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Wr. 1SL.

Anzeigen nimmt entgegen: die Emeditio« d. Blatte-, sowie bte Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. 2)1., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt«. M. rc.

Marburg, Mttwoch, den 1. Juli.

W/iM

(iXirrbcllifdir Jrilung.

1871

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube, & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Äoch'sche Buchdruckerei) bezogen 22| 6#r., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition z« ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet.

Versenkung der Urkunde that der Kronprinz

Schlosse Residenz nehmen. Das dies­jährige erste Schwurgericht, für Waldeck-

FeldgottcSdienst begab stch der Kronprinz heute Mittag zur Einweihung des Krieger Denkmals auf den Augustaplatz. Oberst- Lieutenant Donal verlas die Stiftungsurkunde

die Bedeutung Hans Sachsen'« erläutert hatte, fiel auf ein gegebenes Zeichen unter dem Klange der Musik die das Denkmal dem Auge entziehende Hülle und im herr­lichen Sonnenglanze stellte sich das Stand­bild des Volksdichters dar. Da« Monu­ment zeigt uns Hans Sachs in fitzender Stellung, mit dem Schurzfell angethan; in dem ausdrucksvollen Kopf spiegelt sich der von Humor bewegte Geist. In der Rechten hält der Meister den Griffel, «ährend er mit der Linken ein Buch umfaßt. Das Monument ist äußerst gelungen in der Konzeption, und der Guß gereicht der Lenz- schen Erzgießerei zur höchsten Ehre. Nach vollzogener Enthüllung des Monuments wurde von den versammelten Sängern das \>on Priem gedichtete, von Grobe componirte Festlied vorgetragen. Herr Lützelberger über­gab hierauf iw Namen de« Ansschusies das Denkmal der Stadt. Herr Bürgermeister von Stromer dankte im Namen der Stadt Nürnberg für das Geschenk, welche» die Pietät dem bnühmtesten und fruchtbarsten Dichter Nürnbergs gewidmet habe. Dank gebühre dem DenkmalauSschuffe für die zähe Ausdauer, welche er bi» zur Vollen­dung des Werkes bewiesen, nicht minder Dank gebühre den Spendern der Gaben für Errichtung des Denkmals. Nachdem der Redner noch betont hatte, daß die Conzeption des Monument- von einem hie­sigen Künstler herrühre und auch der Guß

machermeister Kilian hier verfertigter Stiefel vorangetragen wurde, auf welchem nach­stehender, von HanS Sachs hcrrührender Vers prangte:

Daß mein Gedicht grüne, blühe und wachs' Und viele Früchte- bring'. Das wünscht

Hans Sachs."

Zn dm festlich geschmückten Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, hatte sich eine dicht gedrängte Menschenmenge eingefunden, welche förmlich Spalier bildete. Bei der Ankunst auf dem Spitalplatze gruppirten sich die Theilnehmer des Festzuges, von denen wir noch die, theils in Landes -, theils in Stadtfarbm gekleideten Ehrenjungfrauen erwähnen wollen, um da- noch verhüllte Monument. Herr Stadtbibliothckar Lützel­berger, der Vorstand des Comites für Er­richtung des HanS SachS-DenkmalS, bestieg hierauf die Rednerbühne. Am Eingang seiner Rede drückte er seine Freude auS, daß heute das Werk vollmdet dastehe, desien Anführung sich anfänglich gar mancherlei Schwierigkeiten entgegenstellten. Mit Weh muth gedachte der Redner des Bildners deS Denkmals, Bildhauers Kraußer, dem e» nicht mehr gestattet war, die Ausführung seiner Kunstschöpfung zu erleben (Kraußer starb vor Jahresfrist, das widrige Schicksal, mit desien Unbilden er harte Kämpfe zu be­stehen hatte, ries ihn ab, nachdem er kaum diese erste so sehr ersehnte größere Arbett vollmdet hatte). Nachdem der Redner noch

Herzog von Mecklenburg in Jugenheim an­gekommen. Für morgen ist der Besuch des Kaisers Wilhelm angemeldet. Uebermorgen trifft der König von Württemberg in Jugen­heim ein. Am 2. Juli findet eine große Hof­jagd im Park von Wolfsgarten statt. (H.M)

München, 29. Juni. DasSüdd. Corresp.-Bur." meldet: Die von der Pa­triotenpartei abgegebene MißtrauenS-Erklä rung hat keine MinisterkrisiS hervorgerufen. Dagegen ist eine Krisis im Patrioten-Club ausgebrochen. Abg. Freytag will feine Stelle als Vorstand des Clubs niederlegen, mehrere Club-Mitglieder treten aus.

AuSlaud.

Paris, 28. Juni. Bei Perron, ehemaligem Chef der politischen Redaction im kaiserlichen Staatsministerium, fand ebenfalls Haus­suchung Statt. Perron steht zu Ronher in genauen Beziehungen. Mit Beschlag be­legte Papiere lassen keinen Zweifel über die Existenz eines bonapartistischm Central- Eomitö's, welches Ronher zum Präsidenten hatte. Bei dem Photographen Appert wurden Gußabdrücke von Bildern des kaiserlichen Prinzen vernichtet. Bei Fontbrune Mit­arbeiter des Pays, war ebenfalls Haus­suchung. Die Heerschau auf den Long- champS hatte eine ungeheure Menschenmenge angelockt, die stch jedoch äußerst ruhig ver­hielt. Nur die Tribünen klatschten Beifall einigen Regimentern wie den Soldaten von Paris und der Gendarmerie so wie den Zöglingen von St. Cyr. Der Marschall kam um 3 Uhr an. Der Vorbeimarsch be­gann um 3Vi Uhr und war um 42/4 Uhr zu Ende. Die Infanterie marschirte vor­trefflich. Die Cavallerie ritt theilweise schlecht. Die Artillerie hat zum Theil 7- und 4 Pfünder. Das große Publikum stieß keinen Ruf au»; doch drückte man viel­fach Zufriedenheit über die Haltung der Truppen aus.

29. Juni. DasJournal officiel" veröffentlicht einen von Mac Mahon aus Anlaß der gestrigen Revue an die Armee gerichteten Tagesbefehl, worin derselbe die

drei Hammerschläge, nach ihm Oberprästdent v. Rordenflycht. Der Militär-Oberprediger Reitzenstein segnete daS Denkmal ein unter Abfeuerung von 33 Kanonenschüssen. Ge­neral Tümpling brachte ein Hoch auf den Kaiser, Oberbürgermeister Forckenbeck auf den Kronprinzen ans. Letzterer unterhielt stch hierauf längere Zeit mit den anwesenden Invaliden.

29. Juni. Nach dem Festdiner in bet Cuirasstr-Caserne begab sich der Kron­prinz gestern gegen 7 Uhr zu dem städtischen Gartenfest im Schießwerder, wozu 2500 Einladungen ergangen waren. Zum Empfange waren gegen 800 mit städttschemEhrmämtern bekleidete Bürger aufgestellt. Der Ober­bürgermeister Forckenbeck brachte ein Hoch aus, in welches die Versammlung enthu­siastisch einstimmte. Der Garten war glänzend iöuminirt und der Kronprinz verweilte an zwei Stunden in leutseliger Unterhaltung Vor seiner Abreise um 10 Uhr mit dem Courierzuge brachte die Studentenschaft ihm einen großartigen Fackelzug.

Pot-dam, 29. Juni. Die Gemahlin des russischen Botschafters v. Oubril ist gestern Abend im Jungfern - See beim Reuen Garten verunglückt; dieselbe wurde zwar aus dem Wasier gezogen und ins Leben zurückgerufen, starb jedoch heute Morgen.

GwS, 29. Juni. Der Deutsche Kaiser macht morgen dem Kaiser von Rußland in Jugenheim feinen Abschiedsbesuch und geht übermorgen nach Neuwied zur Taufe de« Kindes der Fürstin von Wied.

Arolsen, 27. Juni. Heute fand die Konfirmation der dritten und vierten Tochter deS Fürsten zu Waldeck und Pyrmont, der Prinzessinnen Maria und Emma, in der hiesigen Kirche statt. Zur Einleitung der Feier fang die LiedertafelConcordia": O, heil'ger Geist rc." von F. Wagner. Am 29. d. M. wird sich der Fürst mit der fürstlichen Familie nach Pyrmont begeben und vier Wochen im dortigen fürstlichen

Deutsches Reich.

* Berlin, 29. Juni. Kaiser Wilhelm wird sich morgen zu einem Besuch nach Jugenheim und dann nach Wied begeben, um hier der schon gemeldeten Tauffeierlichkeit beizuwohnen; am 5 oder 6. Juli gedenkt der Kaiser ErnS zu verlasien, um zunächst s einen kurzen Aufenthalt ip Homburg zu nehmen. Der Minister des-Innern, Graf Eulenburg, wird morgen zum Vortrag nach Em» reifen. Ein falsches Gerücht hat den Kriegsminister von Kameke nach dem Rhein reife» lassen, während derselbe über Stralsund nach Schweden eine Reise unter­nommen hat. Das Gerücht von bevor­stehenden Veränderungen im KriegSministe tium ist unbegründet. Die nach dem Civilehegesetz über die Beurkundung des Personenstandes von den Standesbeamten zu führenden Register und ihnen nöthigen Formulare sollen vom Staate kostenfrei ge­liefert werden. Durch Circular-Rescript ist vom Minister deS Innern den Oberpräsidien die Beschaffung der nöthigen Formulare übertragen und zur Erleichterung des Ge­brauch« find Schemata und ausgesüllte Muster beigegeben worden. Bei Einführung in das Amt sollen die Standesbeamten mit näherer Anweisung, namentlich auch wegen Beachtung des Eheschließungs - und des materiellen Rechts versehen werden. Auch auf diejenigen Zweige der Verwaltung, bei welchen die Standesbeamten mitzuwirken berufen sind, soll die entsprechende Infor­mation fich mit erstrecken. Die Behörden ftnb firner angewiesen worden, aus die Be­schaffung zweckentsprechender Lokalitäten und die Nachachtung der Vorschriften und Dienst- Instructionen i§r Augenmerk gerichtet zu halten. Den Ernteübersichten entnehmen wir, daß die Aussichten aus den Ertrag von Kern» und Dauerobst meistentheils be­friedigend und nur in einem großen Theil her östlichen Provinzen durch Frostwind in der Nacht am 22. d. M, etwas beeinträchtigt worden sind.

29. Juni. Nach vorläufiger Bestim­mung trifft Fürst Bismarck Mittwoch hier ein und reift nach dreitägigem Aufenthalt nach Kisfingen weiter.

NreSla«, 28. Juni. Rach der Parade de« Leib-Kürassier-Regiments und nach dem

auS einem Etabliffement der hiefigen Stadt hervorgegangen fei, drückte er den Wunsch aus, daß das Denkmal alle Bürger der Stadt zur Hebung der edlen Künste, welche dm meisten Grund zur Berühmtheit Nürn­bergs geliefert habe, anspornen möge. Der Redner schloß mit einem Hoch auf die Kunst. Herr Günther, Redacteur der Schuhmacherzeitung in Berlin, sprach mit Bezug auf Hans Sachs über die Vereini­gung der Gelehrten, Künstler, Handwerker und Industriellen und schloß mit einem Hoch aufAlldeutschland". Herr Bierberg von Berlin, Vorstand der deutschen Schuh­machergewerke, übergab im Namen derselben einen prachtvollen, goldenen Eichenkranz, der ein Meisterstück der Goldschmiedekunst die Inschrift trägt:Dem unsterblichen Dich­ter und Schuhmacher HanS Sachs die bantbaren Schuhmachcrmeister Alldmtsch- landö." (Der Kranz wird im germanischen Museum ausbewahrt.) Im Namen der hie- figm Schuhmachermeister Überreichte hierauf Herr Schuhmachermeister Pflaum einen Lor­beerkranz. Herr Advokat Beckh von hier legte im Namen des deutschen SängerauS- schusieS zum Andmken Hans Sachsens, des MeisterfingerS, einen Lorbeerkranz zu Füßen de« Monuments. Ein niedliches kleines Mädchen aus München überreichte mit einigen sehr hübsch vorgetragenen Versen ebmfallS einen Lorbeerkranz, desien in den Lande-farben prangende AtlaSschleifen die

Marburg, 30. Juni. Das Reichs kanzleramt macht unterm 26. d. M. bekannt, daß neuerdings innerhalb des Reichsgebietes ausländische Jnhaberpapiere mit Prämien in den Verkehr gebracht worden find, bei welchem die im § 3 des Gesetzes vom 8. Juni 1871 vorgeschriebene Abstempelung unterblieben, dieser Umstand aber durch Fälschung verdunkelt war. Letztere war in der Art bewirkt, daß von gehörig gestempel­ten ausgeloosten Stücken die echten Marken abgetrennt und auf ungestempelte Stücke übertragen, diejenigen Theile des der Marke aufgedrückten Stempels ober, welche den Rand derselben überragten § 7, Abs. 2 der Bekanntmachung wegen Ausführung des Gesetzes über die Jnhaberpapiere mit Prämien vom 19. Juni 1871 nachgeahmt worden waren. Auf den Verkehr mit derartigen Werthpapieren finden in allen Fällen die Strafbestimmungen im § 6 des Gesetzes vom 8. Juni 1871, nach Umständen aber auch die in den §§. 270 und 276 des Strafgesetzbuches enthaltenen Vorschriften über Urkundenfälschung Anwendung. Viele

Soldaten wegen ihrer guten Haltung und ihre^ guten Geistes beglückwünscht und sagt: Es ist Sache der Armee, mich in der Aus­führung der Aufgabe zu unterstützen, mit welcher die Nationalversammlung mich be­traut hat: für die Dauer von 7 Jahren die Ordnung und den öffentlichen Frieden ausrecht zu halten. Kommen wir dieser Ver­pflichtung bis zum letzten Augenbicke nach, indem wir überall die Autorität und das Gesetz aufrecht halten.

London, 29. Juni.' Gegen den Der- waltungsplan der Regierung für die Gold­küste ist wegen der kürzlich im Parlament besprochenen Duldung der Sclaverei starker Unwille bemerkbar; mehrere Anträge auf ein ausdrückliches Verbot der Sclaverei sind angekündigt und guter Unterstützung sicher, so daß Die Regierung vielleicht nachgeben wird. Die neue katholische Universität erhielt mehrere erhebliche Zuwendungen, theilweise auS Amerika; die Errichtung einer medicinischen Fakultät ist beschlossen. Die Gemahlin des Lord Odo Russell, deS englischen Botschafters am deutschen Hofe, gebar Zwillingssöhne.

Die SathLldurgSfeier des Hans GuchS- . Denkmals.

Nürnberg, 24. Juni. Schon in früher Morgenstunde herrschte heute in den Straßen unserer Stadt ein rege« Leben und jeder Lahnzug brachte neue Gäste, welche selbst au« wetter Ferne herbeigeeilt waren, um den Manen de« großen VolkSdichterS die verdientt Anerkennung zu zollen. Pünktlich zur festgesetzten Stunde setzte sich der Fest­zug in Bewegung, desien Ausdehnung einen wahrhaft imposanten Gndruck hervorbrachte. Die Spitze de« Zuge« eröffnete, nach Voran­tritt eine- Musikcorps, eine Deputation der Eivilbehirden und des OfficiercorpS, sowie der städttschen Kollegien, denen sich die ver- fchiedenen hiesigen zahlreichen Vereine und Korporationen auschlosien. Ein buntes Bild gewährten die im mittelalterlichen Kostüme gekleideten Fahnenträger, welche den einzelnen Gewerken die alten JnnungSfahnen vorantrugen, und zur Vervollständigung de« farbenreichen Gemäldes trugen besonders die in corpore erschienenen Erlanger Studen­ten bei. ES gewährte in der That einen ganz eigentümlichen Anblick, al« unter dm Klängen eine« eigenen MufikcorpS die Char­gieren der einzelnen Verbindungenin voller Wich«" mit der Verbindungsfahne einher- Bogen. Noch erwähnen wir, daß den Reihen Ker Schuhmacher ein von vier Lehrlingen i ebmfallS im mittelalterlichen Kostüme «ef leibet emporgehaltener, vom Schuh-

Pyrmont beginnt am 9. k. M. dahier.

. _ Darmstadt, 29. Juni. Gestern ist

und übergab das Denkmal der Stadt. Bei der Großfürst Wladimir, heute der Groß-