Marburg, Freitag, den 14. August.
Mr 189.
1874.
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Deutsches Keich.
Berlin, 12 Aug. „Zur Heimkehr des Kaisers" schreibt die „Prov. Corresp." Nach längerer Abwesenheit ist Kaiser Wilhelm in die Heimalh zurückgekehrt, nachdem er .in Ems und Gastein die seit Jahren gewohnte Kur vollendet hat. Während der rauhen Jahreszeit, war der Kaiser von KrankheitS- ansällen heimgesucht worden, die mancher bangen Besorgniß Raum gaben. Indessen hatte die Lebenskraft deS theuren Monarchen i sich schon im Frühjahr wieder aus der Er- I mattung emporgearbeitet, und als er seine Reise antrat, da durfte man auf eine günstige Wirkung der heilkrästigcn Brunnen und Ladequellen um so zuversichtlicher hoffen, als es sich nicht mehr um die Ueberwindung einer Krankheit, sondern nur um die Be- sestigung der schon wieder hergestellten Ge sundheit handelte. Der Wunsch aller patrio- tischen Herzen ist in Erfüllung gegangen: unser Kaiser hat sich selbst unter schroff wechselnden WitterungSverhältnissen eines ungestörten Wohlbefindens zu erfreuen gehabt und kehrt mit sichtlich erfrischten Kräften heim. Obwohl aber der Fürst durch ärztlichen Rath veranlaßt war, die jüngsten Wochen vorzugsweise der Pflege seiner Gesundheit zu widmen, so hat doch auch die Sorge für das Wohl ! deS Vaterlandes keinen Tag geruht, und die gewissenhafte Arbeit zur Bewältigung der Regierungsgeschäste ging ihren regelmäßigen ! Gang Daneben fand der Monarch noch Zeit zu Begrüßungen und Besuchen, die ebenso mit den Pflichten seines hohen SBe ruseS int Zusammenhang standen, wie sie den Neigungen eincS liebevollen Herzens entsprachen. Wenn dem Kaiser in EmS ein zwangloser Verkehr mit dem Kaiser von Rußland besonders wohlgethan hatte, so j wurde ihm später die Freude, sowohl mit dem König von Baiern, wie mit dem Kaiser von Oesterreich Beweise herzlicher Freundschaft auszutauschen und die Kaiserin von Oesterreich persönlich zu begrüßen. So darf der hohe Herr aus die jüngst vergan. genen Wochen als auf eine in Arbeit und Erholung glücklich auSgesüllte Zeit zurück- schauen. „Aufrichtige Segenswünsche haben den Herrscher aus seinen Wegen geleitet und f empfangen ihn bei der Heimkehr. Ueberall, wo diese edle Persönlichkeit, mit allen hohen Gaben des ManneS und des Fürsten aus' f gestattet, erscheint, muß sie Liebe und Ver ' .....■■ 1
Der Kampf m» eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Du wirst daran denken, Gerhard wenn tu Deinen Entschluß ausführst. Täusche Dich nicht selbst; wenn die Leidenschaft einmal geweckt ist, dann lodert sie immer wilder, verzehrender empor und jeder Tag, jede Stunde, jeder Gedanke, und jeder Traum gießt neue» Oel in diese Gluthen. Wir ; wollen ruhig und ohne Leidenschaft darüber ttbtn. Ist das Mädchen eine Betrügerin, so weiß ich, daß Deine Leidenschaft der Ver- »chtung weichen wird; ich kenne Deinen Achen, ehrenhaften Charakter, der alles Schlechte und Gemeine verachtet. Aber ich kenne auch seine zähe Festigkeit, ich weiß, laß er vor keiner Schwierigkeit, keinem Hin- lrmiß zurückjchreckt, wenn er sich für eine Zdee begcistert hat und nun diese Idee zu verwirklichen strebt. Wohlan, lassen wir den ersten Fall unberücksichtigt, ich bin in diesem Punkte ruhig und das Geschwätz müßiger Zungen, die freilich mit Gift und Galle über Dich herfallen werden, hat mich nie beirren können. Nehmm wir also an, das Fräulein sei, wie Tu behauptest, schuldlos Und tugendhaft.
Das ist sie, Vater!
Die Zeit wird eS lehren; nehmen wir kt einstweilen an, Du bemühst Dich, ihre
ehrung gewinnen; aber die deutsche Nation weiß, wie innig ihre Geschicke mit dem ehrwürdigen Haupte verwachsen, auf dem mit der Krone des Reichs das Wohl deS Vater lande» ruht. Deshalb steigt aus dem Herzen des Volkes das heiße Gebet, daß der Kaiser in rüstiger Kraft deS Leibes, wie der Seele, dem Reiche noch lange erhalten bleiben möge." — Dasselbe Blatt meldet ferner, anderweitige Mittheilungen bestätigend: Seine Majestät beabsichtigt, zu Anfang des nächsten Monats nach Hannover zu gehen, um den Tauffeierlichkeiten deS erstgeborenen SohneS des Prinzen Albrecht beizuwohnen und dann Truppenmusterung abzuhalten. Gegen Ende desselben Monats ist, wie alljährlich um diese Zeit, eine Reise nach Baden-Baden in Aussicht genommen.
— Die Stellung der europäischen Großmächte zur spanischen Republik, schreibt die „Prov.-Corresp.", (in einem Th eil der Auf läge gestriger Nr. bereits telegraphisch im Auszug gemeldet) ist seit Kurzem zum Gegenstand amtlicher diplomatischer Unterhandlungen gemacht worden. Im Angesicht der Gräuel, durch welche die unter karlistischer Fahne kriegführenden Banden die angeblich von ihnen vertretene Sache der Religion und des Königthums schänden und den Abscheu der gesitteten Welt Hervorrufen, hat die Reichsregierung sich veranlaßt ge- funden, in einem an ihre Vertreter bei den europäischenMächten gerichteten Rundschreiben die Gründe zu entwickeln, welche unter den obwaltenden Umständen eine ungesäumte An erkennung der gegenwärtigen Regierung Spaniens befürworten. Obwohl unbestreitbar die völkerrechtswidrige Erschießung des ehemaligen preußischen Hauptmanns Schmidt und die dadurch hervorgerufene Erregung der öffentlichen Meinung in Deutschland den Anstoß zu dem jüngsten Schritt der deutschen Politik gegeben haben, so liegt derselben doch jeder Gedanke einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens fern. Wenn die Rcichsregierung die Absicht kundgiebt, in Gemeinschaft mit den europäischen Mächten ihre bisher nur officiösen Beziehungen zur Republik Spanien in ein regelmäßiges völ kerrechtliches Derhältniß umzuwandeln, so offenbart sich darin thatsächlich die Achtung vor der Selbstständigkeit und der Unabhängigkeit deS spanischen Staates. Die deutsche
Unschuld zu ermitteln, Du wirst auf Schwierigkeiten stoßen und sie überwinden, Du wirst nach langem Sorgen, Ringen und Kämpfen die Beweise erhalten und die Unschuldige befreien. Was dann?
Dann — Vater —
Ja, dann ist Deine Weisheit zn Ende und der Verstand wird mit Deinem Herzen da von laufen. Es ist ja mit Sicherheit vor auszusehen, daß die täglich wachsenden Gluthen Deiner Leidenschaft sich dann nicht mehr dämpfen Io ff en, daß auch in der Seele derer, welche Dir die Rettung ihrer Ehre und Freiheit verdankt, ein stärkeres Gefühl als das der Dankbarkeit erwachen wird — Das würde mich unnennbar glücklich machen. Nun, da haben wir'S Du denkst schon jetzt mit Entzücken an den Augenblick, iu welchem sie in Deine Arme sinken wird.
Der alte Herr schwieg, er trat langsam an's Fenster und blickte sorgenvoll hinaus.
Wer kann jetzt schon wissen, ob Deine Schlußfolgerungen eintreffen, brach Gerhard nach einer Weile da» peinliche Schweigen, warten wir eS ruhig ab —
Nein, Gerhard, man muß festen Blickes in die Zukunft schauen können und stets bedenken, zu welchem Ziele der Weg führt, den man einschlagen will, fiel der alte Herr ihm ernst in'» Wort. Wenn jener Fall eintritt, an den Du schon jetzt mit Entzücken
Politik hat bei Behandlung der spanischen Angelegenheiten ersichtlich den Wunsch, der Sache der Ordnung in jenem unglücklichen Lande und den Jntereffen des europäischen Friedens einen Dienst zu leisten. Wenn die übrigen europäischen Mächte sich den Absichten der Reichsregierung anschließen, so wird das einmüthige Auftreten Europas schon unmittelbar eine moralische Wirkung auSübm, die geeignet fein dürfte, zur Beruhigung der öffentlichen Meinung beizutragen und die Aussicht auf Beendigung deS Bürgerkrieges in Spanien näher zu rücken.
— Der bisherige Präsident des Reichs- EifenbahnamtS Geh. Rath Scheele, welcher nunmehr die Amtsgeschäfte seinem Nachfolger Geh. Rath Maybach, vollständig übergeben hat, hat bei seinem Austritt auS dem Reichsdienst, den Stern zum Rothen Adler- Orden zweiter Klaffe mit Eichenlaub erhal- ten, da das ReichSeisenbahnamt erst am 16. September v. I. constituirt wurde, so hat Präsident Scheele eine noch nicht ganz einjährige Amtsführung hinter sich, aus welcher trotzdem eine ganze Reihe von Arbeiten zu verzeichnen sind, die das Eisenbahn wesen von Grund aus reformirten. So in erster Linie das Reichseisenbahngesetz, dann die Revision des Eisenbahnbetriebs- und des Bahnpolizei - Reglements , die Einführung einer gleichmäßigen Signalordnung, die Reform der Tarife, die Nachweisungen der aus den Bahnen vorgekommenen Zuzverspä tungen, die Ueberwachung der Fahrpläne für den durchgehenden Verkehr, die Theil- nahme an Feststellung der Ursachen von Eisenbahnunsälle», die Vorbereitung einer Eisenbahnftatistik u. a., Arbeiten, die zum Theil noch in der Einleitung begriffen oder erst im Entwürfe fertig sind und noch der Annahme durch die gesetzgebenden Factoren bedürfen, sicherlich aber von der regen und gedeihlichen Thätigkeit des scheidenden Präsidenten ehrenvolles Zeugniß ablegen.
— Ufber die Verhandlungen der Sachverständigen Commission, welche die Grundsätze für einheitliche Ordnung des Apothekerwesens feststellen soll, verlautet, daß die Frage wegen Ablösung der Privilegien doch große Schwierigkeiten macht und auch hinsichtlich des ConcessionSwesenS die Meinungen noch sehr auseinander gehen. Die mehrfach verbreitete Ansicht, als sei die Regierung unbedingt für Beibehaltung deS denkst, so wird eine Klippe vor Dir legen, an welcher schon mancher Charakter geschei tert ist. Du wirst Dich rückhaltslos dem Glücke hingeben, Deine Leidenschaft wird die Liebe des Mädchens entflammen und gar bald dem Taumel des Sinnenrausches die Ernüchterung folgen. Du bist reich, geachtet, angesehen. Dir steht die Welt mit allen Freuden offen, Du hast Niemanden Rechenschaft abzulegen, wenn Du den schäumenden Becher leerst, den daS Leben Dir bietet. Sie hingegen ist arm, eine Clavierlehrerin, sie kann Dir nichts bieten, als ein schönes Gesicht —
Und ein Herz voll Liebe!
Hm, diese Redensart ist zu alltäglich, als daß ich sie näher erörtern möchte. Wenn Du aus deqr Rausche erwachst, wenn Du einsiehst, daß eS nur ein Rausch war, so hast Du ein tugendhaftes Mädchen elend und unglücklich gemacht, ihre Ehre geschän bet, ihr Leben vergiftet.
Vater, das wäre eine Infamie 1 rief Gerhard in leidenschaftlicher Erregung.
Gewiß, erwiderte der Banquier gemessen, aber lehrt nicht die Erfahrung täglich, daß die Welt über eine solche Infamie leichtfertig hinweggeht? Und muß dieses gelinde Urtheil nicht auch den besten Charakter verführen, die heiligsten Bande zu zerreißen, wenn sie ihn drücken?
ConeessionswesenS, hat sich als völlig irrig erwiesen, wie denn überhaupt seitens der Regierung als Zweck der Conferenzen lediglich die gutachtliche Aeußerung der Sachverständigen über daS Apothekerwesen behufs Benutzung als Material für die spätere Gesetzgebung bezeichnet worden ist. Sehr gedeihliche Resultate wird die Conferenz in erster Reihe bezüglich deS ihr vom Bundes- rathe erteilten Auftrages erreichen: „die bezüglich der Prüfung der Apotheker bestehenden Vorschriften unter Berücksichtigung der auf Abänderung gestellten Anträge einer Begutachtung zu unterwerfen und eventuell über die Formnlirung der an den bestehenden Vorschriften zu treffenden Aenderungen Vorschläge zu machen." ES ist anzunehmen, daß die Conferenz den Entwurf einer neuen pharmaceutischen Prüfungsordnung aufstellen werde, welche nicht nur dem Bedürfniß der einheitlichen Ordnung, sondern auch der Beseitigung mancher hervorgetretenen Uebel- stände Rechnung tragen wird.
Posen, 12. Aug. Der „Kuryer Poz- nanski" meldet, daß die ausgewiesenen Geistlichen, Dekan Michalak in Droszew und Probst Echaust in Skrzebani, ihren Protest gegen die Anordnungen der staatlichen Diöcesanverwaltung zurückgezogen und daraus die Erlaubuiß zur Rückkehr in ihre resp. Sprengel erhalten haben.
Koblenz, 12. Aug. Die Ortspolizei, behirden des hiesigen Kreises sind angewiesen worden, die Vereinigungen des Mainzer Katholikenvereins zu Kobern, Dieblich, Kärlich, Mühlheim, Urmitz, Rhens, Bendorf, Sayn und Weitersburg, sowie den katholischen Männerverein in Sayn unverweilt polizeilich zu schließen.
Kisfiuge«, 12. Aug. Fürst Bismarck ist heute Vormittag 9 Vs Uhr von hier abgereist. Ueber den Erfolg der Kur hat sich der Fürst wiederholt auf das Günstigste ausgesprochen. Derselbe wurde vor dem Hause, in dem er gewohnt hatte, sowie aus dem Bahnhofe von dem Publicum aufs Wärmste begrüßt. Der behandelnde Arzt des Fürsten, Dr. Diruff, ist zum bayerischen Hof- rath ernannt worden.
AngSburg, 12. Aug. Die Protest- schrist, welche der Erzbischof von München- Freising in Betreff der Firmung deS alt- katholischen Bischofs ReinkenS direct an den König abgefandt hatte, ist, der „Augsburger
Ich aber schwöre zu Golt, daß ich mich nie ihrer schuldig machen werde.
So mußt Du dem Mädchen mit Deinem Herzen auch Deine Hand schenken.
Ist fie meiner Liebe würdig, Vater, bann halte ich sie auch wetth, meine Gattin zu werden.
Der Blick deS BanquierS ruhte forschend auf dem Antlitz des SohneS, der mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen vor ihm stand.
Diese Augen, die ihn so entschlossen, aber auch so ehrlich anblickten, konnten nicht lügen, sie warm ein Heller, fleckenloser Spie- gel, durch welche der alte Herr in die innersten Tiefen der Seele schaute.
Man wird hart über Dich urtheilen, über diese Mesalliance spotten, sagte er warnend.
Ich bin darauf gefaßt, erwiderte Gerhard ruhig, ich Haffe die Vorurtheile, deren Sklave ich nimmer werden mag.
Man wird Deine Braut verleumden, Dir öffentlich Demüthigungen bereiten.
Gegen die Kabale bin ich gewappnet!
So würdest Du also entschloffen Deinen Weg verfolgen und nicht rechts noch links abweichen? fragte der alte Herr.
Ich würde eher mein Leben als meine Ehre opfern.
Nun denn, mein Sohn, so wandere in Gottes Namen »eiter, sagte der Banquier,