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Marburg, Sonntag, den 5. Juli

187»

WmMcht Irilumi.

auf Ausgleichung Verfassung improvistren soll. Jnder^.i^ IgSger M gg tgg

Die linke de» italienischen Parlamenls )at in Anbetracht auf die in Aussicht stehende Auflösung der Kammer ein Manifest an die Wähler erlassen, worin sie das Verfahren der Regierung und der Rechten scharf tadelt und ihre eigenen Ansichten als die allein richtigen hinstellt. Das Manifest dringt

courses und Reform des Steuersystems s wie der Verwaltung; vor Allem aber au: eine energischere Politik der Kirche gegenüber Aus die Demonstration der päpstlichen Partei ist eine Gegendemonstration erfolgt. Eine große Volksmenge zog mit Hochrufen au den König Viclor Emanuel nach dem Vatican, ward jedoch von den Truppen zurückge­wiesen und ging ohne weitere Unordnung auseinander.

Versammlung hat die Ernennung dieses engeren AuSschusieS vielfach ein sehr lebhaftes Miß­behagen hervorgerusen.

Rach zwei erfolgreichen KampfeStagen hat der dritte Tag der spanischen Rord- armee eine schlimme Wendung gebracht. Am 25. Juni griff Cvncha die Carlisten an und besetzte Villatuerta, am 26. eroberte er nach hitzigem Gefechte, doch ohne mehr als 100 Mann an Tobten und Dewundeten zu verlieren, Abarzuza und Zabal, und war somit im besten Zuge, den Carlisten um Estella eine Rückzugslinie nach der andern abzuschneiden, als er am Abend des dritten, sehr blutigen Tage«, mitten im Kampfe, als er gerade die Truppen durch eine Standrede zum Vordringen anfeuerte, durch eine feindliche Kugel hingerafft ward. Echague übernahm an des Gefallenen Stelle das Comando, mußte sich aber vor dem wuchtigen Anprall der ermuthigten Carlisten zurückziehen und die eroberten Posittonen aufgeben.

In Oesterreich zerbricht man sich noch immer den Kopf über die Ausführung der konfessionellen Gesetze. Daß dem Landes­chef Weisungen darüber zugegangen, steht außer Zweifel; aber es sind nur Instructionen, wie man sich zu verhalten habe, wenn dieser oder jener Kirchenfürst tht drohendes Ge- sicht mache u. s. w.; an den erwartenden Ausführungsverordnungen fehlt es noch. Das neuePfründenbesteuerungs-Gefetz scheint den Reigen eröffnen zu sollen, da anzeordnet ist, daß eS am 1. Januar 1875 ins Leben treten soll. In Ungarn geht mehr und mehr der vielgerühmte politische Tact der Magyaren zur Neige. Dies zeigt sich wieder bei dem Jncompatibilitatsgesetze, dessen dritte Lesung am 26. Juni im ungarischen Abgeordneten­hause erfolgte. Rach dessm Einführung bleibt den Wählern nur die Wahl zwischen Mag­naten, also HochtorieS, und beschäftigungs­losen Advoraten und jenen kleinen Edelleuten, die es aus Mangel an Kopf und Wissen nicht zum Stuhlrichter oder Bicegcspan bringen konnten.

Die Räthe der sch w e i z e r i s ch e n Bundes­versammlung haben am SamStag (27. Juni) vorläufig ihre Arbetten beendet und bis Oktober sich nach Hause begeben. Am Freitag hatten sie nach längerem Wahlkampf Lausanne zum Sitz de» Bundesgerichts gewählt.

Dm Plaid über die Schultern geworfen, den Hut ziemlich verwegm auf dem blonden Haupte, wanderte er an den großen Schau­fenster der verschiedenen Läden und Magazine vorbei, hinter denen die verschiedenartigsten

Sobald Sie Ersatz gefunden habm. Können Sie mir einen Vorschlag machen?

Walther Dittmer, mein bisheriger College, ist Ihres VertraumS werth.

Gut, Ihre Empfehlung genügt' "J

Dann würde meinem Austritt am Schluß dieses Jahres nichts entgegenstehm?

Haden Sie es so eilig? fragte der Banquier.

Richt der Gefahren toegtn, aber im Ver­trauen daraus, daß Sie meine Gründe an­erkennen würden, habe ich schon die einlei- tmden Schritte zur Gründung eines eignen Geschäfts gethan.

Hr^r Eduard Schindler nickte und zündete die Cigarre, die inzwischen erloschm war, wieder am

Darf ich fragen, welches Geschäft Sie grflnben wollen?

Ein Wechsel- und Lotterie-Geschäft.

Aber, lieber junger Freund

Man muß «ein anfangen, Herr Schindler.

Der Banqnier schüttelte bedenklich das Haupt.

Run, wenn Sie glauben, auf diesem Wege eine sichere Epistenz begründen zu

können, so müssen Sie es in Gottes Namen versuchen, sagte er wohlwollend, ich werde mich bemühen, Ihnen nach Kräitm unter die Arme zu greifen. Aber so ganz ohne Capital können Sie nicht beginnen.

i Meine Ersparnisse -.

Sie reichen schwerlich hin. Darf ich fragen, wie viel sie betragen ? ,;-

Einige Tausend Mark.

Nun, das ist schon etwas, aber eS genügt nicht, ein Geldwechsler muß so gestellt sein, daß er sich nie genöthigt sieht, ein großes Geschäft wegen Mangel an baaren Fonds zurückweisen zu müssen. Wir werden den Gegenstand weiter besprechen; Ihre Firma soll mit hinreichenden Mitteln in's Lebm treten.

Eine Handbew^ung verabschiedete den jungen Mann, der die Prozeßakten vom Tische nahm und das Cabinet verließ.

Herr Eduard Schindler wanderte noch lange auf und ab, die Unterredung schien einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht zu haben, endlich verließ auch er das Cabinet, um sich in seine Familienräume zurück- zuzieheu.

DaS Gebiet der praktischen Gesetzgebung für einige Abende verlassend, hat das englische Unterhaus sich in eine Debatte hineingeredet, der man kaum einen theo­retischen Werth beimessen kann. Sie be­trifft dm von Butt und seinen irischen Frmnden längst angekündigtm Homerule- Antrag, welcher auf die Errichtung eines irischen Sonderparlaments neben dem Reichs­parlament hinzielt. Butt unterstützte diesen Antrag in einer Rede, in welcher er der tiefmütterlichen Behandlung die der grünm Insel von Seiten Englands widerfahre, die Schuld an all den Hebeln Irlands gab, deren Heilung er andererseits nur von einem national-irischen Parlamente erwartete. Seine Behauptungen widerlegte der irische Attorney- General Lall und von den Bänken der liberalen der Marquis von Hartington; pät in der Rächt wurde die Debatte vertagt. Die Verwerfung des Antrags ist elbstverständlich erfolgt.

Die d ä n i f ch e Ministerkrisis dauert ohne besondere Hitze fort und wird sich vor der

2. Capitel.

Sir Arthur $e(a»ale interefflrt sich für Sehenswürdigkeiten und findet, datz er feldft für eine solche angesehen wir».

Wenige Tage vor der Ankunft Sir Arthur Delavalle's hatte der Weihnachtsmarkt Ham­burgs, der berühmteDom", begonnen und da der Engländer so großmüthig gewesen

1 war, seinen Kutscher heimzuschicken, so sah er sich jetzt, als er das HauS Schindler'S verließ, genöthigt, zu Fuß den Gasthof auf­zusuchen, in welchem er abgestiegen war. Nu» lag derEuropäische Hof", wie wir das Hoiel nennen wollen, ziemlich weit in der Stadt, während das HauS des BanquierS in der Nähe des Thores, am Ende der großen Stadt lag und Sir Arthur Delavalle konnte keine besondere Lust empfinden, im Regen und Schmutz die weite Strecke zu- rückzulegm.

Sodann war er ja auch ein Fremder, es blieb also doppelt unbegreiflich, daß er den Wagen sortgcschickt hatte.

Jndeß ein unbefangener Beobachter würde die auffallende Entdeckung gemacht habm, daß Sir Delavalle sich mit einer Sicherheit durch die Straßm bewegte, die durchaus nicht verrnuthen ließ, daß et Besorgniß hege, sich verirren zu können. Er warf weder nach rechts, noch nach links einen forschenden Blick, wenn er einen Punkt erreichte, auf welchem mehrere Straßen sich kreuzten, er mochte seinm geraden Weg versolgm ober einen andern einschlagen, stets that er es ohne Zögem, ohne jene» Forschen und Be- dmkm, an welchem man sofort einen Fremden erfennt.

und Sie werden nach wie vor mein ganzes, ungetheilteS Vertrauen genießen. -

Ich habe es überlegt, erwiderte Maximi­lian in entschlossenem Tone, eS ist besser so, ich fühle eS.

i Run denn, so scheiden wir als Freunde und meine herzliche Theilnahme wird Sie auf allen Lebenswegen begleiten. Wann wollen Sie austreten? - <'

Anzeigen nimmt entgegen: die Erpedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Staxlfurt a. M-, Berlin, Leip- , jig, Ciiln sc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Der Kamps am eine Milli,«.

Roman ttwn Ewald August König. ' (Fortsetzung.) '

Herr Eduard Schindler blickte lange ge­dankenvoll in den Garten, der vor dem Fenster seines Cabinet» log. Es konnte seinem Blick sich durchaus nichts Inter- tfiantc» dort bieten, denn die kahlen Bäume und die mit Stroh umhüllten Pflanzen aus den Berten gewährten in dem grauen Nebel­schleier einen nichts weniger als interessanten Anblick, dennoch hastete der Blick des alten Herrn so unverwandt aus ihnen, al» ob er die Tropfen zählen wolle, die schwer von ben entlaubten Zweigen niederfielen.

Endlich wandte et sich um und Maximilian bemerkte, daß die Augen seines Chefs feucht waren.

Sie find ein Ehrenmann, sagte der Ban luter, indem er dem jungen Manne die Hand bot, als solcher habe ich Sie stets ttkannt, in diesem Augenblicke freut e» mich doppelt, daß ich Ihnen mein volle» Ver­trauen geschenkt habe. Ich will keinen Ver- gleich ziehen, mich nicht in Verrnuthungen darüber ergehen, was mancher Andere an Ihrer Stelle gethan haben würde; ein Brann von Ehre und Charakter muß han­deln, wie Sie und ich danke Ihnen, daß Eie e» thun, ich will Sie nicht bewegen, iu bleiben, überlegen Sie Ihren Entschloß »och einmal; wollen Sie bleiben, so hat Ihre Offenheit das freundschaftliche Band, Welches unS umschlingt, nur fester geknüpft '

. Politische W-chen-Ueberficht.

"Unser Kaiser wird seine bisher nach Wnnsc wrtaufene Cur in Ems am Sonntag (5.Juli beenden und flch dann über Coblenz un Frankfurt zur gewohnten Nachkur nach Gastein begeben. Am Dienstag besuchte detfelkv zum Abschiede oie kaiserlich russische Familie in Jugenheim. Der kaiserliche Kronprinz nahm am Sonnabend und Sonn­tag zu BreSlau Theil an den glänzenden Festlichkeiten der zweihnndettjährigen Jubel- feier de» Leib-Cuirassier-Regiments und hat sich am Mittwoch mit feiner Familie nach Bremerhaven begeben, um von dort mit dem LloyddampferHohenzollern" nach der Insel Wight zu fahren. Unterbeffen ist die seit acht Tagen angekündigte Ankunft de» Fürsten Reichskanzler» in Berlin, gelegentlich seiner Badereise nach Kissiugen, am Mittwoch Abend erfolgt. Der Fürst wird zwei Tage in Berlin verweilen und am 4. Juki in Kissingen eintreffen, lieber den Ergebnissen derBerathungen der vorwöchentlichen BischofS- Conserenzen in Fulda liegt noch ein tiefes Geheimniß. Jnveß au« scheinbar wvhl- amterrichteten Kreisen in Fulda selbst darauf bestanden wird, daß nicht nur über Ver mittlungSvorschläge verhandelt, sondern auch Beschlüsse über bestimmte Propositionen zu Stande gekommen, die sowohl nach Berlin wie nach Rom eingereicht seien, ereifert sich die deutsche ultramontane Preffe nicht allein für den Satz, daß jeder Gedanke an Nach­geben auch nur um eine» Haares Breite den Bischöfen durchaus fern geblieben sei, sondern ein Blatt, dieGermania-, erklärt sich auchzu der Mittheilnng ermächtigt, daß von FnedenSprosttivnen in Fulda nicht im entfernteren die Rede gewesen ist-. Die Lösung de« Widerspruchs ist abzuwarten. In Sachsen ist nunmehr der Eintritt der ReichSmarkrechnung auf den 1. Januar 1875 anberaumt und amtlich verkündet worden; für Preußen ist der Zeitpunkt noch zweifelhaft. In der baierischen Abgeordne tenkammer hat am Freitag (26. Juni) ge- i legentlid) der Berathung einer Position des Unterrichtsetat« die ultramontane Patrioten- Partei ein Mißtrauensvotum gegen denCultus- Minister v. Lutz durchzusetzen versucht, ist <

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; ZKger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, 31. Mete­rn elfer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen.

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aber nach heftigem Kampfe, in Folge von im Staatshaushalt, Abschaffung des Zwang Desertionen aus ihren eigenen Reihen, von - r * ~ , - - ö - - 9

Position zu Position vollständig erlegen. Am Dienstag hat hie Partei in der General- berathung de« CuktusetatS den Kamps von Neuern aufgenommen, aber nach der ausge» brochenen Zerrüttung im eigenen Schooße mit um so weniger Aussicht 8tif Erfolg. Der badische Landtag ist am Freitag vom Grvßherzog mit einer reichSfreundlichenThron- rede geschloffen worden.

Auskunft und Annahme von Abreisen werden 21 Kar. brmhnft.

Der 28 Juli 1874 scheint für die Ent Wickelung der französischen Zustände ein bemerkenSwertheS Datum werden zu sollen : die Revue auf dem Longchamp« hat auf die Zuschauer einen enschieden günstigen Eindruck gemacht, der sich rasch weiter über bas Land verbreitete. Der Tagesbefehl, mit welchem Mac Mahon dieses militärische Schauspiel begleitete, hat diesen Eindruck verstärkt und ihm eine Richtung gegeben, die im esten Augenblick stutzig machte, dann aber mehr und mehr al« ein Fortschritt, als eine Wohlthat bezeichnet, oder doch al« ein Luftzug in der Schwüle, bei dem man auf« athmet, begrüßt wurde. Die historische Stelle dieses ActenstückeS, in welcher der Präsident der Republik offene Stellung nimmt lautet: Die Nationalversammlung hat, indem sie mir auf sieben Jahre die vollziehende Ge­walt anvertraute, meinen Händen für diese Dauer die Ordnung und den öffentlichen Frieden in Verwahrung gegeben. Dieser Theil der Mission, die mir auferlegt wurde, geht euch ebenfalls an; wir werden dieselben zusammen durchführen ' indem wir überall die Autorität des Gesetzes und die ihm chuldige Achtung aufrecht halten'" Der Antrag von Casimir Perier, beffen Dring ichkeit nur eine zweifelhafte Majorität er« -alten, fand nicht Gnade vor den Augen des VerfaffungsauSschuffe«. Das ließ sich erwarten; überrascht hat nur: ersten» daß die Dreißiger vierzehn Tage zu dem Ent- chluß vergeudeten, den sie in der ersten Stunde fassen konnten, und zweitens daß sie sich dadurch aus ber Verlegenheit zu .......... .,.v. WHU |liy vvr Dcr

* Achten, baß sie einen Dreier-AuS- Rückkehr de» Königs aus Island schwerlich chuß ernannten, der den Grundriß einer entscheiden. Der verabschiedete Finanzmi- ^erfaffuna tmhrnniftrim fnff ____ « ___,.u 61,11