Einzelbild herunterladen
 

Ur 196

Nkarkurg, Sonnabend, den 22. August

1874

Anzeigen nimmt entgegen: lit «rpedition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cdln k. ; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M- rc.

OberheUihe Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Srpedttion d. Blatte», sowie bte Annoneen-Bureaur von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-: Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a> M.; Jnvalidenbank, A. Rete- meyer in Berlin,- Carl Schütz - ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'lche Buchdruckerei) bezogen 22$ Lgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 35 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr. — Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr. berechnet.

- । ■" IH.l II I

Deutsches Strich.

K.LC. Berlin, 20. August. Die Kaise­rin wird am 7. September ihre Residenz zu Baden Baden nehmen und dort den ganzen September über sich aufhalten. Um 8. Äp- lember empfängt sie daselbst den Besuch der Kaiserin von Oesterreich auf deren Rückreise von der Insel Wight. Im Laufe de« Sep tember wird die Großh. badische Familie, sowie nach den Manöver« der Kaiser in Baden ebenfalls residiren. Außerdem wird daselbst der König Karl von Würtemberg in Gemeinschaft mit dem Kronprinzen von Preußen von Heilbronn ermattet — Der neue amerikanische Gesandte Bancroft-Davis wird am Sonnabend hier erwartet. — Vor­gestern meldete da« „Wolffsche Telegr.-Bür.", daß der Chefpräsident de« Magdeburger Appelatiou-gerichtS, der bekannte Abgeordnete von Gerlach, feinen Abschied eingereicht und denselben bereit« von Gastein au« vom Kaiser bewilligt erhalten habe. Da die Nachricht durchaus glaubwürdig war — Herr v. Gerlach steht bereits im 80. Lebens jähre, ist weit über 50 Jahre im Justizdienst und 30 Jahre in seiner gegenwärtigen Stel­lung — so wurde sie von allen Blättern ohne irgend einen Zweifel in die Richtig­keit zu setzen sofort nachgedruckt. Jetzt er giebt sich indessen, daß 4>ie Quelle, au« welcher da« Wolffsche Bureau angeblich schöpfte, gar nicht vorhanden ist. Es sollte nämlich die „Magdeb. Ztg." die Nachricht zuerst gebracht haben, dieselbe erklärt aber heute, daß dies keineswegs der Fall ist, daß sie aber allerdings ein Abschiedsgesuch des Herrn von Gerlach nicht für unglaubwürdig halte. Wie es nun mit dem Gerüchte steht, ob wirklich ein folcheS Gesuch eingereicht ist oder ob nur ein Druck auf den begreif­licherweise sehr unbequemen hohen Justiz­beamten geübt werden sollte, müßten die nächsten Tage ergeben. Daß eS für den alten Herrn an der Zeit wäre, seine an­strengende richterliche ThStigkeit mit einem

Der Kampf km eine Millian.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

ES ist kein Gedanke daran, daß dieses Frauenzimmer schuldlos sein könne, sagte er, mehr mit sich selbst, als mit seinem Schreiber redend, und eben so wenig darf man hoffen, daß der Dieb zu mir kommen wird, um mir auS jenem Raube ein Pfand anzubieten. Aber könnte man nicht dennoch fünfhundert Mark verdienen? Hm, da« will reiflich überlegt sein, ich werde darüber nachdenken. Timm, eS ist Zeit, schließen Sie, bis zehn Uhr haben Sie Urlaub.

Merkwürdig, daß ich jetzt so oftErlaub- niß erhalte, den Abend draußen zu ver­bringen, spottete Timm.

Ich habe meine Gründe dafür! wallte der Pfandleiher auf.

Das bezweifle ich durchaus nicht.

Ist eS Ihnen vielleicht unangenehm?

O nein, aber angenehmer wäre es mir, wenn ich etwas in der Tasche hätte —

Das find Grillen, Timm!

Hm, ich möchte sehen, wenn sie mit lee­rem Magen an den WirthShäusern und Lä den vorbeiwandern und keinen Schilling besäßen, um den knurrmden Magen zu be- f&nftigen.

Hunger, Timm, ist nur eine Idee, weiter nichts. Wem, man an den Magen nicht denkt, so weiß man nicht einmal, daß man ihn hat; wenn man sich aber mit ihm be- ichäftigt, bann allerdings macht er sich gel­tend.

Daß wir bei solchen Ansichten so mager sind, wundert mich nicht.

Sie sollten mir dafür Dank wissen; ein Schmerbauch ist eine sehr unangenehme Last, um den ich Niemanden beneide. Wenn sie

ruhigeren Leben zu vertauschen, wird Nie­manden zweifelhaft sein, der seine Wirksam­keit im parlamentarischen Leben während der beiden letzten Sessionen des Abgeordneten­hauses beobachtet hat.

— In Betreff des Verfahrens, welches Seitens des Publikums bei vorausbezahlten telegraphischen Antwortdepeschen zu befolgen ist, werden noch immer mannigfache Fehler begangen. ES fei hier das wichtigste für die Behandlung solcher Depeschen gesagt: Der Aufgeber hat die Anzahl der Worte zu bestimmen, innerhalb welcher sich die Ruck antwort zu halten hat. Der Betrag dafür ist vorauSzuzahlen. Der Vermerk wegen freier Rückantwort ist in die Taxirung der UrfprungSdepesche einzuziehen. Enthält die Antwort mehr als die angegebene und vor- ausbezahlte Anzahl Worte, so hat der Auf­geber derselben sie als eine neue Depesche nach dem gewöhnlichen Tarife zu bezahlen. Kann die Ursprungs - Depesche nicht bestellt werden, oder weigert sich der Adressat aus­drücklich, eine Antwort abjufenben, .so be nachrichtigt die Adreßstation den Aufgeber, hiervon mittelst einer Depesche, welche die Stelle der Antwott vertritt. Letzere Depesche hat den Grund der Unbestellbarkeit der De­pesche anzugeben und muß erforderlichenfalls auch die nöthige Aufklärung enthalten, um den Aufgeber in den Stand zu setzen, die Depesche dem Adressaten zugehen zu lassen. Die vorausbezahlten Antwotten müssen inner halb 8 Tage nach dem Tage der Ankunft der Ursprung« Depesche bei der Adreßstation aufgegeben werden. Antwort-Depeschen, wel­che nach Ablauf von 8 Tagen aufgegeben werden, find als gewöhnliche Depeschen zu behandeln.

Darmstadt, 19. Ang. Während man die Vorlage des längst gugefagten Kirchen- gesetzt« schon vor vierzehn Tagen mit voll­ster Sicherheit erwartete, ist dieselbe bis heute nicht erfolgt. Gewissen beunruhigenden Gerüchten gegenüber, als sei an gewisser

Stelle i;t letzter Stunde Anstand erhoben worden, hört man jetzt, daß der Grund der Verzögerung nur ein formeller fei. Während nämlich die ursprüngliche Redaction alle einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen äußer­lich in ein einziges Gesetz zusammengefaßt hatte, sollen jetzt formell mehrere Gesetze daraus gemacht worden sein, hauptsächlich im Hin­blick auf gewisse Eventualitäten in der ersten Kammer, zumal einzelne Bestimmungen zur Giltigkeit verfaffungsmäßig eine Zwei-Drittel Majorität erfordern. Es wird diese Nach­richt geeignet fein, manche ängstliche Ge­mächer, welche die neue kirchliche Gesetzge­bung schon in der Geburt erstickt sahen, zu beunruhigen. — Gutem Vernehmen nach ist man höheren Orts zu dem Entschlusie gekommen, die MarkWährung schon mit dem 1. Januar k I. einzuführen.

Karlsruhe, 19. Aug. Laut Bekannt­machung des Ministeriums des Innern findet die diesjährige SpätjahrSprüfnng über die allgemeine wissenschaftliche Vorbildung der Geistlichen gemeinschaftlich für bie katho­lischen und protestantischen Theologen am 6. October Statt. Es wird sich nun zeigen, ob sich die katholischen Theologen zu dieser Prüfung einfinden werden oder welche Aus­flüchte die Curie abermals in Seene setzen wird. Einigermaßen muß es auffallen, daß der ultramontane „Bad. Beobachter* die be­treffende Ministerial-Bekanntmachung zum Abdruck bringt, wenn wir nicht irren, zum ersten Mal. — Bei dem Festmahl, das am vorigen Sonntag dem altkatholischen Bischof Dr. ReinkenS in Heidelberg gegeben wurde, brachte Ober-Amtsrichter Beck auch die Aus­streuung zur Sprache man habe in höchsten Kreisen eine dem Allkatholicismus abgeneigte Haltung angenommen. Er könne nach un­bedingt sicheren Nachrichten miltheilen, daß dies nur eine kecke Finte der Ultramontanen sei, die heimlich durchs ganze Land verbreitet werde. Heute wird Bischof ReinkenS auf seiner FirmungSreise durch Baden hier ein»

treffen und morgen predigen. — LegationS- rath Dr. Harbeck, Vorstand deS statistifchen Bureau«, ist von der Confermz in Berlin Ende voriger Woche hieher zurückgekehrt und geht demnächst wieder zu der permanenten Commission deS internationalen statistischen CongresseS, welche in diesem Jahre in Stock­holm abgehalten wird. — Der Mathematiker Pros. Königsberger inHeidelberg hat einen Rus nach Dresden angenommen. — Die gestern im hichgen Thiergarten abgchaltene Doppel- feier der denkwürdigen Schlachtage von Wörth und Gravelotte war vom schönsten Wetter begünstigt und verlief vor einem un­gemein zahlreichen Publikum mit Militär- concert, Festrede undJllumination deSGartenS in würdigster Weife.

Heilbronn, 17. Aug. Nachdem der König der Stadl Heilbronn fehlen Besuch auf den 4. September zugefagt hat, zu wel­cher Zeit der Kronprinz des deutschen Reiches sich hier befinden wird, so haben die bürger­lichen Collegien beschloffen, die Anwesenheit der beiben hohen Gäste durch ein Festmcchl im Rathhaussaale und ein Herbstfest zu -feiern. Nachdem bet König den Beschlüssen der Collegien die Genehmigung ertheiit, so werden, dem Vernehmen deS „StaatSanz. f. Würt.« nach, bet deutsche Kronprinz und die übrigen hohen Gäste zu der von der Stadt zu gebenden Feier im Namen des Königs Einladungen erhalten. — Wie die „Neckarztg." erfährt, ist Heilbronn -für die stattfindenden Mannöver zur Aufnahme deS Hauptquartiers bestimmt.

Manche«, 20. Ang. Der Kaiser von Oesterreich hat sich heute Vormittag zum Besuche des Königs von Bayern nach Schloß Berg begeben.

Wien, 20. Aug. In Folge mehr­tägigen heftigen Regens ist gestern der Wasserstand der Donau rapid geftiegen. Bis 12 Uhr Nachts stieg da« Wasser fort­während. In der Leopoldstadt wurden die

sich aber einen Genuß verschaffen wollen, so treten Sie an das Gitterfenster der Küche eine« großen Gasthauses: die Gerüchte wer­den Sie außerordentlich erquicken. Stecken Sie ein Stück Brod in die Tasche und verzehren Sie eS, während Sie die Düste einathmen, aber hüten sie sich, daß Sie sich den Magen nicht verderben. Und nun gehen Sie, Timm, Sie werden finden, daß mein Rath Ihnen mehr werth ist, als wenn ich Jhnm eine Mark gegeben hätte.

Der Schreiber begnügte sich mit einer Erwiderung, welche der Pfandleiher nicht verstand; er mochte ahnen, daß fte keine Schmeichelei für ihn enthielt; das gering« schätzende Lächeln, welches feine Lippen um­spielte, bewies, daß er derartige Bemerk»« gen gewohnt war.

Kaum hatte Timm sich entfernt, als Hauenstein alle Thüren sorgfältig verschloß, dann öffnete er die Thür, welche in den an­stoßenden Raum fühtte.

Er stieg in das Gewölbe hinunter und kehrte gleich daraus mit einer Schatulle zu rüdy die er mit zitternden Händen öffnete. Und al» er nun die Blendlaterne erhob und ihren Schein in die Schatulle fallen ließ, leuchtete und blitzte ihm ein in allen Farben strahlendes Lichtmeer entgegen.

Der alte Mann weidete sich lange an diesem Anblick und wie eS aus der Schatulle ihm entgegenleuchtete, so leuchltte und glühte eS auch in seinen Augen.

Wer das sein nennen könnte! seufzte er er mit gepreßter Stimme.

Soll ich e« wagen?

Wir sind arm, arme Leute! schrie der Papagei.

Erschreckt fuhr der Pfandleiher zufammen, dann warf er fluchend die Thür zu.

Ja, wenn man in die Zukunft blicken könnte! murmelte er und seine dürren Hände verschwanden in den Edelsteinen und Perlen, welche die Schatulle enthielt. Ich wäre ein reicher Mann und drüben sollte Niemand mich wiederfinden. Ich könnte täglich mein Herz an diesem Anblick weiden und sorglos in die Zukunft schauen. Aber die Macht ist zu groß, der erste Schritt würde mich in's Verderben, in ben Tod führen. Ich weiß, daß er nicht spaßt, er kennt keine Gnade, kein Erbarmen. Soll ich eS wagen? Ich darf eS nicht, man beobachtet mich, ich kann das HauS nicht verlaffen oder feine Spione sind mir auf der Ferse. Wieder erhob er die Laterne, ein unheimliches, verzehrendes Feuer loderte in feinen Augen, während auf feiner hohen Stirn große Schweißtropfen sich zeigten.

Ich darf es nicht, wiederholte er noch einmal, aber meinen Tribut will ich haben.

Er schloß die Schatulle wieder und trug sie in das Gewölbe hinunter, aus dem er seufzend zurückkehrte. Was bin ich? fuhr er in feinem Selbstgespräch fort. Das Werk­zeug Anderer, die Faust, welche die heißen Kastanien ayS dem Feuer holen muß. Und er? Wer ist er, der sich diese Herrschaft über unS anmaßt? Die Seele eines großen Körpers, die für den Körper denkt und da­für von jedem Glieds stummen Gehorsam verlangt. Bah, diese Seele könnte ich so gut sein, w e jeder Andere, wenn nur —

Der Klang der Hausglocke brach das Selbstgespräch ab.

Hauenstein schloß die Thür und schritt durch das Bureau in den Hausflur.

Als er zurückkehrte, begleitete Wilken« ihn.

Ich bringe Ihnen die Wechsel zurück, fagte der Letzte,e, sie habm mir gute Dienste

geleistet. Schindler hat mir endlich einen Credit eröffnet, aber schenkt mir noch immer kein volles Vertrauen.

Und meine spanischen Werthpapiere? fragte der Pfandleiher.

Liegen als Depositum in der Gaffe des BanquierS.

Geben Sie mir den Schein, den Schind­ler Ihnen über dieses Depositum au«ge­fertigt hat.

Mißtrauen Sie mir? fragte Wilkens unwillig.

Nein, aber Sie können plötzlich sterben. Jeder ist für solchen Fall gern gesichert.

Der Chef der Firma Wilkens «. Collins öffnete fein Portefeuille und legte den Schein vor den hageren Herrn, der ihn sehr auf­merksam prüfte und bann in seinen Pult warf.

(Fortsetzung folgt.)

XV. C»K|n6 deutscher 8,lks»itthe in SrcfeH.

(17.-80. ««#.)

(Fortsetzung)

Baron Hundt von Hassten (Berlin): e i n wirksame« Mittel gegen den Kontraktbruch, auf dem Lande gebe es in gut angelegten und ge­leiteten Arbeiter-Hilfs- und UnterstützungS- kassen, weil sie einen organischenZusammenhang schaffen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und ersterem ein Pfandvbjekt in dieHand geben; somit eine Fluktuation in der Arbeiter­bevölkerung. Di« Arbeiterfrage auf dem Lande fei viel wichtiger, al« Pensionsnor­mative für Fabrikarbeiter zu erlassen. Er behalte sich vor, eine Resillution in dieser Beziehung vorzubringen. —

Dr. Wolff (Stettin) verwahrt sich gegen Ausdehnung dieser Kaffen -aus dtt platte Land. Redner hat ein für die Idee ober