Marburg, Dienstag, den 21. Juli
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genehme, als einträgliche Stelle verschaffen. Ist das geschehen, so hängt eS allein von Euch ab, ob Ihr lange in dieser Stellung bleiben und später eine beffere erhalten werdet. Inzwischen nehmt die«, »S wird für eine Woche hinreichen, ich erwarte, daß Ihr das Geld vernünftig anwendeu «erdet.
Er zog an einer Schnur, welche neben dem Tischchen niederhing; im nächsten Augenblicke stand Philipp Rachau hinter dem I Taschendieb, der weder den Ton einer Glocke, noch irgend ein anderes Geräusch vernommen hatte.
Der Wirth befahl ihm, die 'Binde wieder umzulegen und führte ihn abermals durch mehrere Gänge nnd mehrere Treppen hinunter.
Als die Binde wieder fiel, stand der junge Mann vor einer Oeffnung in der Gartenmauer, sie schloß sich hinter ihm, sobald er hindurch geschritten war.
Er rieb die Augen und blickte sich um, eS kam ihm vor, wie ein verworrener Traum und doch wußte er, daß er wachte, daß es Wirklichkeit war, was er in diesem kurzen Zeiträume erlebt hatte.
Die Gasse, in der er stand, «ar ihm
daß Ihr sie besteht. Bin ich mit Euch zufrieden, so werde ich Euch eine eben so an
fremd, eine Thür oder Pforte sah er in der Mauer nicht, nur eine Nffche, die auf die Statue eines Heiligen zu warten schien, um ihren Zweck zu erfüllen.
Er erinnerte sich dunkel, daß er an der Hand deS WirtheS eine ziemlich lange Wanderung im Freien gemacht hatte, er erinnerte sich auch der letzten Warnung, die ihn mit dem Tode bedrohte, wenn er nicht verschwiegen sei.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. PrriS für daS Quartal durch die Expedition (Äoch'sche Buchdruckerei) bezogen SSt Sar., durch di« Loüämter deS deutschen Reiches 25 Sgr. (ejc(. Bestellgebühr). — Jasertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu erthrilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2) Sgr. berechnet.
„als „preußischer Officier" im spanischen Hauptquartier. Schließlich sei hier not) bemerkt, daß, wie uns von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, Herr Hauptmann Schmidt sich im Besitze eines durchaus legalen, von verschiedenen Gesandtschaften visirten PaffeS befand. Um auch noch eine, leider fast die einzige vernünftige französische Stimmt zu erwähnen, sei des Pariser „TempS" gedacht, welcher schreibt: „Die Erschießung der republicanischen Gefangenen durch die Carlistm hat in ganz Europa eine tiefe Bewegung hervorgerufen. Man hoffte, daß Spanien mit dm Gräueln, welche den früheren Carlistenkrieg befleckten, zu Ende gekommen sein würde. Der General Dorregaray hat diese Jllusston zerstört. In Deutschland hat der Tod des Hauptmanns Schmidt dazu beigetragen, den Eindruck noch zu verstärken. Aber es ist unmöglich, die Urheber dieser Verbrechen zu erreichen. Wir allein könnm sie miniren, sie und ihre Sache, indem wir ihnen unsere Grenze vollständig verschließen". Der „TempS" hat Recht, und es wäre nur zu wünschen, daß die französiische Regierung daS einsähe.
Leipzig, 18. Juli. Eine große Zahl Studenten hielt dieser Tage hier eine Versammlung ab, um sich über die Berichterstattung in dm Zeitungen in Sachsen von Studenten verübter Exceffe zu beschweren. Indessen urtheilt man im Publikum scharf gmug darüber, und das Verlangen nach der vollständigen Aufhebung der akademischm Vorrechte tritt wieder in den Vordergrund.
Darmstadt, 18. Juli. Von angeblich unterrichteter Seite wird mitgetheilt, daß sich die Reichsregierung lebhaft für das Zustande kommen der Bahn von Offenbach nach Darm stadt interesstrt, da dieselbe im strategischen Jnterrffe liege. Durch diese Bahn können nämlich die Pulver-TranSpotte aus der Pulverfabrik bei Hanau direkt, ohne Frankfurt zu berühren, nach dem Schießplatz bei Griesheim und durch die Ried-Bahn wetter nach den westlichen ReichS-Grmz-Festungen befördert werden.
Kissinger», 18. Juli. Da« von dem »ehandelnden Arzte des Fürstm Bismarck )eute ausgegebene Bulletin lautet: DaS All- gemeinbefindm de« Reichskanzlers ist durch eine beffer verbrachte Nacht gekräftigt. Bon I der Aufschwellung des Gelenkes ist nur noch ein unbedeutender Rest vorhanden. Die
Gebt Acht, ob Ihr ihm begegnet, dann Et Euch, wie er lebt und in welcher Gesellschaft er sich befindet.^ Ich hab« vllleicht für ein Kammermädchen eine gute Stelle, Brandes, wmn Ihr ein solches -----’-l- könnt Ihr eS mir
Inzwischen führte der Wirth den Seil- tänzer zum Herrn, über dessen Lippen ein wohlwollende« Lächeln glitt, als der hagere, dürftig gekleidete Mann sich demüthig vor ihm verneigte.
Waö führt Euch zu mir? fragte er. Seid Ihr nicht zuftiedm mit Eurer gegmwärtigen Stellung? ”
3ch wüßte lügen, wenn ich mich beschweren wollte, erwiderte Brandes, ich habe mein Brod und das Publikum erkennt meine ge ringen Leistungen an.
Nun, so sind eS vielleicht besondere Mit- theilungm, die Ihr mir zu machen habt. Wie war's auf dem letztm Flügelball«? Habt Ihr Biele von dm Unsrigen gesehen? rf 8
hig haltet, in einem vornehmen Hause die -teile eines Kammerdimer« auszufüllen, hr «erdet dazu einiger Vorübung be- kfen, Euch ein feines, geräuschlose« Auf- tten, eine gebildete Sprach« und noble tanierm aneignen müffen. Könnt Ihr O?
Ach hoffe e«, erwiderte Binder, der wieder ri athmete, Jeder kann lernen, wmn er den wichen Willen dazu hat.
So ist e«l
Der schwarze Herr machte eine Bewegung der Ungeduld.
Ich habe ihn oft gewarnt nnd ermahnt, sagte er, ich weiß, daß er sich gegen unsere Gesetze auflehnt, ja, ich weiß noch mehr, aber Euch kümmert da« weiter nicht, er ist reif geworden und ich werde Gericht Haltm. Ich danke Euch, Brandes, haltet auch ferner die Augen offen, wir haben dieser Leute noch mehrere in unserer Gesellschaft, die durch ihre Verschwendung und Genußsucht un« gesährlich »erben können. Wer keinen festm Charakter hat, für den ist der Verrath stets das Ende, mit welchem er sich tröstet; haltet die Augen offen, hier ist Geld, Brandes, ich will nicht, daß ein treuer-Dimer darbt.
Herr, ich habe gmug •*-
ES geht in den Winter, Eure dünne Kleidung gewährt Euch keinen hinreichmden Schutz, wendet das Geld gut au. Habt Ihr dm Burschen gesehen, der vorhin hier war? v
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i Heilung der Wunde schreitet in befriedigen i der Weise fort. Gestern wurde wieder ein • Soolbad genommen unter Anwendung eine« > impermeablen SchutzverbandeS der Wunde.
1 Schweinfurt, 19 Juli. Der seit dem । 16. d. M. hier in Haft befindlich gewesen« katholisch« Geistliche Hauthaler, welcher bei : dem Attentat auf Bismarck betheillgt sein sollte, ist, nachdem sich seine Unschuld klar herausgestellt hat, wie bereits telegraphisch gemeldet, wieder frei gegeben worden. Da« Interesse für Bismarck, welches er an dm Tag legte, war Schuld an der Verkennung. Er trieb e« allerdings ein wenig arg. Bon früh bis Mittag war Hauthaler im nächsten Umkreis des Diruf'fchen Hauses zu sehen. Er wich und wankte nicht, fragte jeden Umstehenden, ob denn Bismarck noch nicht bald komme, wohin er gewöhnlich fahre ic. So kam er auch in die Gesellschaft Kullmann'S, der sich die Gegend ebenfalls ausah; er wurde von demselben angebettelt iunb gab ihm ein Almosen, wobei er sich kurz mit ihm unterhielt Endlich sollte BiSmarck« Wagen kommen. Jeder postirte sich möglichst günstig, aber da wo Hauthaler stand, konnte er absolut nicht« sehen. Mit einem kühnen Satze sprang er dicht vor den Pferdm weg, wobei ihm sein langer Rock zwischen die Beine gerieth. ES mtstand Aufenthalt und in diesem Momente fiel der Schuß.
— Der Mörder Äuömann wird Tag und Rächt sehr scharf bewacht, daß er nicht wie Cohen-Blind Hand an sich lege und der so wünschenswerthew Klarstellung des Thatbe- ftandes durch die Untersuchung und dem Laufe der «eltlichm Gerechtigkeit zuvorkomme. Ein Korrespondent der „Köln. Ztg. t, der ihn bei seinem Transport nach dem Bahnhof, von wo er bekanntlich nach Schwein furt gebracht worden, genau betrachtm konnte, währmd er die Hände fest geschloffen, unter Aufsicht von zwei GmSdarmen in da« Bureau deS Inspektors gebracht wurde, schildert ein Seußere« folgendermaßen: „Bleich war ein bartloses Gesicht, von unedlen, gewöhn- lichm Zügen, und mit gleichgültiger Miene blickt« er vor sich hin. Nicht mehr so frei mb keck schaute er dann mtb wann bie hn Betrachtenben an, aber Verschmitztheit, Verbiffmheit unb Trotz glaubte man in Dein begegnmbm Blicke zu lefen. Er ist mittlrer Gestalt^ eher klein zu nmnm, nicht hager, sonbern gesetzt, boch behmbe. Er trug
Deutsches Keich.
Btrli«, 19. Juli. Die „Norbd. Allg. Ztg." schreibt offieiös: „Mit Bezug auf ttae burch die Zeitungen gehende Notiz, daß drr Cultusminister Dr. Falk in der letztm Zeit mit Briefen überschüttet worben sei, welche Bedrohungen seiner Person und der de« Fürsten Bismarck enthiettm, sind wir «ach eingezogener Erkundigung mitzutheilen in der Lage, baß der Cultusminister zwar häufig au« Anlaß der don ihm vertretenm Kkchenpolitik Schmäh- und Drohbriefe er« ' halte» hat, daß ihm bereit aber getabe in den beiden letztm Monatm keine zugegangen find. — Zu den offiziellen Glückwünschen an dm Reichskanzler find nun auch solche um Mac Mahon und von der amerika- nischen Gesandtschaft „im Namen deS ame rikanischen Volke«" gekommen. — Die „Rordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß der Zustizmimster wegen strenger Uebenvachung der ultvatnontanen Presse ein Rundschreiben an die StaatSanwaltschafteu erlassen habe; in demselben sei ausdrücklich auf die Wahr- nchmung Bezug genommen, daß gesetzwidrige Handlungen, selbst schwere Verbrechen wie daS Kissinger Attentat, auf dm verderblichen Einfluß der ultramontanen Agitation, na- memlich in der Preffe, zurückzusührm feien Daffelbe Blatt hört von entschiedenen Weisungen , die auf Grund der stattgehabten Ministerberathungen betreffs der Handhabung der BereinSpolizet gegenüber den Katholiken- vereien in den letztm Tagen ergangen seien.
— lieber die Erschießung des Hauptmanns Schmidt durch di« Carlisim ist der „Ostsee- Ztg." von Ludwig Müller, der alS preußischer Officier in der Suite des Generals en chef Zabala den Krieg mitmacht, folgende Zuschrift zugegangm: „Aus Allerhöchsten Befehl deS Königs Carlos VII. ist am 3. Juli zu Estella der Correfpondent der „Ostsee- Zeitung", Albert Schmidt, Hauptmann der 10. WrtiQeriebrigabe a. D. und Ritter des eisernen Krmzes L (Hoffe, sowie mehrerer Kriegsdecorationm, süfilirt worden. Wir besandm uns am 28. v. M. auf dem Rückmarsch nach Tasalla, und Hauptmami Schmidt, der sich etwas weit vorbegeben hatte, sprach mich noch gegen 12 Uhr Mittags m der Absicht, noch Nähere« über das Corps Campos zu erfahrm, bei dem ich mitgefochten. Ich eScortirte jedoch die Leiche ta General« Concha und war faktisch zu
längeren Mittheilungen, zumal eS auch brückend heiß war und wir drei Tage ohne Verpflegung, nicht aufgelegt. Hauptmann Schmidt schlug daher seinen Weg, anstatt mit dem Heer zu marschirm, nach Serin zu ein, jedenfalls um seine Berichte so schnell wie möglich der Eismbahn übergeben zu können. Hier muß er ben Carlistm in bie Hände gefallen fein, denn besagte Straße wurde stets von carlistffcher Cavallerie be unruhigt und war ohne Bedeckung kaum zu passiren. Genug, er wurde gefangen nach Estella geführt, und, wie König Carlo« selbst einem Arzt, bet gestern von Estella kam, wo er sich im Namen bet Regierung nach etwaigen Gefangenen erkundigt hatte, erzählt htt, schon au« dem höchst einfachm Grunde, daß er preußischer Officier war, füsilirt. Bocher wurde er gezwungen, den Ketzerglaubm abzulegm, um al« Rechtgläubiger in dm Himmel auf so unfreiwillige Weise eingehm zu können. Wenn man bedenkt, daß Hauptmann Schmidt stets Civil- kleidet trug, unbewaffnet war — also lediglich Korrespondent — so ist das abermals eine Grausamkeit des allerchristlichsten Königs, di« ihres Gleichen sucht, die jedoch hoffentlich nicht ungerächt bleiben wird. Mil Hauptmann Schmidt wurden 3 Officiere und 6 Soldaten erschoffen, di« rbenfalls bei Murugain in die Hände der Carlistm ge fallen waren. Sämmtliche Verwundete, bie wir nicht milführm tonnten, kamen durch daS Bajonnet um. Welch' unbeschreibliche Erbitterung diese letzten Fäll« beim Heere erzeugt haben, bedarf wohl keiner Erwähnung. Wehe dem König Carlos, im Falle er in unsere Hände fällt, ja wehe ben Deutschen in seinem Hauptquartier, bie ben Tod ihres Landmannes nicht verhinderten." — Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu: „Wir haben an dieser Korrespondenz nur zu bemerken, daß Hauptmann Schmidt früher nicht der 10., sondern der 11. Brigade angehörte; daß ferner Hr. Müller sich wohl schwerlich „al« preußischer Officier" im spanischen Hauptquartier befindet unb daß e« schließlich eines preußischen OsficierS durchaus unwürdig ist, von„KönigCarlosVII." und „Allerhöchstdeffm Befehlen" zu reden, Bezeichnungen, welche einem Parteiführer und Oberhaupte eines solchen Jnsurgentm- heeres nicht zustehm. Don Carlos ist so wenig „König", wie Herr Ludwig Müller
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Gewiß. '
Fühlt Ihr Euch auch stark genug, der Ersuchung zu widerstehen, auch dann, wenn * Gelegenheit sich bietet —
In jedem Falle.
Gut, nun sagt mir, ob Ihr Euch für
Ihr wäret ein Narr, daß Ihr bie Hände h anderer Leute Taschen stecktet, ehe Ihr di Nein hinreichende Hebung erlangt hattet, ' fegte der Herr ruhig , als Binder schwieg. Hr werdet diesem Gewerbe entsagen —
Anzeigen nimmt entgegen: »je Expedition d. Blattei, Wie die Annoncen-Bureaux eon Tb. Dietrich & Co. m Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; tjaafenftein & Vogler tn Lsnkfurt a.9»., Berlin, Leip- 2a, Mn rc.; Rudolf Stoffe ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägcr'sche Buchhandlung in Framfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüh- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Nur einen.
Z T rt ®or LouiS. pteue, Brandes, wmn Ihr ein solches
3°' Herr. I Mädchen protegitt, könnt Ihr eS mir
Und er berauschte sich im Champagner.«bringen, Ihr kennt bie Eigenschaften, welche
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!1 h- Der Kamps um eine Millian.
Heft i. Roman von öwalb August König.
[464 (Fortsetzung.)
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Franz Binder, wollt Ihr mir sagen, »efthem Umstande Ihr bie Empfehlung llit> be« Engländers verdankt? fragte der Herr. 26 « Der Taschendieb berichtete e« der Wahr- [46s ftH gemäß, er wagte es nicht, eine Lüge zu 1 liegen.
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