Mr. 167
Marburg, Sonntag, de» 19. Juli.
1871
Anzeigen nimmt entgegen: »ir Expedition d. Blattes, towie die Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Cv. in Sasse! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; knulsenstein & Vogler in »ranksurt a. M., Berlin, Leipzig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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durch die Postämter des
. Politische W-chnl-Ueberficht.
Deutschland und mit ihm das ganze civili sirie Europa wurden am Montag erschüttert ourch die vom Telegraphen mit Blitzesschnelle überallhin verbreitete Kunde von einem so rben in Kissingen gemachten Mordversuche auf den Fürsten Bismarck. Die zum Gegen- gruh erhobene Hand des Fürsten lenkte die Kugel des Meuchelmörders aus ihrer Richtung, und so wurde nur die Handwurzel ungefährlich gestreift, während sonst vielleicht die Stirn wäre getroffen worden. Die Nähe der Gefahr des Verlustes eines so theuren Lebens läßt den Werth deffelben in allen Kreisen, die der Wiederherstellung des einheitlichen Reiches der deuffchen Ration, feiner kraftvollen, geistig freien Politik zuzuftimmen, doppelt innig empfinden. Genaueres über die besonderen Triebfedern des Mörders, sowie eine Antwort auf die Frage, ob der- selbc in Verabredung mit Andern gehandelt, wird im weiteren Fortgänge der begonnenen Untersuchung sich ergeben; von leichtfettiger Verdächtigung wird man sich in Deutschland besonnen fern haltm. Kaiser Wilhelm befand sich in dem Augenblicke, al« in Kissingen die Unchat vollbracht wurde, auf der Durchreise von der Insel Mainau über Lindau, Kempten, München nach Ischl und Gastein auf bairrischem Boden als Gast des Königs von Baiern unb in dessen prachtvollen KönigSzuge. Es hat in allen reichstreuen Kreisen sehr angenehm berührt, daß König Ludwig IL diesmal sich gedrungen gefühlt hat, den greisen Hetdenkaiser persönlich auf- zufuchen und über eine Reihe von Stationen auf den Eisenbahnen seines Landes zu be gleiten. Der Schuß in Kissingen kann das Band zwischen beiden Monarchen nur noch mehr befestigt haben. Unter dm erstm der zahllosm Glückwünsche an den Fürsten Bismarck aus ollen Theilen Deutschlands waren neben dem König von Baiern auch die des wüttembergischm Königspaares. — Aus der Provinz Preußen verlautete von einer eigen- thümlichen Bauernrevolte in Quednau und Umgegend gegen die Einrichtungen der neuen Kreisordnung; noch fehlt es an sicherer Ein- ficht über den Ursprung derselben. — Der daierische Landtag hat seine Arbeiten vollmdtt und ist am Donnerstag vertagt worden.
In Oesterreich herrscht Sommerruhe. Am 13. Juli Abends traf der Deutsch« Kaiser in Salzburg ein und setzte am 14. seine Weiterreise, nach Ischl sttr Begrüßung
Dor Ksmpf mm eine Million.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.) ,.i
Feierabend, ; meine Herren! sagte der Wirth in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete. Wer noch ein volles Glas hat, der trinke aus, punkt elf wird geschloffen. ।
Wie an jedem Abmd, so erhob sich auch heute eine Opposition gegen diesen Wacht spruch aber Philipp Rachau ließ diese Oppo- fition nicht gelten.
Wer hier übernachten will, dem werde ich sogleich eine Schlasstätte anweisen, fuhr tt gelassen fort, je nach feinen Wünschen »tb Mitteln, die übrigen «erden das HauS Waffen. i
ES schlug elf, einige Gäste hatten stch schon erhoben, andere zögerten «och.
Philipp Rachau machte kurzen Prozeß, wer nicht gutwillig seiner wiederholten Aufforderung Folge leistete, dm ergriff er ohne WeüerrS beim Rockkragen und der Betreffende durfte zufrieden sein, wenn er nicht allzu Unsanft aus die Striche gesetzt wurde.
Als nun die Gaststube geräumt war, schloß der Wirth mit großer Sorgfalt die Hausthür, welche durch mehrere starke Riegel und eine eiserne Querstange vor jedem von Nutzen geschützt wurde, dann kehrte er in
dcS Kaisers Franz Joseph fort. Erzherzog Albrecht hat dm Zaren in Warschau begrüßt und ist mit ihm nach Petersburg gereist. Es fehlt nicht an politischen Conjecturen Über diese Reisen, die jedoch so wenig Halt haben, daß sie auch der kürzesten Erwähnung nicht werth sind. Auf kirchlichem Gebiete herrscht Sonntags stille. In Böhme» haben bei den in letzter Woche Statt gehabten Landtags Ersatzwahlen durchweg die Älttzechen gesiegt. Der ungarische Reichstag nahm sogar den letzten Sonntag zu Hülfe, um mit der Wahlnovelle fertig zu werden; c8 blieb aber bei dem bisherigen Schneckengange der Debatte. Am 12. Juli wurde der serbische Kirchencongreß in Karlowitz ohne Störung eröffnet zur Wahl deS Patriarchen.
Der schweizerische BundeSrath beschloß in feiner Sitzung vom Freitag ein Ausschreibm an die Santene wegen AuS führung und Auslegung deS eidgenössischen Bmidesbürgerrechts in Art. 54 der neuen Bundesfassung.
Der italienische Minister-Präsident Minghetti ist wieder nach Rom zurückgekehrt. Die italienische Regierung hak die Villa Medici, der Sitz der französischen Akademie, von allm Abgaben freigesprochen. In Florenz hat ein Pöbelaufstand Statt gefunden wegen der hohen Brodpreis«, doch wurde die Ruhe ohne Mühe wieder hergestellt.
In ihren ruhigeren Stunden beschäftigte sich die französische National - Versammlung mit dem Wolowski'schen Anträge, welcher die jährliche Rückzahlung an die Bank aus 150 Millionen beschränkm will. Der Finanz- Minister Magne hielt am 10. und 11. Reden gegen dieses Amendement und erklärte sich für die vom Finanz-AuSschnffe mit 14 gegen 7 Stimmen befürwortete Salzsteuer. In der Sitzung vom 14. wurde jedoch die Salzsteuer mit 362 gegen 256 Stimmen verworfen. Magne hat im Verlaufe dieses Kampfes wiederholt auf seinen Rücktritt angespielt, auch am 15. die Enthebung von seinem allerdings schweren Amte verlangt, aber auf Mac Mahon'S Wunsch sogleich eingewilligt, die lausenden Geschäfte bis zur Ernennung seine» Nachfolgers fortzuführen. Die Mitglieder des jetzigen Geschäfts-Ministeriums hielten-sich bisher, wie wiederholte Niederlagen gezeigt haben, nicht verbunden, von der Bühne zu verschwinden, wenn sie in der National Versammlung in der Mino rität bleiben. Die Anhänger Mac Mahon'S
das Hinterzimmer zurück, in welchem Hanen- ftein und die beiden anderen Gäste saßen.
Wie heißt Ihr? wandte er sich zu dem der empfohlen »erben war.
Franz Binder, lautete die schüchterne Antwort, ich sagte euch schon daß ei« vornehmer Herr, dessen Namen ich nicht kenne, mir befohlen hat —
DaS wird sich finden fiel Rachau ihm in'S Wort, ich werde Euch zuerst hinauf führen. Habt keine Furcht, redet offen und dreist mit dem Herrn und verschweigt nichts, eine Lüge kann Euch das Seien kosten. Seid Ihr bereit? « <-• '> -
Ja. - ° ' r-.v., ■ •
Wohl, bann habe ich Euch «och daraus aufmerksam zu machen, daß von dem, was Ihr in diesem Hause sehen und hören werdet, niemals eine Silbe über Eure Sippen kommen darf. ; ii
Ich kann schiveigen.
Ihr müßt schweigen, auch wenn ihr e» nicht könntet! Der leiseste Berrath, der in Euren Augen vielleicht nicht einmal als Verrath erscheint, spricht für Euch das TodeSnrtheil. Von dem Augenblicke an, in welchem Ihr dieses HauS wieder verlaßt, werbet Ihr scharf überwacht, wo Ihr auch sein, was Ihr auch thun möget, ein Auge wird Euch stets beobachten und wehe Euch,
verlangen in den Organen deS Präsidenten als conditio sine qua non zur Aufrecht Haltung von Ruhe und Ordnung die Prä rogative für den Marschall, den hohen Rath zu ernennen und das Recht, mit diesem die Deputirtenkammer auflösen zu können, während die Republicaner in diesen Vorrechten nur Ursachen zur Verwirrung und Anbahnung der Säbelherrschaft sehen. Die Zuver sicht der Bonapartisten auf einen raschen Sieg ihrer so großartigen wie verwegenen Agitation ist in den letzten Tagen gesunken.
Während die spanischen Regierungstruppen Verstärkungen heranziehen, aber an den Ebro zurückgehen, rücken die Carlisten in BiScayen ein. Nach carlistischen Nachrichten soll ein englisches Schiff zwanzig schwere Gußstahlkanonen und zweihundert Kisten Munition gelandet haben und der Enthusiasmus im carlistischen Lager groß sein. ES bestätigt sich, daß der Generäl Dorregaray alle gefangenen Officiere und Unterofficiere, so wie den zehnten Mann der gefangenen Soldaten erschießen ließ; auch der Berichterstatter berliner und schle stscher Zeitungen, der preußische Artillerie- Hauptmann Schmidt, wurde standrechtlich erschossen. Dorregaray hat ein Manifest er taffen, worin er behauptet, die erwähnten Grausamkeiten seien nur Repressalien gegen die von Pen republicanischen Truppen ver übten Exkesse; dagegen erklärt der Minister deS Auswärtigen die ^Behauptungen des Carlisten Generals über solche von den Regierungstruppen begangenen Exceffc für gänzlich unwahr. Von fämnulichen in die Hände der Regierungstruppen gefallenen Carlisten ist nicht einEinzigererschoffen worden
Im englischen Unterlaufe sprach der Premier-Minister die Hoffnung aus, daß die ParlamentSsesston am 8. August schließen könne. Die zweite Lesung des Gesetzes über die KirchmdiSciplin in der englischen Hochkirche, welches in England lebhaftes Interesse erregt, ist fast einstimmig angenommen werben. Der große Strike der Eisengruben arbeitet in Schottland ist zu Ende, ebenso die Arbeitseinstellung der Bergleute im Districte Bristol; man hat sich über eine Lohnherabsetzung von 10 pCt. geeinigt.
Z» Vilvorde bei Brüssel hat in der dortigen Militär-Strafanstalt eine Meuterei der Sträflinge Statt gesunden, wurde aber noch vor Ankunft der von Brüffel requiritten Hülse unterdrückt.
wenn Ihr nur zur Unzufriedenheit Anlaß gebt. Gehorsam und Verschwiegenheit hingegen tragen Euch reiche Früchte, in allen Nöthen und Gefahren werden Freunde Euch beschützen und retten; so lange Ihr treu, gehorsam und verschwiegen seid, habt Ihr nie zu befürchten.
Die Wange» Binder'S waren erbleicht, aber in seinen Augen lag der Ausdruck fester Entschlossenheit.
Ich werde mich danach richten, sagte er.
Gut legt diese Binde vor Eure Augen, ich werde Euch führen.
Meldet mich an, sagte Hauenstein.
Habt Ihr eine besondere Botschaft? fragte der Wirch.
Stein. i'
So werdet Ihr »arten muffen bis e« bem Herrn gefällt, Euch zu empfangen.
Er griff die Hand Binder'S und führte chn hinaus.
Der Weg ging mehrere Treppen hinauf und wieder hinunter, durch lange Gänge, «eiche mit Teppichen belegt waren, Thüren wurden geöffnet und wieder geschloffen; end lich fühlte Binder sich von einer allgemeinen Wärme und einem entzückenden Wohlgeruch umweht.
ES war ihm, als ob er in ein durch- wärmieS Treibhaus eingetreten fei, in
In Dänemark ist denn endlich doch ein neue» oder vielmehr ein modificirtes Ministerium zu Stande gekommen. Der bisherige Minister des Innern, Fonnesbech, hat sich an die Spitze gestellt und von feinen bisherigen College» den Minister des Auswärtigen, Baron v. Rofenörn-Leh», den Justiz-Minister Klein und den Marine- Minister Ravn beibehalten. Während er selbst, an Krieger'S Statt, die Finanzverwaltung besorgen will, hat er das Ministerium deS Innern seinem bisherigen Abthei- lungsdirector Tobiesen, das von Thomsen niedergelegte KriegSdepartement einstweilen dem Marineminister Ravn und an Hall's Stelle Culttts und Unterricht dem Geheimrath Worsaae, dem bekannten AltetthumSforscher, übertragen. Vier Minister sind also gegangen und vier sind geblieben.
Der Kaiser von Rußland ist in Begleitung deS österreichischen Erzherzogs Albrecht von Warschau, wo einige Tage manövrirt worben war, am 13. d. M. wieder in Petersburg eingetroffen. Das russische Volksschulwesen ist neuerdings durch eine kaiserliche Verordnung regulirt und der besonderen Obhut und Pflege deS Adels empfohlen worden. Das Domainen-Ministerium wird vom nächsten Jahre ab in ein Handelsund Ackerbau-Ministerium gesondert. Die römisch-katholische Geistlichkeit jy Polen ist von Seiten der Regierung aus« strengste gewarnt worden, das Volk durch Predigten zu Hetzen und zu fanatiftren.
In Griechenland find die Kammer- wahlen zu Gunsten der Regierung (Vulgaris) ausgefallen. In Korfu kam es zwischen Militär und Civil zu blutigen Händeln, so daß die Wahlen dort verschoben werden mußten.
Der Sultan ist jüngst in schlechter Laune gewesen, so daß der zeitige Großvezir auf feine plötzliche Entlassung gefaßt fein muß. Wie in Stambul ist auch in Trapezunt das Besitzthum der unirt-armenischeti Kirche den Hassunisten weggenommen und den von der Pforte als berechtigt anerkannten Kupelianerii überantwortet worden.
Fürst Milan Don Serbien hat seine Reise nach Wien ausgesührt und hat gestern von dort sich nach dem Pyrenäenbade Eaux Bonnes begeben.
Auch Fürst Karl von Rumänien ver« läßt auf einige Zeit fein Reich, um mit welchem die Blüthett exotischer Pflanzen ihren durchdringenden Dust auSströmten.
Wer ist dieser Mann? fragte eine sonore Stimme, bei deren Klang dem Taschendieb das Blut in den Adern stockte.
Er wurde durch einen vornehmen Engländer an mich empfohlen, antwortete der Wirth.
Sein Name?
Franz Binder.
Nein, ich meine den Namen des Engländers.
Er tennt ihn nicht.
So kann es nur der tolle Lord gewesen sein, der — nun, es ist gut. Habt Ihr diesen Mann auf unsere Satzungen aufmerksam gemacht? Weiß er, daß von dem Augenblick an, in welchem er die Binde abnimmt, sein Leben in meiner Hand ruht?
Er weiß es und hat Treue, Gehorsam und Berschwiegenheü gelobt.
Gut, so nehmt ihm die Binde ab und entfernt Euch.
Die Binde fiel, der Taschendieb sah sich einem großen Herrn gegenüber, dessen große, blitzende Augen ihn durchdringend anblickten.
Dieser Herr stand vor einem kleinen Tisch, aus welchem ein Revolver zwischen