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Marburg, Donnerstag, den 16. Juli.

1874

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»enn Sie Fräulein Schindler nicht heirathe». Wollen Sie es nicht, so sind die Verhand-

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während seines Aufenthaltes in Kisstngen der schriftliche Verkehr, und namentlich der geschäftliche, ärztlich untersagt ist. Wenn nichts destoweniger zahlreiche Schreiben unter der persönlichen Adresse des Reichskanzlers an denselben gerichtet werden, so werdm bi Absender hierdurch benachrichtigt, daß alle rekommandirten Sendungen unter Verweige­rung der Annahme an den Absender zurück- gehen, die übrigen aber uneröffnet dem Aus­wärtigen Amte in Berlin zugehen, welches dieselben öffnet und, soweit nöthig, ressort­mäßig vertheilt. Dienstliche Mittheilungen werden während der Abwesenheit des Reichs, kanzlers jederzeit, je nach ihrem Inhalte, an das Reichskanzleramt oder an das Auswär­tige Amt zu richten sein. Für Privatange­legenheiten des Fürsten von Bismarck ist der Herr Justizrath Drews in Berlin, Fried richsstraße 62, mit Vollmacht versehen.

Aus Anlaß des Attentats gegen dm Kanzler des deutschen Reichs geht derSp. Ztg." folgende Mittheilung zu, welche eine, wenn wir nicht irren, schon ihrer Zeit be­kannt gewordene Aeußerung des Fürsten Bismarck sehr passend in Erinnerung bringt: ES sind jetzt mehr als zwei Jahre, daß eines Abends in einer der parlamentarischen Soirem, welche damals Fürst Bismarck gab, die Rede auf die Gefahr kam, in wel cher Fürst Bismarck während des französischen Krieges geschwebt habe, in welchem die urchtbare Aufregung, welche ganz Frankreich beherrschte, und die jeder Gefahr trotzbietende Art, wie sich der Fürst, unter Bciseilcsetzung aller Vorsichtsmaßregeln überall exponirte, >ie Möglichkeit eines meuchelmörderischen keberfalls von feinolicher Seite nicht auS- chloß. Der Fürst äußerte darauf, sein -eben stehe in Gottes Hand und er sei ietS bereit, dasselbe der Sache Dmtschlands j u opfern. Uebrigens, fügte er hinzu, gebe eS Meuchelmörder leider auch im Frieden o gut, wie im Kriege. Als darauf eine ehr ernste Stimmung in der Gruppe ent- iand, welche den Fürsten umstand und mit welcher er die Unterhaltung führte, fügte der Reichskanzler scherzend hinzu:Es wäre vielleicht gar keine üble Einrichtung, wenn man, wie für das Wild, auch für exponirte Minister auch eine Schonzeit einsührte, während deren nicht auf sie geschossen wer­den dürfte, dann wüßte man doch, woran man wäre." Diese Aeußerungen erregten

Run denn, ich wiB Ihnen eine» Vor­schlag machen, nahm Haumftein wieder das Wort, Sie sollen »ich nicht unbillig finden, aber von diese« Vorschlag gehe ich nicht ab, daö sage ich Ihnen voraus. Fixiren dir das Vermögen auf die Hälfte und setzm wir fünf Procent von dies« Hälfte als Entschädigung für mich fest. Sie unter ichreiden einen Solawechsel über fünfund­zwanzig Tausend Thaler, gültig am Lag« »ach Ihrer Hochzeit und ich verspreche Zhnen dafür die thitigste Hülfe. Wenn Sie das wollm, hier ist da« Dokument, wterzeichnm Sie, es ist völlig werthlos,

reise nach der Schweiz zu machen gedenke, ist von einigen Blättern angezweifelt wor­den, «eil die Familie des Cultusministers in Schreiberhau in Schlesien verweile und der CultuSminister selbst ebenfalls dort er­wartet werde. Indessen schließt unsere Mel. düng von der im September beabsichtigten Schweizer Reise, di- wir als richtig aufrecht erhalten, keineswegs den Besuch de« CultuS- MinisterS in Schlesien auS, der vielleicht einige Tage dieses Monats in Anspruch nimmt.

** Berlin, 13. Juli. Zu einer besseren Ordnung de» polizeilichen Meldewesens haben neuerdings einige Regierungen Polizeiverord- nungrn erlassen. Namentlich ist eine voll kommen- Control- der Veränderungen durch Ab - und Zugang erstrebt worden. Dabei stellte sich jedoch als unerläßliche Bedingung einer dem Zweck entsprechmden Durchführung die möglichst einheitliche Organisation und durch dieselbe die gegenseitige Unterstützung durch gleiche Vorschriften für ein möglichst großes Gebiet heraus. Demgemäß hat auch der Minister des Innern die Regierungen angewiesen, durch Abänderung bestehender und Erlaß neuer Polizeivorschriften unter Berücksichtigung bisheriger Erfahrungen zweckmäßig befundener Einrichtungen aller- rits zu einer befriedigenden allgemeinen Regelung des Meldewesens beizutragen. DieVossische Ztg.» hat sich gestern aus München telegraphisch melden lassen, daß der König von Baiern auf der Station Liesenhofen unfern Kaiser erwarte und von dort nach München geleiten «erde. In allen reichsfreundlichen Kreisen, namentlich auch BaiernS selbst, würde man die Bestä­tigung dieser unerwarteten Nachricht gewiß mit hoher Befriedigung aufnrhmm, indessen wird man in Erwägung der bekannten Ab­neigung des Königs Ludwig gegen solche Begegnungen und Begrüßungen dem Zweifel ein Recht lassen müssen, bis etwa volle Bestätigung der Münchener Meldung ein- treffen sollte. Für die Ablieferung auf- gefundener Artillerie-Geschosse ist neuerdings ein höherer Finderlohn bewilligt, mit der Publikation dieser Verfügung jedoch auch eine Belehrung deS Publikums über die Gefährlichkeit nicht exploditter Geschosse und die Schutzmittel dagegen verbunden worden.

Mimchen, 14. Juli. Die Reichsraths­ammer genehmigte das ganze Budget in ' ebereinstimmung mit den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer mit unwesentlichen Zu­sätzen, sodann den Gesetzentwurf über den außerordentlichen Militär-Credit gleichfalls nach den Beschlüssm der Abgeordnetenkammer mit der Modification, daß 90,000 ft für die Einrichtung der Feldwebel-Zimmer weiter 200,000 ff. für die neue Truppen- und Train-Fahrzeuge, 350,000 fl für die

menschlicher Bornirtheit und Leidenschaft zu- den Zwecken pfaffischer Herrschsucht unter te» Mißbrauch des Namens Gottes richten wird. Wie Blitz und Schlag im Gewitter znsammenfallm, so hat auch die Kunde von rem Mordversuch in Kissingen den Gedanken an die Brutstätte verbrecherischer Gewaltthat und die schmachvollen Consequenzen jesuitischer Morallehre als unzertrennlichen Begleiter bei sich; an chatsächliche» Beweisen über die stete innige Verbindung des Meuchelmords mit der systematisch betriebenen Anreizung zur Auflehnung gegen Gesetz und Obrigkeit und dem Geistlicher Seit« gegebenen Bei­spiel haben. eS Erfahrung und Geschichte nie fehlen lassen. Der gestrige Tag hat nur ein neue« Blatt diesem ultramontanen blu­tigen Ruhmeskranz beigefügt in majorem der gloriam! Die nicht in Jesuiteu-Banden und Jesuiten - Moral gefangene Welt hat eine neue Aufforderung erhalten, die Her culeSarbeit des großen Staatsmannes sich in vollem Umfange zu vergegenwärtigen, welchen die Vorsehung so sichtbar zur Durch­führung des Befreiungskämpfe« gegen die türkisen Feinde der Cultur und Geiste« frecheit berufen hat. Zum ersten Rath de« Staatsministeriums ist der Wirk!. Geh. Oberfiuanzrath Schuhmann mit Rang und Titel eine« Unterstaatssecretärs berufen wor­den. Der Finanzm.nister Camphausen wird morgen seine Urlaubsreife antreten. Di- Minister des Innern und der Justiz haben bestimmt, daß zur Wahrnehmung des öffent- lichm Interesses in den vor dem Verwal- tungSzrricht in der BerusungS-Instanz zur Verhandlung kommenden Angelegenheiten »egen Zurücknahme von Concessionen zum Bettieb der Schenk« und Gastwirthschaft ein Vertreter der Staatsanwaltschaft zuge- jogen werde. Die Bestellung eines solchen Vertreters wird nach vorgängigem Einver­nehmen mit beet Präsidenten der betr. Re­gierung durch den Vorsitzenden de« Ver- i waltungggerichtS zu erfolgen haben. i Unsere frühere Meldung, daß der Cultus- Mnister Falk im September eine Urlaub« i

Dann schlüge ich mich selbst ins Gesicht, enviderte Hauenstein gelassen; der Wisch ist ja nicht da« Papier werth, auf welchem er ge- schriebm wurde, wenn Sie die Braut nicht gewinnen. Wollen Sie schon heute Abend dm erstm Schritt thun?

Kann ich e«? fragte Wilken».

Der Pfandleiher warf tinen Blick auf die altmodische Uhr, die er au« der Lasche zog.

E« ist acht Uhr, erwiderte er, hmte Abend ist Gebetsversammlung, die Erbauungsstunde endigt um halb neun. Wenn Sie hingingen und am Ausgange des Lokals Madam- Schindler erwarteten

zu einer sehr gefährlichen Waffe werden konnte.

Er protestirte Anfangs mit aller Ertt- fchiedmheit dagegm, dann unterstützte er diesen Protest mit Gründen, ohne indeß dm Pfandleiher bewegen zu könnm, seine Be- dingungm in irgmd einer Weise zu mildern.

Haumstein bestand auf die Unterzeichnung de« Wechsels und ein boshaft triumphirender Zug glitt über sei» Antlitz, als Wilken« mdlich die Feder ergriff und da« Doeument hastig unterschrieb.

Sie werden natürlich Niemanden den Wechsel zeigen, sagte der kleine Herr in drohendem Ton.

Er unternahm manches Geschäft mit glücklichem Erfolge und er konnte berechnen, daß er im Lauf« der Jahre auf dies«m Wege ein hübsches Vermögen erworben haben werde, welches ihn vor Nahrungssorgen schützte und ihm eine geachtete Stellung an- wieö.

Aber das genügte ihm nicht. William Wilkms wünschte, wie so mancher Andere, rasch reich zu werden und er hatte gehofft,

DaS Reichskanzleramt bringt zur öffmtlichm Kemttniß, daß dem Reichskanzler

Der Kampf »» röte Million.

Roman von Ewald August König. ' 11 (Fortsetzung.)

... Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juli. Die Frevelchat in Kissingen hat die sommerliche Ruhe und Unbeweglichkeit M politischen Leben« plötz­lich zu mächtiger Bewegung aufgeregt, deren Andrang mit vernichtender moralischer Ge­walt sich gegen das System de« Ausbeutens

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trlr sefa6l hatte, schritt er auch äugen» bl'ckl'-h zur Ausführung desselben, in welcher der Pfandleiher ihn unterstützen sollte.

(Fortsetzung folgt.)

Fritz Reuter t

Der geniale urgemüthliche Dichter, dessen Tod am 12. dieses in Eisenach erfolgt ist, hat em Alter von nahezu 64 Jahren erreicht und ein vi-lbewegtes Leben bezeichnet seine

große Aufmerksamkeit. Alle waren der Meinung, -s handle sich um -ins sehr ernst» 1 hafte Sache. Der Humor deS' Kanzlers vermochte Niemanden zu täuschen. Einige 1 meinten, der Kanzler sehe zu schwarz; kurz : vorher hatte die Geschichte eines gewissen ' Westerwelle gespielt, welchem man die Ab­sicht eines Attentats auf den Fürsten zur Last legte; die klerikalen Blätter hatten sich damals sehr über diesesAttentat" mokirt, welches sie füreine Erfindung Stieber'S" ausgaben. Andere aber waren der Ansicht daß allerdings das Leben BiSmarck's, 6c- fortgesetzter Appellation an den religiösen Fanatismus, bedroht sei." Der Einsender constatirt zum Schlußmit Schmerz und Beschämung" , daß ein Deutscher sich mit einem so infamen Verbrechen, zu welchem sich selbst ein Franzose während des für sein Vaterland so unglücklichen Krieges nicht hergab, befleckt hat.

Siegen, 13. Juli. Es darf als defini­tiv gemeldet werden, daß der Handelsminister Herr Dr. Achenbach in einigen Tagen bei «ns eintreffen wird, um sich persönlich über die Lage der Eisenindustrie, die Nährmutter unfires Bezirks, zu infiruiren. Milte Juki wird er hier erwartet. Es ist dieser Schritt um so freudiger zu begrüßen, als der Herr Handelsminister sich dann überzeugen wird, daß falls man dem Auslande bei Sub­missionen weitere Conccsston-n machen sollte unsere heimische Industrie dem Verfall immer mehr entgegengehen würde. Un -re ausgeblasenen Hochöfen werden die ent- pr-chenden Zeugen für die herrschende Ca- lamitSt fein.

Stuttgart, 14. Juli. DerStaatSan- j -lger meldet, daß der König und die Kö­nigin dem Fürsten Bismarck telegraphisch ihre aufrichtige Freude über die Errettung aus dringender Lebensgefahr ausgesprochen 1 laben.

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Der kleine Herr schüttelte energisch da« Haupt, diese Forderung bewilligte er unter «inen Umständen, das konnte man in dem entschlossenen Ausdruck seines Gesichts lesen. ...

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Anzeigen nimmt entgegen: bte Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

daß das Lotteriefpiel diesen Wunsch erfüllen werde.

Fortuna lächelte ihm nicht, auf seineNummer fiel stets eine Niete. William Wilkens sah em, daß er ein anderes Mittel wählen mußte, um die Gunst der Glücksgöttin zu erzwingen.

WaS lag da näher, al« der Gedanke an eine reiche Braut?

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____________________ ___ Auskunft und Annahme von Adressen werden Sj Sgr. berechnet. w

lchen und Hoffnungen, die wohl'vor der Phantasie, nicht aber vor bau nüchternen Verstaube, bestehen konnten und bie natur-- W ®Qr» dH diese Jllussionen seine Thatkraft lähmten.

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Weshalb nicht? Madame Schindler wird Ihnen sehr bereitwillig Gehör schenken, wenn sie vernimmt, daß eS sich um ein frommes Werk handelt.

Wilkens hatte bereits seinen Hut ergriffen, er versprach, in einigen Tagen dem Verbün deten den Erfolg des ersten Schrittes zu berichten.

Der Chef der Firma Wikens u. Collin war kein auf Betrug ausgehender Schwindler, sondern ein ehrlicher, aber auch sehr leicht­fertiger Mann, der die Unannehmlichkeiten der Gegenwart nur allzugern mit glänzende» Jllussionen vergoldete.

;erd ^ngen abgebrochen.

Sange kämpfte der Keine Herr mit einem xd, Entschluß, er konnte sich schwer überwinden, r »test Bedingung anzuerkennen und seine, Schindler erwarteten "5 «n Document zu setzen, Ich kann Sie doch nicht aus der Straß« i Elches in den Händen eine« solchen Mannes I anreden! warf der kleine Herr ein

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'scke Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvakidendank, A. Rete- mcyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

durch die Postämter des

Früher schon hatte der Keine H-rr sich mit diesem Gedanken beschäftigt, aber so lange ihm auf seinem Lebenswege keine Dame begegnete, die er mit seiner Hand zu beglücken . würdig fand kam er nicht dazu, einen Ent»

Er wtegte sich stets in Träumen, Wün-1 8 fassen.

| "" " Da sah er plötzlich die schöne Tochter de«

Banquters Eduard Schindler und augen­blicklich stand -s in seiner Seele fest dass er nur diese und keine andere heimführen werde. 7