Interest« der Fi- nanzen deS Reichslandes liegt es, für die­selben einen möglichst angemessenen Preis zu erlangen, waS durch eine allgemeine Submission oder öffentliche Versteigerung ' .»Ti,

gehorchen mußte er, wenner ni cht sein Lebm verwirken wollte.

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