Marburg, Sonnabend, den 11. Juli
1874
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durch die Postämter des
in goldener, reich mit Emaille bedeckter Krankfurt a/M , 7. Juli' Nachdem Scherbe wurde nach England verkauft Auf dem Herausgeber und Redakteur der ftrff bpr 9RtPTlPr PVIpTtniiÄfipniinn »rroAhn ktafo Oia * ä--__________ . "O_!•
stehen, im Auftrage deS Reisenden entfernt worden sind, selbst dann ausgeschlossen ist, wenn dieser Auftrag durch die Bediensteten des GastwirthS ausgeführt wird. In den Entscheidungsgründen wird ausge- sührt, daß, wenn es auch üblich ist, das Dienstpersonal de« Gasthofes zu derartigen Aufträgen zu benutzen, dh und für sich doch kein Grund vorliegt, aus bkfem Umstande eine solche außerordentliche Haftung zu rechtfertigen.
der Wiener Weltausstellung erregten diese Kunstgegenstände die allgemeine Bewunderung.
Hannover, 8 Juli. Die hierher gelangten Nachrichten über den Gesundheit« zustand des Königs Georg lauten nicht
schätz, bekanntlich im Besitz des Herzog« Adolf von Nassau, ist in neuester Zeit Gegenstand der Erwägungen des Trierer Domkapitels geworden, um ihn als Eigen» thum deS Domes zu erlangen. Nach dem Vertrag des Herzogs mit der Krone Preußens vom 18. September 1867 soll er an jene zurückzugewähren sein. Die Staatsregierung um Vermittlung anzurufen, dürfte der jetzige Zeitpunkt nicht geeignet sein. Gegenwärtig befinden sich, der „Elberf. Ztg." zufolge, sämmtliche dazu gehörige Kunstwerke zu Schloß Hohenburg in Baiern und bestehen dieselben hauptsächlich aus 6 goldenen Gefäßen, in deren Mantel 436 römische Goldmünzen aus einem 1691 zu Prrscheid bei Oberwesel gemachten Münzfunde eingelassen sind. In dm Deckeln der Gefäße ieht man die Porträts der Kaiser Leopold I. und Joseph I. in Emaille, umrahmt von Smaragden und Diamanten, am Fuße da« in Email ausgeführte Wappen des Trierer Kurfürsten Johann Hugo von OrSbeck. Beiter gehört zu dem Schatze ein Evange- ienbuch mit silbernen Deckeln. Ein Schwert
Vorsteher ist in der Ostpr. Ztg. erschienen. Derselbe ordnet an, der Wiederholung der durch irrige Austastung der neuen KreiSord- nung hervorgerusenen Arbeiterunruhen durch Belehrung entgegenzuwirken, und falls Hes erfolglos, die energischsten Polizeimaßregeln zu treffen, nöthigen Falls Militärhülfe zu requiriren, welche nach Darlegung deS Be- dürfniffeS sofort gewährt werden wird.
Trier, 6. Juli. Der Trierer Dom-
Stellung einnehmen. Aber freilich, wenn Sie fortfahren, mich zu verläumden —
Das habe ich nie gethan, fiel Timm ihm mbtttert ins Wort: wenn man mich fragte, so habe ich die Wahrheit gesagt und Sie gaben mir bis jetzt noch keine Ursache, Sie zu rühmm. Es ist wahr, Sie haben mich aufgenommen, aber wenn ich im Hafen Lastm getragen hätte, würde ich ein beffereö Leben gehabt haben, wie ich es in Ihrem Haufe hatte. Ich würde dann eine warme Kleidung, ein gutes Bett und genügende Nahrung gehabt haben, während ich hier hungern und frieren mußte. Lasten wir das Thema fallen, ich möchte nicht gern mich unnöthig aufregen und das müßte ich wenn ich der Vergangenheit gedenken wollte' Ich bin ihr Sclave gewesen und werde es woht bleiben, wenn nicht ein günstiger Zufall die Fesseln zerbricht, die mich an Sie ketten.
Ei, weßhalb zerbrechen Sie nicht selbst fle? fragte Hauenstein sarkastisch. Wenn Sie glauben, die Kraft eines Lastträgers zu besitzen, was hindert Sie, mein Haus zu verlassen und im Hafen Arbeit zu suchen?
Ein zornflammender Blick traf aus den Augen Timm'« den Spötter, der mit dem glänzenden Aermel seines Rockes den Deckel der Schnupftabaksdose polirte.
Ihr Spott ist billig, erwiderte er, Sie wissen, daß ich diese Kraft nicht besitze. Ein- mal habe ich'S versucht, die Festeln zu zer-
Ztg.", Leopold Sonnemann, am 4. d. M ' das Erkenntniß des Obertribunals insinuirt worden war, durch welches die Nichtigkeitsbeschwerde geM das verurtheilende Erkennt- niß deS hiesigen Appcllgerichts in Betreff
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete^ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
— Das „Justizministerialblatt" theilt über die vorläufige Entlastung von Strafgefangenen im Jahre 1874 in Preußen mit: Im ganzen preußischen Staate find unter Hinzurechnung der aus dem Jahre 1872 verbliebenen Gefangenen, 469 Gefangene vorläufig aus der Strafanstalt entlasten worden. Hiervon sind im Laufe des Jahres 1873 32 gestorben, oder mit Genehmigung in andere Bezirke verzogen oder ausgewandert. Mithin verblieben 437 unter Kon- trole. Bon diesen haben sich 417 gut geführt. Nur 11 gaben Veranlassung, die vorläufige Entlassung zu wiederrufen — 8 24 l. c. — und in Bezug auf 8 andere war der Anttag auf Widerruf gestellt, dieser aber noch nicht erfolgt. Die Strafzeit von 235 vorläufig entlassenen Gefangenen lief im Jahre 1873 ab — § 26 l. e. — so daß am Jahresschluß ein Bestand von 196 verblieb. Hiernach hat sich kaum der fünf- ündzwanzigste Theil der vorläufig entlassenen Gefangenen dieser Wohlthat unwürdig gezeigt, ein Resultat, welches als ein höchst befriedigendes zu bezeichnen ist?'/
Pose», 8. Juli. Der Kaiser von stußland ist heute Nacht Punkt 2 Uhr auf einer Rückreise nach Warschau auf dem hiesigen Bahnhofe eingetroffen, wo er wegen Maschinenwechsels gegen 8 Minuten verweilte. — Hr. v. Masfenbach hatte bie geistlichen Konsistorialbeamten, sowie bcn erzbischöflichen Syndikus Hrn. KreiSgerichtS- rath a. D. WyczynSki zu einem Termine
Und ich arbeite dafür I fiel Timm ihm unwillig in'S Wort.
Wir sind arm! rief der Papagei. Gutem Morgen, mein Herr! Arme Leute!
Hast Recht, Papchen, arme-Leute sind wir, nickte der Pfandleiher, ich möchte wisten, wer von meinem Schweiß und Blut sich nähtt.
Nun, das jedanfülls werden Eie selbst am besten roiffen, spottete Timm, in dessen Seele der lang niedergehaltene Ingrimm
nicht der hartherzige Egoist bin, für den Sie mich stets gehalten haben. Leugnen Sie das nicht, Timm, ich weiß, daß sie hinter meiftvm Rücken mich einen hartgesottenen Sünder genannt haben, daß Sie mich entblödtten, mir den Vorwurf zu machen, ich nähre mich von dem Schweiß und Blut der Armuth. Das ist eine sehr ungerechte Anklagx, Timm, Sie selbst wisten ja wie human ich im geschäftlichen Verkehr bin. Oder können Sie das leugnen?
Sprechen wir nicht davon, sagte der Schreiber, besten Brauen sich finster zu- sammenzogen.
O, ich will davon sprechen, fuhr Hatten- stein mit gehobener Stimme fort, ich darf nicht dulden, daß die Verleumdung sich über mich — he, sie lächeln? Ach, Timm, Simmdieser Papagei beschämt Sie, das unvernünftige Thier ben mit Verstand begabten Menschen. Papchen ist dankbar für daS Futter, welches ich ihm reiche.
eingeleitet werden. Die Vorgeladenen sind, wie die „P. Z." meldet nicht erschienen.
Königsberg, 9. Juli. Ein Erlaß des, Oberpräsidenten an die Landräthe und Amts
plötzlich hell aufzulodern schien. Und wenn's der Papagei hunvertmal sagt, eS glaubt doch Niemand an Ihre Armuth.
Der stechende Blick deS Pfandleihers ruhte durchbohrend auf dem Gesicht deS Schreibers, deffen Wangen leicht geröthet waren.
Sie glauben es freilich nicht, sagte er, weil Sie.einen Vorwand haben müssen, mich verleumden zu können.
Und doch sind sie mir Dank schuldig; hätte ich damals nach dem Tode Ihres Vaters Sie nicht in mein Haus ausgenommen, so wärm Sie heute unter der Erde ober im Zuchthause. Ich habe Sie gekleidet und beköstigt und wenn Sie dafür die Dienste eine» Schreibers bei mir verrichteten , so ist das wahrlich ein geringes Aequivalent für meine Auslagen gewesen.
Timm schwieg,, dieser Vorwurf war ihm so oft gemacht roerben, baß er alle Gründe, welche er gegen denselben anführen konnte, längst erschöpft hatte.
günstig, trotz rer s-ollzogenen Operation der entzündeten Unterlelbsdrüsen.
Münster, 7. Juli. Die „Pr.-Ztg" melde,: „Den neuesten Nachrichten zufolge macht Herr Prof. Dr. Rohling (Verfasser der viel verbreitctm Schrift über das Wunder von BviS d'Haine) gegenwärtig eine Rundreise durch Nordamerika und hält öffentliche Vorträge (wahrscheinlich über Louise Lateau), bie ihm viel Gelb eiubringen. Das Gerebe über seine Berufung dorthin, über sein Kranksein in New Jork und über seinen demnächstigen Eintritt in ben Fran- ziSeaner-Orden erweisen sich als — eitel Humbug."
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. i Deutsches Reich.
-de»' Berlin, 9. Juli. Die Erneimug bt» ersten Vortragenden RatheS im Staats- Ministerium dürft« wohl noch vor der Abreise deS Bicepräfibenten Camphausen erfolgen , da die Zustimmung des Fürsten Bismarck zu der getroffenen Entscheidung schon gegeben sein soll. — Der Minister des Innern hat den Grundsatz zur Kennt- nißnahme und Nachachtung aufgestellt, daß gegen Entscheidungen der Kreisausschüsse Hier Verfügung ober Bestätigung ber Wahl eines Gemeindevorstehers oder Schöffen eine Berufung an bk Bezirk« - Regierung nicht stattfinden darf, weil dieser keine Befugniß znsteht, die Entscheidungen deS KreiSaus- schusseS, obgleich deren Publikation formell durch den Landrath erfolgt, zu überwachen und zu prüfen. — Ausnahmsweise ist nur durch §. 156 der Krcisordnung in DiS- membralionsangelegenheiten und in Angele genheiten bett. Einrichtungen ober Veränderungen gewerblicher Anlagen gegen die Entscheidung des KreisauSfchusseS eine Berufung an die Bezirksregierung gestattet und in ben durch § 15b bezeichneten Fällen eine Appellation an den Ausspruch deS Verwaltungsgerichts. — Einen wie schlechten Dienst Graf Chambord mit seinem taktlosen Manifest seiner Partei und somit sich selbst er v sen, davon legt die gestrige Abstimmung über ben Antrag Lucien Bruns ein unzwei heutiges Zeugniß ab. Für ben relativ gemäßigten Antrag halten sich nur 80 Stimmen gegen 379 erschwingen lassen.' Eine solche eklatante Niederlage der Legitimisten, sollte man meinen, könnte dem Grasen Chambord den Geschmack an'Manifesten wohl verleiten und feine Illusionen wesentlich herabstimmen, wenn die Erfahrung nicht jur Genüge lehrte, wie zähe die Hoffnungen der Depossedirten zu sein pflegen.
— 9. Juli Die „Rordd. Allg. Ztg." meldet, bie spanische Regierung habe in Folge ber von den Grafe» Kanitz und Hatz selb über die Entschädigung deutscher Kaufleute in Carlhagena geführten Verhandlungen die vertragsmäßig vereinbarte Summe am 11. Juni bei dem Bankhaus Weißweiler in Madrid zur Verfügung gestellt. Graf Hatzfeld Hobe dm Auftrag erhaltm, ben diesseitigen Dank in Madrid auszusprechen.
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie bk Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Kaasenstein & Vogler in Aanksurt a.M., Berlin, Leip- riq Cöln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Laugenfalza, 6. Juli. Heute Nachmittag ist unsere Bürgerschaft durch folgen- des an das LandralhSamt und den Dr. Kirchner gerichtetes Telegramm erfreut worden: „Concesston für dortige Technikerschule wird unter naher mitzutheilender Bedingung ertheilt werden. Einstweilen kann jedoch Eröffnung sofort erfolgen. Der Cultus- Minister Falk."
Cobleuz 9. Juli. Der Kaiser Wilhelm besuchte gestern m offenem Wagen die Haupt- theile der Staot'Coblenz und die im Sicherheitshafen liegenden Kanonenboote. Nachmittags besuchten beide Majestäten Stolzenfels. Heute früh 8 Uhr verließ der Kaiser Coblenz. Die Kaiserin gab ihm daS Geleit bis zum Bahnhof, wo die Spitzen aller Behörden versammelt waren.
®W«»i 6. Juli. Geheimer Cornmerkien- rath Krupp muß nach dem neuen Steuerge- etz an Einkommen., Grund und Gebäudeteuer ein Quote von 50,000 Thalern an die Steuerrasse abliefern, macht an kommunal, Kirchen- und Schulsteuern eine Summe von 150,000 Thalern aus. Dafür ist er aber auch nach unserem Wahlgesetz, dem Drei- claffensystem, der einzige Wähler der ersten Elaste und hat das Recht, von unseren Gemeinde- und Stadtvorstehern ein volles Drittel allein wählen zu können.
Ich werde auch ferner für Sie sorgen, wenn Sie mir treu dienen, nahm Hauenstein »ach einer langen Pause wieder das Wort, Sie roiffen nicht welche Mittel ich besitze, Ihnen eine Zukunft zu sichern, die in jeder Beziehung Ihren Wünschm entsprechen muß. Aber bie Zeit ist bazu noch nicht gekvmmen, gebulden Sie sich, Vielleicht werben Sic schon nach wenigen Jahren eine sehr ange-
— Das Reichs - Oberhanbelsgericht in I am 4. d. vorgeladen, um zu erfahren, ol> Leipzig hat in Bezug auf die Haftpflicht l sie bereit seien, ihn an Stelle des früheren emeS Gasthofsbesitzers die sehr wichtige Ent-1 Erzbischofs als ihren Vorgesetzten anzuer- scheidung getroffen, daß diese Haftpflicht für! kennen und seinen Intentionen entsprechend den Verlust von Effekten, welche aus An- weiter zu arbeiten, im entgegengesetzten Falle lässm, die mit dem Betriebe der Gastwirth- würbe gegen sie die Disziplinaruntersuchung schäft nicht in unmittelbarer Verbindung eingeleitet werden. Die Vorgeladenen sind
Erscheint i S glich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche vuchdruckerei) bezogen 224 Sar n - deutschen Reiches 25 S&r. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Ägr. — Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft Und Annahme von Adrcffen werden Sgr. berechnet.
Der Kampf um eine Milli».
Roman von Ewald August König, fcr . (Fortsetzung.) ....
Hauenstein hatte die Arme auf die Brust gekreuzt und sich dem Fenster genähert, dArch dessen schmutzige, halb erblindete Scheiben er nachdenklich hinausschaute.
i > Timm, begann er endlich, ich erwarte am Abend Besuch, Sie werden sorgen, daß Sie bi« dahin mit Ihren Arbeiten fertig ftab.
Der Schreiber nickte bejahend.
Sie werden einen AuSgang machen und dvr 10 Uhr nicht zurückkehren.
Timm blickte befremdet seinen Principal «, der an« einer kleinen Horndose langsam «nb bedächtig eine Priese nahm. .
Was soll ich draußen? fragte er und es Krach ein leiser Trotz aus dem Tone, den a anschlug. Lasten Sie mich hinauf in mein Zimmer gehen, draußen ist eS kalt und ich habe keine Kleidung die mich vor Kälte >md Regen schützt.
Bah, ich werde Ihnen einige Schillinge geben, damit Sie unter Dach und Fach biegen können, erwiderte Hauenstein, wäh- tnb er langsam aus und nieder wanderte.
■Bie? Sagten Sie etwas?
f Nein!
k Hm, Sie find vielleicht etwa« überrascht, -daß ich Ihnen da« Vergnügen gönne, an den Domfreuden theilzunehmen, indeß sollte iJhnen dies eher ein Beweis {ein, daß ich