Mr. 1S2
Marburg, Donnerstag, den 2. Juli.
187/4.
ObrrhrMt Jrilung
Wirkung zu lassen, wenn sie nicht von post
der fremde Accent, mit welchem er die deutsche Sprache redete, das blonde Haar und der sorgfältig gepflegte Backenbart ließen unschwer in ihm den Engländer erkennen.
Arthur Delavalle, Esquire, laS Herr Eduard Schindler, als der Commis ihm im Cabinet dir Karte 1X6 Fremden überreichte.
Der stattlich korpulente Herr deutete durch eine Handbewegung an, daß er bereit sei, den Besuch des Engländers anzunehmen und als dieser gleich darauf eintrat, erhob er sich, ihn zu empfangen.
Sie werden verzeihen, wenn ich störe, nahm Sir Arthur das Wort, nachdem er sich in dm Sessel niedergelassen hatte, den der Banquier eigmhändig ihm hinschob, ich bin ein Fremder in der Stadt, —
Bitte, bitte, sehr angmehm, unterbrach Herr Schindler ihn artig, ich vermuthe, daß es ein GcschästSbesuch ist.
Zum Theil; Perkins, Gibson u. Co. in London waren so frmndlich, mir einen Empfehlungsbrief an Sie zu übergeben.
Sir Delavalle hatte sein Pvrtefmille bereits geöffnet, der Banquier durchflog rasch das Schreibm und nickte befriedigt.
Seim Sie mir willkommen, sagte er, ich bin dm Herrm PerkinS, Gibson u. Co.
Wieder verneigte sich Sir Delavalle.
Sie sind außerordentlich liebenswürdig, erwiderte er und aus feinen Äugen traf ein scharfer, prüfender Blick das volle wohlgenährte Antlitz des BanquierS, in deffen Zügen sich neben energischer Willenskraft eine ehrliche Gutmüthigkeit spiegelte. Ich bin hier fremd und man hat mir in meiner Heimath gesagt, es sei schwer, in dieser berühmten Hansastadt Zutritt in Familienkreisen zu erhalten.
Der Banquier nickte lächelnd-
Gewiß, wir find darin sehr wählerisch, sagte er, aber wer solche schwer wiegende Empfehlungen besitzt, dem stehm auch unsere Salons offen. Sie reifen zum Vergnügen.
Da- wird Sie befremvm, die Jahreszeit ist zu einer Vergnügungsreise schlecht ge
Conflict mit der Regierung ist. Denn das bischöfliche General - Vicariat schreibt bereits die Pfarrstelle in Voltlage öffentlich aus und fordert qualificirte Priester zur Bewerbung um dieselbe auf. Es muß sich also, wenn solche Bewerbungen eingehen, bald entscheiden, ob der Bischof den künftigen Pfarrer in Voltlage nach Vorschrift der Maigesetze dem Oberpräsidenten benennen wird oder nicht. Die hiesige „Volkszeitung* spricht ihre Zweifel aus, daß sich Bewerber melden werden.
Breme«, 29. Juni. Der Kronprinz des Deutschen Reiches wird mit seiner Familie und Gefolge am Mittwoch Nachmittag 4 Uhr mit dem gewöhnlichen Schnellzuge üb» Uelzen hier eintreffen und ohne Aufenthalt sofort nach Bremerhafen weiter führen, um sich von dort mit dem Lloyddampfer „Hohcnzollern" nach der Insel Wight zu begeben. Herr Consul H. H. Meier wird die hohen Reisenden bis Bremerhafeu be gleiten.
Darmstadt, 30. Juni. Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag 1 Uhr zu kürzerem Besuch in Jugenheim eingetroffen. Derselbe wurde vom Kaiser bön Rußland, dem Großherzog von Heffen uitd fämmtlichcn Fürstlichkeiten auf dem Vahnhofe der Station Bickenbach etttpfartgtii. Nach großer Hoftafel auf Schloß Heiligenberg wird Kaiser Wilhelm um 5 Uhr wieder nach Ems zurückkehren.
Karlsruhe, 29. Jutti. Dem officiellen Schluffe des Landtags fölgke in üblicher Weise der Abschiedsempfang der Mitglieder beider Kammern Bei dem Großherzog und ein Diner im Schlosse. Wie mitgetheilt wird, hätte der Großherzog in seinem Toast auf die Land stände und daS Land an die heimkehrenden Abgeordneten die ernste Mahnung gerichtet, in ihrem Kreise nach Kräften zur Beruhigung der leidenschaftlich aufgeregten Gemüther beizukragen und für eine Verständigung in den obschwebenden Fragen wirksam zu fein. Die Differenzen, welche zwischen beiden Kammern schon früher in der VerfassungSfrage, in den letzten Tagen noch bezüglich der Einkommensteuer und der gemischten Volksschule hervorgetreten sind, und der tiefere Mißklang, welcher aus der Beschwerde des Geheimen Raths Renaud über die Presse und indirect über ein Mit-
wählt. Aber die Langeweile hat mich von drüben vertrieben.
Ich hoffe, Sie werden hier keine Langeweile empfinden.
Der Banquier hatte, während er dieö sagte, ein silbernes Glöckchen in Bewegung, gesetzt und beauftragte jetzt den eintretenden gallonirten Dimer, den Besuch eines Gastes anzukündigen.
Ich bitte Sie um die Ehre, Ihnen meine Familie vorstellen zu dürfen, wandte er sich zu Sir Delavalle, bitte, ganz ohne Umstände.
Aber ich störe Sie.
Durchaus nicht, meine Dispositionen sind für heute getroffen, die lausenden Geschäfte kann ich meinem Procuristen überlasten.
Sir Delavalle folgte dem stattlichen Herrn, der eine breite, mit Teppichen belegte Treppe hinaufstieg, einen Corridor durchschritt und eine Thür öffnete.
Eine Verbeugung lud den Engländer ein, einzutreten, er stand in. einem eleganten, luxuriös ausgestatteten Gemach einer hohen schönen Dame gegenüber, welche Eduard Schindler als seine Gattin vorstellte.
Und nun fiel der Blick Sir Delavalles auf eine zweite Dame, deren Aehnlichkeit mit dem Ehepaar ihn die Tochter desselben ernennen ließ.
Eine große schlanke Figur, welche der
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, Ä- Rete- meyer in Berlin; Carl Schah- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen.
DentfcheS Keich.
** Berlin, 30. Juni. Morgen wird eine Sitzung des Staatsministeriums statt- finden; um derselben beizuwohnen, hat der Minister des Innern feine Reise nach EmS um einen Tag verschoben. Derselbe wird den Kaiser auch nach Homburg begleiten und sich Jobann nach Wiesbaden begeben. Hier wird der Minister mit Rächen seines Ministeriums und mit einigen Landräthen des Regierungsbezirks die Berachung eines Entwurfs zur Communal - Verfaffung der Provinz Heffen-Nassau vomehmen. Mitte Juli soll die Rückkehr erfolgen. — In Frankfurt a. M. wird der Kaiser bei Ge legenheit der Reife nach Homburg kurze Zeit verweilen. — Die vom Präsidenten des Reichseisenbahnamtes, Scheele, nachge> suchte Entlassung ist von Sr. Majestät genehmigt und die Berufung des bisherigen Vorsitzenden der Eifenbahndirection in Han nocet, Maybach, zum Präsidenten des ReichSeisenbahnamteS verfügt worden. — Fürst Bismarck wird »ach eingegangener Meldung morgen hier eintreffen und zur Erledigung dringender Geschäfte zwei Tage hier verweilen, um alsdann zur Badekur nach Äiffingen zu gehen, wohin der Sohn de» Fürsten Graf Herbert schon vorauSge- gangen ist. — Die Meldungen aus Fulda über entgegenkommende Schritte zur Herstellung besseren Einvernehmens mit der Regierung finben keine sehr vertrauensvolle Ausnahme; von ber bisherigen Politik des BaticanS bis zu erfolgreicher Anbahnung eine« friedlichen Verhältnisses ist ein weiter Schritt, den zu thun selbst der gute Wille ber Bischöfe bei beten Abhängigkeit von Rom nicht anSreichm bürste, und von der herrschmden Partei in Rom eine Unterstützung ober auch nur Zulassung einlenken- ber Maßnahmen zu erwarten hat man keinen Grnnb, selbst eine scheinbar ftiebfertige Kundgebung würde noch mancherlei Deutung ber wirklichen Absicht und die Auslegung fthlauer Taktik ober auf das Volk berechneter Ein-
Srscheint täglich außer den Werttagen ngch Somi- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 32i @gr., durch di« Postämter des deutschen Reiches 35 Sßr. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die'gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilcnde
Auskunft und Annahme von Adreffe« werden 2$ Sgr. berechnet.
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Sein distinguirtes Auftreten, seine elegante,«sehr verbunden für die Ehre, die sie mir modische Kleidung und feine stolze, würde I erzeigt haben.
volle Haltung verriethen den Ausländers Sir Delavalle verneigte sich dankend.
Ich habe wohl nicht nöthig, zu erwähnen, daß meine Gaffe zu Ihrer Verfügung steht, fuhr der Banquier fort, während er den Empfehlungsbrief auf seinen Schreibtisch legte. Das ist ber GeschäslSpunkt, besten Drbnung nur meinen Kasfiret angeht. Aber ich werde mich freuen, Sie nicht nur geschäftlich, sondern auch außergeschäftlich bei mir einzuführen.
glieb beS andern. Hauses hervortönte, werden sich wohl auch später noch fühlbar machen. Im Ganzen hat der eben geschlossene Landtag eine reiche Thätigkeit hinter sich; in den 67 öffentlichen Sitzungen der Zweiten, und 21 Sitzungen ber Ersten Kammer wurden etwa 40 Gesetzentwürfe erledigt. — Schon früher einmal hat man in Offenburg den Anlauf zu einem Denkmal für Oken genommen. Derselbe ist nämlich in dem nahen BohlSbach im Jahre 1779 geboren und hat das Gymnasium in Offenburg besucht. Mit dem Herannahen des Säcular- fefteS ist der Gedanke nun wieder lebendig geworden, und hofft man bis dahin für den berühmten Naturforscher ein heimatliches Denkmal zu Stande zu bringen.
München, 30. Juni. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute di^Berathung deS Etats des CultuSministeriums fort. Der Abgeordnete Krätzer wünscht Auflösung ber Kammer, damit eine Kammer-Mehrheit erzielt werde; das Mißtrauens-Votum vom letzten Freitag sei genügend votirt gewesen. Abgeordneter Matquardsen kann nicht zugeben, daß ein förmlicher MißtrauenS-Antrag gestellt worden sei. Für die Klage, daß Baiern ein Reichsgesitz zur Ausführung bringe, fei im Reichstage ber Ort; hier handle es sich um den CultuS-Etat, wobei er, wie ber Abgeordnete Landrichter Eder, weder ein Mißtrauens- noch ein Vertrauensvotum beabsichtige. Hierauf ergriff der Abgeordnete Jörg das Wort, um auf die Rede des Ministers Lutz zu antworten. Er verwahrt stch gegen den Vorwurf, als fei bei Zustandekommen bet „Erklärung" vom 20. Juni Terrorismus von Seiten seiner Partei geübt worden; et rügt, daß ein „Denunciant" dem CultuS- minifter Lutz den Beschluß des patriotischen Clubs vorher mitgetheilt habe. Die Patrioten seien weder ein Club noch eine Partei. Wegen des Mangels einer Disciplin fei eine Koalition der Elemente gegen die Tyrannei des Liberalismus erforderlich. Schon bei Beginn ber Session habe ber patriotische Club ben Antrag auf Erlaß einer Adresse an ben König mit der Bitte um Auflösung beS Landtages gestellt; damals habe man die Ausführung in Folgtz Widerspruchs eines einzigen. Mitgliedes fallen gelassen. Dies sei der angebliche Terrorismus. Das Ministerium wünsche
Wirkung zulassen, wenn sie nicht von poft Conflicte mit ben Staatsgesetzen. In Votiven Beweisen reiner Absichten begleitet riger Woche ist ber katholische Pfarrer in werben. So bereitwillig die Regierung von Voltlage, Amts Füchenau, verstorben. Zwar einer Wendung zum Besseren ohne Zweifel befindet sich in Voltlage ein Vicar, welcher Act nehmen würde, wird man doch nicht die Pfarrgeschäfte wahrnehmen kann. Der gmeigt sein, sich über die Größe der tren- Bischof scheint aber nicht länger der einzige nenben Kluft unb die Unwahrscheinlichkeit seinesgleichen bleiben zu wollen, der ohne
Der Kampf um eine Million*) Roman von Ewald August König.
-'s' 1 Capitel.
Sir Arthur Delavalle glebt seine Empsetz- lnngövriesr ab.
Eine elegante Equipage hielt vor dem Prächtigen Hause des Herrn Eduard Schindler, Inhaber eines der ersten Bankgeschäfte Hamburgs.
ES war ein trüber, naßkalter December- morgen, ein feiner Staubregen riefelte unaufhörlich nieder unb hüllte die Straße in seinen grauen, unfreunblichen Schleier.
Der Kutscher hatte bie Wagenthür geoff net. Ein großer, schlanker Herr, der über bem eleganten Ueberzieher einen schottisch gewürfelten Plaid trug, stieg langsam an» und schritt an bem Portier vorbei in das Haus, besten mit Statuetten und Lorbeerbäumen gezierten unb mit reichen Teppichen ‘belegte Vorhalle den Reichthum des Bewohners verrieth.
Der Kutscher warf feinen Pferden eine Decke über und hüllte fröstelnd sich in feinen Mantel, geduldig ben Rückweg feine» Herrn harrenb.
Der Letztere aber trat in bad Comptoir und überreichte dem jungen Herrn, ber ihn empfing, eine Karte, mit ber Bemerkung, baß er ben Chef de» Hauses zu sprechen wünsche.
*) Vor Nachdruck wird gewarnt.
der Ausfüllung derselben durch positive Vorschläge der Curie Illusionen hinzugeben. Das Bestehen der Kirchengesetze und die Nothwendigkeit, ihnen volle Geltung zu sichern, ist eine conditio sine qua non, die der UltramontaiiiemuS seinerseits säuerlich wird überwinden können. — Selbst die Bemühungen deS Herrn Majunke in der „Germania", dem Wunder der stigmatisirten Luise Latean im Jahre deS Heils 1874 Zugkraft zu geben, vermögen nicht die Erinnerung an eine Vorgängerin, die Therese Stedelm, im Canton Zug zurückzudrängen, welche im Jahre 1848 wegen erwiesenen Betrugs und Heiligenschwindels vom Cri- minalgericht des Cantons, also nicht in Preußen, zu Zuchthausstrafe verurtheilt wurde. Solche Pendents sind fatal, aber deren Auferstehen wird bewirkt, wenn neue Erscheinungen mit übermäßigem Eifer in Scene gesetzt werden. — In landwitth- schaftlichen Kreisen wird jetzt das Projekt einer internationalen landwirthfchaftlichen Ausstellung in Berlin wieder lebhaft ausgenommen. — Der Generalpostdirection ist aus Geschäftskreisen die Einführung mit Vordruck versehener Couverts an Stelle der angenommenen Paketbegleitadresten in Kartenform empfohlen worden. Gegen die Zweckmäßigkeit dieser Couverts wird jedoch geltend gemacht, daß der Zweck der Begleit- Adresten in jetziger Form und ihr Nutzen wesentlich m ber erleichterten Rückleitung an bie Post bestehe, wodurch bie Ausgabe ber Pakete an bie Adressaten wieder beschleunigt wird. Die Benutzung von Couverts als Begleitadreffen der Packete führt wieder eine Verspätung ber Vorlage herbei, weil bie Attestaten ober Empfänger nicht immer über bie barin enthaltenen Briefe verfügen können, welche häufig für anbere Personen be» Hauses, Untergebene, Verwandte, Hausgenossen u. A. bestimmt sind.
Osnabrück, 28. Juni. Bischof Beckmann steht jetzt — wohl ber letzte ber preußischen Bischöfe — ebenfalls vor einem