Marburg, Dienstag, den 4. August
1874
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ist efl glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich Euch cheu 6 eie einen Ehrenmann betrachte. Ihr habt
gestern die junge Dame gesehen, welche Eurem Herrn daS Kreuzchen anbot; kennt 3hr sie?
früheren Jahren mehr als die doppelte Zahl ergibt und heute reist ein fernerer zahlreicher Trupp ab. In einem einzigen Dampfer, dem „Britannic", von der White Star Linie, hatten gestern Nachmittag mehr als 400 Passagiere Ueberfahrt genommen. Alsdann wurden die Bücher geschlossen und die Gesellschaft weigerte sich, mehr Billets zu verkaufen, obgleich für die Ueberfahrt die nominell 15 Dollars kostet, 25 Dollars geboten wurden. Auf anderen Dampfern herrscht gleichfalls lebhafte Nachfrage nach Billets. Die Auswandererklasse, welche die heimwärts- sahrenden Dampfer erfüllt, ähnelt derjenigen, die tagtäglich in Castle-Garden ankommt. Seit der Panik vom letzten September hat der Mangel an Beschäftigung in allen Ar- beitSzweigen sich zum Verderben des unerfahrenen Einwanderers fühlbar gemacht und jetzt zeigen sich die Folgen. Nachdem sie während einiger Wochen oder Monate hart um einige Subsistenzmittel gerungen haben, ist ihr Geld endlich erschöpft und schnell wenden ihre Blicke sich nach ihrem Geburts lande zurück. Ein anderer Umstand, der sie gegenwärtig zur Rückkehr anlockt, ist die ungemeine Billigkeit der Zwischendeckspassage von hier nach Liverpool. Der Kampf zwischen den Dampfergefellschaften begann vor einigen Monaten, als die Nationallinie sich von der Konferenz zurückzog und ihre UeberfahrtSpreise herabsetzle. Seitdem ist die Tendenz eine stetig sinkende gewesen und sind die Preise jetzt kaum halb so hoch als vor vier Monaten. Damals kostete die Ueberfahrt 31—29 Dollars, heute nominell 15, und die Billets werden sogar noch niedriger verkauft. Fast alle englischen Gesellschaften haben dem Beispiele der Nationallinie folgen müssen und bei allen sind die Nominalpreise ziemlich die gleichen. Die Dampfergesellschaften behaupten, daß sie auf diese Weise bei jeder Ueberfahrt verlieren, aber trotzdem gehen die Preise herunter und ist noch kein Ende abzusehen." An einer andern Stelle lesen wir in demselben Blatt: „Die andernorts publicirte Ueberstcht, welche beweist, daß wir viele von den Einwanderern, die seit der letzten Panik hier landeten, wieder verlieren , ist keineswegs übertrieben. Viele Tausend jener Ankömmlinge sind in ihren Hoffnungen auf Arbeit getäuscht, und die bester gestellten kehren zurück, während die-
realen Waffen und hat diejenigen Gegner am liebsten, die sich die größtmöglichste Rück sichtnahme zur Pflicht machen.
Spanien gab vor vier Jahren den Anstoß zur Niederlage Frankreichs; heute sind die Blicke der ultramontanen Propaganda fieberhaft auf dieses Land gerichtet; hoffentlich steht auch dort diesem Krebsschaden unseres Jahrhunderts eine eclatante Niederlage be vor, die dem Frieden der Welt wie der Religiösität und Sittlichkeit deS Menschengeschlechtes zum Segen gereichen wird.
ganze Erbe verschlang, ohne vollständig befriedigt zu sein. Hauenstein erbot sich beim Gericht, sich meiner anzunehmen, ich wurde ihm übergeben und war von diesem Augen blicke an sein Sclave, mit welchem er nach Belieben schalten und walten konnte. Und sein Sclave bin ich geblieben, alle Bemühungen, die Kette zu zerreißen, blieben erfolglos, jeder mißlungene Versuch schlang sie nur noch fester um mich.
Und da verlort Ihr den Muth und die Hoffnung? fragte Gerhard, und Euer Herr wußte es zu benutzen. Nun, ich werde sehen, was ich für Euch thun kann, verlaßt Euch auf mich; wenn Ihr Euch meiner Freundschaft würdig zeigt, werde ich für Euch sorgen.
Mit leuchtenden Augen legte Timm seine dürre Hand in die harte, schwielige Rechte des Steuermanns, der chm in diesem Augenblick wie ein vom Himmel gesandter Schutzgeist erschien.
Sie sind ein edler Mann, sagte er, diese Stunde wiegt lange Jahre deö Kummers auf. Was Sie mir auch befehlen mögen, ich werde jedem Wunsche gehorchen, denn ich weiß, daß Sie mir nichts befehlen werden, was ich mit meinem Gewissen nicht vereinigen könnte.
Nein, das wird nicht geschehen, erwiederte Gerhard, seid versichert, daß nur die edel
zeitigt haben. Jetzt gilt es, das schwer Errungene sestzuhalten und für alle Zeiten zu sichern, und vor Allem im Innern, wo priesterliche Herrschsucht und Anmaßung einen gefahrdrohenden Geist der Unsittlichkeit, der Gesetzesverachtung und des Ekel erregenden römischen Fanatismus in weite Volksschichten auszustreuen strebt. Der Protestantismus und die Wistenschaft haben die Abirrungen veS Papismus von der Lehre der Offenbarung in dem Laufe der Jahrhunderte mit steigender Schärfe nachgewiesen und zum Bewußtsein der denkenden Menschheit gebracht; der gegenwärtigen Generation ist die Aufgabe gestellt, die weltliche Macht der Hierarchie zu brechen und sie unter das Staatsgesetz zu beugen. Die wahre Natur des Kampfes zwischen Staat und Hierarchie entpuppt sich immer mehr und mehr: an ihre Macht klammert sich die Hierarchie mit vem Muth der Verzweiflung, für ihre Macht hetzt sie die gedankenlosen Massen ins Feuer und wagt von Gewissensbedrängung, von Verfolgung der römischen Kirche und ähnlichem Abgeschmackten nur noch zum Pöbel zu sprechen. Alle Welt ist einig, daß in diesem Kampfe, in dem eS sich um Macht handelt, die Macht die Entscheidung hat; über die Verderblichkeit der Bestrebungen einer herrschsüchtigen Priesterkaste hat die Wistenschaft längst gerichtet und die Priester Herrschaft als die ärgste Geißel deS Menschengeschlechts gebrandmarkt; abzuwarten, bis diese Erkenntniß alle Schichten des Volkes durchdrungen hat, ist ein zweckloses und bei dem heutigen Stande der Gesell schäft unnöthigeS Beginnen. Der Ultra- rnontanismus führt den Kampf mit sehr
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Deutsche« Reich.
Berlin, 1. August. Wie diesseits deS Ozeans lange Jahre hindurch die Frage der Auswanderung nach Amerika die öffentliche Meinung in Anspruch genommen, so beginnt jetzt die Rückwanderung nach Europa die amerikanische Presse zu beschäftigen. Nach den dortigen Zeitungsberichten und den dies fettigen statistischen Nachweisen hat diese Rückwanderung schon ganz erhebliche Dimensionen angenommen, was bei dem Darniederliegen der Industrie und deS Handels auch füglich kaum Wunder nehmen darf, lieber- dem sind Viele, welche in der Hoffnung auf schnellen und großen Erwerb ihrem Vaterlande den Rücken wendeten, in den Ver»! einigten Staaten zu der Ueberzeugung ge langt, daß auch dort Arbeit, treue und fleißige Arbeit zu jedem redlichen Erwerb nöthig ist, der obenan dort nicht überall den Schutz findet und finden kann, den die heimathlichen Verhältnisse zu gewähren vermögen. — So lesen wir denn in der New- york Tribüne" vom 11. Juli d. I. unter der Ueberschrift: „Tausende, welche wegen mangelnder Beschäftigung und Wohlfeilheit der ZwischendeckSpastage nach Europa zurückkehren" Folgendes: „Seit mehreren Monaten ist eS den Dampfergesellschaften be kannt, daß Tausende von Auswanderern allmonatlich aus unserm Hafen nach Europa abreisen. Gleichzeitig gehen Berichte von einer beträchtlichen Verminderung der ankommenden Zwischendeckspassagiere ein, während die nach auswärts bestimmten Dampfer mit Zwischendeckspastagieren überfüllt sind, wie nie zuvor. Beinahe 2000 Zwifchendecks- pastagiere reiften am letzten Sonnabend aus Newyork nach Queentown, Liverpool und deutschen Häfen ab, was im Vergleich zu
Ordnung und des Gesetzes gerichtet waren. Europa hat vollen Grund, es sich zum Bewußtsein zu bringen, welche Segnungen der Umstand in sich schließt, daß das entscheidende Wort über Krieg und Frieden heute nicht mehr in Paris gesprochen wird.
Die letzte Hälfte des Jahres 1870 war eben so reich an Sorge und Schmerz, als an patriotischer Hingabe, Erhebung und Freude. Heute hat das Vaterland die Ge wißheit, daß die ungeheuren Opfer, die es
fahrungen gemacht haben und durch diese Erfahrungen befähigt fein, ein ziemlich sicheres Urtheil fällen zu können. Deshalb lege ich Werth auf Eure Antwort.
Nun denn, ich glaube, daß sie eine sehr ehrenwerthe Dame ist, die nur durch die Roth gedrungen wurde, dem Schuft —
Gut, das genügt mir, es stimmt mit meiner Ansicht überein. Würdet Ihr eS nicht ermöglichen können, Erkundigungen über daS Mädchen einzuziehen?
Wenn ich weiß, wie sie heißt und wo sie wohnt, so werde ich die erste freie Stunde benutzen, um Ihren Wunsch zu erfüllen.
Ihren Namen kann ich Euch nennen, die Wohnung müßt Ihr erfragen; so viel ich weiß, wohnte sie gestern noch in Eurer Nähe.
Gut, dann werde ich mir Mühe geben, eine ganz genaue Auskunft zu erhalten.
Bis wann glaubt Ihr —
Das kann ich nicht bestimmen, ich weiß nicht, wann mein Herr mit wieder erlauben wird, über einen Abend nach Belieben zu verfügen. Aber ich will suchen, es schon bald zu ermöglichen; wenn eS nicht anders geht, stehle ich mich hinaus, was liegt an einigen Scheltworten mehr ober weniger, vor die Thür setzt er mich nicht.
Weil er Eure Dienste zu gut gebrauchen kann!
Weil er weiß, daß ich seine Geheimnisse
Bor vier Jahre«.
Am 31. Juli 1870 verließ König Wilhelm seine Hauptstadt, um die Führung der deutschen Heere in dem gewaltigen Kampfe persönlich zu übernehmen, den der Erbfeind so plötzlich und so muthwillig vom Zaune gebrochen hatte. Wir treten nunmehr wieder in den Kreis und das Gedächtniß jener weit historischen Periode ein, in der beinahe jeder Tag durch eine erschütternde Kunde oder ein gewaltiges Ercigniß ausgezeichnet war, jener Periode, deren Verlaus das Machlvcr- hillniß der Staaten Europas wesentlich modi stritt und Deutschland die Einheit in der Form deS Kaiserreiches gegeben hat. Wie in dem Iahte 1870 Spanien dm unmittelbaren Anlaß zu dem surchtbateu Zusammen stoß der beiden Nachbarländer gab, so ist auch in diesem Sommer wieder die Auf- meiksamkeit der Welt aus die Pytenäische Halbinsel gerichtet. Sv ernst und wichtig die Ursache dieses Faktums auch ist, da die ultramontane Propaganda jetzt Spanien zum nächsten Object ihrer Beutelust erkoren hat, und die Jesuiten mit bet Hoffnung sich tragen, dort einen Staat nach ihrem Ideal Herstellen zu ßnnen, in dem alle Ketzer, alle Freimaurer, alle Freunde der Glaubens und GewiffenSfreiheit ohne Weiteres gelyncht würden, so wird dennoch kein Besonnener durch dieses zufällige Zusammentreffm beunruhigt werden. Niemand fürchtet heute eine Störung be« Weltfrieden«; allseitig ist man der Ansicht, daß die auf Erhaltung be« Friedens gerichteten Bemühungen bet drei verbünbeten Kaiserreiche und be« Königreichs Italien ben Rachegelüsten Frankreichs und ben nichtsnutzigen Wühlereien de« Ultramontanismus gegenüber ein hinlänglich ausreichendes Gegengewicht bilden «erden, um die Wahrung des Friedens zu erzwingen.
Die trotz aller Machinationen deS um Wiedererlangung seiner Weltmacht ringenden PapstthumS friedliche Eonstellation Europas und da« seit langer Zeit nicht so innig ge
Nein.
War fie früher nie in Eurem Hause?
Nie.
Welchm Eindruck machte sie ans Euch?
Der Schreiber blickte erstaunt ben Fragenden an.
Welchen Werth kann meine Antwort für Sie habm? erwiederte er. Ich bin —
Ihr seid ein Mann, der mit Leuten diese« Standes häufig verkehrt und oft Gelegen W finbet, sie zu beobachten. Ihr müßt Er-
äntwortet mir einige Fragen.
Mit Vergnügen erwiderte Timm, während et die Cigatte anzündete. Sie sind der Erste, der mit eine Wohlthat erzeigt hat, der nicht auf mich herunterfieht mit souveräner Set-
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen 224 6er., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Ser. (cjcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet.
Lhaler.
ir.Stt. er An, geilten, ä.
Der Kamps um ritte Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Gerhard wartete bis die Jammergestalt gesättigt wat, dann bot er seinem Begleiter eine Cigarre an, die ebenfalls mit einigen Worten des DankeS angenommen wurde.
Und nun, sagte er, seid fo gut und be-
«N »eigen nimmt entgegen: »ie Smedition d. »Latte», (owie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Saasenstein & Vogler m Aankfurt a. M., Berlin, Leip- üa, Cöln rc.; Rudolf Moss« ’n Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. »Latte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Hankfurt a. M.; Jägerssche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Invalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
achmU das werbe 'ich Ihnen nie vergessen. A Lassen wir bie«, ich achte auf ben Bettler, L ttumn »r »in phrlifftpr ift Utlb td)
vyork timen vyork vyork timote vyork
nicht vetrathe, so lange bie Noth mich an ihn kettet.
Zerreißt bie Kette!
Wenn ich eS könnte, wäre es längst geschehen.
Gerhard füllte die Gläser wieder und forderte eine neue Flasche.
Habt Ihr nicht den Muth dazu? fragte er. Ich meine, Ihr müßtet eine andere, bessere Stelle finden können, hier seid Ihr doch der geknechtete Sclave eines elenden Wucherers, dessen Handlungen Euch Abscheu einflösen müssen.
Conrad Timm seufzte tief auf.
Das weiß Gott, erwiderte er, Hauenstein ist ein vollendeter Schurke, er ist mehr als ein Wucherer, aber e« will mir nicht gelingen, feine Übrigen Geschäfte, bie er vor Aller Augen geheim hält, zu ergründen. Mir ist es auch nicht an ber Wiege gesungen worben, baß ich ber Sclave eines solchen Menschen werben solle, benn meine Eltern waren vermigenbe Leute und ich durfte ziemlich ruhig in die Zukunft sehen, die allem Anschein nach mir eine gesicherte Existenz bot. Meine Mutter starb früh und mein SBatet folgte ihr bald, er hatte sie so sehr geliebt, der Gram tödtete ihn. Da« Gericht wollte mir das Erbe sichern, aber eS hatte mir noch keinen Vormund bestellt, als Hugo Hauenstein eine bedeutende Forderung geltend machte, welche da«
d. M, Ritter* [
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ist wesentlich ein Verdienst der deutschen Po litik, deren Anstrengungen feit der Besiegung Frankreich« vorzugsweise auf die Herstellung ßlH einer Quadrupelalliance, auf die Consolidi- rung deS Status quo und auf bie Befestigung des Friedens gegen die Feinde ber