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Marburg, Sonntag, den 2. August.

Hr. 179,

18741,

««zeigen nimmt entgegen: Je Erpedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux boh Th- Dietrich & Co. in Zaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frantfutt a- M.; Kaasenstein & Bögler in Itantfurt a. M-, Berlin, Lech. ,ig, Cöln rc.; Rudolf Moss» m Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Obtrhtjsislhe Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blatte», sowie btt Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhanblung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meycr in Berlin; Carl Schüß- ler m Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 234 Sgr., durch die Postämter des » deutschen Reiches 25 8gr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2) Sgr. berechnet.

Pilitische W,che»-Ur»rrstcht.

Aus Gastein wie au« Kissingen treffen günstige Berichte ein. Der Kaiser wird am g. d. Mt«. nach Berlin zurückkehren. Fürst vismarck'S Genesung macht gute Fortschritte und er muß nur Acht haben, daß er nicht ersticke unter den von allen Seilen einlau senden Glückivunschadrefsen. Der General- Feidmarschall Moltke ist au« der Schweiz und der Culmsminister Falk aus Schleswig- Holstein bereit« wieder in der Hauptstadt eingctrosfen. Gegen die widersetzliche Geist lichkeit in Posen ist ernstlich vorgegangen worden. Mehrere Pfarrer sind aus den betreffenden Kreisen ausgewiesen; ihnen folgte ttt Domherr KorytkowSki, und den verur- cheilten Weihbischos JaniSzewski hat am Montag das Loo« getroffen, daß die Polizei ihn zur Verbüßung einer fünfzehnmonat­lichen GefSngnißstrafr an den Ort seiner Bestimmung abgeführt hat. Durch einen unzweideutigen Schritt hat die Reichsregie rung ihre Absicht kundgegeben, sich für den Mord deS Hauptmann« Schmidt Grnug- ihuung zu verschaffen, soweit die« einer irre­gulären und schwer zu erreichenden Macht wie den Carlisten gegenüber möglich ist. Einem deutschen Geschwader ist der Besehl geworden, sich in die nordspanischen Ge­wässer zu verfügen. Wiewohl die demselben mheilten besonderen Weisungen noch nicht bekannt sind, ist doch keine andere Annahme zulässig, al« daß die deutschen Schiffe Re­pressalien gegen die Carlisten ergreifen wer­ben, wo sie können. Blut gegen Blut frei­lich wird nicht die Losung sein; aber wo carlistifche« Kriegsmaterial abgefaßt werden kann, wird man wahrscheinlich nicht zaudern. Auch für Frankreich enthält die Maßregel einen Fingerzeig; durch genaue Beobachtung in den Grenzgewäfsern wird sich feststellen lassen, ob dem CattiSmu« von französischer Sette noch fernerhin völkerrechtswidrige Be günstigungen zu Theil werden. Eine fernere Ausgabe unserer Kriegsschiffe bildet selbst- berständlich der Schutz unserer sLandSleute in Spanien.

Die österreichische Regierung macht «ährend der parlamentarischen Mußezeit der ReichSrathS-Frrien schüchterne Versuche, um die Ausführung der constüutionellen Gesetze anzubahnen. Bi« jetzt aber hat Herr Stremayr nur Spott und Hohn von allen Seiten geerntet, weil tr es allen

Der Kumpf tu* dar Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Der Blick de« Engländer» ruhte noch immer auf der Hagern Gestalt bet Schreiber«.

Sie machen wohl auch Studien? fragte n mit bedeutsamem Lächeln.

Allerdings, Sir, aber in einer anderen Weife, als Sie!

Fühlte Sir Delavalle sich verletzt oder fand er es nicht wünfchenswerth, die Unter- Haltung fortzusetzen, — er grüßte mit kalter Förmlichkeit und verschwand bald daraus & der Menge.

Gerhard blickte ihm lange nach und sein Kopfschütteln verrieth, daß sein Mißttauen nicht geschwunden war.

Wartet noch einen Augenblick, sagte er dem Schreiber, ich habe in diesem Laden etwas zu besorgen, «erde aber nach wenigen Augenblicken ganz zu Eurer Verfügung stehen.

Er trat hinein, der Juwelier fragte nach seinem Begehr.

Erlauben Sie mir nur eine Frage, durch deren gütige Beantwortung Sir mich sehr dttbinden werden, sagte Gerhard einiger- Men verlegen. War nicht vor einer Stunde eine junge Dame hier?

Der Juwelier »ickte bejahend, Gerhard

Parteien recht machen will und den Epi«- copat überlisten zu können vermeint; man hofft, die Bischöfe durch den niederen Clerus in der Congrua-Regelung matt zu setzen und droht zugleich, daß eine ablehnende Haltung der Bischöfe die kirchlichen Refor men nun und nimmermehr zurückhalten werde; aber bis jetzt hat man noch keinen nennenswerthen Erfolg aufzuweisen. Die Nachricht, der Erzbischof von Olmütz habe eine Million al« Stiftungseapital für kirch­liche Zwecke hergegeben, scheint ein bloßes Tendenzgerücht zu fein.

Frankreich hat wieder eine sehr be­wegte parlamentarische Woche durchlebt; die Krisis hat einen chronischen Charakter angenommen, die Befreiung, die von der Entschließung über den Perier'schm Antrag erwartet wurde, ist nicht erfolgt, und e« handelt sich jetzt nur noch um eine kürzere oder längere Vettagung der Entscheidung. AlS am 23. Juli Lambert Sainte Croix und Perier ihre betreffenden Anträge be­gründet, erhob sich Broglief, um zu ent­wickeln, daß die Proklamation der Republik unnütz, unzeitgemäß und bedauerlich wäre. Als Dufaure dagegen die Nothwendigkeit einer Beendigung der jetzigen bedenklichen Lage betonte, erhob sich Ciffey, um eine Erklärung der Regierung vorzulesen, dahin lautend, daß der Perier'sche Antrag abzu­weisen sei; das Land erwarte, die Regierung« gewalt Mac Mahon'S organisirt zu sehen; die Regierung erwarte ein Gesetz, da« die obere Stellung, da« Recht der Auflösung und die Wahlen ordne; später bleibe es dem Lande unbenommen, über fein Schicksal zu bestimmen. Wallon brachte hierauf ein Amendement ein, welches die Regierungs­gewalt Mac MahonS näher bestimmen sollte; dasselbe wurde jedoch mit 637 gegen 33 Stimmen verworfen. Run folgte die Abstimmung über den Perier'schen Antrag: 374 stimmten gegen, 333 für denselben. ES folgte Maleville's Antrag auf Auflösung der Nationalversammlung: 340 sprachen sich dafür, 369 dagegen aus. Am folgenden Tage sprach sich die Nationalversammlung für Vertagung der constilutionellen Entwürfe, und zwar mit Zustimmung der Regierung aus und beschloß mit 395 gegen 308 Stimmen die Dringlichkeit des Malattre'schen Anträge», sich nach Erledigung des Budgets bi« zum 5. Januar 1875 zu öertagen.

glaubte in dem Blick, der ihn traf, Miß­ttauen zu entdecken.

Dürfte ich Sie fragen, welche« Geschäft diese Dame mit ihnen abgeschlossen hat?

Kein«, mein Herr.

Nun beim, welche» sie abschließen wollte?

Ertauben Sie, weshalb fteflen Sie diese Frage?

Ich interessire »ich für die Dame.

Der Juwelier lächelte; es war ein eigen- thümliches Lächeln, welche» dem Steuermann, der die Bedeutung desselben errieth, da« Blut in die Wangen trieb.

Ich hab'« mir gedacht, sagte er achsel- zuckend, obschon das Fräulein im ersten Augen­blick einen sehr günstigen Eindruck machte und ihre Worte anscheinend den Stempel der Wahrheit trugen.

Bitte, mein Herr, ich errathe Ihre Ver- muthungen; wenn dieselben mich mit der Dame in Verbindung bringen, so sind sie durchaus unbegründet.

Nun, mir kami's ja gleichgültig sein. Das Fräulein bot mir ein kleines, mit Perlen besetzte« Kreuz an, ich würde es vielleicht gekauft haben, aber das lag nicht in ihrer Absicht, sie wünschte es gegen ein Darlehn mir zu verpfänden. Ich lasse mich auf solche Geschäfte nicht ein.

Wie viel forderte sie? fragte Gerhard nachdenklich.

In den Bureaux dagegen sprach sich am 28. der Minister des Innern für kurze Ferien bis 30. November aus und berief sich dabei auf die Nothwendigkeit, daß ohne zu lange Frist die konstitutionellen Gesetze votirt würden. Am 29. wurde, nachdem der Minister deS Innern die Hoffnung ausgesprochen, die Nationalversammlung werde sich nicht auflösen, bevor sie über die constitulionellen Gesetze Beschluß gefaßt habe, Maleville's Antrag auf Auflösung mit 375 gegen 332 Stimmen verworfen. Nebenbei cotirte am 25., 26. und 27. Juli die Nationalversammlung das Marine - und Kriegsbudget. Die Regierung, zumal der Präsident der Republik, hat bei diesen Schwenkungen nicht an Ansehen gewonnen. Fürst Hohenhenlohe hatte am 25. eine Unterredung mit Decazes, dem er, jedoch in nichtamtlicher Weise, mittheilte, daß, falls Frankreich keine ernstlichen Vorkehrungen gegen die Carlisten treffe, Deutschland Krieg» schiffe in die spanischen Gewässer senden werde. Darüber herrscht ungeheure Ent­rüstung in den legitimistischen und ultra- montanen Blättern, denen zufolge alle Franzosen, die nicht für die Carlisten Partei nehmen, Agenten BiSmarck's u. f. w. seien.

Der Papst hat Msgr. Simminiatelli an Stelle des verstorbenen Msgr. de Merode zu seinem Almosenier ernannt. Die nächste Umgebung des Papste« besteht somit jetzt aus lauter italienischen Prälaten. Da« Petrarca-Jubiläum ist unter großer Bethel- tigung von Einheimischen und Frem den zu Padua und am Grabe de« Dichter» zu Arqua gefeiert worden. Im Feldlager von Somma bereitet man sich auf die großen Manöver vor, welche demnächst unter Leitung des Prinzen Amadeus Statt finden sollen.

Die Kriegsnachrichten in Spanien find, abgesehen von einer erhebliche» und blutigen Niederlage der Carlisten in Castellfullit, nicht sehr bedeutend. Seinen Gräuelthaten in dem eroberten Cuenca, da« übrigens bald wieder verlassen werden mußte, hat der Car- lismus eine neue Unmenschlichkeit durch die Erschießung von 170 wehrlosen Gefangenen in Olot hinzugefügt. In Barcelona ist eine Anzahl von Geistlichen, die mit dem Prätendenten sympathisiren, verhaftet wor­den. Die Erbitterung gegen Frankreich,

dessen Gränzbehörden den Aufstand durch ihre Pflichtverfäumniß unterstützen, wächst im Lande und findet in der Presse ihren lauten Ausdruck.

In Portugal ist am 24. d. das Ver- fassungS- und Freiheitsfest mit großer Be- geifterung gefeiert worden. Mit Tagesan­bruch begannen die Lustbarkeiten, alle Ge­schäfte ruhten. Der König wohnte dem Tedeum bei und hielt bann eine Truppen­schau. Am Abend war große Illumination und unbeschreiblicher Jubel. Die Regierung hat besonderen Befehl zur Uebenvachung der Carlisten an der Grenze gegeben.

Auch in England wird die internatio­nale Seite der spanischen Wirren mit Auf­merksamkeit verfolgt. Wiewohl Lord Derby als Minister d S Auswärtigen bei Beant­wortung einer Frage Lord Rüffelt'«, der aus seinen historisch zu nennenden Sympa­thien für Spanien im Kampfe gegen den Carlismus kein Hehl machte, sich äußerst zurückhaltend, ja nichtssagend verhielt, be­reitet sich doch die öffentliche Meinung schon wmigstens auf die Anerkennung der madri­der Regierung vor. Die parlamentarische Session steht ihrem Ende nahe; Gladstone ist schon abgereift, Disraeli hat mehrere Gesetzentwürfe wegen Mangels an Zeit zur Erledigung zurückgezogen und die Arbeiten haben im Allgemeinen ein rasches Tempo angenommen.

Herr HeemSkerk, welchen der König von Holland mit der Bildung eines neuen Ministerium« beauftragt hatte, hat dem Könige folgende Ministerliste vorgeschlagen: HeemSkerk Innere«, van DoeS de Willeboi» Auswärtiges, van Lynden Justiz, van btr Heim Finanzen, van Goltstein Colonieen, PelS Rycken Marine und General Weitzel Krieg.

Die internationale Conferenz in Brüssel hat am 27. und 29. Juli. Sitzungen ge­halten, die aber nur der Erledigung der einleitenden Formalitäten gewidmet waren. Den Vorsitz auf der Konferenz führt der russische Bevollmächtigte Baron Jomini.

Der Kronprinz von Dänemark hat für seinen nach Island gereiften königlichen Vater die Regentschaft übernommen und bei seinem Abschiede vom Halder Lager in Jüt­land , wo er während der militärischen Hebungen das Kommando geführt, an die Truppen eine Ansprache gerichtet, welche e»

Zwanzig Mark. Sie kennen diese Dame vielleicht?

Nein.

Sie sagte mir, fie sei Musiklehrerin und heiße Anna Blank, ober wer kann wissen, ob —

Mein Herr, ich gebe ihnen nochmals die Versicherung, daß ihr Verdacht jeder Be­gründung entbehtt.

Ihr Vertrauen kann mich nicht über« zeugen, erwiderte der Juwelier gelassen, Sie mögen sich durch die Reize de« Fräu­leins —

Ich glaube ihren Charakter zß kennen.

Hm, Sie kennen die Ränke und Schliche dieser Leute nicht. Ich habe gefunden, daß man nicht Augen genug haben kann, wenn man solchen Besuch empfängt.

Sie gehen zu weit, sagte Gerhard ent­rüstet. Machte die Dame diesen Eindruck aus Sie?,

Anfangs nicht, aber nachher, wie ich die beiden Strolche bemerkte, die vor meinem Schaufenster standen und uns unverwandt beobachteten. Wie gesagt, mein Herr, ich kenne meine Pappenheimer, hüten Sie sich vor unangenehmen Erfahrungen.

Unwillig verließ Gerhard den Baben, er konnte nicht glauben, daß die Warnung diese« MonneS gerecht fein solle, wenngleich e« auf der andern Seite ihn befremdete,

daß Anna, ttotz des von ihm erhaltenen Darlehns, das Kreuzchen hatte verpfänden wollen. Sie hatte ihm gesagt, daß sie nur 15 Mark bedürfe, er gab ihr die doppelte Summe und nahm sie nun abermals ihre Zuflucht zur Vttpfändung des theuren An­denkens ?

Das war ihm ein Räthsel, zu welchem er keinen Schlüssel fand, welche« ihn ver- «irrte und trotz seine« Vertrauen« einiger­maßen irre machte.

War sie wirklich die ränkevolle Heuchle­rin, welche der Juwelier in ihr sehen wollte? Er konnte e6 nicht glauben, ihr Bild stand in der Reinheit eine« edlen Character« vor seiner Seele, e« war ihm nicht möglich, anzunehmen, daß ihr seelenvoller Blick ihn getäuscht haben könne.

Er führte den Schreiber in den Bazar, in welchem Sir Delavalle am Tage vorher Miß Ballavini auf dem Seile gesehen hatte und e« gelang ihm, hier eine Ecke für sich und seinen Begleiter zu erobern.

Conrad Timm war sprachlos vor Erstau­nen und Entzücken; zum Besuch dieses Ser gnügungSortes hatten seine Mittel nie auS- gereicht.

Gerhard ferberte Wein unb Butterbrot), der Schreiber ließ sich nicht nöthigen, zu­zugreifen; mit einem Heißhunger, welcher mehr al« Worte da« ganze Elend diese«