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Marburg, Mittwoch, len 8. Juli.

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ich erwartet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

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Semester bei dem vorgeschriebenen Quadrien- nium in Rechnung bringen dürfen. Aus Aachen wird gemeldet, daß selbst die katho­lische Geistlichkeit nachweislich die Unter- stühung von StrikeSorganisationen und so­cialdemokratischen Wühlereien sich habe an­gelegen sein lassen, natürlich immerin Dei gloriam! -Die Meldung derLeipziger Zig ", daß Regierungspräsident v. Wurmb seinen Abschied zu nehmen gesonnen sei, findet hier in unterrichteten Kreisen wenig Glauben; jedenfalls aber fehlt es an post- ttver Bestätigung.

6. Juli. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht eine kaiserl. Verordnung vom 28. Juni betn die Einführung der Reichsmark rechnung für den ganzen Umfang der preußi­schen Monarchie vom 1. Januar 1875 ab. DieBörsmzeitung" dementirt aufs Be­stimmteste, daß Verhandlungen wegen deS Verkaufs der Hessischen LudwigSbahn statt- gefunden haben.

Die Briefmarkenfrage, so weit sie durch die neue ReichSwährung betroffen wird, ist nun auch entschieden, und zwar auf dem Verwaltungsweg», obgleich die Umrechnung nicht ganz genau zu machen war. Demgemäß werden vom 1. Januar 1875 ab ausgegeben: Freimarken zu drei Pfennigen (deren cs bisher auch gab), die aber nach der neuen Einführung Wegfällen, da die nemn 3 Pfennige entschieden mehr als die alten waren, welche nur einen Viertelgroschen darstellen. Nimmt man aber an, daß die neuen Dreipfenniger die jetzigen Bierpfennigcr, also den Drittelgroschen, zu ersetzen haben, so ist das neue dem alten Verhältniß auch nicht entsprechend, obschon daß Publikum besser dabei zu stehen kommt, zumal die Kreuzbandsendungen diese Freimarke tragen. Es folgen ganz genau sich den bestehenden Sätzen anschließend Marken zu 5, 10, 20 und 50 Pfennigen, letztere vorwiegend zur Frankatur der Packele dienend. In der Form selbst wird vermuthlich eben so wenig wie in den Farben eine Aenderung eintretcn. Der BundeSrath hat bekanntlich in dem am 1. d. M. in Kraft getretenen BetriebS- reglrment für die Eisenbahnen Deutschlands

brief-Formulare noch gestattet. Die Eisen- bahn-Directionen rc. sind veranlaßt worden, dies in geeigneter Weise die Versender wiffen zu lassen. Zu bedauern ist nur, daß diese Anordnung nicht schon vor dem 1. Juli getroffen war, weil es in den wenigen Tagen an Anständen und Bedenken nicht gefehlt hat.

GmS, 6. Juli. Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag 4 Uhr nach Coblenz abgereist. Die Cur des Kaisers ist von vorzüglichem Erfolge begleitet gewesen; derselbe befindet sich in bestem Wohlsein.

eS müsse Ihnen bekannt sein, daß ich niemals Ihr Verträum mißbraucht habe, daß Sie auf meine Freunvschast bauen können

Ich habe davon gehört, nickte Brandes, die Polizei soll endlich doch den Schlupfwinkel mtdeckt haben.

ES würde Jhnm auch nicht gelingen.

Ich weiß das, Sie haben einm feften, energischen Charakter: was Sie wollm, da« führen Sie durch.

Ws fällt der Tag m?

Um diese auf den ersten Blick vielleicht etwas unklar erscheinmde Frage zu präci- siren, wird es nöthig fein, durch einige an­dere zu zeigen, worauf dieselbe hinauSläuft. Wenn am Geburtstag der Költigin von England, deren Besitzungen sich bekanntlich in allm Continentm befinden, Mittags um 12 Uhr die üblichen Salutschüsse abgegeben werden, an welchem Ort wird der erste Schuß gelöst werden? Oder wenn Jemand, dem hmreichende Transportmittel zu Gebote stunden, um 12 Uhr Mittags an einem Donnerstage Berlin verließe und sich west­wärts begäbe, und zwar mit einer Schnellig­keit von 15 Grad per Stunde, so würde er natürlich am Freitag um 12 Uhr Mittags wieder am AbgangSpunkte eintreffen und die Sonne während der gangen Zeit immer i"> Meridian gehabt haben, d. h. es würde immer Mittags 12 Uhr für ihn gewesen fern. Hätte der betreffende Reisende in Eng- land, in New-York, in San Francisco nach

St. Petersburg abgereist. Derselbe mird den Höfen von Weimar uib Dresden auf der Durchreise Besuche abstatten, auch in Warschau findet ein längerer Aufenthalt statt.

München, 6. Juli. In der Abgeord­netenkammer wurde die General-Debatte des ordentlichen Militär-Etats begonnen. Daller tadelt die ungerechte Vertheilung der Liefe­rungen und die schlechtcQualität der Nahrungs­mittel für die Armee, Mahr greift die allzu große Militärlast an und verlangt Abschaf­fung der Militärgerichtsbarkeit nnd des Fahneneides. Lerzer beklagt das freisprechende Urtheil im Plattner-Proceß. Der Kriegs- Minister erwiedert, daß nur eine einzige Klage über Lieferungen in Landshut erhoben worden fei, welche zudem unbegründet war, da alle Militärbedürfniffe aus dem Orte selbst mt- nommen »erben und Niemand gezwungen sei, nicht Zusagendes zu essen. Die Be­schwerden Mahr'S seien an eine falsche Adresse gerichtet, der Schwerpunkt der Entscheidung der Militärfrage liege außerhalb Bayerns, das Militär-Strafgesetz sei ein langjähriges Verlangen der Kammer gewesen und gewähre jedem Soldaten den besten Schutz. Den Fall Plattner beklage er tief, er müsse aber das Militär-Schwurgericht gegen jeden Vor- wurf der Parteilichkeit in Schutz nehmen. Der Reichsrath nahm den Antrag Miller betreffs Bewilligung von 2,000,000 fl. zur Errichtung eines AcademiegebäudeS nach Aus­führung des Prinzen Ludwig und Bomhards einstimmig an.

Solmar, 3. Juli. DemElf. Journ.« telegraphirt man von hier: Die ganze Stadt in Verwirrung. Ungeheurer Brand. Die großen Heumagazine, die vor 4 Jahren chon einmal abgebrannt sind, stehen in Flammen. Rettung ist nicht möglich. Un­ermeßlicher Schaden. Der großen Hitze wegen tonnen die Feuerspritzen sich nicht nahen. (Die neueste Nummer desEls.J." bemerkt dabei, daß der mittlerweile einge- troffene Specialbericht ihres Korrespondenten nicht mehr zum Druck kommen konnte). Demselben Journal schreibt man von hier: In diesen Tagen räumte das badische In- fanteriebataillon des 4. Regiments mit klingendem Spiel die bis jetzt innegehabte Kaserne neben dem Stadthause und bezog die ehemalige Tabakmanufactur, ein außer­halb der Stadt, auf der Straße von JngerS-

malS ahnte ich nicht, daß nach diesen kurzen Tagen des Sonnenscheins lange Jahre der Stürme folgen tonnten.

Brandes nickte gedankenvoll.

Wer hätte solche Tage nicht erlebt! warf er ein.

Ich hatte einen Gatten, den ich anbetete, an deffen Liebe ich nicht zweifelte, ein Kind, welches ich vergötterte. Mein Mann war

Der Krnitzf um eine Milliei.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Noch nicht, ich habe wenigstens noch eine halbe Stunde Zeit.

Und da denken Sie, ich werde Ihnen den Sinn «einer dunklen Worte näher er­klären?

Brandes zuckte die Achseln.

Da« muß ich Ihnen überlasten, Jenny, erwiderte er, ich will mich in ihr Verträum nicht kindrängm.

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Das habe ich nie nie bezweifelt!

Nun, fv überlaste ich es Jhnm, ob Sie mir auch jetzt Vertrauen schmken wollen.

Miß Ballevini schwieg, sie warf noch einmal einen Blick durch den Vorhang, dann trat sie in den Hintergrund zurück, indem sie ihrem Genoffen ein Zeichen gab, daß er ihr folgen möge.

Wie-bads«, 5. Juli. Die neue Ge­meinde-Ordnung für Hessen-Nassau bietet, wie man demRh. K." mittheilt, mancher­lei Schwierigkeiten, da die bestehende com- munalständische Verfassung, ferner die Aus­dehnung der Kreisordnung und Grundbuch- Ordnung auf die westlichen Provinzen mit ihr in Verbindung gebracht werden muß. Minister Graf Eulenburg wird, derselben Quelle zufolge, nächstens selbst nach Wies­baden kommen, um mit einigen Rächen seines Ministeriums und unter Zuziehung einiger Landräthe aus der Provinz Heflen-Nasiau und der Rheinprovinz wegen Aufstellung des Entwurfs für eine Communal - Verfassung der Provinz Hessen-Nassau in Berathung zu tretm. Der frühere Berliner Polizei- Präsident, jetzige Regierungs-Präsident v. Wurmb in Wiesbaden hat einen längeren Urlaub erhalten. Wie derLeip;. Ztg." geschrieben wird, soll derselbe beabsichtigen, in nächster Zeit seinen Abschied zu erbitten.

Breme«, 1. Juli. Das Deficit der Landwirthschasts-Ausstellung wird, wie man denHamb. Nachrichten" schreibt von ihrem Präsidenten, der eS wohl am besten wissen ann, auf 2030 pCt. der ausgezeichneten Garantiescheine angeschlagen, also auf 56 bis 84,000 Mark. Er erkennt an, daß einige I inancielle Fehler begangen worden seien, ohne die das Unternehmen selbst seine Kosten aufgebracht haben würde, was bei einem so neuen und unverhältnißmäßig großen Werke allerdings kein Wunder. Doch hat auch die hiesige Bevölkerung sich nicht so daran betheiligt wie wohl zu erwarten ge­wesen wäre.

Darmstadt, 6. Juli. Der Kaiser von Rußland ist von Jugenheim nach

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Rektors, bei deffen Behinderung, obliege, ein neues Frachtbrief-Formular eingeführt. Ferner hat der CultuSminister gmehmigt, Bis auf weiteres hat jedoch das Reichö- daß Mediciner, welche den Nachweis bei- Eisenbahnamt den Verbrauch der alten Fracht­bringen über dm Besuch einer italienischen r 1 ' ~ u

Universität das dort aus Studim verwendete

Deutsches Reich.

* Berlin, 6. Juli. Die Ereigniffe in Frankreich haben wieder einmal durch da« überraschend taktlose Hervortreten des Grafen Charnbord die öffentliche Aufmerk­samkeit fast ausschließlich in Anspruch ge­nommen; die chronische Krisis hat einen acuten Charakter angenommen und man muß jeden Augenblick auf eine Explosion gefaßt fein, welche zunächst vielleicht den legittmistischen Illusionen ein wohlverdientes Ende bereitet und durch momentane Befesti­gung der Republik die Bonapartisten auf eine Geduldsprobe stellt. Wenn diese übrigen« klug bestanden wird und der Li­lienkönig rechtzeitig nochmal« mit einem albernen Manifest zu Hülfe kommt, wird der BomrpartiSmus schließlich doch dem Chao« ein Ende machen. An der Börse hat ein Telegramm derKöln. Ztg." auS Paris, welche« die herannahende Katastrophe ankündigt, die Unruhe vermehrt. Daß die Nationalversammlung am Ende ihrer Macht und Weisheit schon angekommen und die Rettung aus der Noch, wenn auch nur momentan einer Gewalt de facto wird überlassen müssen, kann für Niemand mehr zweifelhaft sein, ein posttiver Mehrheitsbe­schluß kann in der Nationalversammlung nicht mehr beschafft »erben und negative Beschlüsse können keine Regierung stützen oder gründen. Mac Mahon wird sich nach besserer Hülfe nmsehm müssen als die Na- tionglversammluwg ihm gewährt und der versimpelte Charnbord hat dem Marschall- Präsidenten jedenfalls den Uebergang zum neuen RegiernngSprogramm erleichtert. Fürst Bismarck hat zunächst die strengste Enthaltung von Geschäften fich vorgenom men und dehivegen auch jede politische Be­gleitung abgelehnt. Daß Asseffor Graf Eulenburg im Gefolge de« Reichskanzlers sei, wie die Blätter meldeten, ist unbegründet. Der Regierungö-Präfident von Kotze in Erfurt hat die nachgesuchte Dienstentlassung erhaltm. In Anlaß eine« Antrags aus Ernennung eines Lehrers de« Progymna- sinmS N. N. zum Oberlehrer hat der Cul tusminifter zur Kenntniß gebracht, daß die Ernennung von Oberlehrern grundsätzlich nur bei vollständig höheren Lehranstalten erfolge; Lehrer von Progymnafien könnten rmr ausnahmsweise zu Oberlehrern ernannt werden, im Fall ihnen die Vertretung deS

Er war ein Mitglied jener Bande, wie ich erst später erfuhr. Seitdem war er ver­schwunden., meine Nachforschungen hatten kein Resultat, meine Aufrufe in den öffent­lichen Zeitungen blieben ohne Erfolg.

Und da« Kind? fragte Brande«.

Ich habe von ihm nichts mehr gehört.

Aber welchen Grund hatte er, Eie dieses letzten Trostes zu berauben?

Dack ist mir ein RSthsel geblieben. Wohl hatte ich in der letztm Zeit vor seiner Flucht bemerkt, daß seine Liebe erkaltet war, daß feine Seele nur noch an dem Kinde hing, aber ich machte mir darüber keine Sorge, ich glaubte, der Kampf mit dem Leben um unsere Existenz beschäftige ihn zu sehr, als daß ich verlangen könne

Das kann Nicht gewesen sein, fiel Brandes ihr rasch in« Wort, mir scheint, er muß einen Grund gehabt haben, Rache an Ihnen zu nehmm und es war eine elende, I erbärmliche Rache.

Gewiß, ich habe nie diese« Räthsel lösen können, die Sorge um die eigene Existenz

Anreigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. SRete= meyer in Berlin; Carl Schüß-

v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Schauspieler, ich hielt ihn für ein großes Talent und begriff nicht, daß daS Publicum diese Anficht nicht theilen wollte. Wir lebten recht glücklich, aber eine bleibende Stätte fanden wir nitgenb. Da beschloß mein Gatte, drüben in Amerika fein Glück Aber ich meine, I zu versuchen; wir reisten hinüber und fanden auch dott unsere Hoffnungen nicht erfüllt. Waren Sie nicht auch in Rew-Dork?

Vor mehreren Jahren.

ES sind feit jener Zeit, von der ich rede, zehn Jahre verstrichen; damals bestand in Amerika eine geheime Gesellschaft, welche die schändlichsten Verbrechen verübte und so trefflich organifirt war, daß die Polizei sich vergeblich bemühte, sie zu sprengen und ihre Mitglieder zu verhaften.

ES gab eine Zeit, Brandes, in der ich sehr glücklich war, sagte sie tief aufseufzend, da-

^0^018 erfuhr bte ©tabt New-York, daß zwang mich zu verzweifelten Anstrengungen, zwischen einer Verbrecherbande und der Polizei Vor der Ehe war ich im Balletcorps eine etn blutiger Kampf stattgefunden habe und leidlich gute Tänzerin gewesen, jetzt übte ich daß die ganze Bande verhaftet worden sei. mich auf dem Seile und eS ging bester als An demselben Tage war mein Gatte Jammt ------ u

meinem Kinde verschwunden.

So war er

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Anzeigen nimmt entgegen: J btt Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux , von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

erW,int A?aS Quartal durch di- Expedition (Koch'sch- Buchdruckerei) bezogen S24 Sgr., durch die Postämter des

deutlchen RenheS 15 egr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zecke 1 Sgr. Für in der Expedition zu ettheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet.