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Marburg, Sonnabend, den 8. August.

fr. 184

1874

ObtchrMt Inlung

durch die Postämter des

zwei MLnnem, welche vor dem Hause

daß ihre Kriege den Charakter von Kämpfen zwischen bewaffneten Nationen annehmen." Die „Provinzial Correspondenz" meint nun, die Regierungen hätten einem Vorhaben, das aus so anerkennenswerthe Ziele gerichtet ist, ihre Unterstützung nicht versagen können. „Wenn auch über die wahrscheinlichen Ergeb­nisse der Conferenz verschiedene Ansichten laut werden, so mußte doch die Ueberzcugunj sich Bah» brechen, daß eS Pflicht sei, die hochherzigen Wünsche des Kaisers nach Kräften zu fördern. Auch erkannte man eS als einen besonders günstigen Umstand für das Ge­lingen des Planes, daß derselbe unter Ein­gebungen eines Monarchen inS Leben trat, der mit allen Mächten in freundschaftlichen Beziehungen steht und dem jeder Verdacht selbstsüchtiger oder einseitiger Bestrebungen fern bleibt. Der vom Fürsten Gortschakoff für die Conferenzberathungen vorbereitete Entwurf ließ erkennen, daß eS nicht di« Absicht sei, der Kriegführung neue Gesetze vorzuschreiben, sondern daß es sich vorzugs­weise darum handele, die schon in den Kriegen zwischen civilisirten Völkern mehr und mehr zur Geltung gclangtm Grundsätzen zu fester und allgemeiner Anerkennung zu bringen. Ueberdies hatte der russische Kanzler noch ausdrücklich erklärt, daß der vorgelegte Ent­wurf nur den Ausgangspunkt für die Be- rathungen bilden soll, und somit in unzwci. heutiger Weise jede Verständigung über eine etwaige Abändemng oder Beschränkung der vorgeschlagenen Bestimmungen offen gelassen. Die öffentliche Meinung in Deutschland wende den brüffelet Berathungen lebhafte Theilnahme zu und stimme mit der Reichs regierung in dem Wunsche überein, daß die­selbe zu fruchtbaren Ergebniffen führen mögen. Es fei eben die schwierige Aufgabe der versammelten Fachmänner, weder das hohe vorgesteckte Ziel noch die Grenzen des Möglichen und Ausführbaren auS den Augen zu verlieren. Sicher aber sei eS, daß jeder hrer Beschlüffe, der zur Milderung der Kriegsschrecken dient, ohne die Zwecke des Krieges in Frage zu stellen, als ein hoch verdienstliche« Werk auf den Dank der Menschheit Anspruch hat.

— Die „Nordd. Allgm. Ztg." bementirt in vollem Umfange die Angaben der Wie- ner „Neuen Freien Presse" vom 23. Juli n einer Correspondenz auS Konstantinopel vom 17. Juli über Aeußerungen, welche

Thüren öffnete und in einen hohen, Hellen Raum blickte.

Das Zimmer, welches Anna bewohnte, war ein solch Helles luftiges Gemach, frei­lich, eine sehr dürftige Ausstattung ließ eS noch größer erscheinen, als eS in Wirklich­keit war, aber man fah doch sofort die ordnende weibliche Hand, welche sich bemühte, diesem Raume ein sreundlicheS, trauliches Ansehen zu geben.

Man -i ußte sofort die Ueberzengung ge- winnen, daß die Bewohnerin dieses Zim­mers beffere Tage gesehen und eine gediegene Erziehung genossen hatte, schon die Ord­nung und Sauberkeit, die in dem Raume herrschte, bewiesen e«.

Das Mädchen saß am Nähtisch, als die Herren eintraten, sie kannte den Polizei-Beam­ten nicht, aber es mußte doch eine bange Ahnung in ihrer Seele erwacht {ein, denn fie konnte ihre Bestürzung nicht verhehlen, alS chr Blick auf den Juwelier fiel.

Mein Fräulein, eine sehr unangenehme Angelegenheit führt uns hierher, sagte der Ober - Polizeivogt, während fein for­schender Blick rasch jeden Gegenstand musterte. Sie besuchten gestern Abend diesen Herrn; als Sie ihn verließen, redeten Sie mit

Richtung, trotz großer Schwierigkeiten, frucht­bare Ergebnisse zu erzielen sind, ist durch die Erfahrung bewiesen; dafür zeugen die bei den Pariser Friedensverhandlungen des Jahres 1856 festgestellten Grundsätze des SeevölkerrechtS und die Bestimmungen der Genfer Uebereinkunft vom Jahre 1864, durch welche dem gesammten bei der Kran­kenpflege im Kriege beteiligten Personal der Schutz der Neutralitätsrechte eingeräumt wurde. Aus den verschiedenerlei Vorschlägen, die in neuerer Zeit namentlich zum Zwecke völkerrechtlicher Vereinbarungen über die Be­handlung der Kriegsgefangenen gemacht wor­den, und im Zusammenhänge mit denselben sei nun der Plan der russischen Regierung gereift, eine allgemeine diplomatische Coufe- renz anzuregen, und zwar mit der Aufgabe, die im Kriegszustände zulässigen Gebräuche genauer festzustellen und darauf Völkerrecht- liche Gesetze zu gründen, welche für alle Re­gierungen auf dem Boden der Gegenseitig­keit verbindlich sein sollen. „Kaiser Alexan­der, dessen ganze Regierung für das Be­streben Zeugniß ablegt, den Grundsätzen strenger Gerechtigkeit und edler Humanität im Innern seines Reiches, wie in den Be­ziehungen der Nationen zu einander immer ausgedehntere und wirksamere Geltung zu verschaffen, hat auch der Milderung der Kriegsgebräuche und der Vervollkommnung des Kriegsvölkerrechtes feine warme Theil nähme zugewendet. Unter feinem wohlwol lenden Schutze tagte im Jahre 1868 eine Conferenz in Petersburg, die sich über den Ausschluß kleinerer Sprenggeschosse ans den erlaubten Kriegsmitteln verständigte. Jetzt widmet er seine Fürsorge einem nm- fassenderen Unternehmen, dem die Be­rathungen in Brüssel den Weg ebnen sollen Nach dem Schreiben, durch das Fürst Gortschakoff die europäisches Regierungen zur Konferenz eingeladen hat, ist die Absicht des Kaisers dahin gerichtet, in den Grenzen des Möglichen und Wünschenswerthen die Folgen der Völkerkämpfe einzuschränken und den Jammer derselben zu vermindern. Der Plan wird darin der allgemeinen Theilnahme mit ernstem Nachdruck empfohlen, unter Hinweis darauf, daß die Völker, — wäh­rend sie einer immer engeren Verbindung zustreben, vermöge deren sie sich, wie Glie­der einer Familie, nahe treten, — ihre mili­tärischen Einrichtungen in der Weise gestalten,

verwandt haben, welches Sie von Herrn Schindler empfingen.

Mein Herr, muß ich diese Frage beant werten? fragte das Mädchen, über und über erglühend. Ist es in der Stadt Gesetz, daß man über jeden eingenommenen Schilling Rechenschaft oblegen muß?

Das nicht, aber es ist hier, wie in jeder anderen Stadt Gesetz, die Fragen zu beant­worten, welche die Behörde zu stellen nöthig erachtet.

Erschreckt blickte Anna dm Steuer­mann am

Wa« soll das heißen? erwiderte sie mit bebender Stimme. Das Krmzchen ist mein Eigenthum —

Erlauben Sie, darum handelt es sich nicht, fiel der Beamte ihr in'S Wort, bitte, beantworten Sie meine Fragen, wie ich sie Ihnen vorlege. Wozu haben Sie das Geld verwandt, da Sie doch selbst gestehen, daß Sie den Miethzins nicht gezahlt haben?

Sagen Sie es ohne Hehl, mein Fräulein, bot Gerhard treuherzig, welche Wmdung auch diese Angelegenheit nehmen mag, meine Freundschaft wird unwandelbar Ihnen bleiben.

Ich verstehe nicht, aus welchem Grunde diese Frage an mich gerichtet wird, entgeg- nete Anna, aber ich kann mir nicht denken, daß es ein schlimmer Grund sein könne. Ich

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruck ereil bezogen Sur.

deutschen Reiches 2r» Sgr. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende

- __Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet.

Hülfe suchend, von dem Ober-Polizeivogt zu dem Steuermann hinüber.

Es ist wahr, erwiderte fie schüchtern, ich hoffte, der Herr würde mir au« einer augenblicklichen Verlegenheit helfen, wenn ich ihm dieses Kreuzchen als Pfand dafür anbiete.

Sie hatten es am Tage vorher dem Pfand­leiher Hauenstein angeboten —

Ja, er bot mir nicht genug und dann —

Sie stockte und senkte erröthend die Wimpern.

Und dann kam Herr Schindler und gab Ihnen die Summe, deren Sie bedurften, sagte der Beamte.

Verzeihen Sie mir, nah« Gerhard das Wort, ich mußte die Fragen des Herrn Polizeivogt beantworten.

Ich leugne das nicht, entgegnete Anna, Herr Schindler war so gütig, mir die Summe zu leihen.

Dennoch wolltm Sie gestern abermals das Krmzchen verpfändm?

Ich mußte es.

Wozu beburften Sie da« Geld?

Um dm Mithziens zahlen zu tonnen.

Haben Sie ihn gezahlt?

Nein.

Dann muß ich mir erlauben, Sie zu fragen, zu welchem Zwecke Sie da« Geld

Deutsches «eich.

Berlin, 6. Aug. Die „Prov.-Corr." bespricht an der Spitze ihrer letzten Nummer die Zwecke und Ziele des in Brüssel ver­sammelten (Songreffe« vom allgemeinen Ge­sichtspunkte der reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiete de« Kriegsvölkerrechts aus. ■ Die lange, mehrere Jahrzehnte währende, fast ununterbrochene Friedenszeit, die den heftigen Kriegsstürmen am Beginne des lau­fenden Jahrhunderts gefolgt, hatte in manchen Geistern den Gedanken entstehen taffen, daß der Zeitpunkt gekommen fei, den Krieg über­haupt aus dem Bereich der civilisirten Völker zu bannen; aber die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit brachten den thatsächlichen Be­weis, daß die Voraussetzung irrig «ar. Seit Wiederherstellung des Friedens haben die jenem Gedankenkreise näher tretenden Er­örterungen vielfach die öffentliche Aufmerk­samkeit beschäftigt. Noch immer werden die Stimmen der sogenannten Friedensfreunde laut, welche sich von der Vorstellung nicht trennen wollen, daß der Krieg sich aus der Welt schaffen lasse, weil nach ihrer Behaup­tung jeder Zwist der Staaten durch schieds­gerichtliches Verfahren zur Erledigung ge langen könne; doch der gesunde Sinn der Völker hat sich von dem Wahnbilde des ewigen Friedens nicht täuschen lassen. Man begreife, daß ein schiedsrichterlicher Spruch, um auf sichere Wirksamkeit rechnen zu können, auch eine schiedsrichterliche Vollstreckung in Aussicht nehmen muß, und daß daher auch die Vor­schläge der FriedenSsrmnde auf die Unentbehr­lichkeit de« Krieges Hinweisen. Vor Allem aber sei da« öffentliche Unheil darüber im Klaren, daß keine ihrer Kraft bewußte Na­tion darauf verzichten wird, mit Aufbietung aller ihrer Machtmittel für die Wahrung ihrer Rechte und ihrer Selbstständigkeit ein­zutreten. In dm Kreisen, wo staatsmän msche Einsicht und Erfahrung den Ausschlag geben, hat van daher, wie die „Prov.-Corr." hervorhebt, dm Erwägungen und Arbeiten deS Frieden« ernstere Aufgaben gestellt. „Wmn man sich vor Allem der Pflicht bewußt blieb, die nationalen Kräfte im Hin blick auf die etwaigen Bedürfnisse deS Kriege« zu gestalten und vorzubereiten, so verband sich damit da« Bestreben, auch auf dem Gebiete der Völkerkämpfe den Forderungen der Gerechtigkeit und Menschenliebe nach Möglichkeit Genüge zu thun. Daß in dieser

der neu ernannte deutsche Botschafter Frei­herr v. Werther bei dem officiellen Em­pfange der türkischen Würdenträger über die Haltung feine« Amtsvorgängers in der Hassunisten-Frage gethan haben sollte. DaS Blatt erklärt diese angeblichen Aeußerungen für tendenziöse Erfindung, da Baron Wer­ther weder bei diesem noch bei einem anderen Anlässe, weder öffentlich noch privatim der­artige Aeußerungen gethan habe.

Creuzburg, 4. August. General-Feld- marschall Gras von Moltke, welcher am 2. d. M. hier eintraf, wurde, wie man der »Schl. Z." schreibt, auf dem Bahnhofe von einem zahlreichen Publikum begrüßt und durch mehrfache Ovationen überrascht. Als derselbe die polnische Straße passirte, wur­den bengalische Flammen agebrannt. Bei seiner gestrigen Rückkehr fand er fein Koupv geschmückt. Auf einem mit Laubgewinden umrahmten Karton standen künstlerisch au«- geführt di« Worte: Deutschlands großem Sohne, der seine Heere von Sieg zu Sieg geführt, als Ausdruck unbegrenzter Liebe und Verehrung. Dem Herrn General-Feld- marschall wurde außerdem ein Bouquet über­reicht. Allgemein freute man sich über da« noch immer recht rüstige Aussehen des großen Strategen.

Paderborn, 4. Aug. Gestern gegen Abend war es in der Stadt bekannt, dass heute Vormittag um 8 Uhr der Bischof Conrad Martin zur Abbüßung einer 18- wöchentlichen Haftstrafe in das im hiesigen früheren JnquifitoriatSgebäude befindliche Kreisgerichts - Gefängniß abgeführt werden olle. Mit Ausführung dieser Maßregel waren zwei GerichtS-ExecutionSbeamten, der ExecutionS-Jnfpector und ein Gerichtsdiener beauftragt und al« Sicherheitsmaßregel außer der hiesigen Polizei zwei Gendarmen von auswärts requirirt. Bei der Verhaftung waren der Weihbischof, der Generalvicar und viele andere Mitglieder des DomcapilelS und der hiesigen Geistlichkeit um den Bischof versammelt, in deren Gegenwart er gegen die anzuwendende Gewalt protestirte; der GerichtSdimer führte ihn nach dem Wagen — einer Extrapostkutsche — der ihn a«: dm Ort seiner Bestimmung brachte. Vor der Wohnung des Bischofs und auf dm zu passirmden Straßen, war eine große Mmschenmasse, Leidtragende und Neugierige, verfammelt. Um 8VZ Uhr fuhr der Bischof,

Anzeigen nimmt entgegen: die Sxpeditton d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin ; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte' in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: bit Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Ge. in Maffei und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Saasenstein & Bögler in fcantfurt a- M, Berlin, Leip­zig, Göln rc.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Auf dm Thürm erkannte man durch den schmutz undeutlich den Maseranstrich und b«t Fußboden zeigte hier und da gelbbraune «lecken, welche dm früheren Anstrich ver pichen, daraus konnte man deutlich erkmnen, *aß diese« Hau« für andere Leute gebaut Morden war, al« bk, welche e« jetzt be­lohnten und war man zu dieser Heber jeu । A>ng gelangt, so konnte man sich nicht über-«standen, ^scht fühlen, »enn man eine der vielen! Der Blick Anna'« schweifte ängstlich, wie

Der Kampf um eine Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Man wollte zuerst in ihrer früheren Wohnung nachfragen, aber als der Wagen dvr dem Hause hielt und der Sergeant hinein - ging, erfuhr er, daß Fräulein Blank noch Acht ausgezogm »ar.

Desto besser, sagte der Ober-Polizeivogt kV, während er langsam die schmale, steile Treppe hinaufstieg.

E« war ein alte«, unsauberes Haus Md doch hätte e« bei einiger Liebe zur Ordnung und Reinlichkeit Seiten» derÄn- Uvhner einen freundlichen Eindruck machen Runen.

Die Treppe war freilich steil und schmal, ober die Gänge waren ziemlich breit und hell Aid an dm unfaubern Wänden fand man doch die Spuren von zierlichen Arabesken dnd Stuccatur-Verzierungen.