Marburg, Dienstag, den 7. In«.
Mr. 1S6
1874
j:
OlmheMc Icilung
Der Juwelier lächelte.
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Vor der Thür empfing ihn eine lärmende Menge, unter der sich auffallend viele Kinder befanden. Sie lachten und jubelten urtb Sir Delavalle schien wn dieser HMeEeit besonderen Antheil zu nehmen, er schloß sich ohne Zögern dem Trupp au unq folgte ihm auch dann, als derselbe in einem Hause verschwand, aus welchem -ein verworrener Lärm dem Besucher entgegendrang. Der Engländer durchwanderte mehrere Säle, welche mit Menschen deS verschiedensten Alters und Geschlecht«, mit zechenden Handwerkern und Matrosen» mit scheltenden Frauen, lachenden Kindern und heulenden Hunden gefüllt waren und manche Sehenswürdigkeiten enthielten, für die Delavalle kein Interesse hatte. Dan« gelangte er in einen größeren Saal, nachdem er mit bewrmderswetther Energie einen dichten Menschenknäuel durch, krochen hatte, der den Eingang versperrte. Ein» Mufik, die ein musikalisch gebildetes Gehör zur Verzweiflung bringen konnte, empfing ihn und als fein Blick über die unzähligen Köpfe der Gäste hinüberfchweifte, bemerkte er, daß ein dünnes Drathseil sich durch die ganze Lmege d«S Saale« in angemessener Höhe hinzog.
Die Blicke Aller waren auf dieses Seil ge< richtet, auf welchem ein junges SBeib in der luftigen Kleidung einer Seiltänzerin ihre Kunst producirte.
Auch Sir Delavalle blickte hinauf und da er die Gruppe, in der er stand, um eine« halben Kopfes Länge überragte, so mußte der Blick der Tänzerin nothwendig auf ihn fallen.
Kreise für alle diejenigen, welche, wenn auch mit entfernterem Verständniß, die Schöpfungen und Verdienste dieses nicht geringsten unter den Dichterfürsten der klassischen Periode, deS Begründers einer neuen Epoche der deutschen poetischen Sprache, zu würdigen wissen, ist der heutige Tag (2. Juli) einer von denen, an welchen mit mahnendem Flügelschlag der Genius eines abgeschiedenen Heroen vernchmlicher denn sonst an unserem geistigen Ohr vorüberrauscht. Es ist der 150. Geburtstag Klopstock'S, jener Tag, dessen 100. Wiederkehr vor 50 Jahren — am 2. Juli 1824 — in Altona und Qued- linburg durch eine Säeularfeier festlich begangen und an welchem im letztgenannten Städtchen, seinem Geburtsorte, vor 21 Jahren dem am 14. März 1803 in Hamburg verdorbenen Dichter ein würdiges Denkmal gesetzt wurde. Liegt für uns, der Mehrzahl nach wohl zu den Nachkommen derer zählend, welche damals jene ebenso glänzende wie sinnige Feier begingen, diesmal auch keine Veranlaffnng vor, durch äußerliches Schau- geprÄtge den großm Tobten zu ehren, so wird doch gewiß keiner von uns an diesem Tage unterlaffen, auf dem Altar des Herzen« ein wohlverdientes Opfer seinen Manen darzubringen. Ehre und Ruhm seinem Gedächt- nifle fort und fort!
Pabttbor«, 4. Juli. Dem „Wests. Volksblatt" zufolge hat ein hiesiger Bürger die gegen den Bischof erkannte Geldstrafe von 400 Thlrn. vor dem Ablauf der zum Antritt der Haft gestellten Frist -bezahlt Der Bischof protestiere gegen die wider sein Wiflen und Willen erfolgte Bezahlung der Strafe. Da« Kreisgericht hat bisher »och keine definitive Entschließung gefaßt und eine Vollstreckung der Haft bisher nicht vorgenommen. — Da« Kreisgericht beschloß in einer heutigen Plenarsitzung, die von einem hiesigen Bürger eingezahlten 400 Thlr. trotz des Protestes des, Bischofs zu behalten und den Bischof von der Haft zu liberiren.
1. Juli. Herr Geh. Commer- zrenrath Krupp fängt, wie der „Elberf.Z." geschrieben wird, an zu sparen. Nicht al«
Freilich, man muß seine Vorkehrungen treffen, erwiderte er, aber so Wir schlimm ist es nicht. ■ ■
Hm, in London würden die besten Bor- fichtsmaßregeln nicht schützen, sagte'Dclavalle gleichmüthig. Dort haben die Herren Juweliere eiserne FensterlSden.
O, Mylord, die haben wir auch, zudem ist unsere Nachtwvache vortrefflich organisirt. Run sehen Sie, daS Polizeibureau wie da« Ceutralburea« der Wächter befinden fich in dieser Straße; wer wollte e« wagen, hier einzubrechen?
Sir Arthur zuckte die Achseln, als ob er sagen wollte, sein Jntcreffe an diesem Thema sei erschöpft.
Was kostet dieser Schmuck? fragte er kühl. v <!-- ■
Fünfhundert Mark, Mylord.
Sir Delavalle nahm einige Banknoten und eine Karte aus seinem Portefeullie.
Schicken Sie ihn mit dieser Karte an Fräulein Schindler in der Esplanade, sagte er, ^vielleicht finde ich Veranlassung, Ihnen später noch einmal einen Besuch zu machen.
Der Juwelier verbeugte fich, Sir Delavalle ging, ohne ihn eine« GrußeS zu würdigen, hinaus, um auf der Hausflur von ihm Abschied zu nehmen.
Sein Blick schweifte rasch und verstohlen in jeden Winkel, man hätte glauben können, daß er etwas verborgen habe, waS er hier wieder zu finden hoffe.
Gaunerphystognomie gesehen, wie ich sie in London nicht ausgeprägter fand.
- Der Kampf «m eilt Milli««.
" Roman von Ewald August jtitaigv /J (Fortsetzung.)
ES war ein bunte« Gewimmel in de» Straßm und durch dieses Leden hindurch bewegte sich Sir Arthur Delavalle mit der ganzen exclusiven Steifheit eine« mit dem Spleen gesegneten Engländer«. -
Er stand vor dem Schaufenster eint« Juweliers und sein Blick ruhte theilnahmlos auf den blitzenden Brillanten und den farbenprächtigen Edelsteinen, die in geschmackvoller Fassung den Käufer «nlocktzen. -
Er betrachtete sie lange, dann schloß er den Regenschirm und ging hinein.
Ich wünsche einen Schmuck yt kaufen, wandte er sich -zu dem Jnwelier, der ihm entgegen trat.
Der Juwelier verbeugte fich und öffnete Mehrere Schaukasten, während Sir Delavalle mit der gleichgültigsten Miene dm Raum musterte in welchem er sich befand.
So, Mylord, hier finden Sie, was sie wünschen, sagte der Juwelier.
Sir Delavalle neigte sich über den Kasten Md betrachtete mit Kennermiene die Kostbarkeiten.
Es ist ja ein sehr bewegtes Leben hier, sagte er, indem er einen Brillantschmuck nahm und damit an'« Fenster trat, ist da« stets so?
Nein, nur zur Zeit de« Dom'«.
Ah, e« wird für Sie eine angenehme, ober auch eine sorgenvolle Zeit sein.
Weshalb? S .
Nun, ich habe in dem Gewühl manche
Es schiens, als ob plötzlich der Schreck sie erfaßt habe, aber nur daS scharfe Auge des Engländers bemerkte es und auch über feine Stirn glitt eine düstere Wolke.
Die Tänzerin fetzte nach einer Pause von wenigen Secunden ihre Productionen fort, ober oft ruhte ihr Blick mit durchdringender Kraft auf dem Antlitz des Engländers, der ruhig und gleichgültig zu ihr auffchaute.
Endlich verließ sie das Seil, auf welchem jetzt andere Künstler erschienen und stürmischer Beifall lohnte ihr für ihre Leistungen, für welche Sir Delavalle nur ein geringschätzendeS Achselzucken hatte.
War es das Anstarrm der Tänzerin, der Lärm und die Hitze oder daS Gefühl, daß er zu dieser Gesellschaft nicht paffe, wa« ihn bewog, den Saal wieder zu verlassen; genug; et mußte seine besonderen Gründe dafür haben, denn eS war wirklich eine schwierige Aufgabe, den AuSgang wieder zu gewinnen und mancher Andere würde unter biefen Umständen vorgezogen haben zu bleiben. '
Mein Herr, können Sie mit fagen, wie die Dame heißt, welche wir so bewunderten? fragte er einen Matrosen, der hinter ihm stand.
Miß Ballevini, Mylord, lautete die Antwort.
Danke, mein Freund. Wiffen Sie, ob sie schon lange in dieser Stadt ist?
Nein, da« weiß, ich nicht, wir liegen erst seit drei Sagen hier im Hafen.
Sir Delavalle nickte befriedigt und holteauö
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hätt, hiervon Anzeige zu machen oder durch einen Kameraden Anzeige machen zu lasten. Der Ehrenrath hat alsdann sofort und möglichst noch vor Vollziehung des Zweikampfe« dem Commandeur Meldung zu erstatten Und da, wo die Standessttte eS irgend zuläßt, einen Sühncversuch vorzunehmen; falls dieser aber nicht gelingt, dalhin zu wirken, daß die Bedingungen des Zweikampfes zur Schwere des Falle« in keinem Mißvnchältniß stehen. Kommt rt zum Zweikampf , so hat der Präses des Ehrenrathe« oder ein Mitglied desselben sich al« Zeuge auf den Kaqisffplatz zu begeben und darauf zu achten, daß bei Vollziehung de« Zweikampfes die StandeSstttc gewahrt wird.Buf ehrengerichtlichem Wege sollen wegen eine« Zweikampfes nur bann gegen Offieiere eingeschritten werden, wenn der eine oder der andere der Betheiligten bei dem ARaß oder dem AuStrage der entstandenen Privakstreitig- keit gegen die StandeSehre gefehlt hat Die« muß insbesondere in dem immechin möglichen Falle geschehen, wenn «in Offieier -in frevel Hafter Weise einen Kammerad ohne jede Beran lastung eine schwere Beleidigung zugefügthaben sollte. Denn einen Offieier, welchevim Stande ist, die Ehre eines Kameraden in frevelhafter Weise zu verletzen, werde ich ebensowenig in Meinem Heere dulden wie einen Offieier, welcher seine Ehre nicht zu wahren «eiß. Die Regiementscvmmandeure -und die ihnen gleichstehenden Befehlshaber htben dafür Sorge zu tragen, daß jeder neu ernannte Offieier -des stehenden Heers« «hb b«6 Beurlaubtenstandes von dieser Meiner Ordre Kenntniß erhält' Auch ist durch gelegentliches Verlesen bei Versammlungen des Officiereorps Mein hier ausgesprochener Wille den Offieieren Meines Heeres öfter« in Er- innetung zu bringen. Wilhelm.
Attona, 2. Juni. Die „Alt. Nachr." chreiben: Mr All«, denen das Verweilen an dem lindenumschatteten Grabe Klopstock'S, des „neben seiner Meta und seinem Ätnbe* ruhenden Sängers der Messiade, auf dem Kirchhofe zu Ottensen, weihevolle Augenblicke
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfutt a. M-; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- ; zig, Köln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfutt a. M. x.
Deutsches Keich.
Berit», 5. Juli. Die „Nokd. Allg. Ztg" schreibt: Auf Allerhöchsten Befehlfgeht uns Folgendes zur Veröffentlichung zu: „Der durch mehrere Zeitungen gehenden Nachricht von einem nahe bevorstehenden Wechsel in dm Generalkommandos des Garde-, 3. und 9. Korps gegenüber wird offiziös erklätt, daß dieselbe ohne jegliche Begründung ist und lediglich auf Erfindung beruht. Das Publikum, welches sich für militärische Nach- richtm iuteressirt, wirb gleichzeitig aufmerksam gemacht, baß die gefangen niemals in berßage fein können, von bevorstehenden Personal-Veränderungen in der Armee Zu verlässiges zu berichten, und daß man daher wohlthun wird, den Glauben an militärische Personal-Nachrichten auf solche zu beschränken, die officiell bestätigt sind." — Es liegt in der Absicht, das ReichSmünzgesetz zum 1. Januar 1875 in Preußen zur Einführung zu bringen. Dieser Nachricht wurden seitdem wiederholt Zweifel entgegengestellt. ES steht jedoch nunmehr feft, daß die Reichsmark rechnung zu dem bezeichneten Termin bei «flen öffentlichen Kassen und im allgemeinen Verkehr zur Einführung gelangen wird. Für die Umrechnung der Münzen der bisherigen BundeSwährung in Mark sind die Vorschriften in Artikel 14 § 2 deS Reichs- müuzgesetzeS maßgebend. — In Bezug auf die Erhöhung der Pfarr-Gehälter wird der „N. P. Z." Folgendes mitgttheilt. Der Herr CultuSminister hat bereits vor längerer Zett von dm Regierungen, nach Vernehmung mit dm betreffenden Konsistorien Einreichung einer Nachweisung derjenigen Pfarrstellen verlangt, deren Einkommm, ausschließlich Wohnung, weniger als 600 Thlr. beträgt, und die Angabe des BettageS für jede, um es auf diese Höhe Hu bringen. Auch von dmjenigen Pfarr-Adzuncturen, die unter diesem EinkommenS-Beträge bleiben, sind die erforderlichen Angaben zu machm, um da« Adjuncten-Gehalt auf 600 Thlr. ausschließlich Wohnung zu bringen. Es ist anzunehmen, daß auS sämmtlichen RegievungÄ- Bezirken die Berichte jetzt emgegangen ftm
werden. Binnen Kurzem wird gewiß der Cultusminister die erforderlichen Summen anweisen und die Pastoren werden särnrntkich 600 Thlr Gehalt beziehen und zwar vom 1. Januar d. I. ab gerechnet. Zur Erhebung der Beträge ist persönliches Kommen des Empfängers nicht erforderlich; auch monatliche Zahlung ist nicht nothwendig, sondern vierteljährliche postnumerando, im letzten Monat deS Quartals zu hebm. Dagegen muß die Outttmig, wenn der Empfänger nicht persönlich den Betrag «hebt, mtt einer Bescheinigung versehen fein, daß Empfangberechligter noch am Leben und im Gemiß des Pfarreinkommens ist. Diese Bescheinigung kann vom Amts-Borsteher, vom Magistrat, vom Ortsschulzen, auch vom Superintendenten ausgestellt fein. — Da« Kammer-Gericht venirtheilte den Reichstags- Abgeordneten Most wegen Aufreizung zu Gewattthätigkeiten und Beleidigung des stehenden HeeveS zu einer 19monatlichen Gesängnißstrafe. Das erstrichterliche Erkennt- niß gegen Majunke wegen Beleidigung de« Ministeriums, de« „Reichs-Anzeig«s", deS Reichskanzlers und des Kaisers und erhöhte die wegen vier anderer Artikel gegen Majunke erkannte Geldstrafe von 200 Thlrn. auf 400 Thlr,, ecent. 4 Monate Gefängmß.
— Verschiedentlich sind schon Mittheilungen au« der Verordnung vom 2. Mai d. I. über die Bildung von Ehrengerichten für die Offieiere des preußischen Heeres gemacht worden; doch haben wir folgende wichtige Stelle noch nicht gefunden: In dem Vertrauen, daß edle Sitte und guter Ton in den Officiereorps Meines Heeres sich heimisch erhalten und Privatftreittdkeiten und Beleidigungen der Offieiere unter einander immer seltener vorkommen werden, habe Ich VaS durch die Verordnung II vom 20 Juli 1843 vorgeschkiebene Verfahren außer Kraft gesetzt. Nur soll für den Offieier, welcher mit einem anderen Offieier in eine bie Ehre berührend« Privatzwistigkeit geräth die Verpflichtung fovtbestehen, feinem Ehrenrathe, und zwar spätestens, wenn er eine HerauS- orberung zum Zweikampf erläßt ober er«
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition-d. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Cv. in Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schiller in Hannover; C. Schlotte in Bremen.