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Marburg, Mittwoch, den 29. Juli

1874

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Der Äem>f uw eine Million.

Roman von Ewald Äugaft König. (Fortsetzung.)

Strichlet ei« Abenteuer, welche» sehr ernste Solgeu hat.

Mb» 1. August an kann »ie,,vberh. Zeit." 3D für die Monate August und September »ei allen Postanstalte» bestellt werden.

»»«ständige Exemplare zu erhalten, tft es zweckmäßig die Bestellung einige Tage ut len Beginn des Abonnements z« machen. Bestellungen t» hiefiger Stadt werden »»» rage des Eingang» an estectuirt und sind an die Expedition »er vberh. Zett, zu richten.

menS der Stadt Badm begrüßte Herr Joerger, Kurhausdirektor und Mitglied des GemrinderathS, den Journalistentag. Herr Dr. Friedensburg (Hamburg) sprach den Dank aus für die überaus freundliche und zuvorkommende Aufnahme Seitens der Ve Hörden und der Einwohner. Während die Anwesmden dem von der Stadt Baden offerirtm Buffet zusprachen, spielte im Kiosk vor dem ConversationShause die Kurkapelle, inzwischen hatte auch in den Prunksälen deS letzteren ein Reunionsball begonnen, an welchem bis nach 11 Uhr auch die Kurgäste und viele Offiziere der Rastatter Gamison Theil nahmen. Die erste Hauptversammlung des Journalistentags begann gestern im RathhauSsaale um 9 Uhr. Da der Bürger­meister, Herr GauS, Ehrenpräsident des LokalkomitvS, durch Krankheit verhindert war zu erscheinen, hieß Herr Gemeinderath Zachmann den Journalistentag im Auftrag der Gemeindevertretung willkommen. Er dankte für die Bereitwilligkeit, mit welcher die Journalisten der Einladung gefolgt seien; die Stadt Baden erkenne die hohe Bedeutung der Presse an und die Vertreter der letzteren könnten überall der freudigsten Aufnahme gewiß sein. Herr Dr. FriedenSburg erwiderte, daß cS dem Journalistentaz eine Ehre und zugleich eine Freude sei hier zu tag«. Wenn die freien deutschen Gemeinden und daS freie deutsche Wort sich die Hand reichen und zusammenstehen, wo eS das Wohl de« LaterlandeS gilt, da sei e» um daS Gemein­wesen gut bestellt. Der Jommalistentag trat alsvann in die Tagesordnung ein. ES kamen gemäß derselben zur Besprechung die für die deutsche Presse hochbedeutsame »tut Rechtsordnung und die Errichtung eine» ZeitungS-Telegraphen-BureauS. Bezüglich des letzteren wurde beschlossen:In Anbetracht, daß die Beschwerden über die Versorgung der Zeitungen mit telegraphischen Nachrich­ten hauptsächlich darin ihren Grund habm, daß die bestehenden Thelegraphenbureaux den Regierungen gegenüber politisch nicht unabhängig genug sind, zu erklären, daß eS wünschenswerth sei, den Telegraphenvcrkrhr durch die Gesetzgebung unter größere Ga­rantie zu stellen, um di« Bevorzugung ge«

Staatm sind zur Conferenz eingeladen worden, schreibt derNord" weiter, obgleich wahrscheinlich nur vom Continentalkrieg die Rede sein wird. Aber diese Ausnahme grün­det sich u. A. darauf, daß diese Macht zu erst einen Kodex deS KriegSrechtS aufgestellt hat. Spanien ist gleichfalls eingeladen wor­den, ungeachtet der vom internationalen Ge sichtSpunkte aus irregulären Lage seiner Regierung, und das Schlußprotokoll der Conferenz werde allen bei den Beratungen nicht vertretenen Regierungen mit der Auf­forderung zum Beitritt mitgetheilt werden Personen, welche lediglich den philantropi schen privaten Gesellschaften angehören, können zur Konferenz nicht zugelaffen werden.

Z« dem gestern mitgetheilten Bericht deS Pfarrers Hauthaler über seine Erlebniffe in Kissingen bemerkt dieN. Fr. Pr.": Der maßvolle Ton dieses Schreibens sticht wohl thuend von dem sinnlosen Geschrei über Kirchenverfolgung und CabinriSjustiz ab, welche-die klerikalen Blätter nach der Ver­haftung Hauthaler's erhoben. Der greise Geistliche läßt durchschimmern, daß er durch ein unvorsichtiges Benehmen momentanen Verdacht auf sich lenkte, und eS fällt ihm nicht rin, gegen da- gesetzliche Waltm der Justiz in bittere Klagen auszubrechen. Eben­sowenig spricht sich in dieser ruhigen Erzählung auch nur der leiseste Wunsch nach einer diplomatischen Kriegserklärung aus, die einige allzu patriotische Federn wegen des Walchseer Pfarrers sofort von Oesterreich an Deutschland gerichtet wiffen wollten. So zeigt denn der Hauptbetheiligte in dieser Affaire weit mehr RrchtSstnn und weltliche Einsicht, als alle seine kirchen- und regierungsfreundlichen Anwälte zusammen- genommen.

Baden-Baden, 27. Juli. Di« Zahl der bis vorgestern Abend 8 Uhr angemei- detcn Zeitungen beträgt 84, vertreten durch etwa 150 Mitglieder. Nachdem der Aus­schuß von 5 bis 7 Uhr im Verein mit Mitgliedern des LokalcomitsS eine Vorbe- rathung gehalten, versammelten sich Abends 8 Uhr die Mitglieder des JournalistentagS zu einer geselligen Vereinigung im Restau- rationSsaaie de» ConversationShauseS. Ra-

So oft der alte Herr ihn besuchte, «a- nicht selten der Fall war, empfing er ihn höflich und artig, aber die BekehrungSver suche verbat er sich, wie er denn auch nie von ihm einen Rath forderte.

Auch heute kam dieser Oheim, während Max am Schreibtisch saß, um einige Briefe zu beantworten.

ES war ein großer, hagerer Mann, dessen eckiges, gefurchte- Antlitz dem Physiogno miker reichen Stoff zu interessanten Studien geboten hätte.

Er trug das blonde, dünne Haar auf der Mitte des spitzen Schädels gescheitelt und in langen, glatten Strähnen hinter den Ohren zurückgestrichen, was seinem Antlitz einen leidenden Zug verlieh.

Sein dürrer Hals steckte in der weißen Binde und der schwarze Lribrock reichte bis über die Knie hinunter.

Max blickte unwillig über diese Störung auf, aber legte doch die Feder hin und er­hob sich, um den Oheim zu begrüßen. Der alte Herr schien sich in großer Aufregung zu befinden, er sank auf einen Stuhl und fuhr mit seinem weißen Taschentuch einige Mal über die Stirn, auf der trotz der De- cemberwitterung große SchwriStropfen perlten

Mein Sohn, waö habe ich erfahren muffen I begann er in salbungsvollem Tone. Du haft deine Stellung gekündigt au» eitler Hoffahrt, weil da« Dienen Dir nicht mehr bchagt! O, Du armes, verirrtes Lamm, stehst Du denn nicht, daß SatanaS Dir einen Stein in den Weg geworfen hat, über den

Der unbemittelte und mit schweren Sor­gen kämpfende Handwerker hatte sich bestrebt, seinem Sohne eine nach allen Seiten vor treffliche Bildung geben zu lasten, er hatte große Opfer gebracht, um sein Kind mit Kenntnissen auSzurüsten, welche ihm rin besseres LooS sichern konnten, als er eS je auf feiner mühsamen Wanderung durch daS irdische Jammerthal gefunden hatte und das vergaß Max ihm nie.

Er bewahrte dem theuren Verblichenen ein ehrendes, liebevolles Andenken und be­dauerte tief, daß daS Schicksal dem hartge­prüften Manne nicht erlaubt hatte, die Früchte seiner edlen Saat zu ernten.

Unter manchen Stürmen und Kämpfen, Sorgen und Entbehrungen war Max auf- gewachsen und diese Kämpfe hatten ihn früh zum Manne gereift.

Er besaß nur noch einen Verwandten, aber e« wäre ebenso gut gewesen, wenn er ihn nicht seinen Oheim genannt hätte.

Theodor Reumann war unter die From­men gegangen und deshalb schon für seinen Bruder, den Vater Maximilian'-, tobt ge­wesen, der schlichte Handwerker hatte kein Berständniß für die salbungsvollen Bekeh- rungSreden seines Bruders, besten Besuche er sehr ungern sah.

Nach seinem Tode war da« Berhältniß zwischen Oheim und Reffe nicht bester ge­worden. Max konnte der Richtung, der sein Oheim huldigte, keinen Geschmack abge- »innen, aber er trat ihm nicht schroff ent­gegen.

Du straucheln wirst? Oeffne Deine Angen, bete und arbeite, auf daß der Versucher nicht drin Herr »erbe, denn siehe, der Böse geht in der Nacht und Finftemiß umher und suchet, wen er verschlinge!

Ich kann Dir in diesem Tone nicht anl- worten, entgegnete Max, der unwillig die Braunen zusammenzog, ich möchte nicht gern bitter und verletzend werden und deshalb bitte ich Dich, mich mit diesen Redensarten zu verschonen, die für mich gedroschenes Stroh sind. Es ist wahr, ich habe ge. kündigt

Aus Hoffahrt

Bewahre, andere Gründe nöchigten mich dazu, Gründe, die ich nicht nennen kann.

Gründe, die Du nicht nennen kannst? O, mein Sohn, welche Gründe können es sein, daß sie daS Licht des Tages scheuen wüsten! Siehe, Du bist vom Wege abgewichen, weil Du eS verschmähtest, die wasterrrichen Wie- fen zu betreten, Du bist dem Bösen gefolgt, der Dich zum Abgrunde führte und nun liegst Du mit zerschmettertem Gebein unten um Felsen und schreist: Herr, Herr hilf mir!

Max lachte hell auf, eS war ihm unmög­lich, ernst zu bleiben, al« er diese Worte vernahm und der alte Herr dabei so ernsthaft die Augen verdrehte.

Die wasserreichen Wiesen Überlaste ich mit Vergnügen Deiner Heerde, sagte er sar­kastisch ; was den Abgrund betrifft, so fühle ich mich ziemlich wohl in demselben.

So ist eS also beschlostene Sache?

Za.

firfdirint täglich außer btn Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 6gr., durch die Postämter de« deutschen Reiches ÄL @gr. (erd. Bestellgebühr). Jnsertion-gebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet.

bvn ihm konnte das Kind keine äußeren ^weise der Liebe fordern.

Und doch find diese äußeren Liebeszeichen Sonnenstrahlen, welche auf den Lebens- Aaden des Kindes die herrlichsten Blüthen

Anreizen nimmt entgegen: 1 erbitten d. Blatte», Annoncen-Bureaux wn £*> Dietrich & Co. in ,nei und Hannover; LH. iSb m Frankfurt a.M,; öarienflein 4 Vogler ,n ?raetfurt a. 8W., Berlin, Leip- L (Söhne.; Rudolf Moss« ^Berlin, Frankfurt a. M. ic.

tat, er war dem Schicksal keinen Dank huldig.

Die Mutter hatte er in seinem gerieften *tabe»alter verloren, der Vater »ar durch

«ister Bureaux zu beseitigen." Es folgte die Berathung de» nächsten Gegenstandes der Tagesordnung, die Annoncen-Bureaux betreffend und gelangte folgende Resolution zur Annahme:Der 9. Jurnalistentag nimmt den ihm Seitens der vom 8. deutschen Journalistmtag niedergesetzten Kommission oorgelegten Entwurf deS Statuts für ein Jnserateu-Bureau der deutschen Presse en bloc an und empfiehlt denselben den Ver­legern deutscher Zeitungen und Zeitschriften zur Annahme, resp. fordert dieselben auf, auf Grund dieses Entwurfs ein Jnseraten- Bureau in's Leben zu rufen." Es begann hieraus die Berathung eine« Anträge«, den Nachdruck von Feuilletons betreffend. Nach kurzer Debatte wurde aber die Beschluß­fassung auf den folgenden Tag verschoben. Um 3 Uhr fand das von der Stabt Baden im großen Saale des Conbersationshause» gegebene Festmahl statt, bei welchem StaSny'S treffliche Kapelle au« Frankfurt einen von StaSny selbst komponirten und dem Journa­listmtag dedizirten WalzerJournalisten- federn" vortrug. In der heutigen zweiten Generalversammlung wurde einstimmig die Gründung einer Journalisten-Genostenschaft zunächst zu Zwecken der Altersversorgung, ferner die Einleitung von Maßnahmen gegen unbefugten und gewerbsmäßigen Nachdruck beschlossen.

München, 27. Juli. Eine Glück- wunschadreffe an Fürst Bismarck, welche hier aufgelegen hat, ist, mit 7282 Unter­schriften bedeckt, dem Adressaten durch Ver­müllung der preußischen Gesandtschaft zu- gegangen.

Wien, 27. Juli. Die Kaiser« von Oesterreich verläßt morgen Ischl und fährt ununterbrochen bis Straßburg, wo rin mehrstündiger Aufenthalt angeordnet ist. Die Weiterreise gehl über Havre nach der Insel Wight. Die Rufe nachRevanche" für den Pfarrer Hauthaler wollen noch nicht zur Ruhe kommen. Natürlich ist man über das Maß und die Beschaffenheit der Genug thuung nicht ganz einig. Folgendes sind die Bedingungen, unter denen da«Vaterland" geneigt wäre, die Feindseligkeiten einstweilen

Anzeigen nimmt entgegen: bte ejqwbttie« b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A. Stete- nutzer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte' in Bremen.

6 lichm Ausstattung entsprach sie ganz den «rirf Forderungen des jungen Manne«, der »«A frühester Jugmd an Entbehrungen ge- g«ri<» »tönt war. dessen einfacher Sinn jedni

tahnt war, deffen einfacher Sinn jedni . überflüssigen Luxus haßte. So war e« ihm tech möglich geworden, von seinem Gehalte B 10 *ch und nach rin kleine« Capital zurückzu- Mi, welche» jetzt ein sichere« Fundament Wr da« zu gründende Geschäft bildete.

Max hatte eine freudlose Jugend ge»

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juli. Die ruffische Zeitung Kord" schreibt in Betreff der Brüffeler Eonferenz, daß den in ben Petersburger Milchen Kreisen herrschenden Annahmen gemäß die ersten Sitzungen der Conferenz fich auf einfachen Gedankenaustausch be- chranken werden, wobei die Delegirten der mschiedenen Mächte konstatiren können, ob sie über den der Conferenz zu gebenden ^arakter und über die zur Geltung zu kiagetiben Prinzipien im Klaren sind. Erst Wenn hierin rin« vollständige Uebereinftimmung erzielt fein wird, werden sie tiefer auf die Diskussion der zu lösmden Fragen ringehen. An Interesse der allein in Frage kommenden Humanität und Civilisation sei die Errei­chung dieser Entente zu wünschen, sowie daß die Diskussion ohne leere Rekrnninationen Äet die Zukunft und deren Anspielungen rof die Vergangenheit verlaufe. Der Corre-

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Achtfache harte SchicksalSschläge »erbittert,

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fein werde, wenn die deutschen und fran zösischen Delegirten mit Mäßigung und I Versöhnung auftreten. ES sei zu hoffen, daß der Duc DecazeS, welcher schon so manche Beweis« von Einsicht gegeben, nur solche Delegirte erwählt habe, deren persön- ücher Charakter und deren Tendenzen dazu »ngethan sind, die Aufgaben der Conferenz P erleichtern. DerNord" selbst wendet sich gegen diejenigen Gerüchte, welche sich jetzt schon mit der Ernennung deS Vorsitzen den der Conferenz beschäftigten. Dieselben seien verfrüht, da «S allein der Conferenz pstehe, ihren Vorsitzenden zu wählen. Im Allgemeinen sei e« Gebrauch, dazu den Mi »fter deS Auswärtigen oder den Delegitten tetjenigen Macht zu ernennen, bei welcher He Conferenz stattfindet. Die vereinigten

Sa«! Maximilian Neumann war, nachdem er m einem Speisehause binirt hatte, in seine t\l s Löhnung gegangen, um einige Briefe zu schreiben, welche sich auf bi« bevorstehende Eröffnung feine« Wechselgeschästs bezogen. ! ES war eine sehr einfache, bescheidene

s y 8 Löhnung, bte nur au« zwei Zimmern ' bestand.