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Marburg, Sonntag, den 26. Juli.

ffr. 173

1874t

Mjueigen nimmt entgegen: hie «^bitten d. Blattes, fowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. 'n Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Saasenstein & Vogler in Frankfurt a. 3)1., Berlin, Leip-

Cöln rc.; Rudolf Moff« tn Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Wie ganz anders war dagen der Empfang von Seiten seiner Schwester, die ihren natürlichen herzlichen Gefühlen nicht den mindesten Zwang auferlegte.

Schön, das freut mich. In Eurem Stande kommt man oft mit jungen Damen von zweideutigem Ruf in Berührung und da läßt ein unerfahrener Mann sich leicht

Plan entworfen, e« ist mein Wille, daß Du eine geachtete Stellung einnimmst.

Die Beiden gingen die Treppe hinauf, da« Antlitz des alten Herrn leuchtete, aber Die Stirn des Jünglings umwölkte ein trüber Schatten.

Die letzten Worte des Vaters harmomr- ten nicht mit feinen eigenen Anschauungen über diesen Punkt, sie flößten ihm schon jetzt die Besorgniß ein, daß er noch einmal

geworden. Der große parlamentarische Kampf um den Perier'schen Antrag, der alle Parteien in Athem hielt, weil er über die Republik als eine Wahrheit oder über die Militär-Diktatur nach Auffassung der Par­teien entscheiden sollte und möglicherweise die Auflösung der Nationalversammlung zur Folge haben konnte, war auf Montag den 20. Juli anberaumt worden, wurde jedoch an diesem Tage bis zum Donnerstag hinauS- geschoben, da Ciffey bet Nationalversamm­lung anzeigte, daß Chabaud-Latour zum Minister deS Innern, Mathieu-Bodet zum Finanz-Minister ernannt sei und da« Cabi« net noch nicht Zeit gehabt habe, ein Ein­vernehmen über seine Haltung zu erzielen, um am Donnerstag eben abgelehnt zu werden. Die Ernennung de« Generals Chabaud-Latour erregte, weil er Protestant, Orleanist und Militär ist, mehr Aufsehen als die Bodet'S, dessen Eintritt in das Cabinet mehr oder weniger al» eine Con- cessio» an die Bonapartisten aufgenommen wurde. Bodet ist aber weitaus kein Magne, und so dürfte zu derjenigen Auffassung Grund vorhanden sein, daß die neuen Er­nennungen eine Verschiebung deS Cabintts nach dem rechten Centrum bedeuten und hinter dem neuen Minister des Innern der Herzog von Broglie operire, um die alte Majorität vom 24. Mai herzüstellen. Die äußerste Rechte ist jedoch bis jetzt gegen das Cabinet, und zwar aus triftigen Gründen, erbittert. Die Nationalversammlung frotirte am 22. Juli das Budget des FinanzministerS und trat in die Berathung über dasjenige deö Ministeriums der auswärtigen Angelegen- ) eiten ein.

Die spanische Regierung hat mehrere Dekrete erlaffen, deren wichtigste Punkte in der Einberufung einer außerordmtlichen Reserve von 125,000 Mann und der Ver- ,

Der Bauquier verneigte sich kühl, e» gefiel ihm nicht, daß dieser Herr eher die Familienräume, al» da» Cabinet auffuchte.

Und dieser kühle, zurückhaltende Empfang mußte dem Herrn Wilk-n« beweisen, daß Herr Eduard Schindler ihm herzlich gern auf den Rücken sehen würve; er verstand den Wink und schickte sich an, Abschied zu nehmen.

Ich hoffe, Sie heute Abend zu sehen und über die betreffende Angelegenheit einige nähere Mitiheilungen zu erhalten, sagte Madame, während sie den kleinen Herrn zur Thür begleitete, Sie bürfen überzeugt fein,

ängung bes Belagerungszustandes über ! anz Spanien bestehen, und von denen eines außerdem das Vermögen derjenigen,

Hm, der war ein richtiger Wolf im Schafspelze, spottete Gerhard, als die Thür hinter dem kleinen Herrn geschloffen war, mit diesem Manne

Du hast tein Recht, ein Unheil über ihn zu Men, unterbrach die Mutier ihn vor­wurfsvoll, Herr Wilkens strebt nach der Wahrheit, um ste auch Andern theilhaftia werden zu lasten.

Herr Wilkens chäte bester, seine ganze Aufmerksamkeit bett Geschäften seines Hauses zu wibmen, brummte der Banquier, bei bem übrigen Unsinn kommt nichts heraus. Ich habe eS gern, wenn ber Mensch gottesfürchtig ist aber er soll eS im Herzen unb nicht mit der Zunge fein, für die glatten Worte habe ich nichts übrig.

Madame Schindler hatte stolz das Haupt erhoben, ein Blick der Entrüstung traf ihren Gatten.

Wir hegen darüber verschiedene Anstchten, Eduard, sagte sie; ich bebaute das, zumal ich längst die Hoffnung verloren habe, Dich je zu meiner Ansicht bekehren zu können. Nun, ich mache solche Bekehrungsversuche nicht, so gönne Du auch mir, daß ich meinen Weg gehe. Herr WilkenS, ich wiederhole es, ist ein edler Charakter, kein Frömmler und Eiferer, wie Du zu glauben fcheinst.

Nun, meinetwegen, versetzte der Banquier, verderben wir uns den heutigen Tag nicht.

Hinscheidm ihres Nestors und früheren ersten Rektor», des 82jährigen ProfestorS Bruch.

Die politische Sommerruhe erhielt in Oesterreich ihren diesjährig charakteristi­schen Ausdruck durch den am 14. Juli er­folgten Besuch deS Deutschen Kaisers am Hoflager in Ischl. Das Einvernehmen zwischen dem hohen Gaste und dem öfter- reichischen Herrscherhaufe war ein so herz­liches und ungezwungenes, daß es selbst den sensattonslustigsten Augur» gewagt erscheinen mußte, daraus Capital zu schlagen. Am 16. traf Kaiser Wilhelm zu seiner gewohnten Sommereur in Wildbad Gastein ein. Unter den wiener Blättern machten die ultramon­tanen, voran dasVaterland", durch ihre Auslastungen über das fiffinger Attentat eine bedauerliche doch belehrende Ausnahme von der würdigen Haltung der übrigen Presse. Die Nachrichten aus Graz und Prag über Verhaftungen von Arbeiterführern und Be­schlagnahmen von Papieren, haben nach längerer Ruhe die Aufmerksamkeit einmal wieder auf daS Treiben ber uiwerbeffer- lichen Agitatoren gelenkt, welche bie letzten Jahre zur Herstellung einer weitverzweigten, eftgegliebcrten Organisation verwerthet haben. Eine Anzahl von Arbeitervereinen würbe aufgelöst unb ein umsastenber Prozeß einge­leitet. Auf kirchlichem Gebiete herrscht, ab- »eschen von der noch immer lebhaften Polemik n den Zeitungen Ruhe.

_3n der Schweiz ruht die Politik, in St. Gallen fand aber das große Bundes» chicßen statt, das auch aus Deutschland üelsach besucht war. Die vielen Reden und onstigen Rodomontaden im Schützenfeste waren noch ebenso überschwenglich wie immer.

welche den Carlisten Hülfe angedeihen lassen, mit ber Beschlagnahme bebroht, um ben Hinterbliebenen ber gefallenen Officiere unb Solbaten sowie ben Invaliden Pensionen auS- zusetzen. Inzwischen ist auch Cuenca am 15. b. M. in bie Gewalt der Carlisten gefallen; doch hat der Brigadier Lopez die von dort in bie Gefangenschaft abgesührten «publica- ntschen Truppen durch einen erfolgreiche» UeberfaD befreit und bie carlistische Escorte selbst gefangen genommen. Bei ber Ein­nahme biefer Stabt schändeten die Carlisten ihre allerdings schon durch Barbareien aller Art befleckte Sache wieder durch Brand- stistung und Niedermetzelung wehrloser Be­wohner. In einem Manifeste voll lächer» lichen Stolzes spielt sich Don Carlos von Neuem als ber Schirm unb Hort ber Reli­gion, der Familie, ja, der Freiheit auf: ledoch die Gräuelthaten feiner Anhänger muffen inzwischen auch bem Verblenbetsten bte Augen geöffnet haben. Diejenige» Deutschen aber, welche noch etwa unter Don Carlo»' Fahne dienen, werben hoffentlich nach der scheußlichen Mordthat, die auf Befehl desKönigs" und feines Generals Dorregaray an dem deutschen Hauptmann Schmidt verübt worden ist, ihr Ehrgefühl sich reden lasten, daß sie den Mördern chreö Landsmannes auf immer den Rücken kehren.

Von ben beiben wichtigeren Gescheut, wörf*«, bie bem englischen Unterhause augenblicklich vorliegen, hat bas Kirchen- blSclplingesetz einstweilen zurückstehen mästen, weil das Schulstiftungsgesetz sich über Er- warten breit macht und nun schon mehrere SitzungSabenbe m Beschlag genommen hat, ebne daß sich noch ein bestimmter Schluß °us da« Enbergebniß ziehen ließe. Im Oberhause ist das Fabrikgesetz so weit gc- örderl worden, baß es nunmehr nur noch >er königlichen Genehmigung bedarf. Das Deutsche Kronprinzenpaar ist von London, wo es mehreren Festlichkeiten beiwohnte urtb Sffkntliche Anstalten besichtigte, nach der Insel Wight zurückgekehrt

Der König von Holland hat Herrn HecmSkerk, den Minister des Innern, in bem konservativen Cabinet von 1866 mit der Bildung eines neuen Ministeriums be­auftragt.

der ehemaligen Sapicnza im Vatikan noc; fortbeftanb, hat sich durch den Austritt von 103 Studenten thatsächlich aufgelöst. Der Jesuitenpater Rosa, ein tüchtiger Astronom und Gehülfe des Paters Secchi, ist gestorben.

Für Frankreich sollte die Woche etwas Rechtes werden, es ist aber nicht» daraus

Der Aamps um eine Million. Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Wir werden gleich hinaufgehen, fuhr er sott, ich muß Dir vorher mittheilen, was ftit Deiner Abreise sich hier geändert hat. 34 bin noch der Alte, wie Du siehst, frisch [ unb gesund, Gottlob und daS Geschäft steht «uh noch auf den alten, soliden Füßen. | kein Freund Max hat sich trefflich bewährt, [Nit einigen Jahren hat er die Procura, er s P ein Ehrenmann. Aber er wird mich I tnbe dieses Monats verlassen und ich kann leider nicht halten, die Gründe seines . ^stritts wird er vielleicht selbst Dir nennen, tku wirst sie anerkennen muffen. Adele ist schönes Mädchen geworden, mich wundert, Mi sich noch Niemand um ihre Hand be- erben hat.

Und die Mutter? fragte Gerhard, j Der Banquier zwinkerte bedeutsam mit den ^Hkn. Hast Du nicht früher schon bemerkt, ^B sie zur Frömmigkeit neigte ? Na, sie

* unter die Methodisten gegangen und ich den Frieden in meinem Hause, deßhalb Miere ich sie nicht, ihren besonderen Weg j8 gehen, sie wird schon ihre Erfahrungen achen.

Gerhard schüttelte mißbilligend das Haupt. L®ie muß gewarnt werden, sagte er, man pfb ihr gutes, edles Herz mißbrauchen. L^a, gewiß, mein Junge, aber was hilft p tauben Ohren zu predigen? Sie muß

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^l^n schroff gegenüber stehen könne, daß ich Alles thun werde, was in meinen Die Mutter empfing ihn nicht so herzlich, Kräften steht.

wie er es erwartet hatte, sie grüßte ihn " so kalt und gleichgültig, als ob er erst vor wenigen Tagen Abschied genommen habe. Vielleicht genirte es sie, ben keineswegs elegant gefleibeten Seemann vor dem frem­den Herrn, mit bem ste sich so angelegent­lich unterhielt, al« ihren Sohn anerkennen zu müssen.

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Politische Wacheu-Ueberficht.

Ueber bas Befinden unseres Kaisers treffen bie ersrculichsten Berichte auS Gastein ein; wie eS heißt, soll Derselbe beabsichtigen, auf ber Rückreise München abermals zu berüh­ren und den König Ludwig auf Schloß Berg oder in Hohenschwangau zu besuchen. Die Genesung de« Fürsten Bismarck von seiner Verwundung macht erwünschte Fort­schritte. Die Untersuchung wegen deS fff finger Attentat« geht ihren Gang und hat ihre Fühlfäden auch nach Berlin auSgestreckt, wo eine Reihe polizeilicher Haussuchungen bei bekannten Mitgliedern der ultramontanen Partei vorgenommen wurden. Wie der tiroler Pfarrer Hauthaler, auf welchen durch eine eigenthümliche Verwicklung von Um­ständen der Schein der Mitschuld an dem Mordversuche gefallen war, sich bald von bem fatalen Verdachte zu reinigen wußte und in seine Heimalh entlassen werden konnte, sv hoffen und glauben wir, daß auch daS Ergebniß der Untersuchung gegen Kullmann das Nichtvorhandensein einer Verschwörung gegen das Leben deS Reichskanzlers ober «ich nur ber Mit Wissenschaft eine« zweiten Fanatikers darthun wird. Freilich wird dabei wohl die Ueberzeugung bestehen bleiben, daß religiöser Fanatismus dem Verbrecher bie Hand geführt hat und daß auf der ul­tramontanen Agitation die schwere Derant- «ortlichkeit lastet, unklare Köpfe zu den »Hbeften Ausbrüchen de» ParteihaffeS zu verführen. DaS Staats Ministerium hat i eine Berathung abgehaften, al» deren Frucht bk vorläufige Schließung einer Anzahl katholischer Vereine in Berlin und Weisungen zur verschärften Ueberwachung von Au», fchreitungen der Presse zu betrachten sind. ' Das Herrenhaus hat eine» feiner Mitglieder burch den Tod des 66jährigen Fürsten Her- i man Anton von Hatzfeldt Trachenberg ver- I loten; die Universität Straßburg beklagt das f

In Italien hat bei ben Mmticipal- wahlen bie liberale Partei fast überall mit großer Majorität gesiegt; in Rom find bie vom Sinbaco Grafen Franciani empfohlenen Canbibaten, in so fern sie nicht auf ber Wahlliste ber gemäßigten liberalen Partei tanben, unterlegen. Der Sinbaco hat in Folge davon seine Entlassung erbeten. Der Papst hat die Zöglinge der auswärtigen Seminare in Rom empfangen und ihnen eine längere Rede, jedoch ohne politische Anspielungen gehalten. Die päpstliche Hoch schule, welche unter ben klerikalen Professoren

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selbst Erfahrungen machen, das ist der ein­zige Weg, Warnunge» und vernünftige Vorstellungen beachtet sie nicht. Na, wir wollen nun hinauf gehen, dieser Tag ist für mich ein Freudentag. Aber halt, noch eine Frage! Verliebt ober verlobt bist Du wohl nicht wie?

Nein, Vater, lachte ber Steuermann, ich habe wahrhaftig noch keine Zeit gehabt ba- ran zu denken.

ffiÖrtnunb »Z Ä Herr Wilkens, stellte Madame den fremden

Hard, und wenn tch auch mffehe, daß ich Herrn vor, der sich beeilte, bie Worte: Chef auf meinen ersten Wunsch verzichten muß, Cc? Hauses Wilkens u. CollinS in Calcutta fo möchte ich doch den jwetten erfüllt sehen, hinzuzufügen '

Du darfst nicht unter unferm Stande hei 8

rachen, e« wäre zu unangenehm, wenn der dritte oder vierte Stand in unsere Familie hineingedrängt würbe. Na, wir sprechen Darüber später noch, ich habe schon einen

Anzeigen nimmt entgegen:

A . bie Cxpebitton b. Blatte»,

sowie bte Annoncen-Bureaux

von G. L. Daube & Co. in

IIII litt isssÄft* *ast

||||| M.;Jnvalibenbank,A.Rrte-

meticr in Berlin; Carl Schütz-

v "Tw v ler in Hannover; C. Schlotte

in Bremen.