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I Mr. 188

Nlarkurg, Donnerstag, den 13. August.

1874.

Anzeigen nimmt entgegen: X «webition d. Blatte», ioipie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frantfurt a. M.; Laasenstein & Vogler ,n Frankfurt a. M-, Berlin, Leip- jig, Mn rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

©brrfjrlTifdjr Jnlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Qtytbttio« d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutta,, M-; Jnvalidendank, A. Retr- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter de» deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr. Für in der Expedition zu ettheilende

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Deutscher -teich.

Berlin, 11. Aug. [(Sin Zeugniß eines Mannes der Wissenschaft.^ Erwägt man, daß es nur etwa zwei Decennien sind, seit­dem die Jesuiten einen Einfluß auf die eben so ehrgeizige und seibstherrische als in reli giSsen und politischen Visionen befangene Persönlichkeit de« Papstes Pius IX. zu er­langen gewußt haben, daß ihr General die allein maßgebende Macht in der römischen Kirche ist, so gewahtt man unermeßliche Erfolge und kann sich des Staunens nicht ! erwehren, was diese Pioniere der Finsterniß und der Priesterherrschaft aus ihrer Kirche sogar in Deutschland haben machen können. Die Thitigkeit der Jesuiten ist einerschrecken­der Beleg, wie schnell selbst in unserer Zeil die sich der Civilisation, der weiten Verbrei­tung der BUdung zu rühmen pflegt, der stumpfsinnigste Aberglaube, der widerlichste = mit Menschen, der Fanatismus und die Un­duldsamkeit bei einer schlauen Spcculation auf die Schwächen der menschlichen Natur aus ihren Schlupfwinkeln citirt und zu einer furchtbaren Macht unter geschickter Leitung organisirt werden können. Die Jesuiten wisien ganz genau, daß sie mit den Massen immer leichtes und bequemes Spiel haben: \ deßhalb war ihr nächster Zweck die Purist cirung des CleruS, aus dem der Geist der freien Forschung und der Wiflenschaft ge­tilgt werden mußte. Es kam darauf an, zunächst die Wissenschaft katholisch zu machen, s d. h. Automaten, sei eS Professoren, sei es f Cleriker, zu erziehen, die nur das lehren, «aS der Jesuiten-General befiehlt und mit i der Bildung und Erkrrmtaiß der Zeit in gar keinem Connex stehen. Welche Resullate der JesuitismuS erzielt hat, das beweist der ^Conflict des Staates mit der Hierarchie tagtäglich: Generationen werden vergehen, f ehe das Gift, welches der JesuitismuS dem deutschen Prirsterstande eingcflößt hat, besei­tigt werden wird. Wohl giebt eS auch heute noch katholische Priester, die, Söhne einer \ besseren Zeit, ihrem hehren Berufe Ehre machen und mit Abscheu von der in Politik machenden und nach weltlicher Macht ft« benden Kirche sich abwenden: ihre segenS reiche Thätigkeit bleibt aber im Verborgenen und ihre Stimme wird von der Caplan- presse, diesem ihrer würdigen, neuen Rüst­zeuge der Jesuiten, übertönt. In unseren Tagen ist eS eine große Seltenheit, daß rin

Der Kampf m» eine Millian.

Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.)

Max preßte die Lippen fest auf einander, er gedachte der Behauptung, welche Gerhard am Abend vorher ausgestellt und so zuver- sichtlich vertheidigt hatte; er fürchtete, daß ihm ein Wott entschlüpfen könne, welche« : auf diese Unterredung Bezug hatte.

Heirathen? nahm Sir Atthur da« lpräch wieder auf, als der junge Herr hinaus- gegangen war. Das ist ein große« Wott, Herr Schindler und Sie spnchen e« sehr gelassen au«.

Du lieber Himmel, Sir, ich gebe Ihnen tat besten Rath, den ich Ihnen nur geben kann, lachte Herr Eduard Schindler, befol­ge Sie ihn, dann werden Sie finden, baß tr vortrefflich ist. Der Baronet wiegte leicht das Haupt und blickte, während er den Spitzen feines Backenbartes drehte, Nachdenklich vor sich hin.

Ich habe mir das auch schon oft gesagt, brach Sir Delavalle nach einer geraumen Beile da« Schweigen, aber ich bin in dieser Beziehung wirklich etwa« furchtsam. Die Gingst, daß ich mir einen Korb holen könnte, Mit mich stets ab, den entscheidenden Schtttt p thun. Und dann auch, Herr Schindler, Mbe ich Feinde, welche mir die größten bchwirrigkeilm und Hindernisse in den Weg

Gelehrter, der der römischen Kirche auge- hört, seine wissenschaftliche Ueberzeugung mit Freinmth und Offenheit bekennt; und er­innert man sich der Caplanpreffe, die an Unverschämtheit, Verlogenheit und Scandal- sucht Unüberttoffenes leistet, und ähnlicher auf die Einschüchterung und die Vergewal- tung der Menschen berechneter Institute der heutigen römischen Kirche, so wird man sich darüber nicht wundern. Um so mehr Anerkennung verdienen diejenigen Männer, die den erwähnten Instituten die gebührende Verachtung entgegensetzen und der Wahrheit die Ehre geben. In die Kategorie dieser hervorragenden Persönlich­keiten gehört der Rector der berliner Univer­sität im vergangenen Jahre, der Mathematiker Wcyerstraß. In einer am 3. c. zum Ge- dächtniß an König Friedrich Wilhelm HI. gehaltenen Rede behandelte Herr Wcyerstraß die Aufgabe der Universitäten, ihre Mitglieder zu guten Menschen und Staatsbürgern zu erziehen, gab eine Ueberstcht über die Ge­schichte der Universitäten uno wies nach, wie die von ihm formulirte Aufgabe gerade in unfern Tagen augenfällig fei. Weil Wcyerstraß Katholik ist, so haben seine treffenden Bemerkungen über die immense Bedeutung Luther« und der Reformation für die Universitäten, auch für die katholischen, ein ungemeines Interesse. Der Redner weiß sich aus seiner Jugend noch der herr­lichen Tage zu ettnnern, als in den Bücher- sammlungen kqiholischer Priester und Gelehr­ten Kant'« Kritik der reinen Vernunft neben Nathan dem Weisen gewöhnlich auzutreffen war und bemerkt ersichtlich mit tiefem Schmerz, daß diese Generation, die glückliche Zeitgenossenschaft der Wessmberg, Fürsten­berg, Seiler u. s. f., der Vergangenheit an­gehört. Wenn wir nicht inen, war Weyer- straß dereinst Lehrer am Gymnasium in LraunSberg: auch das Ermland hat sich fttedlicher, glücklicher Zeiten und trefflicher Seelenhirten zu erfrmen gehabt, al« Hohen zollern und der ehrwürdige Hatten seinen Bischossstuhl zierten: erst Cremenz darf sich rühmen, das Signal zu konfessionellen Streitigkeiten und zur Auflehnung gegen das Gesetz gegeben zu haben, wenn gleich sein Vorgänger Geritz bereits von der mil­den, echt christlichen Haltung seiner Vor­gänger etwa« abgewichen war. Damals war aber Trotz und Empörung gegen di«

legen würben, wenn sie wüßten, daß ich die­sen Schritt thun wollte.

Wie so? fragte der Banquier befremdet. Wer könnte Ihnen etwas in den Weg legen?

Habm Sie noch nie bi« Macht der Da­men kennen gelernt?

Ich verstehe Sie nicht.

Nun, ich will Ihnen reinen Wein ein- schenken. In der Nähe des Landgutes, wel­che« ich in der letzten Zeit bewohnte, residirt eine altenglische Familie, welche sich zweier heirathssähiger Töchter erfreut. Diese beiden Damen, welche weder den Vorzug der Jugend, noch den der Schönheit, noch den der Lie­benswürdigkeit genießen, hegten die sichere Erwartung, daß ich unter ihnen wählen würde.

Ach nun verstehe ich! rief der Banquier lachend.

Nicht ganz, Herr Schindler, Sie kennen einstweilen nur den Umriß, nicht die Schat- tirung. Nachdem diese Damen sich in ihrer Erwartung getäuscht sahen, schmiedtte die ganze, weit verzweigte Familie ein Complott gegen mich, sichere Anzeichen lasten mich vermuthen, daß sic mich zwingen will, al« letztes RtttungSmittel au« der langweiligen Einförmigkeit de« Junggesellenstande- dennoch diese Wahl zu treffen und da muß der Zweck jede« Mittel heiligen.

Obrigkeit vom Papste noch nicht als Gott wohlgefälliges Werk empfohlen worden; die Gefängnisse galten noch als CorrectionSanstalten, die Eigenschaft von ihnen, daß sie zur billigen Erwerbung der Martyrerkrone und zur wühlerischen Agi- taticn gegen den Staat sich verwerthen lassen, sollte noch erst vom Pater Bckx ent­deckt werden. In einer Zeit, wo das Ober­haupt der römischen Kirche kein Bedenken trägt, der Widerstand gegen da« Gesetz und die Auflehnung gegen die Obrigkeit zu er­muntern, wo der Vatican alle Mittel in Bewegung setzt, nm die Gemüther der Men­schen zu verwirren, die Massen zu fanati- siren und den confessionellen Streit in Deutschland zu entzünden, haben solche Kundgebungen wie die des Prof. Weyeästraß etwas Erhebendes, und krrftigen die Zuver sicht, daß die Vernunft doch den Sieg über Priesterherrschsucht und die Mächte der Finsterniß davontragen wird.

Der Bundesrath wird sich nach Wieder beginn seiner Arbeiten wieder der Revision des Strafgesetzbuches zuwcndm und zunächst die Frage zur Entscheidung bringen, ob und wie weit überhaupt mit der Revision vorge­gangen werden soll. Diese Angelegenheü liegt so, daß zunächst die Bundesregierungen zur Aeußerung über die Bedürfnißfrage aus­gefordert waren und diese wieder die Ge­richtshöfe zur Berichterstattung herangezogen hatten. Diese Arbeiten sind noch nicht voll­ständig zum Abschluß gelangt. Die Errich­tung einer Abtheilung des Reichskanzleramtes für Justizwesen ist nach Mittheilung au«, wäniger Blätter beschlossene Sache; man wird im nächsten ReichshauShaltS-Etat be rett« der Etalisirung der neuen Behörde entgegensehen können und bei dieser Gelegen heit auch eine Besprechung der Einrichtung im Reichstage erwarten dürfen. Zur Zeit ist über den Umfang derselben noch nichts bekannt, als daß die Vorbereitungen dazu so getroffen, daß da« Reichs-Justizamt schon mit dem 1. Januar k. I. in das Leben treten kann. Die Idee ist nicht neu, aber wiederholentlich an allerlei Zufälligkeiten ge scheitert. ES war beabsichtigt einen beson­der« angesehenen Juristen an die Spitze zu stellen.

Herford, 6. Aug. Da« Hermanns- Denkmal. Die mancherlei Schwierigkeiten, welche sich der endlichen Fertigstellung be«

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Sir, ich glaube, diese Befürchtungen gehen zu weit. Wie kann eine Familie und wäre sie auch noch so mächtig, einen solchen Zwang ausüben?

Setzen wir den Fall, ich werbe um die Hand einer jungen Dame, sei es hier oder in Wien oder irgend einer anderen Stadt, erben bie Eltern ber Dame sich nicht ver­pflichtet halten, in meiner Heimath Erkun­digungen über mich cinzuziehen, bevor sie ihre Einwilligung geben? Nun ist ein Ver­wandter ober ber Freund eines Verwandten jener Familie in dem Hause thätig, welches um Auskunft gebeten wird ober er erhält durch einen Zufall Äenntnijj von der be­treffenden Anfrage, wa« liegt näher, als daß er dafür Sorge trägt

Sir, jeder vernünftige Mann kann Wahr­heit von Verläumdung unterscheiden.

Sagen Sie da« nicht, man glaubt weit eher das Böse als das Gute. Ich aber möchte mich diesen Unannehmlichkeiten nicht aussetzen.

Er brach ab, Max brachte die Banknoten, er blieb stehen, bis Sir Delavalle sie ge­zählt und den Empfangschein unterschtteben hatte.

Herr Wilkens, Firma Wilken» u. Collins, wünscht uns ein Depositum zu übergeben, sagte er mit gedämpfter Stimme zum Banquier,

im Teutoburger Wald errichteten Hermanns- Denkmals entgegenstellen, lasten, wie jetzt wohl mit vollster Gewißheit angenommen werden darf, die feierliche Einweihung am 2. September b. I., wie solche« beabsichtigt war, nicht zu. Es wirb dieser feierliche Akt wohl erst hn Laufe des nächsten Som- wer« stattfinden. Da« ganze Denkmal, nämlich der Unterbau und da« in Kupfer getriebene Standbild, erreicht vom Fuße bis zur Schwertspitze eine Höhe von 1831/2 Fuß. Davon kommen auf den aus Sandstein aufgeführlen Unterbau 93V2 Fuß und auf die Figur des Cherusker-Fürsten bis zur Schwertspitze 90 Fuß.

Stuttgart, 6. August. Moritz Mohl ist bekanntlich bei den letzten Reichstagswah­len gegen einen klerikalen Mitbewerber un­terlegen. Dadurch ist ihm zwar das Wort auf der Tribüne zur Erleichterung seiner Kollegen versagt, aber keineswegs der Eifer gedämpft worden, in volkSwitthschaft- lichen Dingen seine unfehlbare Meinung vorzutragen. Nur daß er jetzt auf Broschü­ren angewiesen ist, während früher daS ste­nographische Protokoll für die Unsterblichkeit seiner Weisheit sorgte. Der Entwurf eines Reichseisenbahngesetzes hat ihn jetzt zu einer geharnischten Streitschrift veranlaßt, worin er in den schwärzesten Farben die unauS- bleiblichen Nachtheile ausmalt, welche die Durchführung diese« Gesetzes über Deutsch­land verhängen würde. Einmal ist es wider die Reichsverfassung und würde eine uner­trägliche Mediatisirung für die einzelnen Staaten herbeiführen. Sodann würden die Finanzen dieser Staate« gänzlich ruinirt, wenn das Reich Privatbahnen eoncestioniren würde, welche den Hauptverkehrslinien der Staaten Concurrenz machten. Endlich wird nicht verfehlt, auch auf bie sittlichen Nach­theile hinzuweisen, welche fast untrennbar mit ber Concessionirung von Privatbahnen ecrbunben seien. In Vieser Hinsicht mag Mohl Recht haben; wa« aber seine Prophe­zeiungen vomfinanziellen Ruin" betrifft, ko kennt man biefe stereotype Melodie M. Mohl'« vom Zollverein, vom französischen Handelsverträge und vielen anderen An- lästm her, und da er sich mit seinem finanziellen Ruin" noch immer als falscher Prophet erwiesen hat, wird er wohl auch diesmal nur auf mäßige Wirkung rechnen dürfen.

dessen Blick nachdenklich auf den Banknoten ruhte.

Schon wieder, erwiberte Eduard Schind­ler. Herr Wilkens scheint die Verbindung mit un« forciren zu wollen. Wie hoch ist die Summe und worin besteht das De- positium?

In spanischen Werthpapieren.

Nennwerth?

Ungefähr zehntausend Mark.

Nun meinetwegen.

Er wünscht, daß wir ihm einen Grebit bis zur Höhe bes DeposttiumS einräumen.

Nicht mehr als fünftausenb Mark. Lieber Himmel, ich muß doch vorher bie Antwort bes Hauses in Bombay abtoarten Vorsicht ist bie Mutter ber Weisheit.

Unb des Porzellanhandels, fügte Sir Delavalle lächelnd hinzu.

Hier, mein Herr, ist die Quittung, ich werde binnen wenigen Tagen Ihnen einen neuen Kreditbrief meines Londoner Bank­hauses einhändigen.

Max verbeugte sich schweigend; nach den Beobachtungen, bie er bis jetzt gemacht hatte, konnte er daS Mißtrauen seines Freun­de« gegen den Baronet nicht theilen.

Herr Wilkens scheint sich ja außerordent­lich um eine engere Verbindung mit Ihnen zu bemühen, sagte der Engländer, während