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Marburg, Dienstag, den 30. Juni.
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iit kurz vor und nach dem Erlaß der iaigesetze im vorigen Jahre, so machen
schwormen diese Fragen nicht bejahen. Ebensowenig , wenn sie mit dem Dolch ihre Gegnerin nur habe schrecken wollen. Dafür spreche der Umstand, daß sie wiederholt und eindringlich versucht habe, ihren Mann wieder zu sich zu führen. Drittens: ob sic die Handlung mit klarer Ueberlegung, oder im Affect begangen habe? Hier sei nun zweifellos zuzugeben, daß sie im Zustande der höchsten Aufregung, des allergrößten Affektes gehandelt habe, in welchem der Mensch nicht im Stande ist, die Folgen seiner Handlung voraus zu überlegen. Wenn scheinbar der Umstand, daß sie die Waffe schon vorher mitgenommen hat, gegen sie sei, so behauptete sie ja, daß dies nur zur Sicherung geschehen sei, und dies sei deshalb glaublich, weil sie, wenn sie mit dem Vorsatz zu tvdten gekommen wäre, als sie das auffällige Beisammensein ihres Mannes mit der Huvart sah, sofort ihren Entschluß ausgeführt hätte. Statt deffen habe sie, trotz der furchtbarrn Stimmung, in die sie versetzt worden, die Sache ins Gleichgewicht zu bringen gesucht, habe ihrem Manne Ver-
Staatsordnung hört auf, wenn der Gehorsam gegen das Gesetz in das Befinden, in die Willkür des Individuums gelegt wird. Die Regierung wird gewiß mit allen Patrioten den Moment auf das Freudigste begrüßen, an welchem die Bischöfe ihre rückhaltlose Unterordnung unter das Gesetz als ihre heiligste Pflicht anerkennen, aber nur diese Anerkcnntniß wird die traurigen Maßregeln zu sistiren vermögen, zu deren Ergreifung die Regierung gezwungen worden ist. Die Organe der öffentlichen Meinung sollten sich hüten, den Wahn zu nähren, als könnte an dem Entschlüsse und der Durchführung desselben irgend etwas geändert werden.
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fassung kann nicht adgegangen werden, bis Thatsachen das Gegentheil erweisen. DaS Telegramm aus Fulda, welches meldet, daß die Bischöfe darüber bcrathcn, welche Gesetze bedingt oder unbedingt angenommen werden können, ist ersichtlich nur eine Phantasie und verdient keine Beachtung, denn eS muß den Bischöfen klar sein, daß die Staatsregierung einen solchen Standpunkt nimmermehr anerkennen wird und nie anerkennen kann. Die
Deutscher Keich.
Berlin, 27. Juni. In dieser Woche haben, wie die „Post" mittheilt, vertrauliche Besprechungen hinsichtlich der Wahlen für die Elfer Commission zur Ausarbeitung deö deutsche» EivilgesetzbuchS stattgefunden, ohne daß bis jetzt schon eine Einigung erzielt wäre, die besonders deshalb schwierig ist, weil eS einerseits wünschenSwerth erscheint, der Wissenschaft einen nicht zu kleinen Raum in der Commission einzuräumen, andererseits die verschiedenen Staaten ihre speciellen Interessen vertreten zu sehen wünschten. Am Montag hält der Justizausschuß eine Sitzung, in welcher er sich schlüssig machen wird und der, wenn dies gelungen ist, eine Plenarsitzung folgen soll. Den Präsidenten der Commission wählt alsdann der Reichskanzler. — Anschließend an die von dem Handelsminister getroffene Anordnung, nach welcher die verschiedenen Eisenbahn-Wagenklassen durch verschiedene Farben der Wagen bezeichnet werden sollten, ist neuerdings ferner bestimmt worden, daß diesen Farben — gelb, dunkelgrün, braun und grau —»auch die der Fahrbillets entsprechen soll mit der Maßgabe, daß Retour- billets »och mit einem Horizontalm und vertikalen Strich zu versehen sind. Es sollen ferner die Nummern eine« jeden Wagens nicht am oberen Theile der Langseiten, sondern auch an den Kopfwänden an jeder oberen Ecke mit glänzenden Metallbuchstaben ober in recht fetter Schrift mit leuchtenden Farben angebracht werden. Die specielle Kennzeichnung der einzelnen CoupsS ist auf der Thür durch große, von dem ersten Coups des Wagens beginnende und bis zum letzten Coups beffelben Fahrzeuges fortlaufende lateinische Buchstaben zu beroirten. Auch im Innern des Coupes soll Wagennummer und Buchstabe des Coupes an der inneren Seite der Thüren angegeben werden. — Dem Gerüchte, daß 500 Krupp'sche Kanonen nach
auch das von der Zmgin Simon bekundete sonderbare Bmehmen der Angeklagten bald nach der Thal, wo die Angeklagte ohne ein Wort zu sagen an ihr vorübergegangen, und was die kleine Tochter der Huvart bezeugt , daß sie ganz langsam, Schritt für Schritt, den Ort der That verlassen habe, überein. — Endlich sei « nicht zweifelhaft, daß bet Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligm seien, und zwar neuerlich diejenigen, welche im Gesetz besonders hervorgehoben, sind. Die Angeklagte sei nämlich durch _ die Verletzte selbst ohne ihre eigene Schuld zum Zorne gereizt und dadurch auf der Stelle zur That hingerissen worden. — Der Antrag deö Dertheidigers verlangte prinzipiell Freisprechung, eventuell die Ablehnung des Umstandes, baß die That mit Ueberlegung ausgeführt worden. Ferner die bejahende Entscheidung der Frage, ob die freie Willensthätigkeit bei der That ausgeschlossen gewesen, und endlich im Fall der Verneinung die Frage der Bejahung der andern, baß die Angeklagte durch die Verletzte zum Zorn gereizt und zur That hin
Alexandria für den Vicekönig gesandt worden seien, vzird vom londoner „Standart" entschieden widersprochen. In der Sauregurkenzeit pflegt die „orientalische Frage" und ein drohender Krieg zwischen der Türkei und Egypten regelmäßig aufzutauchen. Die Frage ist aber nur brennend für stoffarme Zeitungen. — Im Kriege von 1870/71 namentlich während der Einschließung von Paris, hat von französischer Seite die Verwendung von Brieftauben vielfach stattge- funben und ist von großem Nutzen gewesen. Gegenwärtig scheint man nun auch von Seiten deö preußischen Kriegsministeriums diesem Zweige der Benachrichtigung die Aufmerksamkeit zu schenken, welche er in der That verdient. Der „Fr. Zt." zufolge hat das Kriegsministerium eine Briestauben- Versuchsstation zu Waldenburg in Schlesien eiablirt, deren Leitung ein dortiger Herr übernommen hat, der sich schon längere Zeit mit dieser Luftpost beschäftigt und eine besondere Leidenschaft dafür besitzt. Dieser Taubenpost - Direktor soll nun die Absicht haben, nächstens größere Taubensendungen — Ausflüge — zur Probe seiner Zöglinge nach und von verschiedenen Orten abgehen zu lassen.
— Der berliner Korrespondent | des pariser „Temps" hat einen Ferienausflug nach Varzin unternommen, über welchen er in einem von Varzin-Wussom selbst botirten Briese berichtet. Er hat in Schlawe die Eisenahn verlaßen ober eigentlich schon auf einer Station zuvor, in Karwitz, und von da fein Wanderung zu Fuß fortgesetzt. Er beschreibt zunächst die Gegend und fährt bann fort: Die Domäne des Herrn von Bismarck umfaßt fünf Dörfer unb einen Weiler: Varzin, Wussow, Puddiger, Wisbow, Chomitz unb Charlottenthal. Nach allem, was ich unterwegs höre, ist ber gewaltige Kanzler nirgend weniger populär, als auf seinem Gute. „Man kann gleichwohl nicht sagen," äußerte gegen mich ein Bauer, mit dem ich ein Stück Weges zusammenging, „daß er stolz wäre. Im Gegentheil, er spricht mit Jedermann. Man sieht ihn alle Augenblick, zu Pferd, zu Wagen, immer mit seinem Dreimaster, einem Filzhut, dm er nun schon feit vier Jahren trägt; denn ich habe ihn schon im Jahre 1869 auf seinem Haupte gesehen. Bei Ihnen in Berlin geht er, wie es heißt, immer in Uniform. Wenn er also einem kleinen Jungen oder Mädchen, die in die Schule gehen, begegnet, hält er an unb jagt: Wo gehst Du hin? Die Kinder antworten natürlich: In die Schule. Dann räch er ihnen, artig zu sein und fleißig zu arbeiten.
Aber von diesem schnöde zurückgewiesen, von der Feindin durch den beleidigendsten Vorwurf, den man einer Frau machen kann, nämlich, daß sie nicht verstanden habe, ihren Mann zu behandeln, verletzt, endlich durch den Anblick der Zärtlichkeiten, mit denen ihr Ehemann noch jetzt die Nebenbuhlerin überhäufte, sei ihr Affect aufs höchste gesteigert gewesen. Sie habe nur ihre Thal ohne jede Ueberlegung gethan. Dieser Affect habe wohl einen so hohen Grad erreicht, daß ber Angeklagten daS Gesetz zu Gute komme, welche« bestimmt, baß derjenige straffrei bleibt, der feine Handlung in einem Zustande begangen , in, welchem durch krankhafte Störung seiner geistigen Kräfte feine freie WillenSthätigkeit ausgeschlossen war. Es sei hier nicht blos physische Störung des Geistes gemeint, sondern diese absichtlich allgemein gehaltene Fassung deS Gesetzes umsaffe auch jene schwer definirbaren seelischen Zustände, in welchen man ebenfalls m der Bestätigung des Willens unfrei ist. Diesem Zustande mtspreche es, wenn die.Angeklagte behauptet, baß sie im Augenblicke nicht ge«
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Die «xped. »er Oberh. Zeitung.
Erzählung:
Der Kamps am eine Mrürim.
Für Marburg und Umgegend in ber Expedition abennirt kostet die Oberhessische Zei-
"ZiAnnt täalick außer den Werttagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch hie Postämter 27 Sgr. (ejd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
. Für in der Expedition zu ertheilcnde Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet.
] i Postboten 283/4 Sgr.
; | Die Bestellungen auf daS nächste Quartal > mmentlich bei der Post — auf dem Lande i bei den Landpostboten — bittet alsbald zu
\, hing vierteljährlich 221A> Sgr. Bei sämnw ; Edlen Postanstalten des Deutschen Reiches ' |to Sgr. und bei Ueberbringung durch die
Ei» M-rdvrrsuchs-Prszeß.
(Schluß.)
Die Bnlheibiguttg war in dm Händen Herrn Rechtsanwalts Leonhard. Er ach seine Frmde aus, daß auch die taatSanwaltschaft der Angeklagten zugibt, sie die Moral in vollem Umfang auf er Seite habe. Wenn auch richtig fei, ein edles Motiv das Verbrechen nicht ffrei mache, fo könne die vorliegmde lung, abgesehen von dem Mildemngs mnb, der immerhin im Motiv liege, auch andern rechtlichen Bmrtheilung unter rsen werden, al« die« von Seiten der »»atsanwaltschast geschehen. Bei der vor »groben That kommm folgende Fragen in Tracht. Zunächst ob der Dolch, welcher »>> der Angeklagtm geführt worden, und stlcher vor den Geschworenen liegt, ein ge- fpteteS Mittel sei, um mit demselbm die
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in « Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
itt. 10^ tlb.89^
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iwturfl Kfc1 wieder die Bischöfe und ihre Ge- iraiu n mittelbar und unmittelbar die äußersten
'„-eigen nimmt entgegen: Äebitiwi » Matte», EJbie Annoncen-Bureaux
Th- Dietrich & Co. m und Hannover; Th. & tn Franksurt a. M,; Laknftein & Vogler in. öfurt a. M-, Berlin, Leip- T Cöln rc.; Rudolf Messe Merlin, Frankfurt a. M. rc.
taftrengungen, über den Kopf des Ministers »nweg an die Person des Kaisers sich zu hingen und das Mitleid de» milden Mo- vrchen zu erregen. Es kann nicht oft ge- tog wiederholt werben, daß alle derartigen emühungen auch nicht die entfernteste Ans- ht auf Erfolg haben und nicht haben nnen. Ohne Zweifel ist die Lage der
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Bischöfe und ihres CleruS eine schwierige und nicht beneidenSwerthe, allein es ist nur die Hartnäckigkeit, die unglaubliche Herrschsucht und Ucberhebung des infalliblen Papstes, die sie in ihre verzweifelte Stellung gebracht hat. Was kümmert sich PiuS IX. um die Katholiken Deutschlands und ihre Ober- Hirten? Ihm steht die Erreichung seines Zieles, Erhebung des Papstthums zur unumschränkten Weltherrschaft, weit höher als das Wohl ober Wehe ber beutschm Gläubigen. Die dmtschen Bischöfe sind zum unbeugsamsten Widerstände angewiesen unb Jeden, der Miene macht, zu wankm, faffen die Jesuiten sogleich und sorgen für seine Peinigung. Bei dieser Sachlage ist eS wirk lich absonderlich an eine Nachgiebigkeit des Staates oder an rineSistirung desKampfeS mit der Hierarchie zu denken. Die Bischöfe und ihre untergebenen Geistlichen sind die letzten, gegen welche der Kaiser Gnade für Recht ergehen lassen kann, denn gerade ihre Verhöhnung unb Verachtung ber Gesetze unb ber Behörden verwirrt die Gemüther der Mensche» unb schädigt die öffentliche Sittlichkeit auf das Tiefste.
Unser Staat kann Angehörige, die da« Gesetz mißachten unb gegen dasselbe freveln, nicht brauchen, und muß solche Individuen entweder unschädlich machen ober ausstoßen. In dem Conflikte handelt es sich nur um bie Autorität bes Gesetzes, und wer baS Gerücht auSftreut, baß Kaiser Wilhelm ber Renitenz gegen daS Gesetz Vorschub leisten werbe, von dem kann man wohl mit Recht annehmen, daß er gegen besseres Wissen spricht.
Derartige ans der Natur der Lage sich ergebende Bemerkungen erscheinen um so ungesagter, als die öffentliche Aufmersamkeit mit Spannung auf die in Fulda zu einer Conferenz versammelten Würdenträger der römischen Kirche gerichtet war. Eine nüchterne Betrachtung der Situation wird wohl die Beschlüsse deS Mainzer Katholikenvereins und die letzte Ansprache deS Papstes an daS Collegium der Cardinäle als Prognostika dessen ansehen müssen, was von der Conferenz zu erwarten steht. Von dieser Auf
deifelhast zu bejahen. Dann, ob die An- tfiagte in der That den Vorsatz gehabt, t Huvart daS Leben zu nehmen. Wenn
Thlr. alljährlich eine Menge Sensationsnachrichten Präp. zu erzeugen, die theils zum Amüsement deS 1, i Publikums, thcils in tendenziöser oder per» rkauf ß»" Absicht erfunden, sämmtlich dazu beb [282 >»zkn, die öffentliche Meinung zu verwirren -nd zu täuschen. Eine Anzahl grundloser **** lSerüchte veranlaßt der Confiikt, an welchem Hiner», der- Staat mit der römischen Kirche sich be- J. H tobet, und bie Caplanpcesse ermüdet nicht
ft Oberhessische 3«t»*8 hat bereits mit dem Beginn deS gegenwärtigen Quartals juf den in Aussicht gestandenen Wegfall des LeitungsstempelS hin, eine Fvrmat-Vergröße- äng eintreten lassen, bie sie zu einem ber Migsten politischen Lagesblätter Nicht. Nachbem nun vom nächsten Quartal «n diese Voraussetzung eingetreten ist, wirb dir' Redaction der Oberhessischen Zeitung urch fernerhin bemüht sein, allen und jeden Anforderungen an ihr Blatt, sowohl durch Vielseitigkeit des Inhalts, wie durch die rascheste und wahrheitsgerreueste Mittheilung der politischen Nachrichten zu entsprechen; „och wie vor wird dem erzählenden Theil ■ Uebet- w Blatte« besondere Sorgfalt zugewandt neben Berben unb beginnt mit dem 1. Juli in dem- «6 nur uben von dem beliebten Romanschriftsteller [4538^ga(b August König, eine Original-