Marburg, Donnerstag, den 6. August
1874
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Hülse in diesem Raume, sagte er, sein Bett war unter diesem Tische. Ich mußte die
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Erfahrung machen, daß ich durch diese Maßregel den Diebstahl nur begünstigte,
Der Ä**>f um eine Milli,u.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Sir Delavalle hatte fich rasch erhoben.
Da» Ludert allerdings die Sachlage, mtgegnete er, ein einfacher Diebstahl ist etwa» Alltägliches, worüber man mit Gleichmuch hinweggehen kann, aber ein Raubmord, — — wissen Sie ganz bestimmt, daß die Personen ermordet worden stad?
Ich hab'» au» zuverlässiger Quelle.
Der Baronet trat vor den Spiegel und ordnete den Änoten seiner Halsbinde.
Ich werde hingrhm, sagte er nach einer kurzen Pause, der Fall interessirt mich, vielleicht kann ich dem Gericht einen Dienst erzeigen, indem ich einen tüchtigen Agenten uuserer Polizei herüber kommen lasse. I
Das ist unnöthig, Mylord, unsere Polizei ist vortrefflich.
Sir Delavalle warf dem Kellner einen Blick j», als ob er ihn fragen wollte, mit welchem Recht er sich über diesen Punkt ein Urtheil vmiaßen könne.
Davon verstehen Sie nichts, sagte er, dir englische Polizei ist berühmt, merken Hie e» sich, wenn Sie es noch nicht wissen.
Meiningen, 31. Juli. Das Staats- Ministerium hat den Entwurf einer Gemeinde- und Kreisordnung für das Herzogthum aus- gearbeitet und an die Staats- und Gemeinde Behörden zur Aeußerung darüber versendet. Der Entwurf stellt nach der „Drf.-Z." das Gesetz zum Theil auf ganz andere Grundlagen, schafft neue Institutionen und räumt mit vielm älteren Einrichtungen vollständig aus Die einzelne Gemeinde wird nicht freier aber es wird Bieles vereinfacht, die Zmtral- regierung entlastet und der Schwerpunkt der Gemeinde und Bezirksvcrwaltung in den Kreisausschuß gelegt und diesen namentlich dem an der Spitze desselben stehenden Landrath eine weitere Machtbefugniß gegeben. Nach Analogie der Weimarschm Gemeindeordnung fällt der Unterschied zwischen Stadt- und Landgemeinde fort.
Mainz, 2. Aug. Gestern Abend wurden die viertägigen Festungsmanöver beendet. ES lag ihnen die Unterstellung zu Grunde, daß eine feindliche Armee die Festung auf der Südseite bedrohe und es zunächst auf das Fort „Heiligkreuz" in der äußeren Linie abgesehen habe. Drei Außenforts der Südseite und zwei zurückliegende in der zweiten (mittleren) Vertheidigungslinie waren in zwei Tagen vollständig aus dem Friedensauf den Kriegszustand gesetzt worden. Schein- Angriffe von südwestlicher Richtung her lei teten vorgestern die Operationen ein, welche gestern Abend gegen 10 Uhr mit einem lebhaften, von der Artillerie, vier Bataillonen Infanterie und Cavallerie gleichmäßig geführten Kamps auf dem durch Leuchtraketen voll beleuchteten Terrain vor dem $ert mit Abweisung des Angriffs endeten. Die feindliche Artillerie, einige Batterien des 27. (früher 11.) Feld-Arttllerie-RegimentS, hatte sich wieder, wie im vergangenen Jahre, auf der sogenannten „Hechtsheimer Höhe" fest gesetzt, ebenso die Sturmcolonne. Dieser Umstand, wie überhaupt die Wiederholung dieser Uebungen gerade auf jener Seite des äußeren Festungs-Gürtels ist darum von besonderem Interesse, weil jener Theil der Festung noch als der schwächste zu betrachten ist, und jene Höhe vor Hechtsheim in Feindes- Händen eine entscheidende Position wäre. Es soll deßhalb auf diesem Punkt auch eines der
Bei den letzten Worten deö Juweliers war Gerhard Schindler eingetreten, man sah ihm an, daß er sich in fieberhafter Aufregung befand.
Sir Delavalle blickte ihn scharf, forschend an, dann reichte er ihm die Hand.
Was führt Sie hierher? fragte er leise.
Wohl daffelbe, was sie bewegt, den Schauplatz des unerhörten Verbrechens zu betreten, wich Gerhard einer direkten Antwort aus.
Ah — mich interessirt dieser Fall jetzt nicht mehr so sehr, nachdem ich die Ucber- zeugung erlangt habe, daß das Gerücht über- lrieben hat.
Er muß sich im Treppenhause versteckt haben, fuhr der Juwelier fort, diese Thür, die ich gestern Abend vcrschloffen fand, war heute Morgen ebenfalls geöffnet.
Sie vernahmen während der Rächt Geräusch?
Nein.
Schläft-im Erdgeschoß Niemand?
Nein.
Aber das ist sehr unvorsichtig.
Der Juwelier zuckte die Achseln.
In früheren Jahren schlief stets ein
tagSsession beziehen und in erster Reihe den Reichshaushalt zum Gegenstände habm sollen, werden erst in der dritten Septemberwoche aufgmommen und mit der Rückkehr des Präsidenten Delbrück eingeleitet werden.
— In Bezug auf die Militärdienstpflicht der Theologen hat der Reichskanzler folgende Verfügung erlaffen: „Gemäß §. 22 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai d. I. dürfen Befreiungen der Theologen vom Militärdienst in Berücksichtigung ihres Berufes nicht mehr von den Ersa.^behörden dritter Instanz, sondern nur in der Ministerial-Jnstanz ausnahmsweise bewilligt werden. Bon der letzteren ist hierbei als Regel festzuhalten, daß nur solchen Theologen geeigneten Falles die Befreiung zu gewähren ist, welche bei dem Inkrafttreten des Reichsmilitärgesetzes das 23. Lebensjahr bereits überschritten hatten, da alle diejenigen, welche zu dem gedachten Zeitpunkte, im Lebensalter noch nicht so weit vorgeschritten waren, der einjährig-freiwilligen Dienstpflicht ohne erheblichen Nachtheil für ihr Studium genügen können. Theologen, welche bisher auf Grund des §. 44 Nr. I. der Militär Ersatz-Instruction zurückgestellt worden sind, darf ohne Rücksicht auf ihr Lebensalter die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Dienst von den Ersatz-Behörden dritter Instanz nachträglich ertheilt werden, sofern sie bei dem Ablauf des ihnen ertheilten Ausstandes die erforderliche Bildung nachweisen. "
Ehreubreitstein, 3. Aug. Dee steckbrieflich verfolgte und in allen Regierungs- Bezirken der Rheinprovinz gesuchte Pfarrer Wehn von Nikderberg kam vorgestern nach seiner Pfarrei, hielt dort gestern Morgen Hochamt mit Predigt, Nachmittags VeSper und heute Morgen Trauer-GotteSdienst für den verstorbenen Abgeordneten v. Mallinck tobt Heute Mittag wurde er verhaftet und
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen. "
Deutsches «eich.
«• Berlin, 4 August. Aus Gastein kom- men die befriedigendsten Meldungen über das Befinden deS Kaisers; von einem Besuch in den Reichslanden hat jedoch auch in der Umgebung Se. Majestät Nichts verlautet und man begreift nicht, worauf das Gerücht ’ sich gestützt haben kann. — Die Brüsseler Conferenz hüllt sich in so undurchdringliches Dunkel, daß auch die Belgischen Blätter es nicht durchdringen können. Plenarsitzungen sollen in der letzten Zeit nicht stattgefunden haben, dagegen verttauliche B.sprechungm, deren Inhalt nicht zu Protokoll gegeben worden ist. Zur Vorbereitung des Materials sind mehrere Commissionen gebildet worden. — Bon officiöser Seite soll gemeldet worden sein, daß die Einleitung des AmtSentschungs- BerfahrenS gegen den Erzbischof von Köln beschloffm sei; man hat jedoch die Quelle, au» welcher die ohnehin unbegründete Mit cheilung geflossen, mit Unrecht in RegierungS- krrism gesucht; da der Erzbischof MelcherS sich in Hast befindet, hat er wenig Gelegen- heil, schärfere Maßregeln gegen sich zu pro- vociren. — Professor v. d. Goltz durch seine Schriften und Bestrebungen zur Ver- bksserung der Lage der ländlichen Arbeiter in weiten Kreisen vortheilhaft bekannt, hat in der Concordia die in Ostpreußen vorgr- kommenen Excesse und Aufwiegelungen einer eingehenden Erörterung unterzogen auf Grund vorgenommener sorgfältiger Untersuchung der Verhältniffe. Agitationen von Seite der orthodox feudalen Pattei sollen nach Goltz'» Versicherung dabei durchaus fern gewesen sein; sociale Agitationen mögen indirekt da» Mißtrauen der niederen Bevölkerung gegen die Amtsvorsteher geweckt, und Unzufttedenheit verbreitet haben.
— Als die letzte Reichtagssession geschloffen wurde, bestand die Absicht, die nächste erste ) Herbstsession des Reichstages am 4. Ottober beginnen zu lasten. Mehrfache seitdem ein« getretene Umstände, sowie der ausdrückliche Wunsch einiger Bundesstaaten haben indessen
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Wort. Hören wir, wie die Verbrecher den Raub ermöglicht haben.
Er trat in den Laden und Sir Delavalle war sehr überrascht, als sein Blick auf den Juwelier fiel, der sich mit mehreren Herren eifrig unterhielt.
Nun, Gott sei Dank, sagte er, das Gerücht hat gelogen, so wird eS auch wohl die Größe ihres Verlustes übertrieben haben.
Statt der Antwort zeigte der Juwelier auf die leeren Schaukasten.
Von meinen Brillanten, Perlen und Edelsteinen ist mir nichts geblieben, erwidette er mit bebender Stimme, ich kann sagen, daß ich aus einem vermögenden Mann über Nacht ein Bettler geworden bin.
Wann entdeckten Sie den Raub? fragte der Ober-Polizeivogt.
Heute Morgen.
Nein, als ich diesm Morgen herunterkam, fand ich die Thür offen, die Schaukasten waren leer. Daraus kann ich nur .... Schluß ziehen, daß der Dieb sich in den Besitz falscher Schlüstel gesetzt hat.
Aber wie kam er in'S HauS?
Ich vermuthe, daß er am Abend sich hineingeschlichen hat.
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Sir Delavalle hüllte sich in seinen Plaid und wanderte langsam die Straße hinunter.
Er hatte den Neuwall sehr bald erreicht und langte gnade in dem Augenblick vor • dem Hause des Juweliers an, in welchem ' der Ober-Polizeivogt, von einigen Beamtm ' begleitet, hineintreten wollte.
t Der Baronet stellte sich dem Ober- . Polizeivogt vor und der letztere erlaubte , ihm gern, sich seiner Begleitung anzuschließen.
Sie werden eS natürlich finden, daß dieser Fall mich interessiren muß, da eS mich ja lebhaft an die verwegensten Verbrechen unserer Londoner Gauner erinnert, sagte der Engländer so kühl und gleich- müthig, als ob eS sich um die Besichtigung eines Kunstwerkes von untergeordnetem Range , handle, ein Vergleich liegt hier zu nahe, als daß ich nicht wünschen müßte, ihn zu ziehen.
1 Der Beamte nickte.
Mich interessirt dieser Fall um so mehr, als ich gerade diesm Juwelier noch vor- gestern zu ganz besonderer Vorsicht ermahnt, während ich seine Kostbarkeiten bewundette, fuhr der Baronet fort, er hielt es für eine Unmöglichkeit, daß man ihn berauben könne und vertraute dabei auf den Schutz der Polizei —
UsKiaen nimmt entgegen: * toebtttou d. Matte», die Annoncen-Bureaux Jon Th. Dietrich & Co. in Saffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; baafenfiein & Vogler in Irantfurt a. M., Berlin, Leip-
Ciiln rc.; Rudolf Moss, mBerlin, Frankfurt a. M. rc.
bedeutendsten und größten neuen Außenforts errichtet werden, und die Resultate dieser Uebungen scheinen als Vorstudien zur rationellen Anlage derselben, bezw. auch zu den dann in der jetzigen äußeren Linie vorzunehmenden Rektifikationen zu dienen, wenigstens wird Fort „Heiligkreuz" als ungenügend und verfehlt angelegt betrachtet. Aehnliche Manöver fanden zur selben Zeit in Rastatt und Köln statt.)
München, 1. Aug. Der Deutsche Merkur berichtet heute über die hiesige Anwesenheit deS Bischofs Dr. Reinkens und führt hierbei die vom letzteren gemachten Aeußcrungen auf. Bischof Reinkens kann von seinen Audienzen bei dem Deutschen Kaiser und dem Kronprinzen die Versicherung geben, daß Beide der Bewegung unter großer Theilnahme und offenem Verständniß folgen, daß daher Beiden der Gedanke an eine „altkatholische Staatskirche" eben so fern liegt, wie den Führern der Altkatholiken selbst. Ferner wurde während des Hierseins des Bischofs von dm einzelnen Mitgliedern deS hiesigen ComiteS demselben eingehender Bericht erstattet über das, was seit einem Jahre in Baiern geleistet worden ist. In Anbetracht der schwierigen Verhältnisse, unter denen die Altkatholikm zu leiden hatten, seien große Erfolge nach allen Richtungen hin, sowohl in Bezug auf daS religiöse Gemeindeleben als auf die Preffe und öffentlichen Versammlungen, und endlich auf die Stellung zur Staatsregierung zu constatiren. — Bürgermeister Erhard erhielt ein Schreiben vom StaatS-Secretär v. Bülow, worin im Auftrage des Fürsten Bismarck für Uebersmdung der Adreffe herzlicher Dank und die Versicherung ausgedrückt ist, wie wohlthuend es dem Fürsten gewesen fei, gerade auS München solche Kundgebungen pattiotischer Theilnahme zu empfangen.
Metz, 1. August. Die hiesige Forti- fikation, welche die Räumlichkeiten der vormaligen französischen Direktion du Genie inne hat, soll, wie der „Metzer Ztg." berichtet wird, in besagten Lokalitäten einer sehr interessanten Fund gemacht haben. Zwischen einem Zimmer und vem Speicher entdeckt man einen leeren Raum von ca. einem Meter Höhe, durch eine doppelte Zim- ihn entlasten. Seit dieser Zeit ließ ich den Laden unbewacht, er war ja gut verschlosten, eiserne Laden schütztm die Fenster, an der Thüre befand sich ein vorzügliches Schloß, ein Einbruch mußte Geräusch verursachen.
Aber Sie haben kein Geräusch gehört, erwiderte der Beamte.
Der Kellner wagte keine Erwiederung ®uf diese Zurechtweisung; er öffnete bvn Baronet die Thür und ließ ihn mit t;°d. Heiner tiefen Verbeugung an sich vorbei- LLJ Wen.
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Erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kvch'fche Buchdruckerei) bezogen 224 6«r., durch die Postämter des deutschen Reiche» 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ettheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werben 24 Sgr. berechnet.
unter starker Begleitung nach dem hiesigen Gewahrsam gebracht, wo er den Zug nach Neuwied abwarten mußte, um im dortigen . , Gefängnisse eine vierwöchige Strafe wegen
dahin geführt, ben Beginn der Session um Zuwiderhandlung gegen die Maigesetze zu etwa» hinauSzuschieben, so daß vor dem 15. verbüßen. Sowohl vor dem Gewahrsam als Oktober der Zusammentritt des Reichstages an der Eisenbahn hatte sich eine großeMenschen- «icht zu erwarten ist. Die BundeSrathS- menge angesammelt, doch wurde die Ordnung Arbeiten, welche sich auf die nächste Reichs- nicht gestört.
Sir, die Polizei müßte hundett Augen.
haben, wenn sie jedes Verbrechen verhüten! Gelegenheit macht Diebes mein Gehülfe ließ wollte, fiel der Ober-Polizeivvgt ihm in'S I sich durch die Gelegenheit verleiten, ich mußte