immer wieder Sturm und Regen. Und das Glück macht übermüthig, im Uebennulh aber sagt und thut man oft Manches, was man nachher bitter bereut.*
„Du siehst Gespenster," spottete der junge Mann; „mein Vater ist nun einmal so, daS Glück hat ihn verwöhnt."
„Und Dich auch."
„Mich? Gewiß nicht l"
„Bist Du nicht auch stolz auf Dein Geld?"
Nein, aber ich freue mich, daß ich eS besitze. Ich kann das Glück nicht rühmen. Habe ich nicht kämpfen müffm, um Dich mein zu nennen?"
„Jeder muß mit dem Schicksal kämpfen", sagte Marie, ihm ernst und voll in'S Auge schauend.
„Aber gar Viele bekornmen's endlich satt und geben den Kampf auf, ich hab' anS- geharrt.
„Und dafür dank' ich Dir mein ganzes Leben lang."
„Hab' ich dadurch nicht auch mein mir geschaffen?"
Marie schlang ihren Ann um den Hals ihres Gatten und küßte ihn.
„Behalt' mich nur so lieb, wie Du mich hast", sagte sie, „dann kann kommen, was
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Marburg, Mittwoch, den 24. Juni
Ur. MS
OlmhcMc Mutig
Na, ich denke doch!" sagte der Hof»
ff
bauer.
hoch
Fritz
„Diel Geld, viel Ehre, sagt man,
er hinaus soll."
„Laß ihm die Freude," erwiderte gleichgültig.
Marie schüttelte mit ernster Miene den Kops.
„Du freust Dich nicht darüber?" fragte der Hofbauer.
„Bringt denn das Geld allein Glück?" erwiderte Marie.
Bezug auf die konfessionellen Gesetze bedenklich in Zweifel. Namentlich darüber schüttelt man den Kopf, daß der streitbare Fürstbischof Zwerger ohne Schwertstreich solle capitulirt haben, und noch dazu auS eignem Antriebe." — Nach einer wiener Correspondenz deS pesther Lloyd sollen diePersonalveränderungen im Kriegsministerium zum Zwecke haben, „unbeschadet der bestehenden HeereSverfassung eine strammere Handhabung der militärischen Disziplin und eine schärfere Markirung der praktischen Ausbildung gegenüber der bisher stark betonten mtellecmellen Ausbildung des Mannes in den Vordergrund treten zu lassen.
Pest, 22. Juni. Die Deak-Partei beschloß in einer Conferenz, den Bericht des kirchenpolitischen Ausschusses bis zur nächsten Session zu vertagen.
Ikom, 22. Juni. Gestern Abend sand zu Ehren deS Jahrestages der Thronbesteigung des Papstes ein Tedeum in der Peterskirche statt. Der Papst erschien daraus an einem Fenster deS VaticanS. Die ehemaligen päpstlichen Gendarmen riefen „der Papst-König lebe," die Volksmenge erwiderte den Zuruf mit Pfeifen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung erfchien ein Detachement BersaglicriS, welches die Gendarmen verhaftete. Die Volksmenge ging dann ruhig auseinander.
Pari-, 21. Juni. Aus der Erklärung, welche Lucien Brun im Namen der äußersten Rechten in der Freilagssttzung der con- stitutionellen Commission abgab und aus der hervorgeht, daß die Legitimisten auf ihrer Politik vom 16. Mai beharren und keine ernstliche Organisation deS Septenniums zugeben wollen, will man ersehen, daß die äußerste Rechte den Befehlen deS Grafen von Chambord nachkommen werde, denen zufolge seine Anhänger Betreffs der Wiederherstellung der Monarchie nochmal» vor die Kammer bringen, und wenn dieselbe nicht angenommen wird, für die Auflösung wirken, d. h. mit den Republikanern gemeinschaftilche Sache machen sollen, wenn diese mit ihrem Antrag Betreffs der Republik nicht durchbringen und dann ebenfalls Neuwahlen verlangen. Die Union spricht sich heute in diesem Sinne aus. Der Waffenstillstand ist ihr zufolge durch das rechte Cenlruw gebrochen worden, und da die Republik und das Kaiserreich durch die Bresche einzudringen suchen, welche das rechte Centrum geöffnet,
d. M. zum Schluß kommen zu können. — Die Berichtigung der „Posener Ztg.", daß Regierungs - Vicepräsident Steinmann nicht zum Commissar für die Verwaltung der Erzdiöcese bestimmt fei, hat weitere Bestätigung gefunden. Es sind zwei Landräthe dazu berufen worden. — Fürst Bismarck wird auf der Durchreise nach Kisstngen zur Erledigung dringender Geschäfte eine kurze Zeit hier verweilen, der Tag des Eintreffens ist jedoch noch nicht bestimmt. Wenn jetzt schon eine Fluch von falschen Nachrichten und haltlosen Combinationen der Reise deS Fürsten vorausgehen, so wird man sich dies zur Warnung dienen lasten wüsten, die Berichte der in Kisflngen sich jedenfalls zahlreich einfindenden diensteifrigen Vertreter der Presse mit Mißtrauen aufzunehmen. — Der Gesandte v. Weither wird Ende b. M. sich direkt auf seinen Posten nach Konstantinopel begeben, ohne unterwegs auf der ihm fälschlich zugeschriebenen Villa in Aussig oder sonstwo zu verweilen. — Die Rückgabe der ZeitnngSeautionen wird nach einer Entscheidung der betr. Minister am 1. Juli erfolgen ohne weitere Ausnahmen und Beschränkung als durch etwa schon rechtSkräfttg gewordene ExecutionSversügung.
Pose», 22. Juni. Der Cultusminister hat, der „Posener Zeitung zufolge, für die Diöeese Posen den Landrath Frhrn. von Mastenbach, für die Diöeese Gnesen den Landrath Nollau zum königlichen Administrator ernannt.
Köl», 22. Juni. Die „Kölnische Ztg." läßt sich aus Fulda berichten, die preußischen Bischöfe gedächten bei der bevorstehenden Zusammenkunft in Fulda die Möglichkeit einer Sistirung ihre» Kampfes gegen die Staatsregierung zu bcrathen. Selbstverständlich bleibe die Bestätigung und Genaueres hierüber abzuwarten.
Limburg, 18. Juni. Gestern hatten wir hier einen doppelten Festtag. Am Morgen wurden die dem Bischof gepfändeten und von einem hiesigen Kaufmanne ersteiger ten Mobilien in feierlichem Zuge zur bischöf- lichen Wohnung zurückgebracht. Voran schritten Frauen und. Jungfrauen, welche auf besondere Ordre ihren besten Staat an gelegt, aber Schönheit und Jugend als für solchen Act unpassend zu Hause gelassen hatten; sie trugen die Schätze, mehrere Crucifixe, Bilder rc. Dann folgte, um mit dem „Nass. Boten" zu reden, „die Bürger
und mit Geld kann man Alles errei chen. Mit Geld kann man jeden Wunsch erfüllen —"
„Nicht jeden," fiel Marie ihm in'S Wort.
Der alte Mann schwieg, er dachte unwillkürlich daran, daß er ja auch den Wunsch gehegt hatte, sein Sohn möge ein reiches Mädchen heirathen, und daß dieser Wunsch ihm nicht erfüllt worden war, trotz seine» Geldes.
„Es ist nur ein Viertellos," nahm er nach einer Weile wieder das Wort, „aber e» ist immerhin eine hübsche Summe, die man mit» nehmen kann."
„Ihr könnt nun wieder einen großen Streifen Land kaufen," bemerkte der Brautvater.
Wer weiß, was ich noch thuel" entgegnete der Hofbauer. — „Vielleicht kaufen wir bald ein Rittergut."
„Wenn Ihr das Geld dazu habt —"
„Er macht eS zu sag," sagte Marie empört, „er wpiß bald nicht mehr, wie
■„teiaen nimmt entgegen: kte Expedition d. Blatte», fotoie die Annoncen-Bureaux L Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. TL; Mofenftein & Vogler tn L°nksurta.M., Berlin, Lew- £ Cöln rc.; Rudolf Moss« Wertin, Frankfurt a. M. rc.
schäft vom geringsten Kaufmanne bis zum reichsten Taglöhner", lauter Mitglieder der „Constantia", mit Cylindern bewaffnet, von denen manche schon beffere Zeiten gesehen zu haben schienen. Die Schätze wurden dem Bischöfe und seinen Nachfolgern als Geschenk übergeben, ja ein Junggeselle und eine Jungfrau „mit silberweißem Haare" hielten Ansprachen. Der Bischof gab die übliche Versicherung, daß er auch in Kerker und Banden feiner treuen Diöeese in Freuden gedenken werde, und ertheilte ihnen den bischöflichen «Segen. Am Nachmittage erschienen die Mannen deS Amtes Hadamar und von Ober-Triefenbach, an 600 Bauern, zwei zu Roß, ein Dutzend Leiterwagen, die übrigen per Bahn, zur Cour beim Bischof. Auch sie erhielten dm bischöflichen Segen, der aber nicht kräftig genug nachgewirkt haben muß, denn sie segneten sich später in den Wirthshäusern selber und zerschlugen sich nach der Sitte ihrer Heimath die Köpfe. Unsere Wirlhe, Metzger und Bäcker machen fröhliche Gesichter und präpariren sich schon auf dm Empfang Derer aus dem goldenen Grunde, welche hmte Nachmittag unter Führung des Abgeordneten Lieber erwartet werden.
München, 22. Juni. Auf Befehl des Königs find hmte Equipagen, Pferde und Dienerschaft aus der königlichen Hofhaltung nach Kiffingen abgegangen, um daselbst dem Fürsten BiSmarck zur Verfügung gestellt zu werden. •
Ausland.
Wien, 20. Juni. DaS „Vaterland" bezweifelt die Nachricht, daß die Bischöfe von Scckau und Lavant in einer Note an die grazer Statthalterei erklärt hätten, daß sie der Durchführung der konfessionellen Gesetze keinen Widerstand entgegen setzen wollen Eine schriftliche Erklärung solcher Art sei geradezu undenkbar; sie würde eine Anfrage der Statthaltern an die Bischöfe, ob sie die Gesetze ausführen wollen, voraussetzen. „Oder sollte gar“, fragt das klerikale Blatt, „den beiden steierischen Kirchenfürsten von Amtswegen angedeutet worden sein, daß die Gesetze nicht streng, milde, äußerst selten, fast niemals u. s. w. auSgesührt werden würden?" Auch die „N. Fr. Pr." schreibt: „Miitheilungen, welche uns heute au6 Graz zugehen, ziehen die Nachricht der Tagespost über die urplötzlich eingetretene Nachgiebig teil der Bischöfe von Seckau und Lavant in
„Das Geld dazu? Kleinigkeit! Ich seh' nit ein, daß die Bauern dm Städtem nachstehen fetten! Wir haben auch unfern Stolz, und ich sag' Dir, Fritz, wmn Du zwei Söhne hast, bann laß einen von ihnen studirm. Er sott nit Pfarrer, auch nit Schulmeister werden; spar' kein Geld, vielleicht wird er mal Minister."
„Komm', Fritz," flüsterte die junge Frau, deren Wangen eine dunkle Röthe übergoß, „ich möcht hinaus, eS ist mir gar zu heiß hier."
Der junge Mann stand auf und schritt mit seiner Frau hinaus.
„Ich kann'S nicht anhöres "
„Wolltest Du deshalb hinaus?"
„3a."
„Aber eS ist doch natürlich, daß er darüber spricht, wie er sein Geld anwenden will," entschuldigte Fritz seinen Vater. „Du stehst ja, daS Glück verfolgt ihn."
„Und gerade die, welche das Glück verfolgt, sollten auf das Unglück sich gefaßt machen; wie lang' auch die Sonne scheinm mag, nach dem Sonnenschein kommt doch
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JäM'fche Buchhandlung in Frankfurt a. TL; Jnvalidcndank, A. Retc- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
nie Oberhessische Zeitung hat bereits mit D dem Beginn des gegenwärtigen Quartals yf den in Aussicht gestandenen Wegfall des Kitungsftempels hin, eine Format-Vergröße- guia eintreten lassen, die sie zu einem der billigste» politische» Lagesblätter „cht. Nachdem nun vom nächsten Quartal gn diese Voraussetzung eingetreten ist, wird tje Redaction der Oberhessischen Zeitung wch sernerhin bemüht sein, allen und jeden lefotberungen an ihr Blatt, sowohl burch Neiseitigkeit dcö Inhalts, wie durch die «fcheste und wahrheitSgerreueste Mittheilung ttr politischen Nachrichtm zu entsprechen; gtd; wie vor wird dem erzählenden Theil M Blattes besondere «Sorgfalt zugewandt «erben unb beginnt mit dem 1. Juli in dem- jelben von dem beliebten Romanschriftsteller Ewald August König, eine Original- Erzählung:
Der Kampf am eine Mrstra«.
Für Marburg und Umgegend in der Expe bitten abonnirt kostet die Oberhessische Zei- timg vierteljährlich 22^2 Sgr. Bei sämrnt- lichen Postanstalten deS Deutschm Reiches llS Pgr. und bei Ueberbringung durch die Postboten 263/4 Sgr.
Die Bestellungen auf daS nächste Quartal namentlich bei der Post — auf dem Lande bei den Landpostboten — bittet alsbald zu machm
$te Exped. »er Dbertz. SettuW.
Z» Uebknunth.
Skizze von E. Aug. König.
(Fortsetzung.)
Fritz suchte inzwischen seine junge Frau j» beruhigen und ihre Besorgnisse zu ver- schmchm.
Auch ihr Vater redete ihr zu und eS ge- lang den Beiden, wieder ein Lächeln auf ihre rosigen Lippen zu zaubern.
r „ES ist wahr," sagte sie, „die Wamung de« Herrn PfarreS hat mir dunkle Wolken gezeigt, an die ich nicht dachte, und der Kermüchige Stolz Deines Vaters berührte «dich unangenehm. — Wir wollen nicht weiter daran denken, Fritz; was kommen soll, daS kommt ja ohnedies und wir können'S sicht verhindern."
, Der Hofbauer trat »ieber ein, lachend tief er:
„Dahabm wir das Unglück schon!" „Was ist es?" fragte Fritz rasch.
„Ein Bote aus der Stadt hat mir die Nachricht gebracht, daß auf meine Nummer
große Loos gefallen sei."
»Nicht möglich!" sagte der Vater Mariens. L „Da, lest selbst und seht hier mein Loo«!" entgegnete der Hofbauer übermüthig. . „Solches Unglück lasse ich mir gefallen!" spottete Fritz.
Deutsches Keich.
*• Berlin, 22. Juni. Der Bundes rch hat in der Sitzung am 11. Juni dem Ausschußantrag gemäß beschloffen, den Entwurf des Reichstags betr. die obligatorische Einführung der Civilehe abzulehnen, dagegen dm Reichskanzler zur Vorlegung eine» neuen Gesetzentwurfs zur Beurkundung des Personenstandes zu veranlassen. Zur Vorbereitung und Ausarbeitung deffclben sollen kommissarische Berathungen stattfinden. — Zum Bevollmächtigten des BundeSraths ist »ch Anzeige deS Vorfitzenden für das Sroßherzogthum Sachsen Weimar der Geh. Fustizrath aCarl Brüger ernannt worden. 3ur Besetzung einer neuen Rathsstelle im Reichs - Oberhandelsgericht ist der Appel- lationSgerichtSrach Krüger in Frankfurt a/M. oorgefchlagen worden. Daß der Bundesrath bereits seine Sitzungen geschlossen habe, ist eine verfrühte Nachricht, wenn auch die Intention und Hoffnung besteht, mit Ablauf
firfd>eint täalitb außer den Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — JnsertionSgebühr für die gespaltene Ze,le 1 Sgr.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.______________________________________