Marburg, Mittwoch, den 12. August.
1874L
Mr. 181
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DentschcS Keich.
Berit«, 10. August. Beide kaiserliche Majestäten sind gestern im besten Wohlsein aus Schloß Babelsberg eingetroffen. — Fürst Bismarck wird voraussichtlich um die Mitte dieser Woche zu kurzem Aufenthalt in Berlin eintreffen, um Se. Majestät zu begrüßen. Rach zuverlässigen Bttichten hat hat das Befinden des Reichskanzlers sich in den letzten Wochen nicht unerheblich gebeffert; doch ist die heilkräftig« Wirkung des Kurge- brauchs mit einer gewissen Ermattung verbanden, die das Bedürsniß der von den Aerzten dringend empfohlenen Schonung deutlich genug hervortreten läßt. Namentlich es in Kisstngen vielfach an dem Ver- stindniß für die durch den Gesundheitszustand des Reichskanzlers gebotene Rücksicht gefehlt. Das Publikum verfolgte den Fürsten mit Huldigungen aller Art und mit Beweisen einer Aufmerksamkeit, welche dem hohen StaatSmanne den Genuß einer spärlich vergönnten Muße verkümmerte und einen zwanglosen Aufenthalt im Freien fast un-- möglich machte. Die „N. «llg. Ztg." knüpft an diese Mittheilung die Hoffnung, daß die patriotische Bevölkerung der Hauptstadt die Gefühle der Theilnahme und Verehrung durch schonende Zurückhaltung bethätigen und alle geräuschvollen Kundgebungen vermeiden wird, die den günstigen Erfolg der Kur in Frage stellen könnten. — Die „Germania" hat vor einigen Tagen den Wunsch nach einer „aktrnmäßigen Untersuchung" der Ermordung drS Hauptmann Schmidt durch die Karlisten ausgesprochen. Für ein Blatt dieser Farbe war diese Forderung, wie wir nachträglich bekennen müffen, noch sehr anständig; die Konfratres der „Germania" an der Seine find auch ohne „aktenmäßige Untersuchung" mit ihrem Ur- theil fettig. So läßt die fromme „Union" fich folgendermaßen vernehmen: „Der „National", das „Evsnemmt" und andere patriotische Blätter fahren fort, den „sieur“ Schmidt zu beweinen, der von dem Kriegsgericht von Estella zum Tode verurtheilt worden ist. Welche der drei Eigenschaften, eines Preußen, eines Spions und eines Feiglings verschafft ihm diese republikanischen Sympathien? In
Der Kampf «« eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Gut, glauben Sie nun, daß —
O, ich weiß, welche Bedenken Sie dagegen erheben wollen, Sir; ich bitte Sie, sprechen Sie heute noch nicht darüber. Gechard wird unter keinen Verhältnissen jemals seiner Ehre etwas vergeben, er wird sein Wott einlösen, sollte er auch selbst darüber zu Grunde gehen. Schon in seiner Kindheit »ar er in allen Stücken fest und ehrenhaft, bie Gefahren, denen er seitdem in’« Auge schäum mußte, haben seine Gesinnungen nicht geändert, wohl aber seinen Character Schärtet. Und deshalb bin ich ruhig, was auch kommen mag. Gerhard wird feiner Familie keine Schande machm.
Auf diese Vettheidigung darf er froh sein, «ein Fräulein!
Weshalb? ES ist feine Pflicht, so zu handeln, und Niemand darf stolz darauf sein, daß er seine Pflichtm erfüllt.
Seine Pflicht, wiederholte der Baronet, leicht daS Haupt wiegend. Seine Pflicht, seiner Familie Schande zu bereiten?
Jnwiefem konnte er ihr eine Schande bereiten?
Wäre e- keine Schande, wenn er eine Dirne in diese Familie brächte?
Sir! sagte das Mädchen vorwurfsvoll. Wissen Sie, ob es eine Dirne ist? Wenn auch meinem Bruder die Erfahrungen in biesem Punkte fehlen, so besitzt er doch Menschenkenntniß und Einficht genug, um
allen Heeren werden die Spione erschossen; aber manchmal erkaufen sie in bett letzten Augenblicken diese Eigenschaft durch den Muth des Soldaten, der zu sterben weiß. Der sieur Schmidt hatte nicht einmal den Muth feiner Profession. Er hat in Spanien nur die göttliche Gerechtigkeit gefunden; welcher Franzose könnte dm bedauern, der sich der Achtung und des Mitleids unwürdig gemacht hat?" Die schamlosen Schmähungen der Jesuitenblätter sind ein Ehren- denkmal aus dem Grabe Schmidts; zu be dauern wäre er, wenn die Achtung und das Mitleid der „Union" und ihrer Parteigänger ihn in's Jenseits verfolgen sollten.
Köln, 9. Aug. Wie groß der Widerstand gegen die kirchen-politischen Gesetze ist, läßt sich ermessen, wenn man die dericale Presse, welche alle Fälle gewiffenhaft regiftrirt, mit einiger Aufmersamkeit verfolgt. Aus der letztm Woche sind folgende Fälle zu buchen: Es wurden in Haft genommen der Caplan Esser von Crornbach, Bischof Martin von Paderborn, Vicar Freihen von Wissen, Pastor Wehn von Niederberg, Caplan I. Spanier von Hönningen. Man wieS aus ihrem Wirkungskreis, bezw. Kreis- oder RegierungS-Bezirk aus: Caplan Moll aus der Diöcese Münster, HauS-Vicar Biszinck, Curat-Priester Wienken, Kloster-Verwalter Niesstng, Privat-Geistlichen HoemenS auS dem Regierungsbezirk Aachm, Pfarr-Coope- rator Linz aus Lipstadt, Capläne Schmidt, Alt und Esch aus dem Regierungsbezirk Trier, Capläne Rokoch und Effer aus dem Regierungsbezirk Köln. DaS Pfarrvermögen belegte man mit Beschlag in Lammersdorf, Ittersdorf, Schöneberg, Ramborn, Edern, Störmede, Brilon, Alme, Bonkirchen, Asten- berg, Grömbach, Silbach, Affunghausen, Deinfeld, Lenne, Olpe, Meschede, Oberweis, Altscheid und Wolsfeld. Man schloß die Lokalvereine des Mainzer Katholikenvereins in Linde, Hochkeppel, Bergheim und Aldekerk, und stellte Nachforschungen an gegen ähnliche Vereine in Coblenz, Walbock, Wetter, Twistcden, Meckenheim und Münster. — Nicht allein der Oberbürgermeister Bachem ist um seine. Pensionirung eingenommen, sondern auch der erste Beigeordnete, Bürger
------„■--- - . . , -----= T--------------- ein tugendhaftes Mädchen von einer Dirne unterscheiden zu können. Und feine Ver- theidigung beweißt mir, daß sie ein tugendhaftes Mädchen sein muß.
Eine Person aus der untersten Volks- klaffe! warf der Baronet mit Verachtung ein.
Das muß sie wohl nicht sein, und wenn sie e» wäre, so machte eS ihr nur Ehre, sich so hoch aus dem Staube emporge- schwungen zu haben, erwiderte Adele. Eine Musiklehrerin muß Kenntniffe und Bildung besitzen, Sir und wmn sie auch Alles in Allem eine Sklavin ist, so berechtigt das doch Niemanden, mit Geringschätzung auf sie hinabzusehen.
Sir Delavalle zuckte die Achseln, aber Adele nahm sich nicht einmal die Mühe, in seinem Antlitz zu forschen, ob der Hieb ge- trofftn hatte.
Das sind Ansichten, mein Fräulein', die Herr und Madame Schindler nicht theilen werden, sagte er.
E» sind die Ansichten meines Vaters, Sir!
Unmöglich 1
Sie bezweifeln, das, weil solche Ansichten in England keine Gültigkeit haben. Nun, hier findet man sie in unseren Kreisen auch selten, aber mein Vater hat stets die Menschenwürde der Armuth vertheidigt und ich liebe ihn darum um so mehr.
ES wäre gerade eine Mesalliance!
Keineswegs. Mein Bruder ist Seemann, er wird es bleiben bis an'S Ende seines
meister Rennen, welcher der Stadt schon weit über ein Viertel-Jahrhundert diente und zu den rührigsten und eifrigsten Verwaltungsbeamten zählt.
Gaarbrücke«, 10. Aug Die Einweihung des Denkmals auf dem Winterberg hat gestern unter Theilnahme vieler taufend Menschen in programmmäßiger Weise stattgefunden. Der Festzug aus der Stadt auf den Winterberg zählte an 10,000 Personen, darunter viele Krieger - Vereine aus der Rhein-Provinz und der Pfalz, sowie zahlreiche Deputationen preußischer und bayerischer Truppentheile, geführt von dem Kriegsminister v. Kameke. Die Weihe-Rede hielt der protestantische Geistliche Zillistm aus St. Arnaul. Der Vorsitzende des Denk- mal-Comites, Advocat Dicking aus Saarbrücken, legte die Entstehung des Denkmals, welches eine Erinnerung an die Schlacht bei Spichern bezwecke, dar und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Regierungs-Präsident Wülsten aus Trier verlas sodann eine kai serliche CabinetS-Ordre, wonach den Städten Saarbrücken und St. Johann in Anerkennung ihrer patriotischen und opferfreudigen Haltung in den Jahren 1870 und 1871 die Erlaubniß ertheilt wird, die preußischen Farben in ihren Wappen zu führen. Derselbe schloß mit einem Hoch auf die Armee.
Aus Tiegen, 7. Aug., schreibt man der „Elbf. Ztg.": „Der Herr Handelsminister Dr. Achenbach, der am 10. d. M. in unserer Stadt eintraf, hat dieselbe heute wieder verkästen, um über Hamm nach Berlin zurückzukehren. Dieser vierwöchentliche Aufmt- halt, von dem jedoch 8 Tage zu einer Reise durch Nassau an den Rhein verwendet wurden, galt seiner hiesigen Familie und reihte sich in dieser Bedeutung ben alljährlich wieberholten Besuchen in feine Heimaths- ftabt an. Daß babei auch eine große Anzahl seiner hiesigen Verehrer bie Freube hatten, in gewohnter Weise zu persönlicher Beziehung zu gelangen, ist bei ber gleich- bleibenb gewinnenden Freundlichkeit unseres hochgestellten Laubsmannes selbstverständlich. Nächstdem aber war eS wie immer bie hei- mathliche Natur, bie ben Herrn Minister fesselte unb an ber er sich täglich erfreute.
Lebens. Glauben Sie, baß eine unserer reichen, vornehmen Damen einen Steuermann ober Capitain heirathen wirb? Da müßte er lange suchen unb bie Familie einer solchen Dame könnte ebenfalls biese Verbindung als eine Mesalliance betrachten.
Lorchen, ich wünsche, daß kein Schritt in dieser Sache gethan wird, bevor ich mich genau unterrichtet habe, sagte der Banquier und der scharfe Ton, in welchem er diese Worte sprach, bewog Adele, abzubrechen, und befremdet ben Vater anzublicken.
Mabame nickte und Herr Eduard Schind - ler schritt rasch hinaus.
Das klang allerdings wie eine Bestätigung Ihrer Worte, sagte Sir Delavalle lächelnd.
Welcher Worte? fragte Madame Schindler verstimmt.
Sie enthielten eine Behauptung, welche ich zu bekämpfen wagte, entgegnete der Baronet. Bitte, sprechen wir nicht weiter darüber. Sie haben Recht, Herr Wilkens, bie Entfernung bes Mädchens ist ber kürzeste unb sicherste Weg, aber ich fürchte, Sie haben ein Mittel vorgefchlagen, welches unausführbar ist. Nehmen wir an, bie Gefangene geht auf ben Vorschlag ein, wer bürgt bafür, daß der junge Herr die Ausführung desselben nicht verhindern wird?
Wenn er daS Projekt erst nach ber Ausführung erfährt —
Ja, so, wenn Sie ben Dienern bie Ohren verstopfen können, wenn es Ihnen möglich ist, den Berrath Seitens der Dienerschaft
Möchten die Stätten seiner Jugend- erinnerungen auch diesmal wieder erfrischend und kräftigend auf ihn eingewirkt haben, so daß wir mit dem Wunsche: auf Wiedersehen im nächsten Jahre! seine heutige Abreise begleiten können.
Limburg, 7. August. Wie e» bei den demonstrativen Auszügen, welche die Regierung jetzt untersagt hat, zugeht, darüber giebt der „Naffaner Bote" folgende Schilderung: „Auf 3V2 Uhr Nachmittags war der Empfang seitens des hvchwürdigsten Herrn Bischofs bestimmt in der Stadtkirche, welche auch bald bis auf ben letzten Raum gefüllt war. Nachbem ber Herr Bischof ein- getreten war, hielt im Namen aller Versam- weiten ber Landtags- und ReichStagSabge- orbnete Herr Dr. Lieber mit kräftiger Stimme bie Anrebe, welche nach einem energischen Protest gegen bie au» Veranlassung des gegen den Reichskanzler kürzlich verübten Attentats auf die Katholiken freventlich gewälzten Beschuldigungen als Zweck unseres Erscheinens bezeichnete, dem Herrn Bischof neuerdings die Versicherung unbegrmz- ter Treue und Liebe gegen dm Oberhirten und den päpstlichen Stuhl feierlich abzulegen. In meisterhafter Weise war hiermit der Inhalt des katholischen GlaubenSbekenntniffeS verflochten rc. — In gehobener, feierlicher Stimmung erwiberte ber hochwürdigste Herr Worte bes Dankes für feine treuen Diöce- fanen. Christus ber Herr, sagte ber Herr Bischof, hat seiner Kirche bie Verheißung gegeben, baß bie Pforten ber Hölle sie nicht überwältigen werben. Aber er forbert auch, burch fleißige Benutzung ber Gnabmmittel auf das Aeußerste uns vorzubereiten, was bem Siege ber Kirche vielleicht vorangehen wirb. Der Herr Bischof legte fobann bie Pontificalkleidung an, ließ bad Allerheiligste in bie Kirche zurückbringen, unb vor bem« selben auf ben Knien liegenb flehten Hirt unb Heerbe um Stärkung im Glauben, um Gebulb in ber Prüfung, um den Triumph der Sache Jesu Christi!"
Mainz, 9. Aug. Die feit einigen Wochen auf dem hiesigen besonders hergerich- teten GarnisonS-Schießplätze vorgenommenen Schieß-Versuche und Einübungen der Truppen zu verhüten, bann will ich zu ihrem Project Vettrauen fasten, mein Herr.
Unsere Diener stnb ehrlich und treu, Sir! erwiberte Abele.
Mein Fräulein, ein treuer, ehrlicher Diener ist eine Seltenheit, fuhr Sir Delavalle fort. Ich will eine Anklage erheben, aber ich habe meine Beobachtungen gemacht unb bin mit meinem Urtheil vollständig im Reinen.
Madame Schindler blickte befremdet den Engländer an. Wenn dieses Urtheil sich auf unsere Dimer bezieht, bann, Sir, möchte ich Sie recht bringenb bitten, «6 mir nicht, vorzuenthalten, sagte sie.
Ich kenne nur einen, wich ber Baronet aus.
Martin? Er bient seit fünf Jahren in unfern Hause unb wir haben noch keinen @runb gehabt über ihn zu klagen.
Sir Atthur zuckte bie Achseln unb Hefe» Achselzucken war sehr bedeutsam.
3» allen anderen Stücken werbe ich jeden Ihrer Wünsche als einen Befehl betrachten, entgegnete er, in dieser Angelegenheit bitte ich mein Schweigen zu entschuldigen. Ein Verdacht ist rascher geäußert, als bewiesen; wenn ich Beweise hätte, würde ich es für meine Pflicht halten, Sie Ihnen vorzulegen.
Er zog, währmd er dies sagte, seine Hand« schuhe an und beobachtete dabei verstohlen das stolze Gesicht der Hausfrau.
Trotz alledem hoffe ich, das Project zur Ausführung zu bringen, sagte Wilkens, da»