Mr. 185
Marburg, Sonntag, den 9. August
1874
eexeigen nimmt entgegen:
«NXdition d. Blatte», sowie die Amioncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co in ägffel und Hannover; Dh. Dietrich in Frantfurt a- UL; öaafenftein & Vogler in feantfurt a-M., Berlin, Leip-
Köln rc-; Rudolf Moss« inBerlin, Frankfurt a. M. rc.
(Obrrljrlfifdjr Jritung.
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer inBerlin; CarlSchüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrnckerei) bezogen 224 @flt., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
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P.litischk Wochen-Ueberficht.
Die Absendung der beiden Kanonenboote RauliliuS und Albatros in die spanischen Gewässer bildet daS meist besprochene Ereig» niß des deutschen Reiches in der ab- laufenden Woche. Einer Mittheilung der ministeriellen Nordd. Allg. Ztg. zufolge ist jedoch bei der Absendung unserer Kriegsschiffe kein anderer Gedanke maßgebend, als die Besorgniß, daß daS Leben und Eigenthum der in Spanien lebenden Deutschen gesähr- det sein könne, und der Wille, diese Besorg mß zu beseitigen; in diesem Sinne ist auch dem Befehlshaber des Geschwaders Instruction ertheilt worden. Doch dürfte immerhin, wie ja heute schon die Thatfachen erkennen lassen, die Sendung selbst eine über die unmittelbare Aufgabe hinauSgehende Wirkung nicht verfehlen. Eine bewaffnete Intervention aber ist es gewiß nicht zu nennen, wenn das zunächst durch die Ermordung des Hauptmanns Schmidt veranlaßte Auftreten der deutschen Regierung die Folge hat, daß die französische Regierung sich endlich ihrer völkerrechtlichen Pflichten erinnern und ihre Behörden in den Grenzbezirken verhindern sollte, den Carlisten unerlaubte Hilfe zu leisten. Bon einer bewaffneten Intervention kann eben so wenig die Rede sein, wenn Deutschland, wie wir hoffen, die übrigen Großmächte zur Anerkennung der madrider Regierung bewegt oder auch selbst allein mit einem solchen Schritte vorginge; eS wäre dies vielmehr eine völkerrechtlich durchaus unanfechtbare, vom Standpunkte dec Huma nität aber geradezu gebotene Maßregel, durch welche das Ausland, so viel in seiner Macht steht, die Regierung Serrano'S zur Unterdrückung de» in die schlimmste Barbarei versunkenen CarliSmuS kräftigen würde. Die Ultramontanen in aller Herren Ländern schreien natürlich laut über einen Act, dtt ihren Pionieren einen Stoß »ersetzen würde. Die Zahl der Verhafteten ist unter dessen um den Bischof Martin von Paderborn vermehrt worden, der am Dienstag in das Kreisgefängniß abgeführt worden ist, Mi die ihm zuerkannte Freiheitsstrafe zu verbüßen, sintemal er selbst die Strafgelder nicht zahlen will und daS Obertribunal ver- «ünftiger Weise entschieden hat, daß ein Dritter sie bann nicht rechtskräftig für ihn zahlen kann.
Die Parlamentsferien haben in Oesterreich die Conservirung der berühmten „re- servirten Haltung* sehr erleichtett Der
Der *w eine Million.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Beamte wiegte leicht da» Haupt. Keine BerdachtSgründe schienm immer fester 8urzcl zu fassen.
Sie kamen hierher, um Unterricht in der Musik zu geben? fragte er.
Ja.
Haben Sie Schülerinnen gefunden?
Einige.
Und das Honorar reichte hin, Ihre Be bürfnisse zu bestreitcn?
Nein, erwiderte Anna mit wachsender Erregung; ich besaß bei meiner Ankunft noch einiges Geld; als e» verausgabt war, Dtr» kaufte ich von meinet Habe, wa» ich ent behren konnte.
Dachten Sie nicht daran, daß diese HülfS- lsttelle sehr bald versiegen müsse? forschte btt Polizeibeamte.
Wohl dachte ich baran, aber ich hegte «ch dir Hoffnung, daß Gott mich nicht dttlasseu werde.
Hm — diese Hoffnung ist seht schön, aber fe schwächt die Thalkraft. Sie wollten dieses Haus verlassen, aus welchen Gründen?
Jetzt lassen Sie r» genug sein, Herr Dber-Polizeivvgt , sagte Gerhard entrüstet,
EpiScopat hat alle Ursache, in der „reser- virten Haltung" der Regierung nachzueifern. Auch in Bezug auf die auswärtige Politik ist die „reservirte Haltung" allmächtig, und Die Hoffnungen der Feudalen wachsen. Die Schwäche des Cabinets wird von ihnen da hin auSgelegt, daß es selber fühle, wie ihm nach und nach der Boden unter den Füßen schwinde. Im serbischen Kirchen-Congreß zu Carlowitz stimmten am 31. Juli in der Äahlsitzung 54 Deputirte für den Hermann städter Bischof und rumänischen Metropoliten Jvacscovics; die serbischen Radikalen wählten also, nur um den konservativen Candidaten zu beseitigen, einen Nichtserben zurnPatriarchen. Der Kongreß vertagte sich hiernach auf zehn Tage. Der ungarische Reichstag wird in dieser Woche nur noch einige kurze Sitzungen halten, vorausgesetzt, daß daS Oberhaus an dem vom Abgeordnetenhause schließlich in Hast durchberathenen und angenommenen Wahlgesetze nicht noch bedeutende Veränderungen beschließt; die Ferien sollen bis zum 24. Oktober dauern. Die internationale Sanitätskonferenz, die in Wien tagte, hielt am 1. August ihre letzte Sitzung.
Die italienische Regierung hat die Veröffentlichung des Hirtenbriefes de» Cardinal - Erzbischofs von Paris, worin dieser bekanntlich heftige Angriffe gegen Italien richtet, verboten. In der Nähe von Rimini sind 27 Führer der Internationalen und der italienischen Republikaner, welche eine Versammlung zu politischen Zwecken beabsichtigten, verhaftet worden.
Die f r a n z ö s i s ch e Nationalversammlung faßte am 31. Juli den Beschluß, vom 6. August bis 30. November sich Ruhe gönnen zu wollen; die kleinen Ferien erhielten also den Vorzug. Der Minister des Innern erklärte bei dieser Gelegenheit, die Regierung verpflichte sich, während der Parlamentsruhe jedem gegen dir Vollmachten des Präsidenten der Republik gerichteten Anschläge sich zu widersetzen. Trotz der vielen Aufregungen blieb das Ergebniß der acht Monate, welche die Nationalversammlung seit dem November 1873 erzielt hat, äußerst gering; daS Sep- tennium, die erste Thal dieser Session, ist auch die einzige Schöpfung derselben geblieben, ja es ist nicht einmal gelungen, das Septennium zu organisiren. In dem am vorigen Sonnabend gewählten ständigen Ausschüsse sind alle Fraktionen vertreten, nur die Bonapattisten nicht; dieselben rüsten sich aber, bei dem Wahlkampf im Calvados,
die junge Dame muß auf Jedm den Ein druck einer Unschuldigen machen; glauben Sie dennoch, dies bezweifeln zu müssen, so bürge ich für sie und ich bin bereit, die Summe zu deponiren, welche —
Mein Herr, so ehrenhaft dieses Anerbieten auch ist und so sehr ich mich durch dasselbe Ihnen gegenüber verpflichtet fühle, kann ich es dennoch nicht annehmen, entgegnete Anna ruhig. Herr Ober-Polizeivogt, ich verlange die strengste Untersuchung, sagen Sie mir, wohin ich mich begeben muß, um das Ende derselben abzuwarten.
Sie werden vor der Thür einen Wagen finden, der Sergeant, der in demselben Sie erwartet, wird Sie in'S Detentionshaus bringen.
Anna hatte Hut und Tuch schon ergriffen. Gerhard trat auf fie zu und erfaßte ihre beiden Hände.
Sie sind unschuldig, sagte er mit warmer Theilnahme, ihr in die feuchten Augen schauend, ich weiß, daß sie es sind; wären Sie es nicht, so würde ich den Glauben an die Menschheit verlieren.
Ein Sonnenstrahl des Glücks verscheuchte für einen kurzen Augenblick die Schatten aus dem schönen Antlitz de» Mädchens.
Ich danke Ihnen für diese Worte, erwie
wo sie den früheren Präfecten Leprevost de Launay aufgestellt haben, ihre Macht zu zeigen. Das Ereigniß der Woche waren aber weder die Verhandlungen der National- Versammlung, bei denen eS wiederholt sehr stürmisch herging, noch die Abstimmungen, in denen die Regierung fast durchweg ihren Willen durchsetzte, sondern zwei Fragen der auswärtigen Politik. Der Erzbischof von Paris erließ nach seiner Rückkehr von Rom einen Hirtenbrief, worin er erklärte, „die italienische Regierung habe, als sie sich RomS bemächtigt, nicht bloS die geheiligten Satzungen des Rechts verletzt, sondern zugleich ein furchtbares Problem aufgestellt, dessen Lösung nur daS Mißlingen ihres gotteslästerlichen Unternehmens oder die Unterdrückung der katholischen Kirche, also deS ChristenthumS, fein müsse." Die französische Regierung schwieg bis zum 30. Juli, entschloß sich dann aber zu einer Note im Journal Osfi- ciell, um die Abreise des italienischen Gesandten zu verhindern, welcher mit unge wohntem Nachdruck Genugthuung für jenen Hirtenbrief, der, wie man wissen will, auf Befehl Antonelli'S erlassen wurde, und zugleich die endliche Abberufung des Orenoque verlangt hatte. Ob DecazeS wirklich auch diese Abberufung zugesagt, ist noch fraglich.
Sehr zur Unzeit ist von spanischen Publicisten der Gedanke angeregt worden, die Cortes in nächster Zeit einzuberufen. Die Regierung hat ganz Recht, wenn sie, im Andenken an die nicht nur unfruchtbare, sondern nur äußerst vederbliche Thätigkeit der letzten National-Versammlungen, nicht eher von Neuwahlen wissen will, als bis der Bürgerkrieg beendet sei. Auch von Seiten der fremden Mächte wäre die Anerken nung der madrider Regierung ein gefährliches Gefchcnk, wenn als Vorbedingung derselben die Einberufung einer Landesvertretung ge fordert würde. Die öffentliche Meinung in Spanien läßt sich durch die Behauptung der französischen Regierung, daß keine Begünstigung der Carlisten an der Grenze Statt finde, nicht beruhigen; vielmehr zäh len die Blätter immer neue Beweise des Gegentheiles auf. Mit einem Schlage läßt sich allerdings das völkerrechtswidrige Unwesen an der Pyrenäengrenze nicht abstellen. Bon den Kriegsschauplätzen liegen Nachrich- von Bedeutung nicht vor.
In der englischen Presse spielen selbstverständlich die spanischen Angelegenheiten eine große Rolle, zumal da auch das eng
derte sie; daß Sie an meine Unschuld glauben, das versöhnt mich mit der Schmach, die man auf meinen unbescholtenen Namen häufen will. Jetzt gehe ich ruhig in'S Gc- fängniß, ich bitte Sie, halten Sie fest an diesem Glauben, was auch kommen mag.
Ja, waö auch kommen mag! wiederholte Gerhard. Meine Freundschaft wird nicht wanken.
Das Haupt stolz erhoben, schritt Anna hinaus, gleich darauf hörte man den Wagen davon rollen.
Sie ist unschuldig! sagte Gerhard, dessen Braunen sich finster zusammen zogen. Ich fürchte, Herr Oberpolizei Vogt, Sie haben eine schwere Verantwortung auf sich geladen.
Eine Verantwortung die ich tragen kann, Herr Schindler, entgegnete der Beamte gemessen, zudem hat daS Fräulein selbst die Verhaftung gewünscht.
Aber wir find durch dieselbe um keinen Schritt vorwärts gekommen, klagte der Juwelier, der inzwischen mit fieberhafter Auf regung die Schiebladen der Commode durchsucht hatte. Ich finde hi r keine Spur von meinen Juwelen, es liegt kein Beweis vor —
Geduld, mein Herr, fiel der Beamte ihm in's Wort, es «ar voraus zu sehen, daß wir hier nichts finden würden.
lische Mittelmeer-Geschwader unter dem Bice- Admiral Drummond von Malta in die spanischen Gewässer abgeht. Mit Ausnahme einiger wenigen, welchen ein grundloses Miß trauen gegen die deutsche Politik eingeimpft ist, geben die meisten Zeitungen keine Unzufriedenheit mit den bisherigen Schritten der deutschen Regierung kund und sprechen sich für die baldige Anerkennung der madrider Regierung aus. Das Parlament sollte gestern geschlossen werden. — Auf der Insel Wight weilt außer dem deutschen kronprinzlichen Paare seit Montag auch die Kaiserin von Oesterreich.
Die Commission des Congresses zu Brüssel hält täglich Sitzungen, doch verlautet nichts über ihre Arbeiten, da die Mitglieder sich zur Verschwiegenheit darüber verpflichtet haben.
Der König von Dänemark war auf seiner Reise nach Island am 25. Juli in ThorShavn, der Hauptstadt der Faröerinfeln, gelandet, von der dortigen Bevölknung mit großem Jubel empfangen worden und am 27. Juli weiter gefahren. Am 2. August wird er in Reikjavik eingetroffen fein und am 7. d. wird nun dort das große politische Fest des tausendjährigen Bestandes jener Jnselcolonie gefeiert werden.
Die Ernennung des Grafen Schuwalow zum russischen Botschafter in London ist nunmehr durch einen kaiserlichen Ukas vollzogen. General-Lieutenant Lewaschow, der in der Geheimkanzlei des Kaisers (hohe Polizei) unter Schuwalow als Stabschef der Gendarmerie bisher fungirt hat, ist um seinen Abschied eingekommen und hat zum Nachfolger den bisherigen General-Gouverneur deS Militärbezirks Wilna, Potapow, erhalten, ben auf letzterem Posten Graf AltbedinSky ersetzt. Die Vermählung des Großfürsten Wladimir mit der Prinzessin Marie von Mecklenburg-Schwerin ist auf ben 28. b. Mts. angesetzt; bie Trauung wirb zu Petersburg, wo bie Braut schon am 13. d. eintrifft, im Winterpalais vollzogen. Die Panzerfregatte „Knias Poscharsy", die sich eben im Mittelländischen Meere befindet, soll Befehl empfangen haben, in die spanischen Gewässer abzugehen.
Deutsches Reich.
*» Berlin, 7. Ang. Der Kaiser hat laut telegraphischer Meldung Gastrin bereits verlassm und wird Sonntag nach Babelsberg zurückkehren. Die Wirkung der Bade-
Er schrit auf die Thür zu, als diese plötzlich geöffnet wurde unv eine hagere Gestalt in einem langen schwarzen Rock und weißer Binde auf der Schwelle erschien.
Verzeihung, meine Herren, sagte dieser Mann in salbungsvollem Ton,g ich suche Fräulein Blank.
Kennen Sie diese Dame? fragte der Ober-Polizeivogt rasch. Sind Sie mit ihr befreundet?
Mit den Kindern der Welt schließe ich keine Freundschaft, es sei dmn, daß sie um- kehren —
Bitte, Ihr weither Name?
Theodor Neumann.
Nun wohl, Herr Neumann, Sie werden doch nicht leugnen wollen, daß Ihrem Besuche ein Zweck zu Grund liegt!
Ich wohne in dem Zimmer nebenan.
Ah — da werden Sie mir wohl die beste Auskunft über die junge Dame geben können.
Gewiß, wenn sie es verlangen, so muß ich ja Rede stehen.
Ganz recht, es freut mich, daß Sie sich auf diesen öernüftigen Standpunkt stellen. Empfing Fräulein Blank Besuche?
Selten, so viel ich weiß, erwiderte der alte Herr nach kurzem Nachdenken, indeß