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Marburg, Freitag, den 24. Juli.
1874
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Er kehrte zu seinem Sitz zurück, leerte
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schonungslosen Ingrimms gemacht haben, um so deutlicher erkennen alle Vater- landsfreunde in Deutschland und alle vor- urtheilSlosen Geister in Europa, wie unersetzlich dieser Mann mit seiner Umsicht und seiner Thatkrast für die höchsten Aufgaben deS Friedens und der Cultur, wie berechtigt sein-entschlossenes Einschreiten gegen Bestrebungen ist, die unter dem Deckmantel der Religion für den Geist der Entsittlichung und Empörung arbeiten. Wenn die jüngsten Vorgänge dazu führen, dem hohen Staats- manne die kräftige, allseitige Unterstützung zu sichern, deren er in einem so schweren Kampfe bedarf, so wird die ruchlose Thal vom 13. Juli, im Gegensatz zu der beabsichtigten Wirkung, segensreiche Folgen für Deutschland und Europa haben. (Prov.Corr.)
Lange ruhte der Blick Jenny's forschend auf seinen Zügen, sie mußte erkennen, daß eine täuschende Sehnlichkeit sie betrogen hatte.
Sie werden einer Mutter, welche ihr verlorenes Kind sucht, verzeihen, wenn sie durch ihren Kummer sich zu einem Schritt verleiten läßt, der in Ihren Augen vielleicht thöricht erscheint, sagte sie tief aufseufzend; eine Ähnlichkeit, welche nur zu sehr geeignet, in meiner Seele längst erloschene Hoffnungen wieder anzufachen, verleitete mich —
Bitte, kommen Sie zur Sache, unterbrach Sir Arthur sic mit kalter Ruhe, was führt Sie zu mir?
der Zusammenhang derselben mit den frevelhaften Hetzereien von ultramontaner Seite vor jedem unbefangenen Sinne klar gelegt. Einem Manne von dem Bildungsstande Kullmann'S ist überhaupt eine genauere Kenntniß der neuen Kircheugesetze unmöglich; dieselben stehen dem Bereiche seines UrtheilS fern und können daher unmittelbar seinem Empfinden und Handeln keinen Anstoß gegeben haben. Seine Auffassungen stammen mithin augenscheinlich auS denjenigen Kreisen, in denen man den neuen
tramontanen Sache hierdurch ein unauS löschlicher Makel angeheftet ist, so erleidet sie gleichzeitig eine schwere Niederlage durch die Kundgebungen herzlichster Theilnahme und begeisterter Zustimmung, die dem Fürsten Bismarck in jüngster Zeit zugegangen find. Je augenfälligere Beweise die Gegenwart dafür liefert, daß die Ultramontanen und alle Widersacher der bestehenden Verhältnisse den deutschen Reichskanzler zum Stichblatt
Fenster, um lange gedankenvoll auf die prächtige Straße und das Wasserbassin hinunter zu blicken, an denen der -Europäische Hof« lag.
So stand er in Gedanken vertieft, als der Kellner ihm den Besuch einer Dame anmeldete.
Darf ich Sie bitten, mir einige Auam- blicke Gehör zu schenken?
Gewiß, einer so schönen Dame gegenüber zu sitzen, muß mir ja außerordentlich angenehm sein und ich kann nur wünschen, dieses Vergnügen recht lange zu genießen.
Hebet die Wangen der Tänzerin drgoß sich eine flüchtige Röthe, die Ruhe und das aristokratische Benehmen des feinen Herrn setzten sie in Verlegenheit.
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, Der Kampf «m eine Millian.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Sir Arthur Delavalle wandte sich um, sein ausdrucksloser Blick streifte gleichgültig das Gesicht des Kellners.
Eine Dame? fragte er. Bitte, ihren Namen!
Der Kellner zuckte die Achseln.
Sie bat mich, ihren Besuch anzumelden, sagte er, auch scheint es mir, als ob eine wichtige Sache sie hierher führe.
Eine Hiesige?
Das weiß ich nicht, ste trägt einen dichten Schleier, aber Wuchs, Gang und Haltung lasten vennuthen, daß sie jung ist.
Sir Delavalle nickte zustimmmd, gleich darauf trat die Dame ein.
Sie schtug den Schleier zurück, der Engländer erkannte die Selltänzerin, die am Tage vorher durch seine Erscheinung so überrascht gewesm war.
Miß Vallavini hatte ben Bericht des Taschenspielers, so weit er ihn mittheilm durfte, vernommm, aber fich durch denselben nicht beruhigt gefühlt, fie wollte Gewißheit habm und diese glaubte fie nur durch eine persönliche Begegnung erhalten zu können.
Lager herrschende Verwirrung, wie für den Mangel an politischer Redlichkeit und sittlicher Strenge Zeugniß ablegte. Unter dem ersten Eindruck der Kissinger Nachrichten fand die „Germania" es angemeffen, Kull- mann einen nichtswürdigen Verbrecher zu nennen, der, vielleicht von der Vorstellung geleitet, für Glauben und Kirche zu wirken, zu dem schwersten Verstoß gegen die göttliche Weltordnung hingerissen worden sei. Dennoch unterließ ste nicht, in demselben Athem die Schandthat durch tückische Bemerkungen über die angebliche Verfolgung der Kirche in ein beschönigendes Licht zu setzen und bald darauf erklörte fie, „Fürst Bismarck könne sich nicht wundern, wenn der Unwillen sich in dem einen oder anderen Kopfe zum Plan einer verbrecherischen Gewaltthat verdichte." Jndeffen begnügen die erwähnten Blätter sich nicht damit, jedwede Mitschuld an dem Verbrechen von ihrer Partei abzu- wälzen; ste finden auch schließlich den Muth zu der arglistigen Unterstellung, daß kein wirklicher Mordversuch stattgefunden habe, sondern daß die Welt durch eine künstliche Veranstaltung der deutschen Behörden getäuscht sei. Also weil die ruchlose That mißlungen ist, weil die Mordwaffe dem Reichs kanzlet nicht den Tod, sondern nur eine, durchaus nicht gefahrlose, Verwundung gebracht hat (bei eines Haares - Breite wäre durch den Schuß eine Pulsader zerriffen worden), wagen jesuitische Federn im Widerspruch gegen handgreifliche Thatsachen das Ereigniß als eine „Polizei-Komödie" zu deuten, welche in Scene gesetzt worden sei, um die Popularität Bismarcks aufzufrischen! Dieses Verfahren erinnert an den Kunstgriff politischer Verschwörer, die jedes mißglückte Unternehmen als eine „Polizei - Komödie" darzustellen pflegen.
Die ultramontanen Deuteleien können auf das öffentliche Urtheil schon deshalb keinen estirnmmdm Einfluß üben, weil ihnen die Tatsachen gleichzeitig mit den offenen Ansagen des Meuchelmörders gegenüberstehen. Inumwunden ist von demselb n die Erklärung abgegeben worden, daß er wegen der kirchengesetze auf dm Reichskanzler geschossen >abe. Durch dieses Bekenntniß ist sowohl der politische Beweggrund der That, wie
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli. Die heutige „Prov.- Corrch." rechtfertigt die Maßregeln, die von ben Behörden zur Überwachung der ultramvntanen Blätter mtweder schon ergriffen oder in der nächsten Zeit zu erwarten sind. Die Leistungen der ultramontanen Preffe sind zu bekannt, als daß es nöthig wäre, die Auslassungen der „Prov. Corr" zu wiederholen. Von größerer Bedeutung ist besonders bereits den mitgetheilten Maßregeln gegenüber, was über die Vereine «-sagt wird. In dieser Beziehung heißt eS: In neuester Zeit hat die ultramontane Partei besonders dem katholischen Vereinswesen eine große Verbreitung gegeben und darauf hingewirkt, daffelbe durch sorgsame Gliederung und straffe Leitung für den Krieg gegen die Staatsgewalt nutzbar zu machen. Die katholischen Vereine habm unter ver- chiedmen, oft harmlosen Namen einen Boden »r ihre Wirksamkeit gesucht; aber sie haben in der Mehrzahl einen politischen Charakter angenommen und sind vielfach zu Heerden taatsgefährlicher Wühlereien geworden. Auch auf diesem Gebiete sind die Behörden verpflichtet, strenge Aussicht zu üben, und die volle Schärfe des Gesetzes in Anwendung u bringen. Nach dem Vereinsgesetze unter liegen der Polizeiaufsicht alle Vereine, die eine Einwirkung auf öffentliche Angelegen- heitei: bezwecken. Wenn dieser Zweck auch
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auf dem Antlitz des vornehmen Herrn, der mit wachsender Theilnahme ihr zuhörte
Und da habm Sie geglaubt, in mir ^hren ©alten zu erkennen? fronte er lächelnd, al« ste schwieg. “
Ja, mein Herr, eine täuschende Sehnlich, kett weckte diese Vermuthung in meiner Seele.
Habe ich denn wirklich etwas von einem vagabundirendm Schauspieler an mit? fuhr ®ir Arthur fort, während er wiederum einen Blick in den Spiegel warf. Ah Madame, Ihre Vermuthung ist für mich kein schmeichelhaftes Compliment.
Miß Ballavini hatte sich erhobm, sie sah ein, daß ihre allzu lebhaften Hoff, nungen ihr eine gewaltige Enttäuschung bereitet hatten. 0
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüss- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Sein Alter war schwer zu bestimmen, konnte ihn für einen Dreißiger halten, ein scharfer und erfahrener Beobachter Wie ihn vielleicht auf Vierzig.
mm, jedenfalls konnte er als Werber E die Hand der Banquierstochter mit in die Schranken treten. Arthur Ovalle ESquiere warf außer seinem Ver- und feiner äußeren Erscheinung einen Mienen Namm in die Waagschale.
Ob er daran dachte, als er fein kostbares $ fo selbstgefällig im Spiegel betrachtete? Herr und Madame Schindlet hattm ihm Aweidmtig bewiesen, daß er ihre Gunst N, Adele hatte sich sehr freundlich mit A unterhalten, der erste Schritt war ge< *?tn und Sir Arthur konnte mit dem wtat zufrieden fein.
- kr war ein hübscher Mann, das mußte ; v- «er Neid ihm loffett, hoch und schlank geiz d. Mfen, mit seinen Zügen und dem distin- i b. fluten Auftreten eines vollendeten Welt- tones.
Erscheint täglich außer den Werktagen «ach Sonn, und Feiettagen- Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) beioaen SSt —ZTL- m , 77
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Gesetzen nicht blos dm Gehorsam versagt, sondern auch dm Stempel feindseligster Absichten gegen die katholische Kirche aufzudrücken sucht. Wie die Ansichten Kull- mann's nicht seine eignen, sondern die seiner geistigen Leiter sind, so ist jene That auch nur, wie die „Germania" es angedmtet hat, als eine „Verdichtung" des in jenen Kreisen genährten Hasses gegen den Reichskanzler anzusehen, als die Frucht gewissenloser Hetzereien, durch die Fürst BiSmarck als Todfeind der römischen Kirche und des kaihockschen Glaubens überhaupt verlästert wird.
Nicht von einer Anklage auf Anstiftung oder wirkliche Mitschuld ist hier die Rede, wohl aber von dem verderblichen Einfluß des ultramontanen Treibens, durch welchen die rohen Mafien der katholischen Bevölkerung zur Auflehnung gegen die Staats- Obrigkeit und wilde Naturen zu frevelhafter Gewaltsamkeit verleitet werden. Ein solcher nittelbarer Zusammenhang des Mordver- uches in Kissingm mit dm jesuitischen Wühlereien ist eine Gewißheit, welche nicht »los in der öffentlichen Meinung Deutsch- ands feststeht, sondern auch in allen unbe- angenm Blättern der europäischen Presse um Ausdruck gelangt ist. Wenn der ul
Der Engländer erhob fich und trat vor ben Spiegel.
Er fuhr mit der feinen Hand einige Mal durch den Backenbart und über die blonden Haare und lächelte selbstgefällig fein Conterfei 4 b. !”/ während er die schwere goldene Nhr- b. toe um dm Zeigefinger der rechten Hand i p. totelte.
Bestellungen in hiesiger Stadt werden i#w Tage des Eingangs an effeetnirt und st«» an Ste Erpcdittvn »er Lberh. Zett, zu richten.________________________
Das öffentliche Urtheil über de«
Mordanfall auf den Reichskanzler.
Bold nach dem erschütternden Ereigniß, durch welches das Leben des Fürsten Bismarck in ernste Gefahr gefetzt worden, konnte der hohe Staatsmann mit Sicherheit der ßeberjeugung Ausdruck geben, daß die aiöderische Absicht nicht seiner Person, sondern der von ihm vertretenen Sache gegolten habe. Die gleiche Ueberzeugung hatte sich 66B vorn herein überall Bahn gebrochen und sand fich schon durch die Gewißheit bestätigt, daß der Verbrecher, der römisch-katholischen Küche angehörmd, seine religiösen und politischen Anschauungen unter dem Einfluß jener Kreise herangebildet Halle, in denen die Feindschaft gegen das deutsche Reich und der Haß gegen dm leitenden. Staatsmann fast auf gleicher Linie mit den Glaubenssätzen stehm. Es konnte daher dem unbefangenen Urtheil kein Zweifel darüber bleiben, daß die Mordwaffe gegen die nationale Politik gerichtet war, und daß der Frevler selbst in geistiger Gemeinschaft mit jenen Verblendeten stehe, welche den Sieg ihrer Sache von der Beseitigung des Mannes erwarten, der in dem Kampfe für die Rechte des Staates und für die Gewissensfreiheit des deutschen Volkes mit unerschütterlicher Entschlofimheit die Führung übernommen hat.
Die Jefuiten-Prefie hat eS nicht an Anstrengungen fehlen lassen, um die öffentliche Meinung irre zu leiten und die thatsächlichm Verhältnisse zu verdunkeln. Da eS nicht möglich war, da« Ereigniß selbst zu leugnen, so bemühte sie sich, die wirklichen politischen Vetveggründe deS MmchelmörderS und die Verbindung desselben mit ultramontanen keifen in Abrede zu stellen. Dabei trat , ® ihren Darstellungen ein Schwanken zu Tage, welches zugleich für die in jenem
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Er kehrte zu seinem Sitz zurück, leerte Sir Delavalle stand ihr ruhig, kalt gegen; behaglich seine Tasse und trat darauf an's über, er lud fie durch einen Wink ein, Platz "" '......" *"c zu nehmen, und erwartete, daß sie ihn an
reden werde.
, Verzeihen Sie, Mylord, sagte sie, ich - ar ”c.a8 'st b.° 3“ verzeihen, fiel Sir Arthur rhr zuvorkommend in's Wort, ^br 8^1$ war mir so außerordentlich ange- «ehm, daß ich Sie bitten möchte, ihn oft 3“ «verholen. Vielleicht gewöhnen Sie sich daran, mich als Ihren Gatten zu betrachten, fugte er in einem Tone hinzu, der das Zartgefühl der trostlosen Mutter tief verletzen mußte, ich bin reich, Madame, es c» « c , twtrb mir zur Freude gereichen, wenn Sie
Im Anfänge schuchtem, bann aber mit mir erlauben werben “ ' ~ öle
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ihre Erlebnisse mit und wenn ste auch oft Vlt„ _
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V1 Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Bögler tn ffrankfutt a- M-, Berlm^Lech- u« Cölu rc-; Rudolf Moss, j« Berlin, Frankfurt a. M. rc.