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Marburg, Mittwoch, den 22. Juli

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OberhcMe Jrilimg

eigenem Antrieb ihnen die mehr erwähnte

Werthe, aber es mußte mich ärgern, daß

schlecht gemacht wurde.

Ein goldenes, mit Perlen besetztes Kreuz- chen! Wie alt war die Dame?

Vielleicht achtzehn Jahre.. 4

Ihr Name?

Sie hat ihn nicht genannt, fit sagte mir nur, daß sie eine Amerikanerin sei und hier Unterricht in der Musik ertheile.

Ihr werdet die Dame aufsuchen und Euch das Kreuzchen verschaffen, ich will es sehen, sagte der Herr, und in dem Tone seiner Stimme gab sich eine leichte Erregung kund; vielleicht wohnt sie in Eurer Nachbarschaft. Jedenfalls wird eS Euch gelingen, ihren Mamen zu erfahren.

Eine befehlende Handbewrgung verab­schiedete den Pfandlecher.

Wer ist nun noch da? fragte der Herr den Wirth.

Niemand, b;

Gut, gebt mir die Liste Eurer Gäste.

Philipp Rachau holte aus seiner Tasche ein Buch und überreichte es dem Herrn, der die Liste der Namen rasch überflog.

Ich will nur drei sehen, sagte er, beson­dere Anweisungen habe ich heute nicht zu geben, ich verschiebe sie aus morgen, mit Ausnahme zweier Geschäfte, die ich rasch

Letzterem nur einige Piecen in Beschlag ge­nommen.

Dem Vernehmen nach ist eSThatsache, daß Briefschaften, welche aus Kisstngen unmittel bar nach dem Attentat im Auftrage deS Reübskanzlers hierher expedirt worden, in omssälliget Weise verspätet und daß ein Schreiben mit verletztem Siegel hier einge­gangen ist. Die in dieser Veranlassung ein­geleitete Untersuchung ist int vollen Gange.

DieBerl. Börs.-Ztg." schreibt: Die Stellung der Staatsanwälte wird nach dem Entwürfe der Gerichtsverfasiung, wie solche aus der Sitzung des BundeSrathS vom 16. Juni d. I. hervorging, im Großen und Ganzen dieselbe bleiben, wie sie bisher war, da .die ursprüngliche Vorlage deS Reichs kanzlerS nicht dürchgcgangen ist, nach welcher die Staatsanwälte, wie gegenwärtig in Han» nover, kraft eines besonderen, jederzeit wider­ruflichen Auftrages aus der Reihe der rich­terlichen Beamten entnommen werden sollten. Die Beamten der Staatsanwaltschaft werden daher aüch in Zukunft ein in sich abge­schlossenes Ganzes bilden und ihre eigene Hierarchie behalten/falls die Beschlüsse des Reichstages eine Aenderung hierin nicht hervorbringen. Voraussichtlich wird dieses ebeit nicht geschehen, da der Zweck der wi- -derruflichen Anstellung nicht recht einleuchten will. Soll dadurch etwa eine Handhabe zur Beseitigung mißliebiger oder untüchtiger Beamten gewonnen werden, so ist dies überflüssig, da die Staatsanwälte jederzeit ohne Angabe yon Gründen zur Disposition gestellt werden können. Die einzig wesent­liche unb für die Staatsanwälte möglicher Weise sehr unbequeme Aenderung in ihrer Stellung will §. 118 des Entwurfes ein; führen. Derselbe unterwirft sie einer dop­pelten Anweisung. Einmal haben sie den Anordnungen ihrer Vorgesetzten in dem Butidesstaate, in welchem sie fungiren, nachzukommen, dann aber auch in denjenigen Sachen, süt welche das Reichsgericht in erster und letzter Instanz zuständig ist, den Anweisungen deS Ober Reichsanwalts Folge zu leisten Diese Bestimmung kann und wird voraussichtlich zu vielen Unzuträglich­keiten führen, da der Staatsanwalt von zwei verfchiedenm Seiten Direktiven entgegen

fotoie die Annoncen-Bureaux gen Th. Dietrich & Co. m m jUffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.;

MÄss - k Berlin, Frankfurt a. M-rc. ,T.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis str das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen SSj «,r., durch dir Postämter des deutschen Reiches 85 66t. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 6gt. Für in der Expedition zu ertheileude ___________ Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr- berechnet.

Der Ä»*>f u* eine Milli, n. Roman von Ewald August Röntg.

tFottsetzung.)

Madame Schindler steht an brr Spitzt der Gemeinde, es wgr meine Abficht, mich in ihren Augen als eist bußfertiger Sünder und ein eifriges Glied der frommen Seele zu documentiren; man kann ja nicht wissen, , ob das Zeugniß einer ft) hoch angesehenen Dame Mir nicht einmal von großem Werthe ist.

Auf dieses Zeugniß werdet Ihr verzichten, mtgegnete der-Herr streng, ich verlange, daß Ihr Euch von der Gemeinde zurückzieht.

Ich werde gehorchen!

Es wäre Euer eigener Schade, wenn Ihr « nicht thun wolltet. Wir werden in den nächsten Tagen vielleicht werthvolle Schmuck­lochen erhallen, haltet Euch bereit, die Edel­steine müssen aus ihren Fassungm heraus- taommen, die Metalle umgeschmolzen wer- NSl Oder wollt Ihr die Kostbarkesten an- Ihafen?

Wenn die Forderung Mein Vermögen nicht versteigt!

Wir werden sehen, welchen Werth ste be- ßtzm, wenn wir sie haben. Rachau soll Euch Wien Wink geben, wenn es Zeit ist. Das ®at cs, was ich Euch sagen wollte. Trefft 6ure Vorbereitungen, die Sachen müsien auch verschwinden; e« läßt sich erwarten, daß der ^olizeiherr seine ganze Macht auft die Beine Gingen wird, wenn die Sache ruchbar wird. ®ae ist in Eurem Geschäft vorgefallen?

Nichts von Bedeutung, Herr!

Nun, der Sohn des Banquiers Schind ier ist doch gewiß ein reicher Herr I sagte er.

Der Sohn des Banquiers Schindler? fragte der Herr überrascht. Er ist ein Tau- jenichtö und so viel ich weiß, auf der See

Hm, ein Taugenichts ist er gerade nicht, sonst wäre et nicht so rasch Steuermann geworden; ich denke mir, das muß der Banquier bestimmen, sich mit dem Jungen wieder auSzusöhnen. Er hatte mir vor mehreren Jahren eine Uhr als Pfand über­geben und verlangte sie heute zurück, na­türlich ohne Erfolg, denn die Frist war ab­gelaufen. ES war ein ärgerlicher Auftritt, zumal er im Beisein einer jungen Dame stattfand, die

Also er ist hier? unterbrach der Herr ihn.

Ja.

Und eine junge Dame begleitete ihn.

Nein, die Dame wollte ebm ein Geschäft mit mir abschließen, als er eintrat. Durch

zu nehmen hat unb befolgen soll, welche möglicher Weise km diametralen Gegensätze mit einander stehen. Jnbeffsn wird diese ober eine ähnliche Bestimmung kaum zu Dernteiben sein, so lange bie Gesammtleitung der Justiz burch Begründung eines ReichS- JustizministeriumS nicht in eine Hand gelegt wird. Sie ist die natürliche Folge von der Vielköpfigkeit unserer Verfasiungszustänbe.

Pose», 18. Juli. Die geistlichen Be­amten bcs ConsistoriumS in Gnesen haben es bekanntlich abgelehnt, ihre Functionen unter bem königlichen Diöcesan-Abministrator Nollau zu erfüllen, beanspruchten aber ttotz- bem das etatsmäßig zustehende Gehakt vom 1. b. MtS. ab. Sie wenbeteu sich deshalb an den Landrath Nollau, der sie selbstver­ständlich abschlägig beschied. Auch der Dom­herr DorSzewöki in Gnesen, der eigentlich Official des dortigen ConsistoriumS ist, steift sich gegen ben derzeitigen Abministra- ter. Dieser sandte ihm nämlich zur Unter­schrift eine Quittung zu, welche die Kaffe, aus der der Prälat fein Gehalt beziehen sollte, alskönigliche Kaffe der Administration des gnesener Consistoriums" bezeichnete. Der Prälat sandte diese Quittung ohne sie zu unterschreiben zurück und schickte gleichzeitig eine Quittung früheren Formulars ein, welche einfach zurückgewiesen wurde. Wie sich herausstellt, werden auch Privatsendungen, welche an den stellvertretenden Offical Dom Herrn Korytkowski in Gnesen gelangen, vom Gerichte geöffnet und eS soll sogar vorgekommen sein, daß ein von dem Weihbischof Cybichowski an ihn adresstttes Paket derselben Maßregel i unterlag.

Königsberg, 20. Juli. Die.Ost- preußische Zeitung" meldet: Kurz vor dem Quednauer Tumult wurden folgende social- demokratische Schriften unter der Landbe­völkerung verbreitet: ein Joh. Most unter­zeichneter, in Chemnitz gedruckterMahnruf an die Feldarbeiter" und in Zürich gedruckte social-demokratische Arbeiter Lieder".

Gobvrg, 18. Juli. Der Abhaltung deS CongreffeS der Eisenacher Social-Demo- ratie scheint von Seiten der hiesigen Be- »örden kein Hinderniß entgegen gestellt wor­den zu fein, denn für morgen, Sonntag, ist eine große Volksversammlung im hiesigen

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Mattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meiner in Berlin; Carl Sch,üb­ler m Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Kurgarten ausgeschrieben, in welcher die bekannten Führer, Liebknecht und Motteler, überdie politische Stellung der social-demo­kratischen Arbeiter Partei", Th. Jork aus Hamburg und Grillenberger ans Nürnberg über die industrielle und ländliche Arbeiter­bewegung" sprechen werden.

Darmstadt, 20. Juli. Das Preisrichter- Collegium für das Landes Denkmal empfiehlt einstimmig zur Ausführung d«, Entwurf von August Herzig in Dresden; den ersten Preis erhielt Hermann Schubert in Dres­den; den zweiten Robert Diez in Dresden. Außerdem viele Belobungen.

Stuttgart, 20. Juli. DemSchwäbi­schen Merkur" wird aus Heidelberg geschtte- ben:Professor Schultz in Straßburg, wel­cher einen Rllf nach Berlin und Heidelberg erhalten hatte, hat sich für Heidelberg ent­schieden und wird im Winter-Semester feine theologischen Vorlesungen als Nachfolger Holtzmann'S beginnen.

Kisfinge», 20. Juli. Gestern und heute ist kein Bullttin über das Befinden des Fürsten Bismarck erschienen. Dem Vernehmen nach schreitet die Beffernng de« GesundheitS-Zustandes deS Fürsten in er­freulichster Weise sott. Derselbe empfing heute den Staatsanwalt v. Teffendorf.

LnSlan».

Ikom, 15. Juli. Des päpstlichen Al» mosemerS Merode Leiche ist auf dem deut­schen Friedhöfe neben der PeterSkirche für den Augenblick bestattet. Bei der Gelegen heit ward die Seiienthür der vatikanischen Basilika nach Sta. Maria zu seit dem 20. September 1870 zum ersten Mal wieder geöffnet Als die Professoren der Sa- pienza dem Propst Döllinger eine Glück­wunsch - Adresse zusandten, zogen sich die dentalen Collegen zurück, und weil ste der neuen Regierung nicht schwören wollten, chlugen sie aus Einladung ihre Zelte im Vatikan auf, während eine diskrete Zahl unreifer Jünglinge mehr aus ben Wunsch hrer Eltern al« ans eigenem Antrieb ihnen folgte.. So entstand die mehr erwähnte päpstliche Universität. Sie schleppt seit 2 Jahren ein sieches Leben weiter, doch die Stubireuben selber begriffen, daß die Frucht ihres Fleißes schließlich verloren gehen

erledigen möchte. Ruft ben Louis, Klaus unb Detlef.

Der Wirth erschrak. Furcht unb Ent­setzen spiegelten sich in seinem Blick.

Den Detlef? fragte er leise.

So sage ich.

Herr des Himmels, bann

Holla, Mann, ich glaube, Ihr werdet alt, spottete ber Herr. Weshalb zittert Ihr?

Weil ich ahne, daß

Bah, wer schon vor Ahnungen beben kann, der hat wahrhaftig nicht den Muth, einer Gefahr zu trotzen. Ich aber verlange von Jedem, ber ein Mitglieb unsere- Bundes sein will, festen ManneSmulh, ber Muthige wirb nie ein Verräther. Geht unb holt die Drei unb bas laßt Euch gesagt sein, Detlef ist ber beste unter uns Allen.

Philipp Rachau schwankte hinan«; mit seinen zitternden Knieen, bem stieren, glasigen Blick und ben verstörten Zügen machte er den Eindruck eines Verbrechers, der im Augenblicke vorher sein TodeSurtheil ver­nommen hat.

Die Arme auf ber Brust gekreuzt, hatt ber Herr seine Wanderung wieder angetrete1 Von Zeit zu Zeit blieb er stehen, horche' als ob er draußen ein verdächtiges Geräxr, vernehme, dann leuchtete stets seine noo Energie aus seinen Augen, die Energie dcn TigerS, der sich zum Sprunge auf sein E» bereit macht. ,9acn

Eine volle Viertelstunde verstrich, eh« in Wirth zurückkehrte, ihm folgten drei Mälnt-

Deutsche- Reich.

,# Berlin, 20. Juli. Hebet daS Be ««ben des Kaisers wird aus Gastein die kkfteulichstc Nachricht gegeben; selbst die beschwerliche Reise nach Gastein hat der Kaiser leicht überstanden, ohne sich beson­ders ermüdet davon zu fühlen. Ein auS Schweinfurt eingegangenes Telegramm, die Freilaffung des Pfarrers Hauthaler aus der Untersuchungshaft bestätigend, hüllt übrigens die näheren Umstände dieser Ftei- laflung burch widerspruchsvolle Angaben in ei» so mystisches Dunkel, daß die De pesche ein gewisses Mißtrauen nur ver­mehren kann, wenn nicht befriedigendere Metivlrungen ' ber Freilassung nachsolgen. Daß ber freigelaffene Pfarrer Hauthaler mit bem Mörder Kullmann vor der Thai gesprochen und verkehrt habe, ist burch be­schworene Zeugen - Aussagen erwiesen; ein entlastender Gründ für die Reise deS PWen von Tyrol nach Kisstngen und süt bas schleunige Verlassen Kisstngen'S nach dem Mordversuch ist bis jetzt nicht mitgetheilt worden und diesen höchst gravitenden Judicien gegenüber wird nun die Freilaffung gemeldet! warum? weil die Köchin ihre volle Zufrie­denheit mit dem Verhalten des verdächtigen PfattetS bekundet Habel und seine Beicht finbet ober ulttamontanm Genoffen?Dun­kri ist der Rede Sinn I" kann man nut auS- rufen unb nähere Aufklärung erwarten. Di Germania" aber läßt bie anfing« noch nothdürstig vorgeschobene MaSke jetzt gänz­lich sollen unb wetteifert in gemeinster rohester Besprechung des ohnehin unvertilg­baren Schandflecks noch mit dem baietischen ultramontanenVaterland". Durch Er laß des FinanzminffterS ist den AmtSvor- stehern für Dienstreisen Chauffeegelderfreiheit bewilligt worben.

20. Juli. Am Sonnabend Abend haben auf telegraphische Weisung au9 Rif« fingen Haussuchungen bei dem Geschäfts­führer deS Mainzer Katholikenvereins, LegationSrath v. Kehler, in dessen Wohnung und in seine» Arbeitszimmer im Radzi- M'schen PalaiS sowie bei dem Redakteur de?Germania" , CreMdt, in Abwesenheit btr beiden Genannten stattgesunden. Bei Ersterem ststd gegen 80 Schriftstücke, bei

; Man klagt über Eure Hartherzigkeit, seine Einmischung k«n da« Geschäft nicht fltan wirft Euch vor, Ihr ginget auf zu Stande; es war ein goldenes, mit Perlen betrug aus , besetztes Kreuzchen, von keinem besonderen

Wer kann daS sagen? , 1 Werthe, aber es mußte mich ärgern, daß

Ereifett Euch nicht, ich bin sehr geneigt, ich in Gegenwart der Dmne so niederträchtig dieser Behauptung Glauben zu schenken. Ich -----**v-

toifl das nicht, hört Ihr? Die Armen sollt Ihr nicht drücken, bie Reichen mögt Ihr meinetwegen zwacken, bis sie am Bettelstäbe sind aber freilich, ein Reicher kommt nicht zu Euch.

Neber das Gesicht deS Pfandleihers glitt rin bedeutsames Lächeln.