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Anzeigen nimmt entgegen: Je «webition d. Blatte«, uroie die Annvncen-Bureaux oon Th. Dietrich L Co. tn jtafiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M; Laasenstein & Bögler in Frankfurt a- M-, Berlin, Leip- ,ifl, ESln rc.; Rudolf Moss« m Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Jllarßurg, Dienstag, den 11. August.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt q, M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Prei« für da« Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j 6#r., durch die Postämter de« deutschen Reiches 25 6gr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu erthcilende

Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr. berechnet.

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Berliu, 8. Aug. Die „Post" schreibt: Zuverlässiger Mittheilung zufolge hat der Kaiser das freisprechende kriegSrechlliche Er- kenntniß gegen den Capitän Werner in der Virginius-Affaire nunmehr bestätigt. — Die Rückkehr des Präsidenten des Reichskanzler Amts Staatsministers Dr. Delbrück wird, wie die „Rat. Ztg." schreibt, etwa am 20 August erwartet. Bis dahin soll der Neu­bau des Reichskanzleramtsgebäudes fertig- gestellt sein. Die Gesammtherstellung dieses umfangreichen Baues hat etwa 2Vi Jahre in Anspruch genommen und gegen 300,000 Thlr. gekostet. Der Ausbau des alten AmlSgebäudeS, von welchem nur wenige Räume übrig geblieben sind, wurde, ohne daß die Arbeiten des Reichskanzleramts unter­brochen zu werden brauchten, von dem Re gierungsdaurath Neumann entworfen und ausgejührt. Das Gebäude, welchem jetzt ein zweiter Stock ausgesetzt worden, erhält eine auS Sandstein ausgeführte imposante Facade mit einem großen, von einem Balkon überragten Portale. Die Facade wird mit den Wappen sämmtlicher Bundesstaaten ge­ziert und das ganze Gebäude durch eine sitzende Germania gekrönt. — Wie die „D. R. C." hört, ist jetzt die Einennung des Geheimen Ober-RegierungSrath Maybach zum Präsidenten des ReichSeisenbahuamts aus Gastein hier eingetroffen und wird be­reits in den nächsten Tagen die Uebergabe der Leitung dieser Behörde Seitens des Präsidenten Scheele an den Präsidmten Maybach erfolgen. -• Am Montag, den 10. August, tritt aus Berufung des Bundes raths eine Commission, bestehend auS Me- dicinalbeamten, Aerzten und Apothekern, zu- sammen, welche über die beiden folgenden Hauptfragen eine gutachtliche Aeußerung ab­geben sollen. A. Ist die Errichtung von Apotheken auch fernerhin von der Ertheilung einer obrigkeitlichen Concesston abhängig zu machen, ober: B. Ist der selbstständige Betrieb des Apothekergewerbes unter Auf­rechterhaltung der staatlichen Beaufsichtigung desselben, approbirten Apothekern für eigene

—■ !• Der Kampf um eine Millian.

su er Roman von Ewald August König.

4849 (Fortsetzung.)

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Jetzt sind wir allein, sagte Gerhard mit heiserer Stimme, Mann deS Erbarmens, hütet Euch vor diesen Fäusten. Ich drohe

Euch nicht, ich verlange nicht von Euch, daß Zhr ein Zeugniß verweigern sollt, aber seht Euch vor, daß Ihr kein falsches Zeugniß ablegt, ich würde Euch so glatt in den kellckL Grund bohren, daß keine Planke mehr von d tffl Eurem elenden Dasein Zeugniß ablegen

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Herr Theodor Neumann schüttelte ruhig sein blondes Haupt. Geht in Euch und lhut Buße, verlorener Sohn, sagte er sanft, tob es würde mehr Freude im Himmel litt« !«n über Euch, al« über neunundneunzig .. C ! Gerechte.

4818 Und zu diesen Gerechten zählt Ihr Euch -—- wohl auch? knirschte Gerhard. So wahr Haus ich an Gou und ein ewiges Leben glaube, s» wahr —

Lästert nicht, junger Mann, bittet den rthk« Herrn, daß er die Binde von Euren Augen

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nehmen möge, auf daß Ihr erkennt, vor welchem Abgrunde Ihr steht.

Ein Blick der Verachtung traf aus den lugen Gerhard's den Rentner, es war die einzige Antwort, deren er ihn würdigte tob Herr Theodor Neumann verstand * diese Antwort, er wandte ihm den Rücken unb verschwand gleich darauf hinter der Thür seiner Wohnung.

Gerhard verließ das Haus wie ein Trunkener, eS war ihm nicht möglich, einen Aaren, bestimmten Gedanken zu fassen, außer

oder fremde Rechnung an jedem Ort des Bundesgebiets zu gestatten?

— DaS Bundesamt für das Heimath- wesen hat neuerdinzS folgende principiell wichtige Entscheidungen getroffen: 1) Für den zur Entscheidung der interteritorialen Streitsachen der Armcnverbände vorgeschrie­benen Reichsproceß ist in erster Instanz nur eine Entschcdung angeordnet, durch welche die Streitsache nach allen Seiten hin ihre definitive Entscheidung finden muß, so daß ber Erlaß der Beweislast unb das Thema probandum rechtskräftig fixirender Vorbescheide ober der Erlaß besonderer.Be­weiserkenntnisse unzulässig ist und die Zurück Weisung der ersten Instanz zur Folge hat. 2) Nur die persönliche Niederlassung bcs Familienhauptes, besten UnterstützungSwohn sitz den accestorischen Unterstützungswohnsitz der Glieder fe ner Familie bedingt und die Fortsetzung des vom Familienhaupte er­worbenen Wohnsitzes durch dasselbe, kann den Erwerb des Unterstützungswohnsitzes auch den Familiengliedern sichern. 3) Die Hülfsbedürftigkeit eines Unterstützten kann nicht bestritten, und die ersorderliche Unter­stützung darf demselben nicht versagt werden, wenn er ein Vermögen oder Bcsttzthum hat, welches nicht sofort versilbert werben kann; ebenso ist der vorläufig unterstützende Armen- verband eS dem definitiv Verpflichteten zu Überlasten berechtigt, vom Hülssbedürstigen die Erstattung der ihm gewährten Unter­stützung zu verlangen, wenn derselbe zur Zeit der gewährten Unterstützung ein Ver­mögen besaß, welches für das RückforderungS- rechr des definitv verpflichteten Armenver­bandes ein Object darbot, das angegriffen werden konnte, ohne die Hülfsbedürftigkeit des Unterstützten in einem auf den ver­pflichteten Armenverband zurückfallenden Maße zu erhöhen. 4) Ein Geisteskranker, welcher vorübergehend öffentliche Unterstützung empfangen hat, ist wegen der Unheilbarkeit seines Leidens ohne Weiteres als dauernd hülfSbedürftig nicht anzusehen, und braucht daher von dem heimathiichen Armenverbande noch nicht übernommen zu werden. Der

Uebernahmeanspruch ist nur dann begründet, wenn der unterstützte Geisteskranke laufende ober boch voraussichtlich regelmäßig wieber- kehrende Armenunterstützung nothwenbig machte. 5) Die auS sanitätspolizeilichen Grünbcn erfolgte Unterbringung im Armen­hause, ebenso bie in bem letzteren ohne aus brückliches Verlangen ober eingetretene Nolh- wenbigfeit erfolgte öffentliche Unterstützung, berechtigen nicht zur Geltendmachung eines Erstattungsanspruchs, und zwar um so weniger wenn überdies der Untergebrachte nicht zur Beschaffung eines eigenen Unter kommens gesetzlich angehalten wurde. 6) Die Kosten, welche für die Beerdigung in Polizei­haft verstorbener Personen erwachsen sind, trägt nicht die Polizeiverwaltung, welche für die Verstorbenen bei besten Lebzeiten zu sorgen hatte, sondern der während dessen zu feiner Unterstützung verpflichtete Armenver- band, da ein Gefangener mit seinem Tode aufhört, ein Gefangener zu fein' unb der Armenpflege alsdann anhcimfällt.

— Die Nr. 171 der „Germania" ent­hält folgenden Artikel: „Berlin, 31. Juli. Seit länger als einer Woche macht in ber katholischen Presse eine interessante Mitlhei lung bie Runbe, welche ber „Köln. Bolksztg." aus Wien zugegangen war. Die Officiösen haben bi« jetzt unsere« Wissens über bieselbe sich nicht geäußert. Da bei dem Eifer, mit welchem nicht allein die „Germania", sondern auch bie katholischen Provinzialblät­ter von ben Bebiensteten bes Preßsonbs stubirt werben, diese Notiz schwerlich über­sehen sein dürste, so ist eS wohl gestattet, das Schweigen als Bestätigung zu beuten. Wir geben beshalb im nachstehenden die ge­dachte Nachricht wiederHat boch, was ich verbürgen kann, Kaiser Wilhelm selbst in Ischl geäußert, eS scheine ihm, baß baS Attentat nicht ernst gemeint gewesen sei, denn man könne ouS einer solchen Ent­fernung mit einer alten Pistole und mit Rehposten nimmer Menschen tödten. ES scheine ihm, fügte der Kaiser hinzu, das Attentat eigentlich die Thal eines krankhaft überspannte» Menschen, der von sich reden

machen wollte." " ES freut nnS ungemein, daß Seine Majestät ein so nüchternes und klares Urtheil bewahrt hat, während viele Andere, zu denen leider auch Fürst Bismarck zählt, sich von der Aufregung und Leiden­schaftlichkeit hinreißen ließen." Der „Post" zufolge sah der Minister des Innern sich veranlaßt, diesen Artikel zur Kenntniß Seiner Majestät des Kaisers zu bringen. Allerhöchst- bicfelben haben ihn dem Minister mit fol­gender Allerhöchsteigenhändigen Bemerkung zurückgesendet: Tie Anlage ist von A bis Z erfunden, unb ist eine Dementirung durchaus nöthig. Gastein, 5. August 1874. gez. Wilhelm.

Kiel, 8. August. Die „Kieler Zeitung" meldet: Die Kriegsdampfer „Albatros" und „Natilus" haben heute Mittag IV2 Uhr den Hafen verlassen.

Wiesbaden, 7. Aug. Der communal- ständische» Verwaltung ist die Mittheilung geworden, daß der Communal-Landtag erst gegen Ende diese« Jahre« zusammenberufen werde, um seine Geschäfte zu erledigen. Dieser Termin gestattet, wie ber „Rh. K." meint, bie vielen Vorarbeiten bis dahin gründ­lich zu erledigen, wo« früher nicht immer der Fall gewesen ist. — In einer gestern Abend abgehaltenen Sitzung deS evangeli­schen 'Kirchen-Vorstandes wurde beschlossen, in 14 Tagen die KreiS-Synode hierher ein« juberufen.

Braunschweig, 8. Aug. Eine heute publicirte herzogliche Verordnung bestimmt, daß am 2. September, wie im vorigen Jahre, eine kirchliche Sedanseier stattfinden soll.

Aus Hessen, 7. Aug. Das „Franks. Journ." läßt sich schreiben: Nach Einführung der Städteordnung wirb an bie Stabtver- orbneten unserer fünf größten Städte bie Frage herantreten, ob neben der beschließen­den Stadtvertretung al« auösührende Behörde ein Bürgermeister oder ein collegialer Magistrat fungiren soll. Es läßt sich nicht verkennen, daß in größeren Städten es dem Einzel-Bürgermeister oft kaum möglich fein wird, die GefchäftSlast zu bewältigen, unb e« würbe sich von diesem Gesichtspunkte au«

dem einzigen, daß Anna schuldlos sei und der fromme Herr besondere Gründe habe, den Beamten in seinem Verdachte gegen sie zu bestärken.

Er war entschlossen, mit allen Kräften sich der Befreiung der Verhafteten zu widmen, wenn er auch jetzt noch vergeblich über Mittel unb Wege nachbachte, durch welche er die Lösung dieser schwierigen Aufgabe ermöglichen konnte.

9. Sapitel.

Sir relavalle findet Gelegenheit, seine aristokratische» Gesinnungen zu äutzern.

Herr Eduard Schinbler hörte mit wach­sender Entrüstung den Bericht des Baronets über die Vertheidigung der Musiklehrerin Seiten« seines Sohnes Gerhard an.

Und in der Thal, seine Entrüstung mußte gerecht erscheinen, wenn man feine hohe Stellung, den Rang, den er in der Gesell­schaft einnahm, bedachte und daneben den Eclat erwog, den daS Auftreten Gerhard'« Hervorrufe» mußte.

, Freilich, die Stellung ihres Herrn Sohne« läßt diese Gesinnungen begreiflich scheinen, sagte Sir Arthur mit bedauerndem Achsel­zucken , unb es wird schwerlich hieran etwas zu ändern fein, da der junge Herr einen harten, eigensinnigen Kopf hat. Aber unangenehm muß es für Sie fein, baß Ihr Name in diese Angelegenheitverwickelt,wird.

Freilich, freilich, erwiberte ber Banquier erregt, während er vor bem Baronet auf unb nieber wanderte, das ist mir sehr, sehr unangenehm. Wenn man nur Gewiß­heit hätte, ob das Mädchen in der Thal schuldig ist!

Was würde diese Gewißheit ändern? fragte Madame Schindler, die nebst ihrer Tochter zugegen war, da Sir Delavalle im Familienzimmer die Rede auf dieses Thema gebracht hatte. Gerhard hätte uns in eine solche Angelegenheit nicht verwickeln dürfe«, er muß bedenken, welchen Rang seine El­tern einnehmen und welche Achtung er nnS schuldet.

Ich begreife es nicht, sagte der Banquier rathloS. Gerhard ist erst seit einigen Tagen zurückgekehrt, so rasch kann er doch keine Bekanntschaft haben.

Derartige Bekanntschaften sind in großen Städten oft das Werk eines Augenblicks, warf der Baronet geringfchätzcnd ein. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, ihn zu warnen unb ber Ober-Polizeivogt erinnerte ebenfalls ihn an ben Schmerz, den er feinen Eltern bereiten werde. Nichtsdestoweniger beharrte der junge Herr dabei, die Verdächtige zu vertheidigen.

Daß er es that, war ein edler Zug fein S guten Herzens, erwiderte der Banquier, aber er hätte' sich damit begnügen und ben öffentlichen Eclat vermeiden sollen. Ich werde den Polizeiherrn besuchen, die Sache darf nicht ruchbar werden; wenn sie zur Kenntniß der Berichterstatter unserer Zeitungen gelangt, ist meine Ehre entehrt.

Und ich werde die Verhaftete besuchen, um die Gründe zu erfahren, welche unfern Sohn zu dieser höchst unklugen Handlung verleitet haben, sagte Madame Schindler, während sie gedankenvoll durch da« Fenster in den Garten blickte, ben bie dünne weiße Decke des Reifs überzog. Ahnte sie in

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diesem Augenblick die Stürme, welche die in der Ferne heraufziehenden, schwarzen Wolken in ihrem Schooße bargen ? Schwerlich, denn in ihrem schönen, stolzen Antlitz spiegelte sich eine sorgenlose Ruhe.

Sir Delavalle spielte nachlässig mit ben Spitzen seines blonden Backenbarts.

Der Himmel gebe, baß ber junge Herr ben ernsten Ermahnungen willegeS Gehöc leiht, erwiberte er ruhig, ich fürchte nur, fein Eigensinn wirb ihn zwingen, auSz». harren unb bann kaffen die Folgen sich nicht übersehen.

In diesem Augenblick wurde ber Besuch des Herrn Wilkens angemeldet.

Der Banquier zog die Stirn in Falten, aber Madame hatte schon bem Diener einen Wink gegeben, daß sie bereit sei, ben Besuch zu empfangen.

Sir Delavalle benutzte ben Augenblick, um sich der jungen Dame zu nähern, welche mit einer Stickerei beschäftigt am Fenster saß.

Mein Fräulein, ich bedaure recht sehr, daß ich Ihrer Familie die betrübende Nach­richt bringen mußte, sagte er leise, aber es war nicht meine Pflicht? War es nicht besser, wenn ich allen Grüchten, welche nur zu bald in dieses Haus bringen werben, durch eine offene Mittheilung vorbeugte?

Adele nickte leicht, aber sie erhob bie Wim­pern nicht, weil sie bem Blick beS Baronets nicht begegnen wollte.

Ich fürchte biefe Verirrung Ihres Herrn LruberS wirb sehr böse Folgen haben —

Verirrung? unterbrach Abele ihn rasch.