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JRarßurg, Sonntag, den 21. Juni.

1874

««-eigen nimmt entgegen: b. Blatte», r Annoncen-Bureaux i. Dietrich & Co. in und Hannover; Th- in Franffurt a. M ;

tein & Vogler in rta-M., Berlin, Leip- .ig, yuinic.; Rudolf Moss« ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

WerheMiht Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

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»erben und beginnt mit dem 1. Juli in dem- ftlben von dem beliebten Romanschriftsteller Ewald August König, eine Original-

obligatorischen Civilehe in ganz Deutschland. Indem die Stimmen Baiern» sich mit in der Majorität befanden, sind damit die Illusio­nen ulttamontaner Kreise, daß an der ent­scheidenden Stelle in Baiern eine particu- laristische Reaktion gegen die preußische Kirchenpolitik im Siege begriffen sei, besten» niedergeschlagen. In den letzten Sitzungen de» BundeSrache» haben die Anträge des bundesräthlichen JustizauSschuffe» wegen der großen Justizgesetzentwürfe, namentlich auch in Betreff der Gerichts-Organisation, nun­mehr die Zustimmung des Plenum» gefun­den. Die badische Abgeordnetenkammer hat eine Reihe von Eisenbahn-Verträgen mit dem Reiche, mit Würtemberg und mit Hessen »egen vermehrter und verbesserter Verbindung mit Elsaß-Lothringen rc. geneh rnigt. Im Großherzogthurn Hessen hat die Ausführung der neuen Organisationsgesetze mit der um ihretwillen veränderten Kreis- eintheilung begonnen. In Bremen ist die internationale landwirihschaftliche Ausstellung im Gange, und der Kronprinz des Deutschen Reiche» hat sich gestern zu mehttägigem Aufent­halt dorthin begeben. Am vergangenen Freitag (12. Juni) starb auf seiner Villa zu Berlin am Herzschlage nach längerer schwerer Krank­heit der preußische Staats-Minister a. D. Frhr. von der Heydt, dessen Name mit der ganzen neuen EntwicklungSgeschichtePreußmS, von 1840 bis 1869 untrennbar verwo­ben ist.

Aus Oestreich lieferte die ablaufende Woche die Nachricht über den Rückttitt des Kriegsministers Baron v. Kuhn und deffen Ernennung zum Comrnandirenden in Gratz, da derselbe sich dem Vernehmen nach ge­weigert hatte, das bestehende Avancement» gesetz den Ansprüchen der Armee gemäß zu revidire«. Zu feinem Nachfolger wurde Baron v. Koller, bisher Stadthalter in Böhmen, ernannt und dieser durch den bis­herigen commandirenden General in Brünn, Baron Philippovich, im Commando ersetzt, während dem Statthalter von Mähren, Baron Weber, der Statthalterposten in Böhmen übertragen wurde. Der Cornrnan- dirende in Gratz, Baron John, wurde zum Ehef de» gelammten Generalstabes befördert. Eine Reihe minder wichtiger Ernennungen und Versetzungen schloffen sich den oben er­

wähnten an. In Pesth sind die Ausschüsse des Abgeordnetenhauses sehr thätig. Die kirchenpolittsche Commission nahm den Be­richt des SubcomiteS über die Civilehe mit geringen Abänderungen an; der Wahlgesetz­entwurf ist gleichfalls bereits in allen Sektionen erledigt, ebenso der Jncompati- bilitätsentwurf ohne wesentliche Abänderungen angenommen worden.

Die Räche der schweizerischen Bun­desversammlung fahren fort, die nothwendigen Gesetze zur Ausführung der revidirten BundeSverfaffung zu erledigen. Der Stände- rath ertheilte verschiedene Staatsverttägen, u. a. AuslieferungSvcrträgen mit Groß­britannien und mit Belgien so wie einer nachträglichen Cenventton zu dem Münzver trage vom 23. Dec. 1865, die Ratification. Von der französischen Regierung ist neuer­dings wieder eine Note in der Ligne d'Jtalie- Angelegenheit eingelaufen. Wie eS scheint, will Frankreich sich hier für etwaige künftige Gelegenheiten eine Streitfrage offen halten.

DaS italienische Parlament ist durch königliches Decret auf unbestimmte Zeit vertagt worden, nachdem der Senat die Budgetgesetze votirt hatte. Der Anttag be­züglich der Hafmbauten für Genua, Livorno und Venedig wurde vom Senat angenommen, dagegen ein Gleiches für Neapel, Castella- mare, Salerno, Girgenti und Palermo ab gelehnt. Der König ist nach seinem Jagd­revier in den Alpen abgereist, der Kronprinz und die Kronprinzessin nach Monza. Der Papst hielt am 15. Juni ein Konsistorium, worin die Cardinäle Chigi, Simon und Guibert installirt und mehrere italienische Bischöfe ernannt wurden.

In Versailles kam es bei den Ver­handlungen über das Municipal-Wahlgesetz zu Ausdrücken des Zornes zwischen der Linken und dem Häuflein, das unter Rouher'S Leitung trvtziglich dareinschaute. Gambetta brandmarkte das Empire und die Leute, die dasselbe wieder emporbringen wollten; zur Ordnung gerufen, hielt er dreist seinen Aus fall gegen dieElenden* aufrecht. Bei der Heimkehr der Deputirten nach Paris kam es auf dem Bahnhofe von St. Lazare zu Auftritten, die sich am 10. und 11. Juni wiederholten und zu energischem Aufgebot

Marie schmiegte sich eng an ihren Gatten «K blickte mit inniger Liebe ihm in die ^egen.

«Sprichst Du auch so, wie Dein Vater?" «ragte sie.

Der junge Mann lachte. ES war ein stolzer, selbstgefälliges Lachen.

«ttäeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Friettagen. Preis für das «Quartal durch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Sgr., durch die Postämter 87 Sgr.

1 . (ercl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für da» Ausland excl. Stempel 23 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet.______________________________________

von Polizei- und Militärmannschaften ver­anlaßten. Da die Polizei den Bonapartisten mehr Sympathie zeigte, als ihre neutrale Pflicht gebot, so wurde dadurch Oel ins Feuer gegoffen. Endlich als Gambttta seine Stockprügel, sein Gegner sein Zuchtpolizei- Urtheil weg hatte, glättete sich der Strom der öffentlichen Meinung wieder und am 14. zeigte das Pferderennen in LongchampS wieder eine ganz harmlose Bevölkerung. Folgenreicher als diese Tragikomödie waren die Bemühungen der Ccntren, endlich sich zu vereinigen, um Front gegen das kecke Vorgehen der bonapartistischen Propaganda zu machen. Zwei Abstimmungen der National- Versammlung bewiesen, daß überhaupt daS Gefühl es erheische, eS müffe dem jetzigen Interim ernstlich ein Ende gemacht und dem Wühlen für die moralische Ordnung, das nur dem Hofe von Chiselhurst zu Nutze komme, ein Halt zugerufen werden. Am 11. wurde mit 348 gegen 337 Stimmen das Amendement Lafayette angenommen, welches dem Bürger mit dem einundzwan- zigsten Lebensjahre gestattet, sich in die Wahllisten eintragen zu lassen. Diese Ab­stimmung wurde als ein gutes Vorzeichen für die bevorstehende Debatte über daS po­litische Wahlgesetz betrachtet. DaS rechte Centrum stimmte gegen das Amendement, obgleich die Verhandlungen über ein Zu­sammengehen mit dem linken Centrum in vollem Gange waren. Die BahnhofSscenen bereiteten endlich jene Montagssitzung vor, in welcher über die Dringlichkeit des An­trages, den Casimir Perier im Namen der Linken gestellt hatte, entschieden werden sollte. Die National Versammlung sprach sich mtt 345 gegen 341 Stimmen für die Dringlich­keit des Perier'schen Antrages aus, daß die Republik unter Mac MahonS Leftung de­finitiv organifirt werden möge. Sodann verwies sie aber auch den Antrag von Lambert St.-Croix, welcher die Verlängerung der Gewalten Mac MahonS und die Er­richtung von zwei Kammern verlangt, das Recht der Kammerauflösung dem Präsidenten der Republik und der hohen Kammer bei­legt und feststellt, daß beim Erlöschen der Gewalten des Präsidenten beide Kammern zum Kongreß vereint den Nachfolger Mac MahonS ernennen oder die Verfassung revi-

Z« Uebennuth.

Skizze von E. Lug. König. (Fortsetzung.)

Weshalb nit?" erwiderte er.

Er ist zu übermüthig."

Er ist reich, wir brauchen kein Unglück zu fürchten!"

Sag' da« nicht, Fritz, wen das Schick­sal verfolgen will, dm kann's unsagbar elmd machen."

Hast Du da» erfahren?" fragte Fritz mit leisem Spott.

An mir selbst nicht; ich danke Gott für da» Glück, da» er mir bescheert hat, aber an Andern hab' ich'» erfahren."

In ihrem schönm Gesicht spiegelte sich ängstliche Besorgniß, aber die Lippen de« jungen Mannes umspielte ironisches Lächeln.

Was könnte uns treffen?" sagte er. Brand? Wir sind versichert. Mißernte? Der Verlust schmerzt unS so sehr nicht, wir habm unsere Fruchtspeicher gefüllt; wenn'» keine Emte gibt, wird die Fmcht theuer, so gleicht sich Alle» aus."

»Ja, für den Reichen, aber der Arme muß hungern."

Der junge Mann zog die Braunm zu­sammen.

Wir reden ja nur von unS," sagte er, nenn die Armen arbeiten, verhungern sie nit"

Ein Blick des Vorwurfs traf ihn au» den schönen Augen.

Fritz, Dein Herz bentt nicht so," er­widerte sie.

Sie warm bei der Hütte angenommen,

Dummes Zeug, der Vater der Hof­bäuerin darf nit für andere Leut' arbeiten. Wir beide werden schon Arbeit genug haben, wenn wir auf den Feldern nachseh'n".

Ich werde das Meinige redlich thnn".

Und wenn ihr nit mehr könnt, dann soll'S ein Anderer thun; das Geld ist ja da; »ir wollen die letzten Jahre in Ruhe verleben. Mein Fritz und Eure Marie werden schon Alles zusammenhalten; ich hab' keine Furcht, daß die Beiden jemals in'S Elend kommen können."

Na, meinetwegen", sagte der Hofbauer ärgerlich.Fallt mir nut nit in den Ton, in dem der Pfarrer geredet hat. Die Herren sollten doch wiffen, daß Alles seine Zeit hat Wmn fie auf der Kanzel stehn, muß ich mir ihre Predigt gefallen lassen, aber in meinem Hause hör' ich sie nit gern."

Ihr habt ihm nicht Recht gegeben."

Rein, ich kann's nit. Mir soll er nit sagen, ich müffe mich auf das Unglück ge­faßt machen; was and're Leut' UnglA nennen, das macht mir weiter keine Sorgen; ich hab' genug, um zu leben, und ich halt' daS Meinige zusammen. Kommt, wir wollen noch ein Glas vom Besten trinken, laßt das junge Volk tanzen und sich vergnügm, für unS ist das nichts mehr."

(Fortsetzung folgt.)

Machen."

Der Pfarrer erhob sich, seine anfangs so heitere Stimmung war getrübt.

In diesem Augenblicke erschalltm draußen bie schmetternden Klänge eine« Horns, in He sich das Kreischen einer verstimmten . 6tige mischte.

idjae »Hriffa, da sind die Musikantm!" rief wbtr Hofbauer in dm Lärm hinein.Jetzt hinaus mit dem jungen Volk, auf der Senne wollen wir einen lustigen Tanz auf» sichren."

die Musikanten empfingen sie mit einem Heidenlärm, der Hornist blies in daS Horn hinein, daß er dunkelbraun wurde, die Geige kreischte in den höchsten Tönen und der Bmmmbaß beeiferte sich, die beiden zu übertftuben.

Dazwischen jauchzten die Burschm und knallten unablässig Pistolenschüsse; eS war ja keine echte Bauernhochzeit, wenn fie nicht von solchem Lärm begleitet wurde.

Da» Brautpaar eröffnete den Tanz; es war ein stattliches Paar, auf welchem die Blicke aller Anwesmdm voll Bewunderung und Neid ruhtm.

Seht, ich hab'- anfangs nit zugeben wollen," wandte der Hofbauer sich zu.dem Vater Mariens, besten hagere» Gesicht die Spuren eine» an Arbeit, Sorgen und Ent­behrungen reichen Leben» trug;aber nun freut» mich,' daß e» fo getommen ist; Eure Marie ist ein Prachtmädel."

Der Angeredete nickte, und auch über fein Gesicht glitt ein stolze» Lächeln.

Die Beiden werden glücklich werden," erwiderte er,fie habm einander ja so lieb."

Aber die Lieb' allein thut'S nit," warf der Hofbauer rin.Das Geld ist auch eine Hauptfach', die man nit verachten darf."

Ja freilich", seufzte der alte Mann. Wer fein Leben im Taglohn »erbringen muß, der hat selten eine frohe Siund'."

Da» habt Ihr nun ntt mehr nöthig." Ich dank' Ätch herzlich für"

tung vierteljährlich 22 V2 Sgr. Bei sämmt- lichen Postanstalten des Deutschen Reiches i ZM 35 Sgr. und bei Ueberbringung durch die loe Postboten 283/i Sgr.

-M, Die Bestellungen auf das nächste Quartal s namentlich bei der Post auf dem Lande llgffhei dm Landpostboten bittet alsbald zu ° machen

Die «stieb, der vderh. Zeitung.

Deibel Die Frische uub Heiterkeit unsere» feit »ege, Montag in EmS weilenden Kaiser» wirb L*?!1* allseitig gerühmt. Aus Varzin lauten die Rachrichten über da« Befinden de« Fürsten Bismarck nicht übereinstimmend; zu »eiteren Babecuren soll bet Fürst demnächst Kifsingcn besuchen. Zn der Erzdiöcese Posm-Gnesen hat außer dem Gesetze vom 20. Mai wegen Verwaltung erledigter Bisthümer bereits auch da» DeclarattonSgesetz vom 21. Mai wegen Sequestration des Vermögen« erledigter an- beno eiter geistlichen Stellen in mehreren ffarreim Anwmdung gefunben. Der ÄmdeSrach hat in wiederholtm Plenar­sitzungen wichttge Beschlüffe gefaßt, barunter wr Allem die Aufforderung an dm Reichs­kanzler zur Veranlaffung der Ausarbeitung rntt» Reichsgesetzes wegen Einführung bet

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Für Marburg und Umgegend in der Expe bitten abonnirt kostet die Oberhessische Zei-

Jnie Oberhessische Zeitnot hat bereits mit jP dem Beginn des gegenwärtigen Quartals ggj den in Aussicht gestandenen Wegfall des -eitungSstempelS hin, eine Format-Vergröße- stwg eintreten lassen, die sie zu einem der billigsten politischen Tagesblätter Wcht. Nachdem nun vom nächsten Quartal dB, diese Voraussetzung eingetreten ist, wird die Redactton der Oberhessischen Zeitung «,ch fernerhin bemüht fein, allen und jeden n«| Anforderungen an ihr Blatt, sowohl durch tl M Vielseitigkeit des Inhalts, wie durch die nscheste und wahrheitsgetreueste Mittheilung kr politischen Nachrichten zu entsprechen ;

tobt wie vor wird dem erzählenden Theil de» Blatte« besondere Sorgfalt zugewandt

lägt# Dsi« junge Ehepaar mußte der Sitte netp Snnäß den Tanz eröffnen, eS folgte dem ?ön* Elten Manne, der hinauSfchritt, um die 44# Diusikanten zu empfangen, und die Burfchm <nb Mädchen schloffen sich dem Zuge an.

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Der Hofbauer zuckte die Achseln, er be­griff nicht, daß man e« wagen konnte, ihm, da» reichsten Manne, da« zu sagm, und doch dazu an einem solchen Tage.

Ich fürcht' da« Unglück nit," antwortete er trotzig,mit Geld kann man Alle« gut